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Ein Abt in Marzahn: das geht.
Ein Abt in Marzahn: das geht.(Foto: Müter / n-tv.de)

"Haste mal 'nen Euro?": Abt setzt Anarcho-Punk auf die Straße

Von Jochen Müter

640 PS, Tempo 300, Katapultstart, Spritvernichter: Edel-Tuner Abt betreibt das Spiel mit den Extremen, mit dem Grenzgang. Der AS8 setzt Regeln außer Kraft, hört auf keine Norm. Insoweit ist er irgendwie ein ganz schöner Anarchist. Ein Vergleich, der sich aufzwingt.

Sie wissen, was ein Anarcho-Punk ist? Das ist der junge Mann, der sich - meist dunkle durchgewetzte Klamotten tragend, Ohren brutal gepierct und die Haare zu einem flotten Irokesen gebürstet - am Rande der Einkaufsstraße herumtreibt. Dabei versucht er intensiv, seinen blutjungen Schäferhund gar nicht erst zu erziehen. Dem Anarcho-Punk ist vieles ziemlich egal. Die Steuererklärung etwa. Die Gesellschaft allgemein und Casting-Shows im Speziellen. Oder aber der Geruch seiner Stiefel. Wegen dem ist er übrigens von Zuhause rausgeflogen.

Anarcho-Punks haben auf den ersten Blick nichts mit einem Auto zu tun. Der zweite Blick aber offenbart erstaunliche Gemeinsamkeiten. Nicht mit jedem Auto natürlich, es muss schon ein unglaubliches Gefährt sein: der ABT AS8, Supersportler auf der Audi-Basis.

Die Grenzüberschreitung

Hier schaut man gerne hin.
Hier schaut man gerne hin.(Foto: Müter / n-tv.de)

Der Anarcho-Punk testet nicht nur gerne Grenzen aus, er latscht ständig drüber. Laut pöbelnd sitzt er in der U-Bahn, erzählt schmutzige Witze und süppelt Dosenbier dabei. Eigentum ist für ihn irgendwie eine Gemeinschaftseinrichtung. Und wer was gegen die "Sex Pistols" sagt, riskiert einen Tritt in den Hintern von ihm. Der AS8 ist fast noch schlimmer. Er ist die Herausforderung an die Grenzen schlechthin. Das liegt an den 640 PS, die der Edeltuner aus Kempten dem Boliden in den Motor gepflanz hat. Beschleunigungszahlen sind hier überflüssig. Der Wagen wiegt zwei Tonnen – aber er ist ein Katapult, eine Bluthochdruckmaschine, eine Adrenalin-Infusion. 301 km/h zeigt der Tacho bei der Testfahrt. Noch Fragen?

Die Musik

Die Boxen bringen Unbekanntes ins Ohr.
Die Boxen bringen Unbekanntes ins Ohr.(Foto: Müter / n-tv.de)

Der Anarcho-Punk steht auf Musik. Je lauter, desto besser. Es muss in die Beine gehen, Aufmarsch zum Pogo, schüttel' deine Knochen. Es bleiben für immer aktuell: Ramones, The Clash, Generation X und Sique Sique Sputnik. Der Abt-Audi liebt nicht nur solche Klänge. Das mehr als 5000 Euro teure Soundsystem von Bang & Olufsen beweist: Meist ist mehr in der Musik, als wir wussten. Der Klang ist so glasklar, drückend und brillant, dass Songs ganz anders klingen als Zuhause. Vorschlag: Einsteigen und "Take on me" von A-ha abspielen. Wo kommt denn plötzlich dieser Bass her, wer spielt das zusätzliche Keyboards? Es sind die ausfahrbaren Satelliten-Boxen.

Die Arbeit

Die Rückfahrkamera berechnet eine Hubschrauber-Optik.
Die Rückfahrkamera berechnet eine Hubschrauber-Optik.(Foto: Müter / n-tv.de)

Der Anarcho-Punk teilt sich seine Arbeit sehr genau ein. Es wird erst was gemacht, wenn unbedingt was gemacht werden muss. Der ökonomische Ansatz: fluide sein, aber keine belastenden Rücklagen bilden. Gerne tun sich mehrere Anarcho-Punks zusammen, um sich kollektiv zu versorgen. Der AS8 ist bei aller Sportlichkeit ebenfalls ein Meister der Arbeitsteilung. Gibt es etwas, bei dem der Wagen den Fahrer nicht unterstützt, ohne ihn zu erdrücken? Ein Fußbad fehlt vielleicht, möglicherweise ein Waffeleisen. Ansonsten: alles da. Kameras helfen, das Schiff in den Hafen zu fahren. Dabei kommt sogar eine Ansicht aus der Hubschrauberperspektive zum Einsatz. Die Fahrassistenten sind präzise und intuitiv zu bedienen. Das zuschaltbare Navi in der Instrumententafel vermeidet überflüssige Kopfbewegungen. Überhaupt: die Instrumente. Fein sind sie, schlank geschnitten, sportlich, wie es sich gehört. Der Motor, eine Acht-Zylinder-Maschine, schuftet je nach Anforderung. Beim Normalfahren machen vier Zylinder die Arbeit, bei höherem Bedarf schalten sich die weiteren unauffällig dazu.

