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Die Verteidigung ist angetreten, den Angriff zu stoppen. Volvo schickt den V40 ins Rennen.
Die Verteidigung ist angetreten, den Angriff zu stoppen. Volvo schickt den V40 ins Rennen.

Verteidigung gegen den Angriff: Volvo will mit V40 punkten

von Holger Preiss

Während die Schwaben "A wie Angriff" propagieren, bringen die Schweden jetzt ihr "V wie Verteidigung" in Stellung, um sich gegen die deutsche Premium-Konkurrenz bei den Kompakten behaupten zu können. Der neue Volvo V40 soll an alle Tugenden der Marke anknüpfen und noch ordentlich eins draufsetzen.

Mit dem neuen V40 will Volvo abspecken. Denn die Schweden, die jetzt zum chinesischen Geely-Konzern gehören, lassen mit dem Auftritt des Kompakten gleich drei Modellreihen fahren. Neben dem V50 und S40, deren Produktion bereits eingestellt wurde, wird auch der glücklose C30 Ende des Jahres vom Markt genommen.

Der kompakte Schwede soll vor allem eins sein: vielseitig.
Der kompakte Schwede soll vor allem eins sein: vielseitig.

Bereits im Juli sollen die ersten V40 bei den Händlern stehen, ab September startet der Verkauf. Wer jetzt erwartet, dass der V40 ein klarer Ersatz für den V50 ist, der muss enttäuscht werden. Die Nomenklatur ist hier gewählt, weil man den Wiedererkennungswert erhalten will. Deutschlands Geschäftsführer Bernhard Bauer meint zu diesem Thema launig, dass das V ja ohnehin für "Versatility" (englisch: Vielseitigkeit) stehe.

Individualisten gesucht

Allerdings dürfte diese Vielseitigkeit, was die Maße des neuen Schweden betrifft, seine Grenzen finden. Der Kofferraum fasst bescheidene 335 Liter und kann optional mit einem doppelten Ladeboden versehen werden, in dem sich noch einmal 16 Liter unterbringen lassen. Auch auf den hinteren Plätzen geht es, was das Raumangebot betrifft, nicht gerade luxuriös zu. Familien dürften aber ohnehin nicht zu den bevorzugten Käuferschichten für den V40 gehören.

Vielmehr ist der Individualist gefragt, der neben außergewöhnlichen Freizeitaktivitäten und einem gut dotierten Job auch ein Auto haben möchte, das nicht jeder fährt. Und da kann er mit dem neuen V40 nicht viel verkehrt machen. Dank seiner coupéhaften Dachlinie und der insgesamt extrem dynamischen Formsprache steht der kompakte Schwede sehr athletisch da. Gleichsam haben die Designer sich für die Freunde alter Volvo-Modelle an einem Klassiker wie dem P1800 ES orientiert. So sind der Schwung und die sechseckige Heckklappe einen Reminiszenz an den legendären "Schneewittchensarg".

Illumination für das Stimmungsbild.
Illumination für das Stimmungsbild.

Zudem wurde das Auto mit kleinen Gimmicks vollgestopft, dass es eine Lust hat. Die Innenraumbeleuchtung wurde beispielsweise so konzipiert, dass sie wie bei einer Theateraufführung, unterschiedlichen Stimmungslagen angepasst werden kann. Das Farbbild reicht hierbei von einem warmen Rot bis zu einem kühlen Blau. Insgesamt kann den unterschiedlichen Seelenlagen des Fahrers aber mit sieben Beleuchtungsprogrammen Ausdruck verliehen werden. Selbst der Schaltknauf wird von innen illuminiert. Hier bildet sich dank der eigenwilligen Struktur ein hübscher 3D-Effekt.

