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Jetzt mit 4x4-Antrieb: der Porsche 911 Carrera 4S.
Jetzt mit 4x4-Antrieb: der Porsche 911 Carrera 4S.(Foto: Porsche)

Neue Allradversion des Porsche 911: Traktion hoch vier

Von Axel F. Busse

Der Winter naht und kein adäquates Sportgerät zur Hand? Natürlich lässt Porsche seine solventen Kunden nicht in Regen (oder Schneegestöber) stehen und bietet den saisongemäßen 911er an – als Coupé oder Cabrio mit Allradantrieb.

Motorkraft auf vier statt auf zwei Räder zu übertragen, hat bei Porsche durchaus Tradition. Seit 1989 zum Beispiel wird das Paradeauto der Zuffenhausener, der 911er, damit angeboten. Zur Untermauerung ihrer technischen Kompetenz auf diesem Gebiet greift die Firma in Präsentationen aber gern noch etwas weiter zurück. Der Lohner-Porsche von 1900 verfügte auch über vier angetriebene Räder – wenngleich dies aber Elektromotoren waren und der Veteran bei Bedarf dann als Pionier-Konstruktion der emissionsfreien Mobilität gepriesen wird.

Für zusätzliche 13.804 Euro ist ein Luxus-Kit erhältlich.
Für zusätzliche 13.804 Euro ist ein Luxus-Kit erhältlich.(Foto: Porsche)

Seit der erste Elfer mit 4x4-Antrieb vorgestellt wurde, haben sich rund 41 Prozent der Kunden dafür entschieden, obwohl das Auto deutlich kostspieliger und ein bisschen schwerer ist als die heckgetriebene Variante. Da aber Porsche-Kunden naturgemäß zu den Kosten-Verächtern unter den Pkw-Kunden zählen und der Allradantrieb erhebliche Traktionsvorteile bietet, kommt dieser hohe Anteil zustande. Wie robust das System ist, hatte Porsche vor der Markteinführung mit einem Doppelsieg bei der Rallye Paris-Dakar bewiesen.

Notfalls auch als Fronttriebler

Noch heute gilt das grundsätzliche Funktionsprinzip des legendären Porsche 959, wonach eine Lamellenkupplung einen Teil der Kraft nach vorn und eine weitere auf die Hinterachs-Quersperre leiten kann. Anstelle der vormals festen Leistungs-Quotierung mit 31 Prozent auf der Vorderachse, leitet die neueste Generation des Allradantriebs nur soviel Antriebsmoment des Heckmotors auf die vorderen Räder, wie gerade benötigt wird, um die Fahrstabilität und Spurtreue in der bewährten Weise zu sichern. Zumindest theoretisch können dies bis zu 100 Prozent sein, allerdings nur in Sonderfällen, die im Straßenverkehr nicht vorkommen: "Dazu müsste der Carrera 4", erklärt Baureihenchef August Achleitner, "mit der Vorderachse auf trockenem Asphalt und mit der Hinterachse auf blankem Eis stehen".

Ob in der alltäglichen Verkehrspraxis die messbaren Vorteile des 4x4-Antriebs gegenüber dem konventionellen 911er praktisch erfahrbar sind, muss man trotzdem bezweifeln. Da ein Carrera oder ein Carrera S ohnehin die meisten Sportwagen in Sachen Lenkpräzision, Handling oder Querbeschleunigung in den Schatten stellt, wird der Normalfahrer ohne Nässe und Glätte auf den Straßen nur ausnahmsweise in die Situation geraten, spürbare Unterschiede zwischen Carrera und Carrera 4 festzustellen. Das Auto reagiert gewohnt sensibel und feinfühlig, im Lenkrad ist jederzeit Rückmeldung von der Straße zu spüren, dabei ist das Auto leicht zu handhaben und vermittelt das robuste Sicherheitsgefühl, das es stets genau das tut, was der Fahrer von ihm erwartet.

Steht breiter auf der Straße

Die Bremsen, die natürlich gut dosierbar und gleichzeitig bissig sind, werden selten gebraucht, da man für die meisten Kurven nur einen festen Griff am Lenkrad und Vertrauen in das Fahrwerk braucht. Nasses Laub auf der Fahrbahn, Reif oder gefrierender Niederschlag sind die Faktoren, die den Allradantrieb zur Entfaltung seiner Vorteile motivieren. Das intelligente System weiß auch, was in Kurven zu tun ist: Da wird die Antriebskraft an den Vorderrädern reduziert, damit die Seitenführung der Lenkachse nicht negativ beeinflusst wird.

