Freche Front und flotte Gangart: Mit dem Einliter-Motor ist der Spark ausreichend bestückt.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Donnerstag, 25. Februar 2010
Zündfunke für zweite Stufe : Chevrolet startet den "Spark"
Axel F. Busse
Umweltprämie hieß der Funke, der die Herzen der deutschen Autofahrer vergangenes Jahr für die Marke Chevrolet entflammte. Ein neuer "Spark" soll das Feuer am Lodern halten und der Marke mehr Eigenständigkeit verleihen.
Die weltweit meistverbreitete Marke des GM-Konzerns hatte 2009 die richtigen Kleinwagen im Sortiment, auf fast allen Märkten Westeuropas konnten Zuwächse eingefahren werden. Auch wenn die meisten Modelle als Daewoo-Fabrikate auf die Welt gekommen waren, sprangen am Ende dennoch 46,7 Prozent Verkaufszuwachs gegenüber 2008 in Deutschland heraus. Das ist umso erstaunlicher, als das Kraftfahrtbundesamt für den gleichen Zeitraum einen Rückgang der General-Motors-Verkäufe um mehr als 50 Prozent registrierte.
Mit fast 32.000 verkauften Pkw ist Chevrolet zwar hierzulande erst auf dem Sprung, beim Marktanteil die Null vor dem Komma hinter sich zu lassen, aber Geschäftsführer Markus Leifke hat das Ziel ausgerufen, eine "Verdoppelung des Marktanteils" zu erreichen. Mann wolle "nicht als Anhängsel von Opel wahrgenommen zu werden", sondern als "eigenständiger Vollanbieter" die Position in Deutschland festigen. Zündfunke für diese zweite Stufe sind neue Modelle wie der Spark und der Verzicht auf weitere mäßig getarnte Daewoo-Autos, sondern nur noch "echte" Chevrolet.
Selbstbewusste Frontpartie mit Biss
Wäre der Spark kein Auto, sondern ein Hund, würde er wohl als Riesenschnauzer gelten, denn die Frontpartie ist für einen nicht einmal 3,65 Meter kurzen Fünftürer bemerkenswert selbstbewusst gestaltet. Die Gestalter wollten erklärtermaßen nicht noch einen niedlichen und knuddeligen Kleinwagen ins Rennen um die Gunst der Kunden schicken, sondern "aggressiver, wilder sein, mehr Biss haben", wie Chefdesigner Taewan Kim die Formgebung erklärt.
An den Seiten ziehen die hinteren Türen die Blicke auf sich, die keine Griffe zu haben scheinen. Der Öffnungsmechanismus wird durch einen senkrecht angebrachten Klapphebel am oberen Drittel der Scheibe bedient. Das ist originell und passt zur unkonventionellen Erscheinung des Autos, kostet den Fahrer aber einige Grad Blickwinkel nach hinten, denn dort, wo sonst Scheibe wäre, muss innen die Verkleidung für diesen Griff sitzen.
Stärkere Variante genauso stark
Für den Spark stehen zwei Vierzylinder-Motoren zur Auswahl, die beide Euro-5-tauglich sind und 995 beziehungsweise 1206 Kubikzentimeter Hubraum haben. Der Leistungsunterschied beträgt 14 PS, der stärkere Motor hat derer 82. Auch beim Drehmoment ist der Unterschied minimal: 93 zu 111 Newtonmeter bei jeweils 4800 Umdrehungen. Nach der Probefahrt mit beiden Modellen ist nicht ganz klar, weshalb man sich für die stärkere Variante entscheiden sollte. Im Stadtverkehr können beide gut mitschwimmen, der Antritt reicht für kurze Spurts und im Tempobereich um 100 km/h bringt die kleinere Maschine sogar noch das entspanntere, ausgewogenere Klangbild.
In der Stadt findet der Spark sein bevorzugtes Einsatzgebiet. 35 Liter Sprit kann er mitnehmen.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Über einen sechsten Gang verfügen beide nicht, weshalb es schon lohnt, über die Geräuschentwicklung nachzudenken. Bei 4000 U/min klingt der kleinere Motor noch moderat und gesund ausgelastet, während der größere mit rauem Ton und angestrengt seine Arbeit verrichtet. Mit etwas Gefühl im Kupplungsfuß kann man das Ein-Liter-Auto sogar mit Standgas in Bewegung bringen, währen der Größere immer an der Schwelle zum Abwürgen dreht, wenn man beim Anfahren zu vorsichtig Gas gibt.