Was die individuelle Strahlkraft betrifft, legt Volvo beim V40 besonderen Wert auf die durch den Piloten unterschiedlich einstellbaren Informationsanzeigen in der Armatur. Sprich: die Instrumententafel kann den Piloten in unterschiedlichen Ausführungen anstrahlen. In der Version Elegance verbreitet sie durch eine sanfte Beleuchtung eine klassisch-beruhigende Atmosphäre. Im Eco-Modus wird die Umweltverbundenheit mit einem grün schimmernden Hintergrund symbolisiert und wer ökologisch fährt, bekommt ein Öko-E im Display angezeigt. Wer es sportlich mag, kann sich den Hintergrund in ein sportliches Rot tauchen lassen. Anstatt der Geschwindigkeitsskala leuchtet jetzt in der Mitte ein digitaler Tachometer, um den herum sich der Drehzahlmesser platziert.

Das alles gibt es dank eines TFT mit Kristalldisplay in einer hervorragenden Auflösung. Schade nur, dass die Wahl der unterschiedlichen Fahrmodi lediglich eine optische Erfahrung bleibt. Fahrwerk und Motor-Performance bleiben davon unberührt. Hinzu kommt, dass diese illustre Beleuchtung mit 360 Euro zusätzlich zu Buche schlägt.

"Sicherheit ist unser Steckenpferd"

Im Modus Performance leuchtet die Geschwindigkeitsskala rot.
Im Modus Performance leuchtet die Geschwindigkeitsskala rot.

Großes hat Volvo in puncto Sicherheit geleistet. Und da ist es fast bescheiden, wenn Bauer sagt: "Sicherheit ist unser Steckenpferd". Denn wie schon fast überall besprochen, hat der V40 als erstes Fahrzeug seiner Klasse serienmäßig einen Fußgänger-Airbag. Sollte es also zum Kontakt zwischen Fußgänger und Fahrzeug kommen, lösen Sensoren in der Stoßstange den Airbag aus, so dass Teile der Motorhaube und etwa ein Drittel der Frontscheibe sowie Teile der A-Säulen abgedeckt werden.

Wer die geballte Sicherheit in seinem Fahrzeug wissen möchte, kann sich für 1980 Euro das Fahrassistenz-Paket PRO in seinen V40 verpflanzen lassen. Enthalten sind hier ein Notbremsassistent mit automatischer Fußgängererkennung, ein Geschwindigkeits- und Abstandswarner, ein Toter-Winkel-Assistent, der auch vor Fahrzeugen warnt, die 70 Meter hinter dem Heck angeschossen kommen und Sensoren in der hinteren Stoßstange warnen beim rückwärts Ausparken vor "unsichtbaren" Fahrzeugen. Hinzu kommen ein Spurhalte-Assistent mit Lenkunterstützung und eine Verkehrszeichenerkennung.

Um Auffahrunfälle im dichten Stadtverkehr zu vermeiden, haben die Schweden ihrem jüngsten Familienzuwachs auch das "City Safety"-System vererbt. Es sorgt dafür, dass bei einem plötzlichen Bremsmanöver des Vordermanns automatisch eine Vollbremsung eingeleitet wird. Funktionsfähig ist die Notbremsfunktion bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h (früher 30 km/h).

Für die Sicherheit der Insassen sorgen, sollte es denn doch mal krachen, insgesamt neun Airbags, darunter der erstmals in einem Volvo verbaute Knie-Airbag für den Fahrer.

Reichlich Platz um freischwebende Mittelkonsole

Erstmals wurde in einem Volvo ein Knie-Airbag verbaut.
Erstmals wurde in einem Volvo ein Knie-Airbag verbaut.

Im Inneren weiß der V40 durch hochwertige Materialien und bequemes Gestühl zu überzeugen. Wer die Sonne ins Auto lassen will, kann sich optional für 1150 Euro ein Panoramadach bestellen. Der Clou: Das elektrische Sonnendach öffnet sich von hinten nach vorne, setzt also zuerst die Reisenden auf den hinteren Plätzen ins rechte Licht und später den Fahrer. Beim Innenraumdesign wird der aufmerksame Passagier ebenfalls weitreichende Zitate aus der Vergangenheit finden, die aber gekonnt einen modernen Bogen spannen.

