Die markant betonten Radhäuser lassen das Fahrzeug noch hochbeiniger erscheinen als es tatsächlich ist.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Donnerstag, 15. Oktober 2009
Praxistest mit dem Kia Sportage: Allradtechnik für Preissensible
Axel F. Busse
Das Vertrauen der Hersteller in das Wachstum des Geländewagen-Segments scheint ungebrochen. Marken, die schon lange dabei sind, müssen neuen Mitbewerbern durch Auffrischung ihrer Modelle Paroli bieten. Was sich am Kia Sportage geändert hat, erfahren Sie in diesem Praxistest.
Das Fenster der Heckklappe kann mit einer Drucktaste unter dem Markenlogo separat geöffnet werden.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Fast fünf Prozent mehr Neuzulassungen verzeichnete das Kraftfahrtbundesamt in den letzten neun Monaten quer durch den Allradsektor, und das, obwohl der frühere Spitzenreiter BMW X3 fast 30 Prozent einbüßte. Auch die M-Klasse von Mercedes wurde gerupft (minus 51 Prozent) und Audis Q7 (- 64 Prozent), doch bei den leichten Geländegängern ist noch Luft nach oben. Mitsubishi und Toyota sind dort bekannte Größen, aber auch Renault und Peugeot haben inzwischen Fahrzeuge im Angebot. Der Kia Sportage, dessen Preise von 18.990 (für einen reinen Fronttriebler) bis 28.515 Euro reichen, soll in erster Linie ein preissensibles Publikum ansprechen.
Für diesen Praxistest stand die Allradversion mit Zweiliter-Dieselmotor zur Verfügung. Das Aggregat bekam eine Kraftspritze und bietet nun 150 statt bisher 140 PS. Außerdem erreicht der Motor seine Maximalleistung schon bei 3800, statt früher bei 4000 Umdrehungen. Den Sportage des Jahrgangs 2009 erkennt man am neu gestalteten Kühlergrill, an veränderten Frontscheinwerfern und den serienmäßigen Leichtmetallfelgen, die in der EX-Version nun 17 Zoll messen. Die pausbäckig ausgestellten Radhäuser ließen wohl auf größere Felgen zu. Im Profil wirkt das Fahrzeug hochbeiniger als es mit den 195 mm Bodenfreiheit tatsächlich ist. Die Auspuffanlage endet jetzt in je einem Endrohr auf jeder Seite, das lässt die Rückansicht kraftvoll erscheinen.
Komplett-Audioanlage ab Werk
Der überarbeitete Motor leistet jetzt 150 PS, macht den Sportage aber noch nicht zu einem Temperamentsbolzen.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Auch im Innenraum wurde Hand angelegt, die Qualitätsanmutung sollte aufgewertet werden. Materialien und Schalter hinterlassen einen recht hochwertigen Eindruck, die Türinnenseiten tragen dank der Stoffbespannung zum wohnlichen Ambiente bei. Die umgestaltete Zentralkonsole ist übersichtlich und klar strukturiert. Nur wer instinktiv den Warnblinker-Schalter in der Mitte sucht, muss zweimal hinsehen, denn er sitzt links neben dem Digital-Display. Anderswo Standard, aber im Kia noch nicht realisiert, ist eine Blinkerautomatik, die nach kurzem Antippen ohne Einrasten des Hebels drei Signale absetzt. Als wichtigste Neuerung im Innenraum sieht man beim Hersteller das ab Werk eingebaute Audiosystem mit RDS-Radio und CD-Player. Standardmäßig verfügt es über sechs Lautsprecher sowie einen AUX-Eingang und einen USB-Port.
Wer dennoch damit liebäugelt, 1.959 Euro extra auszugeben, um das fest installierte Multimedia-Navigationssystem zu bestellen, sollte es sich beim Händler erst einmal genau anschauen. Das Clarion-Fabrikat wird mittels einer kombinierten Touchscreen- und Tastenbedienung gesteuert. Fummelige Mini-Knöpfe umgeben den Bildschirm, deren Funktion nur erraten oder mit der Lupe identifiziert werden kann. Der Suchlauf des Radios ist umständlich zu aktivieren. Im Navi-Modus sind Zielführung und Stauumfahrung ganz ordentlich, aber der minimale Maßstab von 250 Metern ist nicht praxisgerecht und die Detailtiefe der Grafik dürftig.
