Auto

Das Undenkbare ist da: Alfa Spider 2.4 JTDM 20V

Von Axel. F. Busse

Wer in der Vergangenheit in Deutschland einen offenen Zweisitzer mit Dieselmotor fahren wollte, musste auf Stoffdach und sportliche Fahrleistungen weitgehend verzichten. Jetzt hat Alfa Romeo das früher Undenkbare realisiert – einen italienischen Roadster mit Selbstzünder auf die Räder zu stellen.

Coupé-Cabriolets mit Dieselmotor gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Doch das faltbare Stahl- oder Kohlefaserdach ist nicht jedermanns Sache und auch die 70 PS eines Opel Tigra Twin Top oder die 109 eines Peugeot 206 CC vermögen Wünsche nach ausgeprägter Fahrdynamik nicht immer zu erfüllen. Alfa setzt dem satte 200 PS entgegen, zubereitet in einem 2,4 Liter-Fünfzylinder-Motor, der auch schon im Alfa 159 und dem Coupé Brera läuft, auf deren technischer Basis der Spider aufbaut.

Die Einführung eines mäßig durstigen Selbstzünders war schon deshalb bitter nötig, weil die im Angebot befindlichen vier- und sechszylindrigen Benziner mit ihrem Spritkonsum die pekuniäre Leidensfähigkeit der Alfisti auf eine harte Probe stellen und möglicherweise Interessenten nach Alternativen suchen lassen. Laut Datenblatt soll der Spider 2.4 JTDM 20V, so die offizielle Typenbezeichnung, mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,8 Litern je 100 km auskommen.

Kräftiger Durchzug ab 2000 Umdrehungen

Schon nach dem Druck auf den Starterknopf zeigt sich der Spider als akustisches Vorbild. Nur unterschwellig ist noch typisches „Nageln erkennbar, beim Beschleunigen gibt es eine kraftvolle und einem Sportwagen angemessene Soundkulisse. Die Verbrennungsgase übrigens gereinigt durch einen serienmäßigen, wartungsfreien Partikelfilter, werde durch vier Endrohre ins Freie geleitet. Damit ist der Diesel auf dem optischen Niveau der Benziner.

Dank des mit 400 Newtonmetern üppig eingeschenktem Drehmoments darf sich der Fahrer auf überzeugende Durchzugskraft freuen. Zwar ist trotz variabler Turbinengeometrie erst oberhalb von 2000 Umdrehungen so richtig Musik drin, doch es geht deutlich zügiger voran als beim V6, der für sein maximales Drehmoment von 322 Nm immerhin 4500 U/min verlangt.

Die nunmehr sechste Generation des Spiders wirkt sehr viel harmonischer und flüssiger als beispielsweise die über elf Jahre gebaute fünfte Generation mit ihrer ausgeprägten Keilform. Der aktuelle Spider hat die dynamische Sechs-Augen-Front der Schwestermodelle 159 und Brera und ist elegant und muskulös zugleich gestylt. Innen herrscht erstaunlich viel Platz. Eben und Edel die gebürsteten Aluflächen. Tief versenkt die Rundinstrumente, klar gegliedert und zum Fahrer hin geneigt das Cockpit. Außen und innen pure Emotion. Die schicken Aluteile können allerdings dann störend werden, wenn bei geöffnetem Dach die Sonne von achtern brennt und das viele Metall stark reflektiert.

Deutlich mehr Platz als in anderen Roadstern

Wer offen fährt, wird anders als bei vielen Roadstern beim Spider nicht mit Einschränkungen der Transportkapazität bestraft. Auch das vorbildlich. Verdeck und Reisetaschen werden in getrennten Abteilen verstaut, ganze 253 Liter bleiben für das Gepäck und hinter den Sitzen ist auch noch Platz. Vom Regen überrascht zu werden, ist freilich bei Alfa Spider nicht so vergnüglich wenn das Fahrzeug rollt, verweigert der elektrische Verschlussmechanismus der Stoffhaube den Dienst.

Das Fahrwerk genügt sportlichen Ambitionen und fühlt sich auf ebenen Landstraßen besonders wohl. Zwar lässt sich das Auto auf Kopfsteinpiste nicht aus der Ruhe bringen und der Federungskomfort ist ausreichend, doch gab der Testwagen seinem Unmut über das unangemessene Terrain durch Knistern im Verdeck und Klappern im Handschuhfach Ausdruck.

Offen fahren mit mehr als 160 km/h ist selten ein Vergnügen, das trifft auch auf den Spider zu. Viel schöner ist es, gemessenen Tempos zu cruisen und das Freiluft-Vergnügen zu genießen. Dass die Tachonadel des Testwagens bei Vollgas in respektvollem Abstand zur versprochenen Höchstgeschwindigkeit von 228 km/h verharrte, sei deshalb nur am Rande erwähnt. Als ebenso praxisfern erwiesen sich die 6,8 Liter Durchschnittsverbrauch des Datenblatts. Mit neun Litern bewegte sich das Testauto im Rahmen des Erwarteten, immerhin wiegt es auch fast 1800 Kilo im Leerzustand.

Kaum ein anderer Roadster auf dem Markt spricht so die Sinne an, wie der Alfa Spider. Für den Diesel sind mindestens sportliche 38.200 Euro zu entrichten, die gehobene Ausstattung mit Tempomat, Klimaautomatik, Regensensor, 17-Zoll-Alus und Parksensor schlägt mit 41.300 Euro zu Buche.

Was eine Position „Beifahrerairbag für 20 Euro in der Liste der Sonderausstattung zu bedeuten hat, erschließt sich erst bei näherem Hinsehen. Gemeint ist die Abschaltbarkeit des Systems. Alfa täte nicht nur den Kunden, sondern auch sich selbst einen Gefallen, wenn diese Extraberechnung entfiele.

Quelle: n-tv.de

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