Donnerstag, 15. Juli 2010
Deutsche Behörden verfolgen kaum : Weltmeister im Eintreiben
Wenn es um das Eintreiben geht, sind deutsche Behörden, einer Studie zufolge, Spitze. Mehr als eine halbe Million Bußgeldbescheide aus dem Ausland wurden im letzten Jahr hierzulande verschickt. Deutsche Bescheide gehen hingegen so gut wie gar nicht ins Ausland.
Beim Eintreiben sind die deutschen Behörden Weltmeister, allerdings nur bei der eigenen Bevölkerung.
Deutsche Behörden sind besonders emsig im Einsammeln von
Bußgeldern, die sich auf ausländische Knöllchen beziehen. Dies ergibt eine
Studie des Reiseportals ab-in-den-urlaub.de, die auf Auskünften des Flensburger
Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) beruht. Demnach wurden 2009 hierzulande 515.784
Bußgeldbescheide aus dem Euro-Ausland verschickt, wobei sich die Holländer mit
192.503 Bußgeldbescheiden als Spitzenreiter unter den EU-Staaten profilieren.
Noch wissbegieriger zeigt sich die nicht zur EU gehörende Schweiz, die das KBA
mit stolzen 354.150 Halteranfragen bedachte. Ab Herbst 2010 wollen die Behörden
die Bußgelder gnadenlos eintreiben; schon bisher geschieht dies bei Knöllchen
aus Staaten, mit denen entsprechende Abkommen geschlossen wurden.
Der Dresdner Verkehrsanwalt Alexander Kaden kritisiert diese Praxis, zumal die
Bußgeldbescheide oftmals auf fragwürdigen Grundlagen beruhen. Missverständliche
Schilder, korrupte Behörden und häufig extrem lange Bearbeitungszeiten
entsprächen nicht den hiesigen Standards - gezahlt werden muss trotzdem.
Deutschland selbst scheut sich übrigens, Gästen aus anderen Ländern zur Last zu
fallen: Selbst ins europäische Ausland werden laut Studie so gut wie gar keine
Bußgeldbescheide verschickt.
sp-x
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