Die neue Mittelkonsole ist übersichtlich und freundlich gestaltet, oberhalb befindet sich noch eine Ablage.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Der Sportage hat für vier erwachsene Passagieren bequemen Platz. Zwar wurde die Sitzanlage überarbeitet, doch die breiteren Sitzflächen und Rückenlehnen sind nicht so deutlich ausgeformt, dass sie besseren Halt böten. Im Fond muss man sich keine Sorge um Kopf- oder Kniefreiheit machen. Der Kofferraum fasst bis unters Dach 573 Liter, bei umgelegten Rücksitzen sind es maximal 1411 Liter. Die zweigeteilte Heckscheibe ist ein Pluspunkt gegenüber anderen Fahrzeugen dieser Klasse, und auch die nach Umlegen der Rücksitze ebene Ladefläche spricht für den Sportage.
Allradantrieb manuell sperrbar
Diese Vorteile werden leider durch die Radhäuser wieder eingeschränkt, die die verfügbare Fläche schmaler machen. Die große Hecktür schwingt zwar weit genug auf, dass Kopfnüsse nicht zu befürchten sind, aber die Beladefreundlichkeit wird von der mehr als 70 Zentimeter hohen Ladekante getrübt.
Im Fahrverhalten erwies sich der Diesel-Sportage als unkompliziert und konkurrenzfähig. 305 Newtonmeter maximales Drehmoment sind zwar kein Spitzenwert, jedoch genug, um die Fuhre ansprechend zu beschleunigen. Erstaunliches zeigte der Testwagen auf der Autobahn, wo er ohne Mühe statt der werksseitig angegebenen 177 km/h sogar GPS-gemessene 185 km/h erreichte. Wer im entspannten Alltagsbetrieb die Drehzahl auch mal unter die 1800er-Marke fallen lässt, darf sich über die Mühe nicht wundern, die der Wagen hat, wieder Tritt zu fassen. Bis der Turbolader für Schub sorgt, kann schon ein Moment vergehen. An der Laufkultur gibt es nichts zu kritteln, der Motor arbeitet geräuscharm und unauffällig.
An zwei Auspuff-Endrohren ist der aktuelle Sportage vom Vorgängermodell zu unterscheiden.
(Foto: Textfabrik/Busse)
Das Fahrerlebnis bietet außer der erhöhten Sitzposition nur wenig Unterschied zu einem Pkw. Lediglich leichte Wankbewegungen waren beim Slalom hinzunehmen, denn der 1,7-Tonner hat einen bauartbedingt erhöhten Schwerpunkt. Die Lenkung ist leichtgängig, könnte aber etwas direkter sein. Lediglich bei Querfugen ließ der Federungskomfort etwas zu wünschen übrig. Der Allradantrieb wird elektronisch geregelt. Im Normalfall, das heißt auf Asphalt und bei solider Traktion, ist das Auto als Fronttriebler unterwegs. Erst wenn die Griffigkeit des Belags nachlässt, wird Antriebsmoment auf die Hinterachse geleitet. Sollte es mal ganz Dicke kommen, kann der Fahrer auch eine manuelle Sperre aktivieren, die dann für eine feste 50:50-Kraftverteilung sorgt.
Ab 25.840 Euro zu haben
Im Datenblatt ist der Durchschnittsverbrauch ist der Kia mit 7,1 Litern Diesel pro 100 Kilometer angeben. Das Ergebnis des Praxistests sieht mit 7,5 Litern recht genügsam aus. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, dass der Testwagen überwiegend auf der Langstrecke und mit moderatem Tempo eingesetzt war. Wie bei anderen, mit manuellem Getriebe ausgestatteten SUV auch, kann der Fahrer durch frühzeitiges Hochschalten ein gutes Stück zur Wirtschaftlichkeit beitragen.
Mit Allradantrieb und Dieselmotor ist der Kia Sportage LX ab 25.840 Euro zu haben Gleich motorisierte Konkurrenten von Toyota (RAV4) oder Ford (Kuga) liegen deutlich darüber. Selbst für das Schwestermodell aus dem Hyundai-Konzern, den Tucson, werden fast 3000 Euro mehr verlangt. Topmodell der Sportage-Diesel ist die EX-Version für 27.240 Euro, das unter anderem Lederlenkrad, Sitzheizung, CD-Radio mit USB-Anschluss, Nebelscheinwerfer, Klimaautomatik, elektrische Fensterheber und einen Tempomat mit an Bord hat.