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Formal überzeugt das Coupé durch seine sportlich elegante Linienführung.
Formal überzeugt das Coupé durch seine sportlich elegante Linienführung.

BMW 6er Coupè: Adonis aus Bayern polarisiert

von Holger Preiss

Die dritte Generation des 6er Coupé von BMW ist schön. Fahrdynamik, Sicherheitssysteme und Innovationen sind zukunftsweisend. Damit dürfte der Wagen nicht nur Ästheten überzeugen. Doch er ist auch ein Statement, er polarisiert und er hat seinen Preis.

Für die Anschaffung des 6er-Coupés werden mindestens 78.200 Euro fällig.
Für die Anschaffung des 6er-Coupés werden mindestens 78.200 Euro fällig.

Machen wir uns nichts vor. Ein 6er BMW Coupé ist ein Statement. Wer sich für einen solchen Wagen entscheidet, sollte zum einen ein dickes Portemonnaie haben, zum andern muss er unter Umständen Missgunst, Neid und Unverständnis aushalten. Er sollte auch verkraften, wenn kleine Jungen an der Kreuzung das virtuelle Gewehr ziehen und eine Salve auf den Fahrer des Schönlings abgeben.

Sei es wie es ist, ein 6er Coupé polarisiert die Menschen. Doch wen interessiert das, wenn im Sportmodus mit einem "Kickdown" die Geister geweckt werden: Der doppelt aufgeladene Drei-Liter-Diesel schießt mit seinen 313 PS und unglaublichen 630 Newtonmetern von der Kreuzung, und wer es wagt, kann den Boliden in nur 5,2 Sekunden von Null auf 100 km/h jagen.

Dabei arbeitet das serienmäßige Achtgang-Automatikgetriebe unmerklich und lässt den Bayern nur wenig später die 200 km/h-Marke passieren. Erst bei 250 km/h wird abgeregelt. Wer sich lieber in Eigeninitiative zur Höchstgeschwindigkeit hochschalten möchte, der kann die Schaltwippe am Lenkrad benutzen und sich wie Schumacher, Vettel und Räikkönen in einer Person fühlen. Angesichts dessen sollte aber auch niemand mehr behaupten, ein Diesel könne nicht sportlich.

Der liebe Gott fährt mit

Wie bei BMW üblich, gibt es optional viele (teure) Ausstattungen.
Wie bei BMW üblich, gibt es optional viele (teure) Ausstattungen.

Um das Kraftpaket unter Kontrolle zu halten, haben die Bayern den Adonis mit etlichen elektronischen Helferlein vollgepumpt. Die dynamische Dämpferkontrolle passt das Fahrwerk der Straße an, Adaptive Drive gleicht die Seitenneigung des Fahrzeugaufbaus aus und auch die elektromechanische Servolenkung und die mitlenkende Hinterachse helfen, damit übermütige Piloten mit dem Boliden bei rasanter Fahrt nicht von der Straße abheben.

Letztlich bleibt es aber Aufgabe des Fahrers, sich nicht selbst zu überschätzen. Das passiert schnell, denn wenn der noch ferne Hochdachkombi die Spur wechselt, weil er zum Überholvorgang ansetzt, ist man schneller bei ihm, als einem unter Umständen lieb ist. Jetzt hilft nur noch der brachiale Tritt aufs Bremspedal. In solchen Moment bedankt man sich beim lieben Gott, der dynamischen Traktionskontrolle, dem ABS, der Trockenbremsfunktion, der Kurvenbremshilfe, dem Fading-Ausgleich und dem Bremsnickausgleich dafür, dass man nicht mit voller Wucht ins Lenkrad beißt oder dem Vordermann durchs Heck schießt.

Fahrdynamik und Komfort

Neben den Fahrsicherheitsassistenten haben die Münchner das 6er Coupé aber auch mit viel Komfort ausgestattet. Die Ledersitze sind vollelektrisch verstellbar, und mit der Memory-Funktion wird jeder Einstieg zur festen Umarmung eines guten Freundes. Wer will, kann es sportlich oder bequem haben. Die Gurte entspringen nicht der B-Säule, sondern sind in die Sitze integriert.

Der Turbodiesel ist ein Kraftpaket, das unbändigen Fahrspaß verspricht.
Der Turbodiesel ist ein Kraftpaket, das unbändigen Fahrspaß verspricht.

In dem sich breit machenden Mittelkanal sind der Fahrerlebnisschalter, die Steuereinheit für das Navi, Telefon, Radio und Multimedia-Soundsystem untergebracht. Wählt man für den guten Ton Bang & Olufsen, steigt der Grundpreis des 640d von 78.200 Euro noch einmal um 4900 Euro. Dafür schmettern einem aber insgesamt 16 Boxen den Sound um die Ohren, und der ist dann besser, als der der heimischen Stereoanlage. Als Sonderausstattung ist auch eine mit feinstem Nappa überspannte Instrumententafel zu haben, deren Nähte in Kontrastfarben, passend zu den Ledersitzen, gesteppt sind. Auch das hat seinen Preis, und die Pragmatiker werden sagen: überflüssiger Tand! Ja, lautet die Antwort, fasst sich aber gut an und ist unheimlich schön.

