Der siebte Golf lässt sich feiern: VW schafft eine neue Ikone
Volkswagen inszeniert die Vorstellung des Golf 7 in der Neuen Nationalgalerie wie ein Popkonzert. Höchstens das iPhone bekommt ansonsten so einen Empfang. Der VW-Konzern zeigt damit, wie wichtig im das Modell ist – obwohl sich äußerlich gar nicht viel verändert hat. Der Grund für die Euphorie sind die inneren Werte des Autos.
Der Auftritt des Neuen hätte kaum opulenter ausfallen können.Wo normalerweise Kunstausstellungen von Weltruf gezeigt werden, lässt Volkswagenein neues Auto ins Rampenlicht rollen: Zur internationalen Premiere des ließes sich Europas größter Autobauer nicht nehmen, gleich die komplette Neue Nationalgaleriein Berlin zu mieten. In Sichtweite des Potsdamer Platzes lassen die Wolfsburgereine Golf-Show vom Stapel, die manchem Popkonzert in nichts nachsteht.
Konzernchef Martin Winterkorn hielt sich mit feierlichen Aussagennicht zurück: "Die gesamte Automobilwelt schaut heute Abend hier nach Berlin."Nur draußen vor dem Museum wollten sich einige Dutzend Greenpeace-Aktivisten ganzund gar nicht in Feierlaune versetzen lassen: Sie protestierten mit Transparentengegen die aus ihrer Sicht zu schlechten Verbrauchswerte des Erfolgsmodells.
Doch der mächtige VW-Konzern will sich die "Ikone"seiner Kernmarke (Technikchef Ulrich Hackenberg) nicht madig reden lassen. der längereund breitere, aber auch flachere, leichtere und sparsamere Golf soll mit seinenumweltfreundlichsten Antrieben fast ein Viertel weniger Sprit verbrauchen. Inder günstigsten Variante kommt der Wagen mit Benzinmotor nach Konzernangabenauf 4,8, als Diesel-Version auf 3,3 Liter. Nach Meinung der Führungsriege setzter damit vor allem in den Diesel-Versionen Maßstäbe bei Wirtschaftlichkeit und Emissionen. Das passt gut in die Zeit steigender Spritpreise– und ins Verkaufskalkül der Vertriebsstrategen, die von den bisherigen sechs Golf-Serienseit 1974 mehr als 29 Millionen Modelle absetzten.
GefühlsgeladeneVideoshow
Gleichsam als Reminiszenz an die Geschichte der Serien eins bissechs zeigte der Konzern in der Galerie mit großem Pomp eine Licht- und Videoschau:Die rund 700 Gäste wurden auf eine Zeitreise durch fast vier Jahrzehnte Auto- undSozialgeschichte genommen. Zu bassigen Elektro-Beats wurden Bilder gezeigt, diezum jeweiligen Jahresblock passen. Dazu fuhren alte Modelle durch Nebelschwadenund Blitzlichtgewitter in die Halle. Und auf den Großbildleinwänden wurde klar:Auch Michael Jackson, Nelson Mandela und Harry Potter waren Zeugen des Golf.
Dies alles mag manch einem allzu gefühlsgeladen vorkommen. VW-PatriarchFerdinand Piëch und seine Ehefrau und Co-Aufsichtsrätin Ursula jedenfalls verfolgtendas Autotheater ebenso gebannt wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit(SPD), für den die Show eine willkommene Abwechslung im Dauerstreit um den neuenHauptstadt-Airport sein dürfte. Als die Dramaturgie – beobachtet von zahlreichenSicherheitskräften – auf ihren Höhepunkt zusteuerte, rollte nach fast einer Stundeschließlich der neue Golf 7 ins Haus, mit Winterkorn höchstpersönlich hinterm Lenkrad:"Ich gebe zu: Auf diesen Moment habe ich mich seit Monaten gefreut." DieSpannung ist für Volkswagen auch deswegen so groß, weil der Golf 7 als einesder ersten VW-Modelle mit der gebaut wird.
Natürlich wird eseinen Golf 10 geben
Der oberste Chef will das Modell, das nach VW-Angaben im Flottendurchschnitt14 Prozent weniger verbraucht, als "Speerspitze" verstanden wissen. Fürihn ist der Golf 7 mitnichten das Ende einer langen Serie. Er soll nach dem Modelldes Käfers zum Evergreen reifen. Wird es eines Tages auch einen Golf 10 geben? "EinErfolgsmodell wird nie erschöpft sein. Wir wären verrückt, wenn wir nicht weitermachenwürden", sagte er.
Auch Hackenberg räumt ein, dass die Rivalen etwa aus Fernostinzwischen aufgeholt haben. Der Entwicklungsvorstand ist sich allerdings trotz derKritik von Umweltschützern und der weiter schwelende europäischen Absatzkrise sicher:"Der Golf 7 wird die Konkurrenz weiter auf Distanz halten."
Quelle: n-tv.de


