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Schlichte und zeitlose Schönheit zeichnet den neuen Skoda Octavia neben einem einzigartigen Raumangebot aus.
Schlichte und zeitlose Schönheit zeichnet den neuen Skoda Octavia neben einem einzigartigen Raumangebot aus.

16.000 Euro für "den Besten": Ein Octavia für Kopf und Herz

Von Holger Preiss

Stolz präsentieren die Tschechen ihren neuen Octavia. Eben jenes Auto, das Skoda in Deutschland seit 1996 zum Importeur Nummer eins gemacht hat. Jetzt ist der Neue bereit, die Erfolgsgeschichte fortzuschreiben und eine erste Ausfahrt bestätigt: Es ist ein Auto für Kopf und Herz.

Am Heck strahlen jetzt nicht nur die Rücklichter, sondern auch der Herstellername.
Am Heck strahlen jetzt nicht nur die Rücklichter, sondern auch der Herstellername.

In puncto Modelloffensive zündet Skoda die nächste Stufe und bringt den neue Octavia ins Spiel. Klare Linien prägen das Design. Scharfe Kanten und Sicken sorgen für ein Spiel von Licht und Schatten auf den weiten Flächen. Front und Heckleuchten kommen je nach Ausstattung in zeitgenössischer LED-Optik daher und schärfen mit neuem Grill und Logo das Gesicht des Octavia. Am Heck prangt jetzt der Schriftzug der Marke ebenso wie der des Modells und in den Rückleuchten strahlt das typische C gleich doppelt. Mit all dem ist der neue Octavia kein Dynamiker, kein scharf gezeichneter Renner, aber zeitlos schön. Die kurzen Überhänge an der Front und der weite Radstand sorgen dafür, dass sich die Volumina nach hinten verschieben und dem Tschechen somit einen kraftvollen Auftritt verschaffen. Wobei die coupéhaft abfallende Dachlinie einen angenehmen Hauch von Sportlichkeit in die Seitenansicht bringt. In Gänze erfreut der Octavia in der dritten Generation das Auge wie gute Hausmannskost den Gaumen.

Wertigkeit und Platz ohne Ende

Mit 590 Liter Kofferraumvolumen ist der Octavia in seiner Klasse der Primus.
Mit 590 Liter Kofferraumvolumen ist der Octavia in seiner Klasse der Primus.

Aber nicht allein die Optik hat dank des Modularen Querbaukastens des Mutterkonzerns VW gewonnen. Auch in den Maßen ist der Tscheche wieder eine Klasse für sich. Der Octavia wuchs 90 Millimeter in die Länge und 45 Millimeter in die Breite und ist auch einen Tick höher als der Vorgänger. Das schafft für ein Fahrzeug der Kompaktklasse gigantische Platzverhältnisse. Wer den Fond besteigt, hat Kniefreiheit wie bisher nur im Schlachtschiff der Tschechen, dem Superb. Die Ellbogenfreiheit für Fahrer und Beifahrer ist ebenso gewachsen wie die Kopffreiheit. Selbst groß gewachsene Reisende können im dritten Octavia klaglos über lange Strecken transportiert werden. Wie schon im Vorgängermodell ist der Kofferraum eine Freude für alle, die zuladen möchten. Denn jetzt fasst das Gepäckabteil statt 585 satte 590 Liter. Klappt man die Rückbank um, wächst das Volumen auf 1580 Liter. Die Frage, was auf die Urlaubsreise mitzunehmen ist, muss hier nicht mehr gestellt werden. Wer den Octavia mit mechanisch verstellbaren Vordersitzen ordert, kann die Rückenlehne des Beifahrersitzes nach vorne klappen und so Raum für ein Surfbrett von 2,90 Meter Länge schaffen. Und das verschwindet dann tatsächlich komplett im Innenraum.

Wer lieber den Beifahrer an seiner Seite hat, der darf sich mit ihm gemeinsam an einem aufgeräumten und mit vielen kleinen Features aufgewerteten Innenraum erfreuen. Allein in den Seitentüren finden acht Flaschen problemlos Platz. Verdursten muss hier also niemand. Ein Multimediahalter im Cupholder macht die Frage "Wohin mit dem Smartphone?" überflüssig. Optional kann sogar ein Mülleimer geordert werden, den Skoda im Türablagefach verstaut. Ist der voll, lässt er sich mit einem Handgriff entfernen und entleeren. Die weich geschäumte Plastik der Armatur schafft eine angenehme Haptik, Zierelemente in den Türen und Chromspangen rund um die Luftauslässe sorgen für eine wohnliche Atmosphäre.

Die Bedienelemente im Octavia geben keine Rätsel auf.
Die Bedienelemente im Octavia geben keine Rätsel auf.

Lediglich am Auslauf der Mittelkonsole und an den Türen wurde Hartplastik verwendet, die aber durch spezielle Bearbeitung angenehm im Griff bleibt und keineswegs billig wirkt. Die Sitze geben sich straff und bieten dank leicht erhöhter Wangen einen guten Seitenhalt. Bei Tacho und Drehzahlmesser greift Skoda auf bewährte Rundinstrumente zurück und auch bei den Bedienelementen verzichten die Tschechen auf Experimente. Alles ist an seinem Platz und wer bereits ein Fahrzeug aus dem VW-Konzern kennt, wird sich ohne Probleme zurechtfinden. Selbst Quereinsteigern gibt die Bedienung im Octavia keine Rätsel auf. Ursache ist das Baukastenprinzip, das ganze Einheiten, die allerdings markentypisch modifiziert werden, in den unterschiedlichen Fahrzeugen der Konzernmutter verbauen lässt.

