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Auch der XC 70 wird sich in Zukunft die Plattform mit anderen Modellen teilen.
Auch der XC 70 wird sich in Zukunft die Plattform mit anderen Modellen teilen.

Volkswagen hat es vorgemacht: Volvo aus dem Baukasten

Um den Marktgegebenheiten Herr zu werden setzt Volvo in Zukunft auf modulierbare Plattformen. Ähnlich wie bei VW sollen neue Impulse so schneller in die Modellpalette einfließen. Aber auch bei den Motoren wollen sich die Schweden in Zukunft bescheiden.

Vor der Vereinheitlichung der Plattform wird Volvo aber auch den XC70 einem Facelift unterziehen.
Vor der Vereinheitlichung der Plattform wird Volvo aber auch den XC70 einem Facelift unterziehen.

Was Volkswagen kann, das sollte auch bei Volvo funktionieren: Für ihre mittelgroßen und großen Baureihen, die derzeit unter den Ziffern 60, 70 und 80 firmieren, wollen die Schweden künftig mit einer modularen Plattform, einem Basismotor und drei Getrieben auskommen. Die von den Schweden als "Skalierbare Produkt Architektur" (SPA) bezeichnete Bauweise ist mit den modularen Baukästen von Volkswagen vergleichbar. Einfach gesagt können so auf einer flexiblen Plattform Fahrzeuge mit unterschiedlichem Radstand, Länge und Breite produziert werden.

Erstes Fahrzeug auf der SPA-Plattform wird der Volvo XC 90 sein, der Ende 2014 auf den Markt kommt. Anschließend sollen weitere Fahrzeuge folgen, darunter auch eine neue Generation des extrem beliebten V70 und des S80, die in Zukunft wahrscheinlich unter einer Nomenklatura zusammengefasst werden (evtl. V90, S90). Auch ein Coupé soll in Planung sein. Ein von Volvo gewährter kurzer Blick auf den Schattenriss des künftigen Fahrzeugs zeigt ein großzügiges Coupé mit hinreißender Formgebung.

Künftig nur noch einen Vierzylinder

Auch wenn Volvo seine ambitionierten Ziele erreicht und sein weltweites Volumen bis 2020 auf  800.000 Fahrzeuge fast verdoppelt (2012: 422.000 Einheiten), bleibt die Marke im weltweiten Maßstab und auch im Vergleich zu anderen Edelmarken wie BMW oder Mercedes relativ klein. Damit können die Schweden auch nicht im gleichen Umfang über günstigen Einkauf Skaleneffekte verwirklichen, wie die deutschen Konkurrenten oder der hier nochmals viel deutlicher bevorteilte VW-Konzern.

Volvo muss daher vor allem auf intelligente Lösungen setzen. So plant das Unternehmen, künftig nur noch einen Vierzylinder-Motor als Basis zu produzieren, einmal als Diesel und einmal als Benziner. Da alle Aggregate über den gleichen Hubraum (2,0 Liter) verfügen, können so in der Produktion beispielsweise die gleichen Werkzeuge verwendet werden.

Große Leistungsbandbreite

Der S80 könnte nach den Änderungen zum S90 werden.
Der S80 könnte nach den Änderungen zum S90 werden.

Bei der Leistung hingegen setzt Volvo auf eine große Bandbreite, Benziner könnten zwischen 140 und 280 PS leisten, Diesel zwischen 120 und 230 PS. Aber auch das wäre noch nicht das Ende der Fahnenstange. In Verbindung mit Elektromotoren, die bis zu 110 Pferde mobilisieren, könnten zum Beispiel bei Plug-in-Hybriden Gesamtleistungen von bis zu 400 PS und Drehmomente von bis zu 600 Newtonmeter erreicht werden. Alle Verbrennungsmotoren werden turbounterstützt.

Auch bei den Getrieben will Volvo durch Vereinfachung Kosten sparen. Künftig wird es nur noch je eine Sechsgang-Handschaltung für Benzin- und Dieselmotoren geben, dazu kommt noch eine Achtgang-Automatik. Während Volvo Motoren mit mehr Zylindern für die Zukunft ausschließt, könnte es für die Kompaktbaureihe auf gleicher Basis Dreizylinder geben, die allerdings Teil eines Mild-Hybrid-Systems (der Elektromotor ist nicht in der Lage das Fahrzeug allein zu bewegen) wären, das die für eine Premiummarke wichtige Potenz sicherstellen würde.

Die neuen Vierzylindermotoren kämen auch für die kompakte V40-Baureihe in Frage. Für die in etwa sechs Jahren zu erwartende Nachfolgegeneration des erst im letzten Jahr vorgestellten V40 hatten sich die Schweden zunächst nach einem Partner umgesehen, mit dem man sich die Plattform teilen könnte. Auch der aktuelle V40 steht auf einer überarbeiteten Plattform des Ford Focus.

Qualität und neue Linien

Da die Ehe mit Ford allerdings mittlerweile geschieden ist, wollte man auch keine punktuelle Zusammenarbeit mehr. Und da man in Sachen Kompaktplattform auch mit anderen Partnern offensichtlich nicht weitergekommen ist, entschied sich Volvo für eine interne Lösung. Gemeinsam mit dem Geely-Konzern, zu dem die Marke Volvo seit 2010 gehört, will man in Göteborg eigens ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum bauen, in dem 200 Ingenieure die neue Kompaktplattform entwickeln werden. Hier wird es für den schwedischen Hersteller relativ hochpreisiger Fahrzeuge entscheidend sein, die eigenen Qualitätsansprüche durchzusetzen und gegenüber dem Mutterhaus keine Kompromisse einzugehen, die das insgesamt immer noch sehr positive Image der Marke gefährden könnten.

Dabei kann es Volvo allerdings nicht bewenden lassen, darüber ist sich auch Hakan Samuelson, der Vorstandvorsitzende von Volvo Cars, im Klaren. "Wir waren bisher im Design häufig zu langweilig. Volvo wird sich künftig durch klares skandinavisches Design und clevere Funktionen vom Wettbewerb unterscheiden", verspricht der ehemalige Vorstandsvorsitzende des Lkw-Herstellers MAN, der seit Herbst 2012 die Geschicke von Volvo leitet. Wichtigstes neues Modell werde der XC40 sein, ein Kompakt-SUV auf Basis des V40 und in der Tradition des erfolgreichsten Volvo-Modells XC60. Wann der neue Hoffnungsträger allerdings auf den Markt kommen wird, dazu macht Volvo noch keine Angaben, man darf allerdings auch hier das Jahr 2014 vermuten.

Um seine Pläne finanzieren zu können und, um dem sinkenden Ansatz in Europa Herr zu werden, 1000 Stellen gestrichen. Mit den Kürzungen will das Unternehmen mehr als 200 Millionen Dollar einsparen und wieder schwarze Zahlen schreiben. Von dem Jobabbau seien dieses Mal aber nicht Werkarbeiter, sondern Berater, Manager und andere Büroangestellte betroffen, sagte Samuelsson. Im vergangenen Jahr hatte Volvo etwa 900 Arbeitsplätze im Werksbereich gestrichen. Volvo beschäftigt rund 22.000 Menschen, davon allein 14.000 in Schweden und knapp 4000 in Belgien.

Quelle: n-tv.de

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