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Der Crafter 4Motion bringt Güter auch in entlegene Winkel - Straßen sind nicht notwendig.
Der Crafter 4Motion bringt Güter auch in entlegene Winkel - Straßen sind nicht notwendig.(Foto: Axel F. Busse)

Crafter verlässt eingefahrene Wege: VW bringt Offroad-Lieferanten

von Axel F. Busse

Muss ein Lieferwagen eine 80-Prozent-Steigung erklimmen können? Muss ein Pritschen-Transporter knöcheltiefe Schlammlöcher durchwühlen? Die Nutzfahrzeug-Abteilung von Volkswagen sagt "Ja". Aus einem biederen Kastenwagen wie dem Crafter macht sie einen Hardcore-Geländewagen.

Wie im Pkw-Bereich tragen auch die allradgetriebenen Nutzfahrzeuge den Modellzusatz "4Motion". Unter diesem Begriff sind verschiedene Allradsysteme zusammengefasst, die vom Kleintransporter Caddy bis zum Crafter reichen, der in die 3,5-Tonnen-Klasse gehört. Dazwischen rangiert der Amarok, den es neuerdings auch mit einem Automatik-Getriebe gibt.

Volkswagen-Nutzfahrzeuge (VWN) sieht eine große Bandbreite von Verwendungsmöglichkeiten für diese Vielzweck-Mobile. Sei es, dass Liefer- oder Postdienste in verschneiten Bergdörfern ihre Sendungen zustellen müssen oder sei es, dass technisches Equipment oder Expeditions- Ausrüstung dorthin geschafft werden muss, wo es statt asphaltierter Straßen allenfalls Feldwege gibt. Dazu muss man nicht unbedingt in Schwellen- oder Entwicklungsländer fahren. Selbst im verkehrstechnisch gut erschlossenen Mitteleuropa gibt es viele Einsatzbereiche: Windkraftanlagen werden naturgemäß mitten ins Feld gebaut und nicht an den Straßenrand. Auch bei Technischem Hilfswerk oder Rettungsdiensten könnten die Fahrzeuge Verwendung finden.

Deutlich vergrößerte Bodenfreiheit

Auch extreme Verschränkung bringt den Allrad-Crafter nicht aus der Spur.
Auch extreme Verschränkung bringt den Allrad-Crafter nicht aus der Spur.

Viele Autofahrer kennen den Crafter nur als Ärgernis auf der linken Spur von Autobahnen. Der mit dem Sprinter von Mercedes-Benz weitgehend baugleiche Lieferwagen ist nach der Offroad-Kur durch den österreichischen Allradspezialisten Achleitner zu einem Geländegänger reinsten Wassers mutiert. Eine deutlich vergrößerte Bodenfreiheit und grobstollige Reifen lassen ahnen, dass der vormals harmlose Lastenträger zum Tier geworden ist. Wo seine Grenzen tatsächlich liegen, war zumindest auf dem anspruchsvollen Offroad-Parcours in den andalusischen Bergen nicht heraus zu finden. Steigung, Verschränkung, Schräglage, teils auch mit vermindertem Bodenkontakt der Räder – der Crafter war nicht vom Wege ab zu bringen.

Für den Umbau in einen Gelände-Transporter stellt Achleitner knapp 20.000 Euro in Rechnung. Zuzüglich Mehrwertsteuer, sollte der Besteller sie zahlen müssen. Dafür bekommt der Kunde an den einzeln aufgehängten Vorder- und den an starrer Hinterachse montierten Rädern verstärkte Federn mit mehr Weg, härtere Stoßdämpfer und geänderte Stabilisatoren. Die Allradtechnik bringt zusätzlich 240 Kilo Gewicht ins Fahrzeug. Die Höherlegung von 130 Millimeter führt zu einer Bodenfreiheit von mehr als 300 Millimetern, an den Achsen sind es im Mittel 250 Millimeter. Das zum Umbau bestimmte Basisfahrzeug ist ab 32.618 Euro brutto zu haben.

VW hat auch die Geländetauglichkeit des Amarok erhöht.
VW hat auch die Geländetauglichkeit des Amarok erhöht.

Derart abgehärtet sind Gräben, Furchen, Kuhlen, Rampen und Kuppen meist kein Thema mehr. Von Haus aus bringt der Allrad-Crafter zwei Sperrdifferenziale mit, wird ein Drittes gewünscht, kann man es nachbestellen. Das Komplettpaket befähigt den Transporter, die Fuhre auch dann noch aus dem Dreck zu ziehen, wenn nur noch eines der vier Räder Traktion hat. Zur konsequenten Aufrüstung eines Flachland-Kastenwagens zum Hardcore-Offroader gehört auch, dass Kühl- und Schmierstoff-Kreisläufe sowie die dazugehörigen Pumpen angepasst werden, damit auch bei extremer Neigung des Fahrzeugs die gleichmäßige Versorgung der Aggregate gewährleistet ist.

Acht Gänge für den Amarok

Die dafür notwendige Kraft von 163 PS stellt der gleiche Zweiliter-Biturbo-Dieselmotor zur Verfügung, der auch im Amarok seinen Dienst verrichtet. Ab 1800 Umdrehungen kann der Fahrer über die vollen 400 Newtonmeter Drehmoment verfügen. Er tut dies von einer Lkw-ähnlichen Kanzel aus, deren Innenausbau sich nur durch das VW-Emblem von dem des Sprinters unterscheidet. Zusätzlich wurden an der Armaturentafel links neben dem Lenkrad die Bedienknöpfe für den Allradantrieb bzw. die Getriebe-Untersetzung und Differenziale angebracht.

Drucktasten sind es auch, die beim Amarok die Geländetauglichkeit erhöhen. Sie sitzen an der Mittelkonsole des weitgehend Pkw-verwandten Cockpits. Zwar ist das Allradsystem ein anderes konstruiert als im Crafter, über eine Untersetzung und Sperrdifferenziale verfügt der Pick-Up allerdings auch. Neu im Angebot ist die Achtgang-Automatik, die sich allmählich zum Star unter den modernen Kraftübertragungs-Einheiten entwickelt.

Inzwischen wird sie in unterschiedlichen Varianten von Audi, BMW, Jaguar, Land Rover und Lancia eingebaut. Im Falle des Amarok ist der erste Gang sehr kurz übersetzt, um das Anfahren in schwierigem Gelände zu erleichtern, die achte Übersetzungsstufe ist extrem lang ausgelegt, um auf der Überlandfahrt Sprit zu sparen. Über die Fähigkeit, bei kurzen Stopps den Betrieb des Motors einzustellen und ihn anschließend durch Lupfen der Bremse wieder zu aktivieren, verfügt das von ZF gelieferte Getriebe auch bei dem VW-Arbeitstier.

Zwei weitere Neuigkeiten gibt es vom Amarok zu berichten: In der Automatik-Version leistet der Vierzylinder-Diesel nun 180 PS und stemmt sich mit 420 Newtonmetern gegen jede Steigung. Er ist jetzt auch mit einer kurzen Kabine lieferbar, die die Ladefläche auf 2,20 Meter Länge streckt. Besonders stolz ist VWN darauf, vermelden zu können, dass beim Amarok als einzigem Pick-Up der Eintonnen-Klasse zwei Euro-Paletten hintereinander verzurrt werden können. Die Pritsche mit zweisitziger Kabine gibt es als Allradler und mit 163 PS ab 27.298 Euro. Mit Automatikgetriebe und Doppelkabine werden 34.153 Euro verlangt.

Quelle: n-tv.de

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