Deutsche Behörden verfolgen kaum Weltmeister im Eintreiben
Wenn es um das Eintreiben geht, sind deutsche Behörden, einer Studie zufolge, Spitze. Mehr als eine halbe Million Bußgeldbescheide aus dem Ausland wurden im letzten Jahr hierzulande verschickt. Deutsche Bescheide gehen hingegen so gut wie gar nicht ins Ausland.
Deutsche Behörden sind besonders emsig im Einsammeln von Bußgeldern, die sich auf ausländische Knöllchen beziehen. Dies ergibt eine Studie des Reiseportals ab-in-den-urlaub.de, die auf Auskünften des Flensburger Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) beruht. Demnach wurden 2009 hierzulande 515.784 Bußgeldbescheide aus dem Euro-Ausland verschickt, wobei sich die Holländer mit 192.503 Bußgeldbescheiden als Spitzenreiter unter den EU-Staaten profilieren. Noch wissbegieriger zeigt sich die nicht zur EU gehörende Schweiz, die das KBA mit stolzen 354.150 Halteranfragen bedachte. Ab Herbst 2010 wollen die Behörden die Bußgelder gnadenlos eintreiben; schon bisher geschieht dies bei Knöllchen aus Staaten, mit denen entsprechende Abkommen geschlossen wurden.
Der Dresdner Verkehrsanwalt Alexander Kaden kritisiert diese Praxis, zumal die Bußgeldbescheide oftmals auf fragwürdigen Grundlagen beruhen. Missverständliche Schilder, korrupte Behörden und häufig extrem lange Bearbeitungszeiten entsprächen nicht den hiesigen Standards - gezahlt werden muss trotzdem.
Deutschland selbst scheut sich übrigens, Gästen aus anderen Ländern zur Last zu fallen: Selbst ins europäische Ausland werden laut Studie so gut wie gar keine Bußgeldbescheide verschickt.