Auto
Dienstag, 08. Februar 2011

Stufenloses Fahrrad-Getriebe: Unmerklich geschaltet

Eine stufenlose Schaltung bringt auf dem Fahrrad ein vollkommen neues Fahrerlebnis - und die Technik könnte sogar bei Autos zum Einsatz kommen.

Die stufenlose Schaltung könnte bald auch in Automobilen verbaut werden.
Die stufenlose Schaltung könnte bald auch in Automobilen verbaut werden.

Das technische Prinzip ist zwar seit mehr als 450 Jahren bekannt und geht auf das Universalgenie Leonardo da Vinci zurück - doch wie bei so vielen Skizzen, die er hinterließ, dauerte es etwas länger bis zur Verwirklichung seiner Visionen. Erst jetzt gelang es den Technikern des kalifornischen Unternehmens Fallbrook Technologies, eine Idee des Italieners zu realisieren und eine stufenlose CVT-Getriebenabe für Fahrräder zu entwickeln, der sie als Referenz an den legendären Visionär den Namen "NuVinci" gaben. Die jüngste Version wurde jetzt außerdem für alle elektrounterstützten Fahrräder mit 250-Watt-Motoren freigegeben.

Wie von Leonardo da Vinci erstmals erdacht, nutzt die NuVinci-Schalttechnik das "Neige-Kugel-Prinzip", bei dem rotierende und neigbare Kugeln einen Kraftschluss zwischen Antriebs- und Mitnehmerscheibe herstellen. Indem sich die Kugeln neigen, variiert die Kontaktfläche zur jeweiligen Scheibe und damit auch die Unter- beziehungsweise Übersetzung der Antriebs- zur Mitnehmerscheibe. Partikel im Öl sorgen für die notwendige Reibung. Was kompliziert klingt, erweist sich in der Praxis als hochkomfortables und gleichzeitig wartungsfreies System, bei dem die verschiedenen Übersetzungen per Drehknopf eingelegt und dann fast unmerklich geschaltet werden. Dabei gibt es keine Zugkraftunterbrechung. "Studien haben gezeigt", erklärt NuVinci-Produktmanager Chris Vassilotis", dass viele Radfahrer bei einem konventionellen Schaltgetriebe dazu neigen, nicht dann zu schalten, wenn es eigentlich erforderlich wäre." Dem soll die NuVinci-Nabe abhelfen.

Immer in der optimalen Trittfrequenz

Während die bisher üblichen Getriebe nur eine bestimmte Zahl an Übersetzungen bieten können, verfügt das aktuelle NuVinci N360 CVP innerhalb seines 360-Prozent-Übersetzungsbereichs über unendlich viele Übersetzungen und gestattet es Radfahrern, unabhängig von Geländeformen oder individueller Kondition immer mit der optimalen Trittfrequenz zu fahren. Das Schalten ist dabei so einfach wie das Einstellen der Lautstärke bei einem Radio, und "sprengt", wie die Tester des Magazins "Trekkingbike" erstaunt feststellten, "jede bisherige Fahrerfahrung."

Diese Erfahrung können jetzt auch E-Fahrrad-Piloten erleben. Vassolitis: "Mit dem NuVinci N360 Antrieb ist das Schalten sogar unter hoher Trittbelastung und dem hohen Drehmoment eines elektrounterstützten Antriebs möglich." Und das ohne Lücken im Übersetzungsverhältnis, so dass verpasste Schaltvorgänge und auch Schaltgeräusche der Vergangenheit angehören. Die jüngste Version des Getriebes hat im Vergleich zu seinem Vorgänger deutlich abgespeckt und wiegt nur noch wenig mehr als vergleichbare konventionelle Nabenschaltungen. Inzwischen bieten fast alle namhaften Hersteller die stufenlose Schaltung in ihrer Rädern an. Zudem lässt sich die Nabe auch nachrüsten.

Derzeit arbeiten die Amerikaner an einer Automatikversion. Und die zunächst ausschließlich für Fahrräder entwickelte Technik könnte demnächst auch bei Automobilen für einen stufenlosen Vortrieb sorgen: Fallbrook Industries unterzeichnete jetzt eine Absichtserklärung mit dem amerikanischen Automobilzulieferer TRW, um gemeinsam die Möglichkeit zu untersuchen, die NuVinci-Technik in die automobile Antriebstechnologie zu integrieren und die Verbrauchswerte künftiger Modelle deutlich zu verringern. Noch im Laufe des Jahres werden die beiden Unternehmen Verhandlungen über konkrete gemeinsame Entwicklungsprojekte beginnen.

Quelle: n-tv.de

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