Um das 4,89 Meter lange Sport-Coupé sicher in die Parklücken zu bugsieren, wurden dem Testwagen eine Rückfahrkamera und ein sogenannter Surround View spendiert. Eine dankenswerte Beigabe, denn Ende und Anfang des Coupés sind aus der Perspektive des Fahrers kaum auszumachen. Um die 21 Zoll-Niederquerschnittreifen nicht am Bordstein zu schinden, senkt sich der Seitenspiegel beim Einparken sanft ab, so dass die sich unter Umständen boshaft nähernde Kante gut im Blick bleibt.

Keine Familienkutsche

Die hintere Reihe bietet auch sehr kleinen Passagieren nur wenig Platz.
Die hintere Reihe bietet auch sehr kleinen Passagieren nur wenig Platz.

Steigen Kinder in den Boliden, könnte es sein, dass folgender Satz den stolzen Vater ernüchtert: "Boah, alles automatisch! Aber ein Familienauto ist das nicht." Nein, ist es nicht. Trotz des mit 460 Litern sehr großzügig bemessenen Kofferraums geht es im Fond des 2+2-Sitzers eng zu. Allein die Fixierung handelsüblicher Kindersitze auf den tief geschalten Rücksitzen verlangt trotz Easy Entry einiges an Sportlichkeit.

Fährt man dann die Sitze von Fahrer und Beifahrer zurück, um selbst bequem zu sitzen, muss man mit dem quengeligen Aufschrei leben: "Ich habe keinen Platz mehr." Und das bei Passagieren, deren Körpergröße 1,25 Meter nicht übersteigt. Erwachsenen geht es nicht viel besser, wobei die ihren Unmut über die zweite Reihe wesentlich vorsichtiger artikulieren. Wer einen 6er tatsächlich für die Familie plant, muss sich wahrscheinlich für das Gran Coupé entscheiden.

Vom Sportler zum Cruiser

Dennoch: als Reiselimousine für zwei ist das 6er Coupé ein Traum. Wer sich einmal entschlossen hat dem Rausch der Geschwindigkeit zu entsagen, kann mit Hilfe des Fahrmodus Eco-Pro, dem Tempomaten, Spurassistent und der Speedlimit-Erkennung selig dahin cruisen. Den Verbrauch für derart vorsichtige Fahrweise gibt BMW beim 640d mit 5,5 Liter Diesel an. Im Test verbrauchte das Kraftpaket 7,8 Liter. Ein durchaus ansprechender Wert, bedenkt man, dass viel Stadtverkehr und einige Kickdowns bei den über 1000 gefahrenen Kilometern dabei waren.

Noch etwas ist das 6er Coupé nicht: ein Stadtauto. Zwar unterstütz die Start-Stopp-Automatik an der Kreuzung den Fahrer durch Abschalten des Triebwerkes beim Spritsparen, aber bei kurz hintereinander folgenden Stopp-and-Go-Phasen nervt das dauernde An und Aus. Zumal man sich des Gefühls nicht erwehren kann, dass der Motor durch Schütteln und Brummen seinen Unmut über die verordnete Unterbrechung in den Innenraum überträgt.

Fazit: Das 6er Coupé ist gelungen wie keines seiner Vorgänger. Optisch als auch technisch setzen die Bayern Maßstäbe. Und sehen wir mal vom Preis ab ist all das, was in dem Wagen verbaut wurde mehr als zukunftsträchtig. Allein das Head-Up-Display ist etwas, das man sich in Zukunft in allen Fahrzeugen wünscht. Und noch etwas: Es gibt viele blöde Werbesprüche von Autoherstellern. Der von BMW bewahrheitet sich im 6er Coupé voll und ganz: "Freude am Fahren".

DATENBLATTBMW 6er Coupé 640d
Abmessungen4,89/ 1,89/ 1,37 m
Radstand2,85 m
Leergewicht (DIN)1790 kg
Sitzplätze2+2
Ladevolumen460 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumTwinPower Turbo-Diesel mit 2993 ccm Hubraum
Getriebe8-Gang-Automatikgetriebe mit Steptronic
Leistung313 PS (230 kW) bei 4400 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
max. Drehmoment630 Nm bei 1500  - 2500 U/min
Tankinhalt70 l
Beschleunigung 0-100 km/h5,3 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)6,74/ 4,8/ 5,5
Testverbrauch7,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
144 g/km
Grundpreis78.200,00 Euro
Preis des Testwagens111.180,00 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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