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Das neue Motorenwerk in Mexiko kann bis zu 330.000 Motoren im Jahr produzieren.
Das neue Motorenwerk in Mexiko kann bis zu 330.000 Motoren im Jahr produzieren.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honorarfrei)

Volkswagen eröffnet das 100. Werk: Mehr Antrieb für Amerika

Von Axel F. Busse

Sinn für gutes Timing beweisen die VW-Verantwortlichen nicht zum ersten Mal: Gerade hat die internationale Presse voller Respekt die enormen Absatzgewinne in Nordamerika kommentiert, da zündet der Wolfsburger Konzern die nächste Stufe seiner Wachstums-Strategie.

Andreas Klinge, Werksleiter VW-MotorenwerkSilao
Miguel Marquez, Gouverneur Bundesstaat Guanajuato
Staatspräsident Enrique Pena Nieto und VW-Chef Martin Winterkorn (v.l.n.r)
Andreas Klinge, Werksleiter VW-MotorenwerkSilao Miguel Marquez, Gouverneur Bundesstaat Guanajuato Staatspräsident Enrique Pena Nieto und VW-Chef Martin Winterkorn (v.l.n.r)

Nicht nur, dass es die 100. Produktionsstätte von Volkswagen ist, auch der Zeitpunkt ist voller Symbolik: Auf den Tag genau vor 49 Jahren wurde mit der Gründung von Volkswagen de Mexiko das erste Auslandsengagements des deutschen Autobauers besiegelt. Es war die Zeit des legendären Käfers, in Mexiko "Vochito" genannt, der im Werk Puebla noch bis 2003 gebaut wurde.

Jetzt geht es um Motoren, und zwar solche, die nach offizieller Planung auf dem Kontinent bleiben sollen. Die 1,8- und 2,0-Liter-Aggregate werden als Antriebe für die Beetle- und Jetta-Modelle der Fertigung in Puebla und der des US-Passat in Chattanooga gebraucht. Die Kapazität des Werkes ist auf maximal 330.000 Motoren jährlich ausgelegt. Am Standort Silao, rund 300 Kilometer nordwestlich von Mexiko-Stadt, werden damit 700 Arbeitplätze geschaffen. Wie Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn während der Eröffnungs-Zeremonie betonte, beträgt das Investitionsvolumen rund 550 Millionen US-Dollar.

Gegen alles gewappnet

700 Arbeitsplätze hat VW mit seinem Motorenwerk geschaffen.
700 Arbeitsplätze hat VW mit seinem Motorenwerk geschaffen.

Für diese Summe bekommt der Konzern eine größere Nähe zu den Märkten, wo die Motoren gebraucht werden. Zwar sind es nach Chattanooga auf dem Landweg rund 2800 Kilometer, doch immer noch deutlich weniger, als die Aggregate wie bisher aus Europa heran zu schaffen. Ferner, so Winterkorn, gewinne das Unternehmen eine größere Unabhängigkeit von Wechselkurs-Schwankungen und wappne sich gegen Risiken von Importbeschränkungen. Zwischen den USA und Mexiko besteht ein Freihandelsabkommen.

Rund 60 Hektar umfasst das neue VW-Areal im Industriepark nahe Silao, wo nicht nur der Reifenhersteller Pirelli, sondern auch die Politechnische Universität der Provinz Guanajuato ansässig ist. Zur etwaigen Gewinnung weiterer Fachkräfte wird dies für VW gewiss nicht von Nachteil sein. Zehn Prozent der Fläche wird gegenwärtig für die Motorenproduktion in Anspruch genommen. Darüber, ob und wie die Erweiterungsoption genutzt wird, schweigt sich die Konzernspitze noch aus.

VW und Mexiko sind Freunde

Über mangelnde Unterstützung durch die lokalen Autoritäten kann sich Volkswagen nicht beklagen. Das Grundstück wurde den Wolfsburgern kostenfrei überlassen, der Ausbau der Infrastruktur, zum Beispiel der Gleisanbindung, ist zugesagt. Fast direkt an das Werksgelände grenzt der internationale Flughafen der Region Guanajuato. Kein geringerer als der im vergangenen Jahr frisch gewählte Staatspräsident Enrique Peña Nieto adelte die Eröffnungszeremonie durch seine Teilnahme. Das Engagement von Volkswagen, so das Staatsoberhaupt in seiner Ansprache, habe "eine große Bedeutung für uns Mexikaner".

So sehen das offenkundig auch die Mitarbeiter, die während der offiziellen Begrüßung die Namensnennung von Werksleiter Andreas Klinge mit spontanem Applaus quittierten. Für sie und ihre Familien bedeutet die Inbetriebnahme des Werks Zukunft und soziale Absicherung. Dafür verarbeiten sie im Drei-Schicht-Betrieb Motorblöcke, Kurbelwellen, Pleuel und Zylinderköpfe von überwiegend einheimischen Zulieferern. An 280 Tagen im Jahr.

Quelle: n-tv.de

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