Zu den wirklich erwähnenswerten Elementen gehört die scheinbar freischwebende Mittelkonsole. Das Dekor wird durch einen Metallic-Chromton hervorgehoben, der sich an verschiedenen Stellen des Interieurs wiederholt: an den Türverkleidungen, der Instrumententafel, an den Luftauslässen und an Startknopf und Schalthebel.

Auch bei den Ablagefächern und Flächen hat sich Volvo einiges einfallen lassen. So befindet sich oberhalb der Fahrertür ein Fach für die Sonnenbrille, ein Stifthalter im Handschuhfach – das gekühlt werden kann – sowie Ablagen für Smartphones unterhalb des Armaturenbretts und an den Rändern der Fondsitze. Natürlich sind auch USB- und AUX-Anschlüsse vorhanden. Wer will, kann seine Musik direkt über Bluetooth an die mit 5x130 Watt arbeitende Musikanlage übertragen oder über die Freisprechanlage telefonieren.

Motoren von sparsam bis Feuerwerk

Die Mittelkonsole scheint zu schweben.
Die Mittelkonsole scheint zu schweben.

Bei den Motoren setzt Volvo auf bewährte, aber den Gegebenheiten hoher Benzinpreise angepasste Motoren. Das Flaggschiff dürfte hier wohl der kleine D2 1,6-Liter-Diesel mit 115 PS sein, der noch aus den Entwicklungslaboren von PSA und BMW stammt. Dank eigener Eingriffe hat Volvo aus dem Zwerg einen Meister mit Blick auf Sparsamkeit und CO2-Ausstoß gemacht. Die Schweden sprechen von 3,6 Liter auf 100 Kilometer und einem Schadstoffausstoß von 94 Gramm pro Kilometer. Das wäre im Kompaktsegment einzigartig. Allerdings ist der Motor kein Leistungssportler. Die größten Probleme hat er, aus dem Drehzahlkeller zu fahren. Hier fehlt es deutlich an Elastizität und Dynamik.

Besser ist man da mit dem D4 unterwegs, der einen 2-Liter-Diesel aus dem Hause Volvo unter der Haube beherbergt und 177 PS leistet. Wenn der schrullige Fünfzylinder mit dem optionalen 6-Gang-Automatikgetriebe für 1800 Euro gepaart wird, gibt es keine Steigung, die nicht zu bewältigen wäre. Und auch in der Endgeschwindigkeit kann der D4 mit 220 km/h überzeugen. Den Verbrauch beziffert Volvo mit 4,3 Litern, bei einem CO2-Ausstoß von 114 g/km. Auch das ist vorbildlich.

Deutlich durstiger, aber sehr dynamisch zeigt sich der T4 1,6-Liter-Benziner mit 180 PS, der in Kooperation mit Ford entstanden ist. Die Spitze liegt hier bei 225 km/h. Der Verbrauch wird mit 5,5 Litern angegeben, was aber getrost bezweifelt werden darf und der CO2-Ausstoß liegt nach Volvo-Angaben bei nicht ganz preisverdächtigen 129 g/km. Die Preise für die drei Modelle liegen in der Basis zwischen 24.680 Euro für den kleinen Diesel und 28.980 Euro für den großen Selbstzünder.

Ende des Jahres wird der T5 erwartet. Hier rumort dann ein 2,5-Liter-Turbobenziner mit 254 Pferdestärken unter der V40-Haube.

Dass Volvo erneut die etablierten Premium-Konkurrenten mit dem V40 herausgefordert hat, ist angesichts der Preise für den Kompakten ambitioniert. Denn hier unterscheidet sich der Schwede nicht von den Mitbewerbern Audi A3, BMW 1er oder Mercedes A-Klasse. Aber in Sachen Design, Verarbeitung, Komfort, Sicherheit und Motoren können die Schweden mehr als mithalten. Es bleibt also eine Entscheidung für Individualisten.

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Quelle: n-tv.de

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