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Der Abarth 595 Competicione sieht nicht nur scharf aus, er hat es mit 180 PS auch in sich.
Der Abarth 595 Competicione sieht nicht nur scharf aus, er hat es mit 180 PS auch in sich.(Foto: Holger Preiss)

Krawallbüchse mit Spaßgarantie: Abarth 595C - italienischer Zwergenaufstand

Von Holger Preiss

Kleinwagen werden häufig nicht ernst genommen. Gerne schubst man sie mit Lichthupe und Blinker aus der Spur. Nicht so einen Abarth 595C. Ist der Zwerg losgelassen, weinen die Stänkerer Krokodilstränen. Das ist aber nur eine Erfahrung aus dem n-tv.de Praxistest.

Der Sound aus der Sportauspuffanlage mit Klappensteuerung ist umwerfend.
Der Sound aus der Sportauspuffanlage mit Klappensteuerung ist umwerfend.(Foto: Holger Preiss)

Es gibt Autos, die sind mutmaßlich sinnfrei: zum Beispiel ein Abarth 595 Competicione. Die Krawallbüchse aus der Tuning-Schmiede von Fiat ist nämlich eine – und das soll an dieser Stelle doppelt unterstrichen werden – Rennsemmel vom Feinsten. Unter der kurzen Haube pumpt im wahrsten Sinne des Wortes ein Zwerg auf Testosteron: ein Vierzylinder mit 1,4 Litern Hubraum und 180 PS. Das ist nicht viel? Nun, das ist eine spezifische Literleistung von 132 PS. Ziehen wir die Konkurrenz zurate: Der Smart Brabus bringt es auf die Hälfte der PS-Leistung. Und selbst die auf dem Genfer Salon ausgestellte himmelblaue Variante der Tuner aus Bottrop hat lediglich 125 PS und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 175 km/h.

Das reicht bei Weitem nicht an den 3,57 Meter langen Italiener im Wettbewerbsmodus heran. Also schauen wir bei den Kleinwagen nach ebenbürtigen Gegnern: Da wäre der Opel Corsa OPC. Der Rüsselsheimer Blitz bringt es zwar auf 207 PS, leidet aber unter seiner sehr ruppigen Art, diese Kraft an die Vorderräder zu verteilen. Der Ford Fiesta ST fährt mit 182 PS vor, spielt also antriebsseitig in der gleichen Liga wie der Abarth 595 Competicione. Etwas mehr Wumms hat der VW Polo GTI mit 192 PS. Scheuen muss der Italiener diese Konkurrenz nicht.

Der hängt sie fast alle ab

Das Sportlenkrad mit Karboneinlagen liegt ausgezeichnet in den Händen.
Das Sportlenkrad mit Karboneinlagen liegt ausgezeichnet in den Händen.(Foto: Holger Preiss)

Denn beim Ampelstart hängt er OPC und ST mit 0,1 und 0,2 Sekunden Vorsprung ab und liegt bei 6,7 Sekunden gleichauf mit dem GTI. Denn genauso lange dauert es, bis die 100-km/h-Marke geknackt ist. Und das passiert in zwei Schritten: Wichtig ist, das in der Mittelkonsole des 595 Competicione der verbaute Sport-Knopf gedrückt wird, der nicht nur die Anzeige im Rundinstrument mit einer roten Zielflaggengrafik unterlegt, sondern auch den Druck für den neuen Garett-Turbolader deutlich erhöht. Verifizierbar wird dieser Umstand in der dem Rennsport entlehnten analogen Ladedruckanzeige unter dem Hauptinstrument und dem sich anpassenden Klang aus der Sportauspuffanlage mit dem schönen Namen "Record Monza" und Klappensteuerung. Zwar kann die im Normalzustand mit ihren tiefen Bässen schon jeden V6 das Fürchten lehren, aber eine Stufe nach oben getastet ruft sie mit ihren heiseren Schüssen zum Zwergenaufstand und ist gemessen an dem Wagen schöner als jeder V8-Sound.

Von derartigen Klängen untermalt wird, mit dem linken Fuß auf der Kupplung, der erste Gang eingelegt, wobei die Drehzahlen mit dem rechten Gasfuß über die 2000 bewegt werden. Wenn die Ampel auf Grün schaltet, gilt nur noch: Kupplung kommen lassen und die 250 Newtonmeter maximales Drehmoment, die ab 3000 Umdrehungen anliegen, an die Vorderräder geschickt, zweiter Gang und wieder Feuer. Es ist erstaunlich, mit welcher Leichtigkeit sich der knapp eine Tonne wiegende "Knubbel" auf den Weg nach vorne macht. Jetzt müssen nur noch schnell Gang drei und vier durch die Gassen geworfen werden, um dann den fünften für den Dauerlauf zu setzen. Auch das ist ein echter Spaß, denn das geht absolut leichtgängig und präzise, obgleich die Wege einen Tick kürzer sein könnten, um den Vorgang noch knackiger zu machen.

