Mercedes frischt Bestseller auf Wohlklang mit dem hohen "C"

Die C-Klasse ist für Mercedes von großer Bedeutung. Nun hat sie einen neuen Feinschliff bekommen. Neue Designelemente rücken den Mittleren näher an die Großen heran. Technisch sorgen neue Motoren und Start-Stopp für weniger Verbrauch - außer, wenn man Spaß haben will.
Mit dynamisch aufgefrischtem Design und Assistenzsystemen "wie ein Großer" startet die Mercedes C-Klasse in den nächsten Abschnitt des Modellzyklus. Für die Verbrauchsreduzierung von bis zu 31 Prozent sind nicht nur neue Motoren, sondern vor allem auch die serienmäßige Start-Stopp-Funktion verantwortlich.
Dass es den Mercedes-Ingenieuren bei der Modellpflege an Sorgfalt mangelte, kann man ihnen sicher nicht vorwerfen. Bei der C-Baureihe ist sie aber besonders wichtig, denn die untere Mittelklasse ist wegen ihrer großen Stückzahlen für die Marke mit dem Stern von großer Bedeutung. Mehr als 1,2 Millionen Exemplare wurden seit 2007 von der aktuellen Baureihe weltweit abgesetzt. Mit knapp 72.000 Neuzulassungen lag die C-Klasse vergangenes Jahr in Deutschland komfortabel vor den Verfolgern BMW 3er (67.000) und Audi A4 (knapp 60.000).
Zehn neue Helfer
Außer dem optischen Feinschliff steht bei der Modellpflege der C-Klasse die technische Aufrüstung im Vordergrund. Die Kunden sollen nicht länger auf das verzichten müssen, was für die Fahrer der E- oder S-Klasse seit langem (fast) selbstverständlich ist: Nicht weniger als zehn neue Assistenzsysteme sind neuerdings für die kleine Limousine und das dazu gehörige T-Modell verfügbar – gegen gutes Geld versteht sich.
Für die Beschreibung der überarbeiteten Frontpartie benutzen die Designer Adjetive wie "charaktervoll", "entschlossen" und "selbstbewusst". Wem das blumige Vokabular der Gestalter nicht so vertraut ist, kann zumindest erkennen, dass die Stoßfänger und die Kühlermaske verändert wurden, die Lufteinlässe tiefer angeordnet sind und die Pfeilung der Elemente stärker akzentuiert wurde. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert von 0,26 fällt die überarbeitete Limosuinen-Karosserie extrem windschnittig aus, auffällig für den Betrachter ist noch die horizontale LED-Breitband-Blinkereinheit. Damit die Motortechnik nicht die ganze Last der Effizienzsteigerung trage n muss, wird die Motorhaube künftig ist Aluminium gefertigt, das bringt Gewichtseinsparung. Der 1,8-Liter-Benziner C 200 BlueEfficiency bringt so nicht mehr als 1500 Kilogramm auf die Waage.
Von den Großen nicht weit entfernt
Im Innern fällt zunächst die neue Gestaltung der zentralen Instrumente ins Auge. Die monochrome Schwarz-Weiß-Optik des Displays ist ersetzt durch mehrfarbige, eine 3D-Darstellung imitierende Grafik ersetzt. Das sieht geschmackvoll aus und erleichtert die Unterscheidung von wesentlichen (zum Beispiel Tempolimits) und nachrangigen Informationen wie zum Beispiel dem Durchschnittsverbrauch. Optische Akzente erhielt die Mittelkonsole, wobei sich die neue Geräteeinheit durch silberfarbene Balkentasten zu erkennen gibt. Wer das optionale Multifunktionslenkrad bestellt, erhält es mit zwölf Tasten, die ebenfalls durch metallisch schimmernde Oberflächen in rechtwinkliger Struktur aufgewertet wurden. Üppige Verwendung von Zierelementen soll dem C-Klasse-Fahrer künftig vermitteln, dass er von den prestigeträchtigen Modellreihen gar nicht so weit entfernt ist.
Als Vorreiter für andere Baureihen fungiert die C-Klasse bei der Telematik. Erstmals ist ein mobiler Online-Zugang verfügbar, das im Multimedia-System Comand verankert ist. Zwar wurde die Chance verpasst, auch die Detailtiefe und die Abstufung der Kartenmaßstäbe im Navigationssystem ein bisschen praxisfreundlicher zu gestalten, jedoch wurde die Darstellung der City-Situationen mittels 3D-Optik und plastischen Stadtmodellen aufgewertet. Wer die kostenintensive Comand-Variante meiden will, hat erstmals die Möglichkeit, mit dem von der zentralen Bedienung aus steuerbaren Becker MAP-Pilot eine preisgünstige Alternative zu wählen. Fernlicht-, Spurhalte-, Totwinkel-, und Geschwindigkeits-Assistenz gehören nunmehr zum Angebot, desgleichen der per Kaffeetassen-Symbol eingreifende Müdigkeitswarner sowie die Pre-Safe-Bremse. Ganz neu: Die C-Klasse kann auch selbstständig einparken. Mit einem serienmäßigen USB-Anschluss befreit Mercedes die Kunden endlich von dem Zwang, die sündhaft teure Media-Schnittstelle nebst Sonderkabel zu bestellen, wenn er eigene Musikquellen mit ins Auto bringen will.
Spaß vs. Sparsamkeit
Für eine vergnügliche und fahraktive Probefahrt braucht man weder den mit 540 Newtonmeter Drehmoment gesegneten C 350 CDI, noch den 306 PS starken C 350 Direkteinspritzer-Benziner zu wählen. Ab 34.718,25 Euro ist der 1,8 Liter große C 200 mit seinen 135 kW/184 PS zu haben. Auch der kann Freude machen – vorausgesetzt, man findet eine kurvige, wenig befahrene Straße und hat nicht den Ehrgeiz, den EU-Normverbrauch von maximal 6,9 Litern zu unterbieten. Ein beherzter Umgang mit dem Gaspedal führt dann zu vielfältigen Einsichten.
Der "E"-Modus für Motor- und Getriebesteuerung ist zu meiden, denn da kann es in niedrigen Drehzahlen und plötzlicher Leistungsanforderung zu unnötigen Wartezeiten kommen. Im "S"-Modus ist die 7G-Tronic hellwach, passt sich blitzschnell der Situation an und fordert dazu heraus, die Lenkpräzision auf eine Probe zu stellen. Die ist tadellos, es gibt gute Rückmeldung von der Straße und wer die Sonderausgabe der Komfortsitze mit einstellbaren Wangen nicht scheut, kann sogar in der zweitkleinsten C-Limousine sportlich anmutende Momente erleben.
Im "S"-Modus werden naturgemäß die Gänge höher ausgedreht, was zu dem akustischen Signal führen kann, dass der Wohlfühlbereich des Triebwerks nicht jenseits von 4000 U/min liegt. Dann klingt der Motor angestrengt. Schließlich ist bei nächsten Tankstopp noch die Einsicht fällig, dass selbst die effizientesten Motoren ihren Nutzern Vergnügungssteuer abverlangen, wenn es denn in den Bergen mal etwas heftiger zur Sache geht. Wenn der Bordcomputer elf Liter anzeigt, war der Spaß halt größer als die Sparsamkeit. Aber ist das wirklich so neu?