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Mit der YZF-R6 hat Yamaha seine Supersportlerin neu aufgelegt.
Mit der YZF-R6 hat Yamaha seine Supersportlerin neu aufgelegt.

Die Letzte ihrer Art: Yamaha YZF-R6 - für Rennstrecke erschaffen

Um der Euro-4-Norm gerecht zu werden verzichten die Motorradhersteller auf Supersportler mit 600 Kubikzentimetern Hubraum. Insofern dürfte die neue Yamaha YZF-R6 die Letzte ihrer Art sein und bekommt gleichzeitig noch einiges von der kultigen R1 ab.

Die Supersportklasse mit 600 Kubikzentimetern ist europaweit tot – hört man allenthalben. Der Aufwand, einen der hochdrehenden Reihenvierzylinder Euro 4-tauglich zu machen, sei nicht rentabel. Also haben die großen Motorradhersteller sich entschieden, ihre Supersportler nach der Umstellung für 2017 ins Archiv zu schieben. Mit Ausnahme von Yamaha, die mit der YZF-R6 das einzige neue Modell in dieser Klasse anbieten. Zugeben für 13.995 Euro mit einem gewissen Exklusivitätsaufschlag.

Jede dritte R6 fährt Rundkurs

Der gesamte Trimm der Yamaha YZF-R6 ist für den Rundkurs ausgelegt.
Der gesamte Trimm der Yamaha YZF-R6 ist für den Rundkurs ausgelegt.

Diesen soll unter anderem die hochwertige und aggressive Anmutung rechtfertigen, in der die Sportskanone wahlweise in Tech Schwarz oder Race Blue antritt: Extrem sportlich ist die Front gestaltet mit mittigem Lufteinlass, zwei schmalen LED-Taglichtschlitzen, LED-Blinkern in den Spiegeln und zwei tief in der Verkleidung versteckten Scheinwerfern. Die Ähnlichkeit zum Vorzeigesportler YZF-R1 ist damit gewollt und unverkennbar. Die figurbetonte, enganliegende Verkleidung mit steil ansteigendem, luftigem Heck und dem etwas unharmonisch hervorlugenden Schalldämpfer setzt eine zusätzliche sportliche Duftmarke, die mit einem schnell abnehmbaren Kennzeichenträger für den Rennstreckeneinsatz auch eine ganz praktische Komponente aufweist.

Wie wichtig dies ist, verdeutlicht Yamaha Deutschland-Chef Jörg Breitenfeld: "In der Vergangenheit wurde rund ein Drittel der R6-Modelle nur auf der Rennstrecke eingesetzt. Für das 2017er-Modell wird sich dieser Trend verstärken", ist er sich sicher. Das dürfte auch an den motorseitigen Veränderungen liegen: Für die Einhaltung der Euro 4-Norm musste beispielsweise mit zwei Lambdasonden gehöriger Aufwand getrieben werden, wobei unterm Strich auch noch weniger Leistung übrig blieb. Der flüssigkeitsgekühlte Reihenvierzylinder generiert aus 599 Kubikzentimetern Hubraum exakt 118,4 PS bei 14.500 Kurbelwellenumdrehungen. Das sind 6 PS weniger als im Vorgängermodell und ein maximales Drehmoment von knapp 62 Newtonmetern.

Bestens integriert

Der neugeformte Alutank der YZF-R6 schafft mehr Bewegungsfreiheit.
Der neugeformte Alutank der YZF-R6 schafft mehr Bewegungsfreiheit.

Dafür ist die R6 nun mit einem kompletten Elektronikpaket und verschiedenen Fahrmodi versehen. Die variieren das Ansprechverhalten des Motors, die sechsfach einstellbare Traktionskontrolle, den Quickshifter und steuern das rennstreckentaugliche ABS. Auf die Integration eines Schräglagensensors wie bei der R1 hat Yamaha aus Kostengründen verzichtet. Weitere neue Ausstattungsmerkmale sind die von der R1 abgeleitete Upside-Down-Gabel mit goldenen Standrohren und die ebenfalls von der R1 übernommene Bremsanlage.

Der neugeformte Alutank - mit nach wie vor 17 Litern - schafft mehr Bewegungsfreiheit auf dem steil aufragenden, schmalen Polster sowie einen besseren Knieschluss. So fühlt sich der Fahrer schon vor der ersten Kurve der kniffligen Rennstrecke von Almeria bestens integriert. Ziemlich dezent jault der Four aus dem Titan-Endrohr, im Fahrmodus Standard geht er für den Track sogar zu zahm zur Sache. In "A" zeigt er deutlich mehr Leben und Drehfreude, insbesondere im Bereich zwischen 10.000 und 14.000 Touren. Darüber wirkt das Aggregat jedoch regelrecht zugestopft, und die Nadel im dominanten Drehzahlmesser hat reichlich Mühe, an dem bei 16.500 Umdrehungen beginnenden roten Bereich zu kratzen. Auch dann, wenn sich der Fahrer hinter der neuen Front kleinmacht und einen überraschend guten Windschutz genießt.

Rennspaß erst mit Kit

Das ändert sich erst auf einer mit Kit-Teilen für 1800 Euro sowie mit einer Racing-Komplettanlage ausgerüsteten R6, wie sie nur auf der Rennstrecke – dem vermeintlichen Hauptlebensraum – gefahren werden darf. Obwohl nur rund 8 bis 10 PS stärker, dreht die hoch wie der Teufel und schreit aus dem Schalldämpfer, wie man es von einem hochdrehenden Vierzylinder gewohnt ist. In dieser aufgewerteten Version mutiert der Quickshifter zum Blipper und erlaubt nicht nur das kupplungslose Hoch- sondern auch Runterschalten, was zusammen mit der Antihoppingkupplung ausgezeichnet funktioniert und für schnelle Rundenzeiten bürgt.

Erst bei diesem Tempo kann das serienmäßige Fahrwerk zeigen, was es draufhat – und das ist eine Menge. Äußerst präzise pfeilt die R6 auf der eingeschlagenen Linie um den Kurs und legt eine herzerfrischende Agilität an den Tag. Die neuen Federelemente bescheren eine satte Straßenlage und sorgen für beste Stabilität, auch beim Anbremsen: Die neuen Bremsen sind ein Gedicht. Bei Dosierbarkeit und Effizienz und halten sie den vollgetankt 190 Kilo leichten Supersportler spielend im Zaum.

Yamaha füllt mit der neuen YZF-R6 nicht nur eine Nische, sondern eine Lücke: Wer gerne supersportlich unterwegs ist und das Leistungspotenzial seines Motorrades anders als bei den hyperpotenten Tausendern voll ausreizen möchte, hat für den Neukauf keine andere Wahl. Das Erkennen dieser Alternativlosigkeit lässt sich Yamaha mit fast 14.000 Euro für das Serienmotorrad zuzüglich Kit und Auspuffanlage allerdings auch fürstlich bezahlen.

Quelle: n-tv.de

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