Beide Motoren sind mit einem EU-Normverbrauch von 5,1 Litern angegeben. Das ist kein Wert, dessen man sich rühmen müsste, nimmt man Hubraum im Vergleich zur Leistung zum Maßstab. Im Wettbewerbsumfeld werden mit Einlitermotoren nach Norm auch Verbräuche von 4,5 Litern erzielt. Mehr Bezug zur Praxis haben die Werte, die für innerstädtischen Betrieb angegeben werden, denn dort finden Kleinwagen wie der Spark erfahrungsgemäß ihr Haupteinsatzgebiet und spielend ein Abstellplätzchen. Im Kurzstreckenbetrieb soll das Funken-Auto nicht mehr als 6,6 Liter je 100 Kilometer verbrauchen.
ESP gegen Aufpreis
Schönen Gruß vom Mini: Auch bei dem kleinen Chevi sitzt das Hauptinstrument auf der Lenksäule.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Der Innenraum ist von der typischen Schlichtheit, die einen Pkw auszeichnet, der für unter 10.000 Euro angeboten werden soll. Allerdings tut er dies, ohne billig zu wirken. Praktische Details, wie die Ablagemulden für Kleinteile wie den Parkschein oder das Wechselgeld erfreuen an den äußeren Enden des Armaturenbretts die nutzwertorientierte Kundschaft. Originell ist das auf der Lenksäule platzierte Hauptinstrument – Mini lässt schön grüßen. Bei Kleinwagen ist es allerdings schlechte Tradition, dass eine Längsverstellung der Lenksäule nicht angeboten wird - da macht der Spark keine Ausnahme. So ist der Fahrer, der wegen langer Beine die Sitzschiene voll ausnutzen muss, immer mit dem Problem unterwegs, das Lenkrad in unergonomischer Entfernung vor sich zu haben. Als hätten die Entwickler nach einen Trost für diesen Umstand gesucht, sind die Kopfstützen auf so langen Streben gelagert, dass die Polster fast bis unter den Dachhimmel reichen.
Auch wenn der Spark für die Besetzung mit fünf Personen zugelassen ist, werden längere Strecken wohl eher selten mit voller Platzauslastung zurück gelegt. Man kann als Erwachsener auf der Rückbank durchaus genügend Beinfreiheit finden, vorausgesetzt, die vorne Sitzenden sind bereit, die eigenen Beine etwas stärker anzuwinkeln. Die nach hinten abfallende Dachlinie des Spark sieht zwar schick aus, kostet aber ein paar Zentimeter Kopffreiheit – Zentimeter, die mancher Sitzriese gerne hätte.
Elektronische Schleuderbremse serienmäßig
Weil der erste Umfaller ein deutsches Autos war, ist ESP hierzulande ein Thema von besonderem Interesse. Viele ausländische Hersteller haben ihre Schlüsse daraus gezogen und bieten in der Importversion die elektronische Schleuderbremse bereits serienmäßig mit der Grundausstattung an. Der Chevrolet Spark ist nur für Europa, sondern auch für Asien, Afrika und Südamerika konzipiert, wo man wegen der vornehmlich urbanen Nutzung von Kleinwagen ESP eine mindere Bedeutung beimisst. Folgerichtig wird ESP in allen Ausstattungslinien des Spark nur gegen einen Aufpreis von 300 Euro zu haben sein.
Gerade weil der Kleinwagensektor derjenige ist, der in der Zukunft mit den größten Zuwachsraten rechnen kann, ist die Konkurrenz sehr zahlreich. Der Spark will nicht nur gegen europäische Wettbewerber wie Fiat Panda, Peugeot 107 und Citroen C1 punkten, sondern auch gegen Toyota Aygo, Suzuki Alto, Nissan Pixo und Kia Picanto. Als Basispreis für seinen neuen Stadtfloh gibt Chevrolet 8.990 Euro an.
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