Sicherheit im Zeichen des Baukastens

Der Zugriff auf den Baukasten von VW hat noch andere Vorteile. Zum Beispiel den, dass der Octavia nunmehr mit Assistenzsystemen aufgerüstet werden kann, wie man sie bisher nur aus den oberen Fahrzeugklassen kannte. Dazu gehören bis zu neun Airbags und Multikollisionsbremse ebenso wie der Spurhalteassistent, Müdigkeitswarner, Fernlichtassistent, Verkehrszeichenerkennung oder der Assistent für den Insassenschutz, der in Extremsituationen die Gurte vorspannt und offene Fenster schließt. Optional ist auch der adaptive Cruise Assistent zu haben, der bis zu einer Geschwindigkeit von 160 km/h den Abstand zum Vorausfahrenden hält und selbstständig abbremst.

Ein kleiner Kritikpunkt sei hier aber angebracht: Die Kamera für den Abstandswarner ist in der Frontschürze verbaut. Das ist optisch ganz hübsch, hat aber den Nachteil, dass ein hoher Bordstein oder eine fremde Anhängerkupplung schnell zum Tod für dieses technische Kleinod führen können. Bei den Infotainmentsystemen kommt eine völlig neu entwickelte Generation von Radios und Radio-Navigationssystemen zum Einsatz. Wer die Premiumeinheit wählt, erhält ein riesiges Acht-Zoll-Display mit Touchscreen, Näherungssensorik und Wischfunktion.  Highend sind bis zu zehn Lautsprecher mit einer 570-Watt-Stereoanlage, die den sonst eher schlichten Tschechen in eine rollende Disco verwandeln.

Octavia ab 15.990 Euro

Welche Preise Skoda für die Helferlein aufruft, ist noch nicht bekannt. Lediglich der Einstiegspreis von 15.990 Euro steht für den 1,2 Liter TSI mit 87 PS fest. Das ist für dieses Auto eine echte Kampfansage an die Konkurrenz. Allerdings könnte der Preis es dem kleinen Bruder Rapid schwermachen. Die beiden trennen nämlich lediglich 2000 Euro. Allerdings bietet der Rapid dafür auch deutlich weniger, zum Beispiel in puncto Motorisierung. Für den Octavia stehen vier Benziner und vier Diesel zur Verfügung, deren Leistungsband von 86 bis vorerst 179 PS reicht. Vorerst, weil Skoda im Herbst einen RS ins Rennen schicken wird. Über die Parameter schweigen die Tschechen noch, verraten aber so viel, dass der Sportrüpel bei 250 km/h abgeregelt wird. Das lässt einiges ahnen, vieles hoffen und bietet passionierten Rennfahrern ganz neue Perspektiven.

Das ausgewogene Fahrwerk verspricht Sicherheit und Spaß.
Das ausgewogene Fahrwerk verspricht Sicherheit und Spaß.

Für Normalverbraucher steht mit dem 1,2-Liter TSI (17.690 Euro), der mit Hilfe der Turbobeatmung 105 PS leistet und bereits ab 1550/min 175 Newtonmeter auf die Achse wirft, ein Triebwerk zur Verfügung, das allen Alltagsanforderungen genügen dürfte. Wer das präzise schaltende Getriebe fleißig bewegt, wird flott von der Stelle bewegt und muss sich mit einer Endgeschwindigkeit von 196 km/h auch auf der Autobahn nicht schämen. Beachtlich ist die Laufruhe des Motors auch im hohen Drehzahlbereich. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings, aber der überrascht nicht wirklich. Der vom Hersteller angegebene Verbrauch von 4,9 Liter Normalbenzin im Drittelmix erscheint angesichts der knapp 7 Liter, die bei der ersten Ausfahrt verbrannt wurden, etwas unrealistisch. Besser könnte der Verbrauch sich in der Green-tec-Variante mit Start-Stopp und Rekuperation darstellen.

Spritziger, kraftvoller und mit dem gleichen Verbrauchswert gesegnet, treibt der 2,0 Lieter Diesel (24.290 Euro) mit 150 PS den Octavia über die Piste. Wer sich dann noch für das DSG mit sieben Gängen entscheidet, dürfte neben akzeptablen Verbrauchswerten Fahrspaß pur erleben. Zumal in der Ausstattungslinie Elegance ein Fahrmodi-Schalter, mit den Stufen Sport, Komfort, Eco und Individuell dem noch eins draufsetzt. Auch das sauber abgestimmte Fahrwerk kommt im großen Diesel - trotz der 122 Kilogramm mehr - deutlich besser zur Geltung. Der Wagen liegt satt auf der Straße und filtert Unebenheiten sauber weg. In schnell gefahrenen Kurven neigt sich der Octavia zwar spürbar, macht aber keine Anstalten, aus der durch die präzise arbeitende Lenkung vorgegebenen Richtung, auszubrechen.

Alles in allem darf man mit Blick auf den neuen Octavia getrost davon ausgehen, dass er die Erfolgsgeschichte seiner Ahnen fortschreibt. Seit 1996 ist der Tscheche am Start und verkaufte sich bis heute 3,7 Millionen Mal weltweit. Verkaufsstart für den Octavia III ist der 18. Februar. Der Kombi wird auf dem Genfer Salon im März präsentiert und findet Ende Mai den Weg zu den Händlern und mit Sicherheit neue Freunde. Davon geht man auch in Mláda Boleslav aus. Nach fünf Jahren Tüftelei sagt Entwicklungschef Martin Hrducka: "Er ist unsere Bester!" Und der erste Eindruck bestätigt das.

Quelle: n-tv.de

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