Auto

Automatisches Notrufsystem ab 2015: eCall birgt gefährliches Potenzial

In zwei Jahren müssen sämtliche Neuwagen mit dem automatischen Notrufsystem namens eCall ausgestattet werden. Eine ganze Industrie wartet schon darauf, mit diversen zusätzlichen Diensten Geld zu verdienen. Die Datensicherheit aber könnte Probleme machen.

Der SOS-Knopf kann nicht nur bei einem Unfall Hilfe rufen.
Der SOS-Knopf kann nicht nur bei einem Unfall Hilfe rufen.(Foto: Peugeot)

Alle ab 2015 in der EU neu zugelassenen Fahrzeugen müssen mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgerüstet sein. Es erfasst nach einem schweren Unfall über die bordeigene Sensorik Daten und leitet sie an eine Notrufzentrale weiter, von wo aus eine Rettungskette gestartet wird.

Doch in der Datenerfassung und -übertragung steckt deutlich mehr Potenzial – und Brisanz. Von permanenter Übertragung der Motordiagnose zur Werkstatt über die Überwachung der Einhaltung von Verkehrsregeln, einer Übermittlung von Standort und Reiseprofilen bis hin zur kilometergenauen Abrechnung von Versicherungstarifen ist alles möglich.

"Das Gold unserer Zeit"

Und die Bandbreite der aus all diesen Daten zu schöpfenden sogenannten Mehrwertdienste ist fast grenzenlos. Auf einer Diskussionsveranstaltung des Goslar-Instituts zur Akzeptanz von eCall am Rande des Verkehrsgerichtstags bezeichnete der Verkehrsrechtler Thomas Funke die in den Fahrzeugen generierten Daten "als das Gold unserer Zeit". Er glaubt, dass der Markt für Telematikdienstleistungen ein gewaltiges Volumen annehmen wird. Binnen fünf Jahren könne dieser nach einer neuen Studie allein in Westeuropa etwa fünf Milliarden Euro erreichen.

Hartmut Röhl, Präsident des Gesamtverbands Autoteile-Handel (GVA), sieht bei den Mehrwertdiensten ein großes Problem. Bei diesen Diensten könnten Daten auch wieder zurück ins Auto fließen und sogar für "terroristische Angriffe" missbraucht werden. So sei es beispielsweise möglich, Fahrzeuge per Mobilfunkdaten von außen so zu steuern, dass sie ungewollt eine Vollbremsung an einer bestimmten Stelle machten. Geschehe das zum Beispiel bei hundert Autos an einer wichtigen Verkehrsachse gleichzeitig, könne der Verkehr vollends lahmgelegt werden - mit vielleicht dramatischen Folgen für eine ganze Stadt. Röhl zufolge habe man sich bisher noch kaum Gedanken über eine geeignete Firewall gemacht. Für den reinen Notrufdienst eCall sieht der GAV-Präsident dieses Problem allerdings nicht. Die Lücke bestehe nur bei den Mehrwertdiensten.

Quelle: n-tv.de

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