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"That's the Power of German Engineering": Unter diesem Slogan präsentiert sich Volkswagen auf der Motorshow in Detroit.
"That's the Power of German Engineering": Unter diesem Slogan präsentiert sich Volkswagen auf der Motorshow in Detroit.(Foto: picture alliance / dpa)

Mit 35 Prozent Plus nach Detroit: VW hat US-Millionen fest im Blick

Von Axel F. Busse

Am Vorabend der wichtigen Automesse in Detroit lässt sich Volkswagen in seine Bücher gucken. Ergebnis: Zum Erreichen des ehrgeizigen Zieles, 2018 größter Autobauern der Welt zu sein, hilft der amerikanische Markt bisher kräftig mit.

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Mit satten 35 Prozent wird das Wachstum des Absatzes beziffert, das VW im Zeitraum von 2011 bis zum Ende vergangenen Jahres einfuhr. Rund 438.000 Autos bedeuten gegenüber der Verkaufszahl von 2009 mehr als eine Verdoppelung. Um die steigende Nachfrage zu bedienen, hat Volkswagen bekanntlich vergangenes Jahr eine neue Produktionsstätte im US-Bundesstaat Tennessee in Betrieb genommen, wo der mit dem europäischen Modell nur wenig verwandte US-Passat gebaut wird.

Dass Audi nunmehr das dritte Rekordjahr in Folge verzeichnet und ebenfalls schon mehr als 120.000 Autos in die US-Bilanz mit einbringt, scheint das Ziel von einer Million Fahrzeugen pro Jahr in den Bereich des Realistischen zu rücken. Audis Entwicklung ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass die Vier-Ringe-Marke in den 80er Jahren die allergrößten Image-Probleme in den Vereinigten Staaten hatte. Unkontrollierbare Beschleunigungsmanöver des Modells Audi 5000 hatten zu Unfällen mit Todesfolge und einer Prozesslawine geführt, von dem sich der Verkauf der Fahrzeuge lange nicht erholte. Heute sind die Ingolstädter nach BMW die zweitbeliebteste Importmarke im Premium-Bereich.

Audi übt in den USA "Kundenbegeisterung"

In den Wortschatz der Audi-Händler in Übersee hat ein deutsches Wort Einzug gehalten: "Kundenbegeisterung", und das amerikanische Zungen es nur mit Mühe aussprechen können, wird es in Management-Meetings und Vertriebsseminaren "Kb" abgekürzt. Hauptsächlich mit den Modellen A4 und Q5, aber auch mit dem Supersportwagen R8, sei es gelungen, rund 10 Prozent des auf 1,4 Millionen Fahrzeuge jährlich taxierten Premium-Marktes der US zu gewinnen. Konzernchef Martin Winterkorn, sonst eher zurückhaltend mit Ergebnisprognosen kurz nach Neujahr, geht davon aus, dass die Markengruppe, zu der auch Porsche 2012 erneut ein Rekordergebinis beisteuern konnte, "in diesem Jahr deutlich mehr als 600.000 Autos an Kunden ausliefern" werde.

Audi will in den USA die Kunden begeistern und hat dafür einiges investiert.
Audi will in den USA die Kunden begeistern und hat dafür einiges investiert.(Foto: picture alliance / dpa)

Weltweit hat der Konzern erstmals mehr als neun Millionen Fahrzeuge an Mann und Frau gebracht, worin die Produkte der Konzernmarken MAN, Scania und Ducati noch gar nicht enthalten sind. Während der Vorstandschef mit seinen Erwartungen für Europa eher zurückhaltend ist, werden Amerika, China, Indien weiterhin als Wachstumsmärkte angesehen. Wer angesichts der Rekordergebnisse Nordamerika als Gelddruckmaschine für die Wolfsburger ansieht, sollte aber nicht verkennen, dass der Konzern auch immense Kosten erst wieder einspielen muss. "Wir haben seit 2008 mehr als vier Milliarden Dollar hier investiert", erinnerte Winterkorn. Das neue Werk in Chattanooga produziert zwar mit hohem Ausstoß, doch der Absatz muss erst nach und nach die Kosten für dieses Investment wieder hereinfahren, ehe es ans Verdienen geht.

