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Der Peugeot EX1 ist eine reine Designstudie.
Der Peugeot EX1 ist eine reine Designstudie.

Bologna Auto Show: Viel Show, wenig Substanz

Die großen Zeiten italienischer Automessen sind lange vorbei. Auch die Ausstellung in Bologna hat in diesem Jahr einmal mehr nicht viel zu bieten. Nur in einer Hinsicht glänzen die Stände noch wie früher.

Einst gab sich die Branche auf den italienischen Automessen ein Stelldichein - hier waren die großen Karossiers Bertone, Pininfarina und Giugiaro zuhause, neben einer ganzen Reihe kleiner Designunternehmen. Der italienischen Autoindustrie ging es prächtig, abgeschirmt durch Zölle und getragen von der Emotion eines autobegeisterten Volkes.

Auch das Reserverad kann es nicht verbergen: Der chinesische Bubble ist eine dreiste Smart-Kopie.
Auch das Reserverad kann es nicht verbergen: Der chinesische Bubble ist eine dreiste Smart-Kopie.

Heute ist der Auftritt sehr viel bescheidener. Auf der aktuellen Messe in Bologna dominiert Fiat weiterhin - aber es wird deutlich, dass der einstige Platzhirsch inzwischen kleinere Brötchen backen muss. Eine schlauchförmige Halle beherbergt alle Marken des Fiat-Konzerns, wobei Alfa Romeo und Lancia auf finsteren Ständen hausen, Ferrari und Maserati jedoch immerhin einen angemessen großen Auftritt vorlegen. Bei Lancia wird ohne weitere Erklärungen das Chrysler-Modellprogramm präsentiert - die kommenden Modellgenerationen von Chrysler werden unter dem Lancia-Logo verkauft. Die Kundschaft wird jetzt schon einmal auf den Wechsel zu den fremden Plattformen eingestimmt.

Lamborghini findet nicht statt

Während Audi mit einem eindrucksvollen Auftritt im Eingangsbereich glänzt, findet Lamborghini überhaupt nicht statt. Dabei residiert die Audi-Tochter in Sant' Agata Bolognese gleich um die Ecke. Dafür treten die Chinesen im nasskalten Bologna mit einer ganzen Reihe von Modellen auf. Am auffälligsten ist der kompakte Bubble, eine offensichtliche Kopie des Smart, den Daimler einst erfolgreich von deutschen Markt ferngehalten hat. Great Wall tritt mit einer Kopie des Toyota Yaris auf, die allerdings mit einer aggressiven Kühlermaske Eigenständigkeit zeigt. Auch die DR-Modelle kommen aus Fernost. Offenbar ist Italien ein besonders dankbares Pflaster für China-Importe - das Thema Sicherheit und der teils offensichtliche Plagiarismus scheinen niemanden zu stören.

Vor allem die italienischen Hersteller werben mit den schönen Kindern des Landes.
Vor allem die italienischen Hersteller werben mit den schönen Kindern des Landes.

Bei Opel stehen erstmals die überarbeiteten Corsa- und Antara-Modelle, die sich von den Vor-Facelift-Typen nicht nur kosmetisch abheben. Land Rover zeigt die fünftürige Version des Range Rover Evoque als Serienversion - bislang war nur der konsequenter wirkende Dreitürer gezeigt worden. Fehlanzeige bei den Concept Cars: Bologna hat hier - in krassem Gegensatz zu früheren italienischen Messen - so gut wie nichts zu bieten. Rühmliche Ausnahme ist der Elektro-Renner Peugeot EX1, der zwar im Umfeld des Pariser Salon einem kleineren Kreis von Journalisten vorgeführt, auf der Messe selbst jedoch nicht ausgestellt wurde.

Hostessen als Hauptattraktion

Dafür haben sich die Hersteller besondere Mühe bei der Bestückung der Stände mit attraktiven Hostessen gegeben. Die in Autodingen nur begrenzt kompetenten Damen dürfen getrost als Hauptattraktion der Messe in Bologna gelten. Auch im Außenbereich ist für Unterhaltung gesorgt: Mehrere Slalom- und Rundkurse zollen der Renn- und Rallyebegeisterung der Italiener Tribut.

Der fünftürige Evoque ist eine der wenigen Neuheiten der Messe.
Der fünftürige Evoque ist eine der wenigen Neuheiten der Messe.

Dazu passt, dass das italienische Militär ebenfalls einen Auftritt hat - mit in Camouflage gewandeten Hostessen. Und die Carabinieri am Haupteingang scheinen sich geradezu auf eine Straßenschlacht vorzubereiten: Als wir die Parade passierten, wurden gerade die Fahrzeugfenster vergittert.

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Quelle: n-tv.de

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