Sieben km/h mehr als im Datenblatt

Kleiner Motor, große Leistung: Aus dem 1,4-Liter-Vierzylinder holen die Italiener 180 PS raus.
Kleiner Motor, große Leistung: Aus dem 1,4-Liter-Vierzylinder holen die Italiener 180 PS raus.(Foto: Holger Preiss)

Letztlich tut das aber der Performance keinen Abbruch und der 595 Competicione rennt auf freier Strecke im Test bis auf Tempo 232. Mit GPS gemessen sind das 7 km/h mehr, als das Datenblatt ausweist. Letztlich eine fulminante Geschwindigkeit, die vor allem die Herrschaften in ihren Nobelkarossen, die immer der Meinung sind, Kleinwagen bringen es nicht, eines Besseren belehrt. Vor allem dann, wenn sie mal wieder die Lichthupe bemühen oder den Blinker setzen. Das Schöne am Italiener ist auch, dass er so sauber abgestimmt ist, dass man selbst vor langen Kurven nicht die Brembo-Bremsanlage mit 305er Scheiben vorn und 240ern hinten bemühen muss. Dank der absolut feinnervigen Lenkung bedarf es nur minimaler Bewegungen, um den Kampfzwerg ums Eck zu zwingen. Aber Vorsicht: Der 585C mag keine schnellen Richtungswechsel. Hier wird der kleine Italiener mit einem Radstand von 2,30 Metern doch etwas unruhig und es braucht eine Sekunde, bis der Fahrer ihn im Ernstfall wieder eingefangen hat.

Der Geschwindigkeit und dem schnellen Kurvenlauf kommen dann aber die sequenziell arbeitenden Koni-Stoßdämpfer sehr entgegen. Das heißt, die Dämpfkraft wird in Relation zur Bewegungsfrequenz gesetzt. Das passiert nicht nur an der Hinterachse, sondern auch an den Vorderrädern, denn auch dort sind die FSD (Frequency Selective Damping) verbaut. Das verschafft dem 595 aber nicht nur beim schnellen Lauf ein extrem gutes Handling, sondern sorgt auch für ausreichenden Komfort bei Alltagsfahrten durch Schlaglöcher und über Kopfsteinpflaster. Klar bleibt der Abarth immer noch straff abgestimmt, aber er ist nicht so knochentrocken wie die oben aufgeführte Konkurrenz. Was man beim Italiener tatsächlich nicht erleben wird, ist, dass er durchschlägt und einem die Bandscheibe unter die Schädeldecke haut.

Fest ins Gestühl gezwängt

Die Rennsportsitze im Abarth 595C muss man mögen. Dem einen oder anderen könnten sie zu eng erscheinen.
Die Rennsportsitze im Abarth 595C muss man mögen. Dem einen oder anderen könnten sie zu eng erscheinen.(Foto: Holger Preiss)

Apropos Schädeldecke: Die mutmaßt der Pilot auch in Gefahr, wenn er sich das erste Mal in die im 595 Competicione verbauten Schalensitze schwingt. Die sind so hoch, dass man im ersten Moment nach dem Hebel sucht, der sie in Richtung Bodenblech bewegt. Allerdings wird man diese Verstellhilfe nicht finden und muss sich so mit einer recht hohen Sitzposition arrangieren. Das ist am Ende aber gar nicht so schlimm, denn das Lenkrad in die richtige Position gebracht, stellt der Pilot schnell fest, dass die erzwungene Sitzhaltung recht stimmig ist. Selbst Menschen mit einer Körpergröße von 1,90 Meter müssen nicht befürchten, sich die Denkkugel am Fahrzeugdach zu stoßen. Gewöhnungsbedürftig sind auch die hohen und sehr engen Seitenwangen der Sportschalensitze mit Karboneinlage an der Rückseite. Sie zwängen Fahrer und Beifahrer fest ins Gestühl und Menschen mit breiteren Hüften könnten unter Umständen daran verzweifeln. Bei schneller Fahrt hat das aber durchaus seine Vorteile.

Ein anderer Vorteil ist der Umstand, dass die zweite Sitzreihe tatsächlich zum Transport von Menschen taugt und nicht nur schöner Schein ist. Zwar waren die Reisenden im Test nicht größer als 1,54 Meter, aber der beim Erklimmen geäußerte Unmut löste sich schnell mit dem Satz: "Hier kann man ja doch sitzen" in Wohlgefallen auf. Natürlich ist es nicht angeraten, auch noch so kleine Erdenbürger über etliche 100 Kilometer im Fond zu verstauen. Kurze Strecken hingegen lassen sich problemlos bewältigen. Wer nur zu zweit unterwegs ist, der muss auch den langen Ritt nicht fürchten. Der Kofferraum nimmt immerhin 185 Liter auf und wer die Rückbank komplett umlegt, der schafft sich sogar einen Stauraum von 610 Litern auf einer zugegeben nicht ganz glatten Fläche. Reiseutensilien lassen sich hier aber ohne Probleme unterbringen.

