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VW probt in Detroit die Charme-Offensive mit einer Wiederauflage des Hippie-Busses.
VW probt in Detroit die Charme-Offensive mit einer Wiederauflage des Hippie-Busses.(Foto: Holger Preiss)
Dienstag, 10. Januar 2017

Diesel-Schock scheint überwunden: VW zeigt sich in Detroit selbstbewusst

Der Thron des größten Autobauers der Welt ist erklommen, nun will VW in den USA endlich durchstarten und präsentiert auf der NAIAS gleich zwei neue Fahrzeuge. Eines davon zielt auf die Vernunft, das andere will Freunde der Flower-Power-Zeit elektrisieren.

Optisch unterscheidet sich der Tiguan Allspace nicht von seinem kleineren Bruder.
Optisch unterscheidet sich der Tiguan Allspace nicht von seinem kleineren Bruder.(Foto: Holger Preiss)

Wer hätte es gedacht: Der Diesel-Schock scheint für VW auch in den USA überwunden zu sein. Kurz vor Beginn der ersten Automesse des Jahres verkündet VW-Chef Herbert Diess ermutigende Zahlen aus dem Dezember. Auch ohne Autos mit Dieselmotor konnten die Wolfsburger auf dem US-amerikanischen Markt um 20 Prozent zulegen. Alles vergessen und vergeben? Diess warnt: "Unsere größte Aufgabe wird es auch in diesem Jahr sein, das Vertrauen unserer Kunden zurück zu gewinnen." Und das will VW vor allem mit neuen Modellen.

Ein Grund für das zur Schau getragene Selbstbewusstsein ist auch, dass sich Volkswagen wohl noch in dieser Woche mit der US-Justiz auf ein Ende des Streits um viele Milliarden an Strafzahlungen einigen wird. "Das wird zwar teuer", sagt ein VW-Manager hinter vorgehaltener Hand, ohne exakte Zahlen zu nennen. Er fügt aber schnell hinzu: "Das gibt uns aber wieder Sicherheit für die Planungen und beseitigt die Unsicherheit, was da noch alles auf uns zukommen könnte".

Der Tiguan Allspace

Der I.D. Buzz soll 2020 auf den Markt kommen.
Der I.D. Buzz soll 2020 auf den Markt kommen.(Foto: Holger Preiss)

Auf die Kunden kommen vor allem neue Modelle zu: Eines konnte schon im 112 Jahre alten Garden Theater im Herzen von Detroit bewundert werden. Der VW Tiguan, in Deutschland bereits ein Bestseller, wagt den Sprung über den Atlantik, allerdings gleich um 21,5 Zentimeter verlängert. Das schafft Raum für 115 Liter mehr Volumen im Ladeabteil, macht dank des ebenfalls gewachsenen Radstands die Plätze in der zweiten Reihe zu Komfort-Oasen und ermöglicht es, den bislang eher engen Tiguan nach dem Einbau zweier weiterer Sitze zum siebensitzigen Familientransporteur zu machen.

"Unser Raumriese" sagt Herbert Diess, "maßgeschneidert für die USA. Er erfüllt die Bedürfnisse nach Platz und Komfort wie sonst nur große SUV". Wieder Vorteil USA? Diess beruhigt, kündigt den deutschen Verkaufsstart des verlängerten Tiguan für diesen Sommer an. Mit dem Zusatz Allspace versehen, wird er je nach Version ab 30.000 Euro kosten. VW rechnet damit, dass sich etwa jeder fünfte Tiguan-Käufer in Deutschland für den "Langen" entscheiden wird.

Noch ein Ass im Ärmel

Das Lenkrad zieht sich in die Armatur zurück, wenn der I.D. Buzz autonom fährt.
Das Lenkrad zieht sich in die Armatur zurück, wenn der I.D. Buzz autonom fährt.(Foto: Holger Preiss)

In Detroit kündigte Herbert Diess zudem an, dass VW in jedem Jahr zwei neue Modelle auf den US-Markt bringen wird. Zwei Limousinen (u.a. ein Nachfolger für den etwas ergrauten Passat) und zwei weitere SUV in verschiedenen Klassen. "2020 sind wir dann in vier der fünf gefragtesten Fahrzeugkategorien vertreten". Ohne den bevorstehenden Amtsantritt des neuen Präsidenten zu erwähnen, verweist Diess auf das VW-Engagement in den USA.

"In der Region bauen wir bereits gut eine Million Autos pro Jahr, 2500 Ingenieure entwickeln Autos für den amerikanischen Geschmack. Wir bekennen uns zu diesem Land". Ob er damit vor den gefürchteten Trump-Tweets verschont bleibt, die Herstellern mit Strafzöllen für nicht in den USA gebaute Autos drohen? Der lange Tiguan wird in Mexiko gefertigt. Donald Trump hatte bereits General Motors und Toyota mit solchen Internet-Kurznachrichten geschockt.

Der VW-Chef hat aber noch ein Ass im Ärmel und überrascht mit der mutigen Aussage: "Ab 2020 werden wir Amerika elektrifizieren". Er nennt den US-Start des Golf E und blickt dann in die Zukunft. Ab 2020 wird der ID, ein kompaktes Elektromobil, das erste Mitglied der neuen Familie von reinen Stromern sein. In Detroit präsentiert sich bereits dessen nächster Verwandter: Der I.D. Buzz ist ein Kleinbus mit bis zu acht Sitzen, hat 600 Kilometer Reichweite und soll an den Erfolg des legendären Bully anknüpfen, der zur Ikone der Flower-Power-Generation wurde. Ab 2025 soll der neue "Buzz" auch automatisch unterwegs sein. Die Technik für das selbstfahrende Auto ist bereits in den "Normalmodellen" vorgeplant und muss nur noch aktiviert werden.

Quelle: n-tv.de

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