Der gesamte Pkw-Bereich, zu dem in Amerika auch die "Light Trucks", zumeist Lieferwagen mit offener Ladefläche ("Pick Ups") gezählt werden, umfasst in guten Jahren 13 bis 14 Millionen Fahrzeuge. Mit einem Marktanteil von knapp 15 Prozent marschiert derzeit die Ford Motor Compaq voran, gefolgt von Cabriolet und Toyota. Volkswagen liegt mit zuletzt drei Prozent an neunter Stelle. Das scheint für den größten Hersteller Europas und unumschränkten Marktführer in Deutschland eher bescheiden, doch in Wolfsburg herrscht Optimismus, was die Entwicklung in USA angeht. Die beliebtesten Modelle Jetta Tiguan und Passat zeigen solide Zuwachsraten, das Händlernetz wird weiter ausgebaut und die Präsenz vor Ort mit eindrucksvollen Auftritten untermauert. So eröffnete unlängst in Manhattan ein so genannter Flagship Store seine Pforten – pikanter Weise auf dem Gelände einer ehemaligen General Motors Niederlassung.

Keiner wartet auf sein Auto

Dort, an der elften Avenue, zwischen der 55. und 56. Straße in Manhattan entstand ein Verkaufstempel von 90.000 Quadratmetern nutzbarer Fläche. Sie teilen sich Volkswagen und Audi etwa zur Hälfte, 52 Service- und 285 Parkplätze für Neuwagen stehen zur Verfügung. Diese große Auswahl an Neuwagen ist in den USA dringende Notwendigkeit für Händler aller Marken, da das Einkaufsverhalten der Kunden komplett anders ist als in Deutschland. Dass es ein Käufer, wie hierzulande nicht selten, vielleicht mürrisch, aber geduldig hinnimmt, sechs, acht oder gar zwölf Monate auf sein Traumauto zu warten, ist in den USA undenkbar. Dort wird impulsiv und in den meisten Fällen am gleichen Tag gekauft. Ist die gewünschte Farb- oder Ausstattungsvariante nicht vorrätig, wird woanders unterschrieben. Die Händler halten deshalb riesige Bestände vor, konnten aber dank der guten Verkäufe ihre Umsatzrendite im vergangenen Jahr auf 2.3 Prozent verbessern.

Zwar machen Limousinen im Durchschnitt aller Hersteller immer noch den größten Anteil aus (38 Prozent), aber die SUV sind mit fast 30 Prozent dicht auf den Fersen. Diese Zahl zeigt auch, dass der Markt in Deutschland noch weit von einer Amerikanisierung entfernt ist: Hierzulande sind die Geländewagen mit 15 Prozent das drittgrößte Segment hinter Kompakt- und Kleinwagen. Weil SUV in Amerika so beliebt sind, will auch Volkswagen ein größeres Stück von dem Kuchen abbekommen. Auf der Detroiter Messe wird ein Gelände-Kombi im Format eines Audi Q7 präsentiert, der als Konzept-Auto "Cross Blue" vorgestellt wird. Er ist als Benzin-, Diesel- und Plug-In-Hybrid denkbar, und wenn die Reaktionen des Publikums dies zwingend nahelegen, wird er auch als Serienmodell kommen. Die VW-Verantwortlichen sehen sich jedenfalls auf einem guten Weg, denn als wichtigste Kaufgründe gelten auch den US-Amerikanern keine anderen Prämissen als den deutschen Kunden. An erster Stelle steht das Preis-Leistungs-Verhältnis, an zweiter der Verbrauch. In beiden Disziplinen sehen sich die Wolfsburger gut aufgestellt.

Quelle: n-tv.de

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