Der Spaßfaktor

Raum zum Wohlfühlen - und zum Kichern.
Raum zum Wohlfühlen - und zum Kichern.(Foto: Müter / n-tv.de)

Der Anarcho-Punk hat gern viel Freude. Er lacht, meistens etwas angeschickert, über Harald Schmidt und Hape Kerkeling genauso wie über einen Mann, der in den Hinterlassenschaften des jungen Schäferhundes ausrutscht. Manche Anarcho-Punks beherrschen Zaubertricks oder können ganz gut jonglieren, weil sie als Kind auf einer Zirkusschule waren. Und natürlich: Der Anarcho-Punk veräppelt gerne mal andere. Schadenfreue ist kein Tabu für ihn. Wer mit dem AS8 auf der linken Autobahnspur bei rund 180 Sachen von einem 7er-BMW belästigt wird, geht nicht etwa rechts rüber. Nein, mit einem beherzten Tritt auf das Gaspedal löst sich der Drängler innenspiegeltechnisch innerhalb weniger Sekunden in einen kleinen Punkt auf. Wie schade, dass sein Gesicht nicht mehr zu erkennen ist, wie es Hassworte ausbrüllt. Aber kichern muss man dennoch ständig.

Die Optik

Typisch Abt: die Felgen.
Typisch Abt: die Felgen.(Foto: Müter / n-tv.de)

Der Anarcho-Punk investiert viel in sein äußeres Erscheinungsbild. Vor allem, weil er will, dass alles nach Zufall aussieht. Seine Haare stellt er hoch oder drapiert sie wild, seine Schuhe sind Knobelbecher von der Bundeswehr, der Totenkopfgürtel macht der Oma Angst und das durchs viele Waschen zeitungsdünne T-Shirt markiert die entsprechende Anti-Haltung. Klar ist: Aufsehen erregt der Anarcho-Punk immer und überall. Das hat er mit seinem Konkurrenten gemeinsam. Der Abt-Koloss ist eindeutig ein grimmig Dreinschauender. Die zusammengekniffenen Augen und der weit aufgerissene Kühlergrill sorgen für Respekt. Der Rest ist schlank und schnittig, trotz Gewicht und der erheblichen Maße. Und dann die Felgen: Abt zieht Speichen in dunkelgrauem Matt auf, die vor allem die Monster-Bremsen noch sichtbar lassen. Der komplette Radsatz kommt 6.690 Euro. Edelste Stiefel für den Dauerläufer.

Die Wandlung

Wenn das Kind kommt: kein Problem.
Wenn das Kind kommt: kein Problem.(Foto: Müter / n-tv.de)

Der Anarcho-Punk hat nicht nur schlechte Seiten. Ja, er findet Vieles blöd, ist etwas nörgelig und hat gerne seine Ruhe. Jedoch: Wer ihn näher kennenlernt, entdeckt sein gutes, sein weiches Herz. Das erkennt man schon an dem Schäferhund, der freilich frech bleibt. Mit dem Anarcho-Punk lässt sich auch eine sachliche Ebene finden, lässt sich reden und diskutieren. Vom Äußeren ist also nicht zwingend auf das Innere zu schließen. Irgendwann, wenn die ganz wilden Jahre vorbei sind, bekommt er sogar ein Kind. Und am Kinderwagen klebt ein Totenkopf-Button. Ähnlich der AS8. Wer 300 fahren kann, kann auch nur 100 fahren. Und zwar ganz genüsslich. Der Wagen liegt satt auf der Straße, ist dabei ganz ruhig. Störende Geräusche gibt es nicht, das Abrollen klingt nach Mehr. Cruisen, ja, das geht hervorragend. Fernseher und Media-Anlage sorgen für Unterhaltung auf langen Betonbahnen. Perfekt einstellbare Sitze beugen jeder Ermüdung vor. Mit etwas Ruhe in den Füßen verwandelt sich das Auto in eine Reiselimousine, in der das Ziel gern weit weg sein darf. Und, nicht zu vergessen, es ist sogar viel Platz für Kindersitze. Wenn der Nachwuchs kommt.

Der Schnorrer

Der Anarcho-Punk benutzt zum Geldverdienen gerne einen Kaffeebecher. Den hält er vor Rewe jedem vor die Nase, der vorbeikommt. Der Schäferhund schaut ein bisschen traurig. Und zack: Wieder landet ein Geldstück im Becher. Und wenn es nicht so reibungslos läuft, hilft der Anarcho-Punk ganz gerne nach: "Haste mal 'nen Euro?", heißt es dann. Und weiter: "Gerne auch zwei!" Der AS8 nimmt auch gerne. Und zwar Super Plus. Reichlich. Wer die tempotechnischen Grenzen des Wagens austestet und wegen des Spaßes mit den BMWs permanent den Kickdown macht, sollte vorm Losfahren sein Sparschwein plündern. Sagen wir es so: Für die rund 300 Kilometer Testfahrt zwischen Berlin und Hannover organisierten sich die 4 Liter Hubraum lässige 75 Liter Sprit. Wohlgemerkt: Das war der heiße Ritt. Die Rückfahrt fiel etwas beruhigender aus. Im gemischten Reiselimousinen-Modus landeten durchschnittlich etwa 13 Liter im Plastikbecher des Anarcho-Abts.

DATENBLATTAudi Abt S8
Abmessungen5,14 m
Radstand2,99 m
Leergewicht (DIN)2050 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen510 l
EmissionsklasseEU5
Motor/Hubraum4,0-Liter-Turbobenziner
Getriebe8-stufige tiptronic
Leistung456 kW/620 PS
KraftstoffartSuper schwefelfrei ROZ 95
AntriebPermanenter Allradantrieb quattro
Höchstgeschwindigkeit290 km/h (abgeregelt)
max. Drehmoment650/1700-5500 Nm bei min
Tankinhalt90 l
Beschleunigung 0-100 km/h4,0 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)7,6l/14,4l/10,1l
Testverbrauch13,6l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
235 g/km
Grundpreis111.900 Euro
Preis des Testwagens152.000 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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