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Opel Zafira TourerZwei Angeln bringen mehr Fische

13.10.2011, 11:28 Uhr
imagevon Mathias Lillge
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Markant: Die neue Designlinie mit den bumerangförmigen Frontlichtern. (Foto: Mathias Lillge)

Bevor Volkswagen seinen Touran ins Rennen um die Kundengunst schickte, war der Opel Zafira unbestrittener Marktführer im Kompakt-Van-Segment. Verloren gegangenes Terrain zurückzugewinnen, ist klar definierte Aufgabe des neuen Modells.

Jeder erfolgreiche Petri-Jünger weiß es: Wirf zwei Angeln aus – und Du fängst mehr Fische! Getreu diesem Motto bringt Opel mit dem Zafira Tourer die dritte Auflage des seit 1999 erfolgreichen Typs auf den Markt. Anders als bisher wird jedoch das Vorgängermodell Zafira family im Angebot bleiben; als familienfreundliches und vor allem funktionales Gefährt. Mit dem neuen Zafira Tourer wagt sich Opel jedoch ein Stückweit in neue Jagdgründe: Ein völlig überarbeitetes Design, hochwertige Ausstattung und eine Vielzahl technischer Innovationen lassen die Rüsselsheimer Autobauer– in Anlehnung an den Erfolg des Insignia – mit dem Premium-Segment liebäugeln, um so neue Kunden zu gewinnen.

Erster Eindruck

Wäre nicht der Blitz als zentrales Design-Element vorhanden, wäre der neue Zafira Tourer nicht unbedingt als Opel zu erkennen. Mit einschneidenden Veränderungen haben die Ingenieure dem Zafira zu einem markanten, modernen Design verholfen. Angelegt an die Silhouette eines Hochgeschwindigkeitszuges verfügt der neue Zafira über fließende Linien und ebene Flächen, die Frontpartie wird durch die bumerangförmigen Leuchteinheiten klar gegliedert. Nehmen sie ein künftiges Markengesicht vorweg? Auch der Ampera trägt diese Kosmetik. Im Heck geht die Beleuchtung kantenlos in die Heckscheibe über. Die um 195 Millimeter vergrößerte Gesamtlänge lässt das Auto insgesamt schlanker und dynamischer erscheinen.

Gediegener Innenraum

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Fahrradtransport? Kein Problem! Mit dem Opel Flexfit-System können auch ohne Anhängerkupplung bis zu vier Räder transportiert werden. (Foto: Mathias Lillge)

Beim Einstieg stellt sich sofort Wohlfühlatmosphäre ein. Die dynamische Außenlinie setzt sich im Innenraum fort. Mit einer markanten Mittelkonsole werden nicht nur die Frontsitze getrennt – das in drei Ebenen vollständig neu gestaltete Element entpuppt sich auch als vielseitiges Stauwunder. Bis zu 30 Staumöglichkeiten finden sich insgesamt im Innenraum.

In Verbindung mit der riesigen Panoramafrontscheibe genießen Fahrer und Beifahrer eine beispiellose Rundumsicht – die auch nicht durch eine geteilte A-Säule behindert wird. Nur von innen putzen möchte man das riesige Glasstück sicher nicht.

Insbesondere für Langstreckenfahrer dürften in Zukunft die als Zusatzausstattung angebotenen Ergonomiesitze von Interesse sein, die den strengen Kriterien des AGR-Gütesiegels (Aktion Gesunder Rücken e.V.) entsprechen. Alles in allem wirkt die Verarbeitung wertig und präzise – nach Aussagen der Opel-Verantwortlichen soll dies eben als typisch deutsche Ingenieurskunst vor allem Premium-Kunden ansprechen.

Variabilität und Flexibilität

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Heckumbau: Nur wenige Handgriffe genügen, um den Mittelsitz zu versenken. Der Sitzkomfort im Zafira ist beachtlich. (Foto: Mathias Lillge)

Einen beachtlichen Teil der zusätzlichen Fahrzeuglänge hat Opel offensichtlich in den Innenraum gesteckt. So verfügen auch in der hintersten Position der Frontsitze große Passagiere (über 190 cm) in der zweiten Sitzreihe über eine mehr als nur ausreichende Beinfreiheit. Wie bisher lassen sich die hinteren Sitze des als 5/7-Sitzers angebotenen Zafira Tourer komplett versenken, so dass sich ein maximales Ladevolumen von 1860 Litern erreichen lässt. Mit dem optionalen "Lounge-System" hat Opel die zweite Sitzreihe ordentlich durchlüftet: Statt einer Bank gibt es nun drei Einzelsitze, von denen sich der mittlere zu Armlehnen für die Außensitze umgestalten lässt. Im Zusammenspiel mit den um 280 Millimetern in der Länge und 50 Millimetern seitlich verschiebbaren Außensitzen lässt sich ein beachtlicher Sitzkomfort erreichen. Mit dem vollständig in der Stoßstange versenkbaren Flexfix-Trägersystem lassen sich bis zu 4 Fahrräder transportieren, und das ohne Anhängerkupplung. Bei einer zulässigen Gesamtbelastung von 100 kg könnten selbst E-Bikes an Bord genommen werden.

Sicherheit und Fahrerunterstützung

Neben einer soliden Basisausstattung lässt sich der neue Zafira Tourer je nach Ausstattungspaket auch in punkto Sicherheit in Richtung Oberklasse aufrüsten. Frontkamera, Frontradar und Ultraschall-Sensoren liefern eine Vielzahl von Daten, die aktiv zur Unterstützung des Fahrers und damit des gesamten Fahrzeugs genutzt werden. Mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelung, dem Sicherheitslichtsystem, der Verkehrszeichenerkennung, dem "Toter Winkel"-Assistent, sowie dem Abstandswarner und der Parkhilfe bietet Opel kostenpflichtige Extra, die sonst allenfalls in der oberen Mittelklasse von Premium-Marken üblich sind.

Und sonst? Wie auch nicht anders zu erwarten: Der Tourer fährt. Fahr- und Kurvenverhalten, Beschleunigung und Handhabung sind mit der getesteten Ausführung "Innovation" und dem 165 PS starken 2.0CDTI Dieselmotor auf den ersten Eindruck klassenüblich. Auch bei Tempo 120 kann man sich normal im Auto unterhalten. Erst beim "Druck auf den Pinsel" dringt ein leises Nageln ins Innere durch. An die vielen Signale der Fahrunterstützung kann man sich schnell gewöhnen. Die Benutzung der vielen Knöpfe und Schalter bedarf einer gründlichen Einweisung.

Händlereinführung in Deutschland wird am 14. Januar 2012 sein. Der Einstiegspreis wird bei 22.950 Euro für den 115 PS starken 1.8er Benziner und bei 25.450 Euro für 2.0 CDTI Diesel-Motor mit 110 PS liegen. Bis Mitte 2012 soll der neue Tourer auch als Erdgasmodell lieferbar sein. Weitere Motoren sollen folgen.

Wer auf die Versicherungsklasse achtet, sieht den Zafira Tourer je nach Ausstattung und Motorisierung in der Haftpflicht zwischen 17 und 22, in der Teilkasko zwischen 18 und 21 sowie in der Vollkasko zwischen 18 und 20 eingestuft. Mit dem neuen Zafira Tourer hat sich Opel im Bereich der Kompakt-Vans neu positioniert. Ob die Strategie aufgeht, sowohl mit dem neuen als auch mit dem Vorgängermodell am Markt aufzutreten, bleibt abzuwarten. Wer reitet schon gern ein altes Pferd?