Das intelligente System versagt auch auf kurvigen Straßen nicht.
Das intelligente System versagt auch auf kurvigen Straßen nicht.(Foto: Porsche)

Um die Unterschiede – in der Preisliste immerhin 9520 Euro beim Carrera und 9877 Euro beim Carrera S - deutlicher herauszuarbeiten, bietet Porsche für den Carrera 4 visuelle Anreize bei Exterieur und Interieur an. Die um 42 Millimeter breitere Spur des Carrera 4 an der Hinterachse schlägt sich in 22 Millimeter breiteren Radhäusern nieder – auf jeder Seite. Das macht das Verhältnis von ausladendem Heck und der kleinen Wölbung der Kabine noch prägnanter. Schwarz abgesetzte Schwellerblenden an der Seite und geänderte Lufteinlässe an der Front signalisieren dem Porsche-Kenner ebenfalls, dass es sich hier um ein Allradmodell handelt. Bei Dunkelheit wird außerdem das Lichtband zwischen den Heckleuchten sichtbar – ein weiteres Indiz, das auf eine 4x4-Version hindeutet. Summa summarum kostet der Allrad-Elfer mindestens 97.557 Euro.

Optische Kunstgriffe

Wer drinnen sitzt, weiß gewöhnlich, in welchem Auto er unterwegs ist, aber auch dort gibt es einen optischen Kunstgriff, um die Wirkung der zusätzlichen Technik erlebbar zu machen. Im rechten Teil des Kombi-Instruments kann ein Display aufgerufen werden, das die Verteilung des Antriebsmoments zwischen Vorder- und Hinterachse mittels einer Balkengrafik sichtbar werden lässt. Da das aufpreispflichtige Sport-Chrono-Paket darüber hinaus auch die in Längs- und Querbeschleunigung wirkende Kräfte misst und anzeigt, ist selbst ohne Radio oder CD-Player für reichlich Unterhaltung gesorgt.

Neuerdings kann man den Wagen mit einer Weiterentwicklung des Abstandstempomats erhalten, der als aktives System Auffahrunfälle verhindern hilft. Ein Radar erfasst bis zu einem Abstand von 200 Metern Vorausfahrende und gibt bei Unterschreitung eines vorher definierten Mindestabstands akustische und optische Warnsignale. Ein selbstständiger Bremseingriff gehört ebenso zum programmierten Reaktions-Repertoire des Systems. Aufpreis: 2320,50 Euro.

Ebenso wie die beiden ausschließlich über die Hinterachse bewegten Elfer sind die Vierradgetriebenen mit 350 oder 400 PS bestellbar, wahlweise mit festem oder beweglichem Dach sowie je nach Wunsch mit manuellem Getriebe oder mit Doppelkupplungsgetriebe. Obwohl der Allradantrieb rund 50 Kilo mehr Gewicht ins Auto bringt (beim Vorgänger waren es 55), unterscheiden sich die Fahrleistungen nur geringfügig von denen der 4x2-Fahrzeuge. Alle sputen sich unter fünf Sekunden von Null auf hundert, nur die 300 km/h-Marke knacken sie nicht. Der Verbrauch auf dem Norm-Prüfstand wurde mit 8,6 bis 9,2 Liter Superplus auf 100 Kilometer ermittelt. Konsequenter Spaßverzicht lässt diese Werte auch in der Praxis erreichbar erscheinen, jedoch sollte, wer den Elfer wie einen Sportwagen bewegt, mit etwa zwölf Litern rechnen.

Wer noch mehr Power sucht, greift zum Leistungs-Kit, das der Hersteller zu weiteren 13.804 Euro für den Carrera S offeriert. Mit ihm werden noch einmal 30 PS draufgesattelt und eine Sportabgasanlage mit eigenständiger Optik montiert. Das Sport Chrono Paket, das zum Beispiel die mittig auf dem Armaturenbrett installierte Stoppuhr nebst variabler Motorlager enthält, ist dann inklusive. Wer die ganze Allrad-Herrlichkeit des 911ers unter freiem Himmel genießen will, zahlt für das Carrera-Cabrio mindestens 110.290 Euro, als S-Variante 125.046 Euro.

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Quelle: n-tv.de

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