Purist ohne Schnickschnack

Der Kofferraum des Abarth 595C fasst je nach Ausrichtung der Rückbank zwischen 185 und 610 Lter.
Der Kofferraum des Abarth 595C fasst je nach Ausrichtung der Rückbank zwischen 185 und 610 Lter.(Foto: Holger Preiss)

Auch der Verbrauch, die der 595C am Ende des Tests auf der Uhr hatte, ist mit Blick auf die Performance akzeptabel. Mit 9,4 Litern ließ sich der muskelbepackte Italiener durch die Stadt manövrieren und flott über die Autobahn peitschen. Allerdings muss einschränkend angemerkt werden, dass, wer den Exzess über längere Strecken sucht, sich auch mit zweistelligen Ergebnissen anfreunden muss. Bei 40 Liter Tankinhalt würde das bedeuten, dass ein Stopp am Zapfhahn nach knapp 400 Kilometern einzuplanen ist.

Wie immer bleibt am Ende der Blick auf den Preis. Mit 24.900 Euro ist der Italiener im Reigen der Kampfzwerge durchaus kein Billigheimer. Den Ford ST gibt es für 4000 Euro weniger, selbst der VW Polo GTI ist knapp 1500 Euro billiger, nur der Corsa OPC ist gleichauf. Nun muss aber beachtet werden, was in den knapp 25.000 Euro außer garantiertem Fahrspaß noch alles drin ist. Zwar ist de 585C ein Purist, der auf Hilfsmittel wie Parksensoren, Abstandsradar, Notbremsassistenten, Totwinkelwarner und Start-Stopp-Automatik verzichtet, selbst Speedlimiter und Tempomat gibt es nicht.

Die Bremssättel der Brembos sind gelb lackiert und sehen in den 17 Zoll großen Bicolor-Felgen richtig gut aus.
Die Bremssättel der Brembos sind gelb lackiert und sehen in den 17 Zoll großen Bicolor-Felgen richtig gut aus.(Foto: Holger Preiss)

Dafür ballert einem eine Beats-by-Dre-Anlage die Musik um die Ohren, ein Navi von TomTom weist in Echtzeit den Weg und informiert über Geschwindigkeitsbegrenzungen, der Radioempfang erfolgt auf Wunsch auch über DBT+ und über Bluetooth koppelt sich das Smartphone mit der Multimediaeinheit. Zentrale Steuereinheit ist ein 7 Zoll großer Touchscreen. Hinzu kommen als Extra elektrische Fensterheber, Klimaanlage und ein in Höhe und Längsrichtung verstellbares Lenkrad. 17-Zoll-Bicolor-Felgen mit gelben Bremssätteln zieren die Außenansicht und sorgen im Zusammenspiel mit dem großen Dachspoiler, der vierflutigen Sportabgasanlage und den Spoilerlippen an Front und Heck für eine den Fahrwerten entsprechende Optik.

Fazit: Im Segment der Kleinwagen gibt es nur wenige, die so puristisch und konsequent auf Sport getrimmt sind wie der Abarth 595 Competicione. Das Schöne ist dabei, dass die Italiener nicht aus den Augen verloren haben, dass es nicht nur Sportfahrten gibt, sondern auch der Alltagsbetrieb funktionieren muss. Dieser Spagat ist den Tunern jedenfalls ganz hervorragend gelungen. Da vermisst man auch keine Sekunde die in Neuwagen inzwischen zum Standard gewordene Armada von Helferlein. Schon gar nicht, wenn es einem mit der Krawallbüchse gelingt, ab und zu einen etablierten Möchtegern-Fahrer abzukochen.

DATENBLATTFiat 500 Abarth 595 Competicione
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)3,57 / 1,62 / 1,48 m
Radstand2,30 m
Leergewicht (DIN)1145 kg
Sitzplätze4
Ladevolumen185 / 610 Liter
MotorVierzylinder-Benziner mit 1368 ccm Hubraum
Getriebe5-Gang-Handschalter
Systemleistung132 kW / 180 PS
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit225 km/h
Tankvolumen40 Liter
max. Drehmoment250 Nm / bei 3000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h6,7 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,7 / 7,6 / 5,8 l
Testverbrauch9,4 l
EffizienzklasseD / EU6
Grundpreis24.790 Euro
Preis des Testwagens24.940 Euro

Quelle: n-tv.de

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