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Mit dem neuen Audi A4 hat Ingolstadt nicht die Revolution in Sachen Design gestartet, aber eine Evolution eingeleitet.
Mit dem neuen Audi A4 hat Ingolstadt nicht die Revolution in Sachen Design gestartet, aber eine Evolution eingeleitet.

Audi A4 1.8 TFSI: Aufgeladener Dauerbrenner

von Holger Preiss

Wirklich alt sah der Audi A4 nie aus. Zum einen ist das seinen unverfänglichen Linien geschuldet, zum anderen den seit Jahren konstant guten Verkaufszahlen. Mit dem Neuen haben sich die Ingolstädter dann auch auf die inneren Werte gestürzt und unter anderem ein sehr interessantes Triebwerk im Angebot.

Lassen wir doch mal das ganze Gerede von: "der neue A4" sieht gar nicht neu aus. Oder: Da hat sich optisch gar nichts verändert. Natürlich ist der A4 nicht wirklich neu. Die Linien sind bekannt, aber ordentlich geschärft. Die Motorhaube zeigt jetzt eine deutliche Wölbung, die Querrippe und die Audi-Ringe sind dreidimensional betont und die oberen Ecken des Singleframe-Grills wurden angeschrägt.

Kleine Retuschen schärfen die Optik.
Kleine Retuschen schärfen die Optik.

Die Stoßfänger fallen durch die kantigen Lufteinlässe auf. Die scharf gezeichneten Scheinwerfer unterstützen den bissigen Auftritt des A4, und eben diese Linien finden sich auch in den Rückleuchten wieder. Der sportliche Charakter wird durch zwei Endrohre unterstützt, die jetzt bei allen Modellen Serie sind.

Also von wegen, es hat sich an der Optik nichts verändert. Audi hat sie nicht revolutioniert, das ist wohl wahr, aber eine Evolution ist es allemal. Und warum sollte man auch Altbewährtes verwerfen, wenn doch seit Jahren die Verkaufszahlen stimmen.

Die inneren Werte zählen

Viel hat Audi in das Innenleben des A4 gesteckt. Über die hohe Wertigkeit der Materialien muss man kaum ein Wort verlieren. Ebenso wenig über die perfekte Verarbeitung. Da klappert nichts, die Haptik ist einwandfrei, Armaturentafeln sind im direkten Blickfeld des Fahrers und sämtliche Tasten und Knöpfe sind mit Bedacht an den richtigen Stellen angebracht.

Alles findet sich im A4 am rechten Platze.
Alles findet sich im A4 am rechten Platze.

Im Innenraum geht es angenehm luftig zu, obwohl die Maße des Neuen kaum von denen des Vorgängers abweichen. Normal gewachsene Passagiere finden sowohl auf den vorderen Plätzen als auch im Fond ausreichend Platz. Groß gewachsene Reisende könnten sich auf den hinteren Sitzen im Fuß- und Knieraum etwas eingeengt fühlen. Die im Testwagen vorgefundene Sportbestuhlung gibt sich angenehm straff und dennoch komfortabel. Der Kofferraum hat mit 480 Litern ordentliche Maße. Wie bei allen Limousinen stört aber auch beim A4 die hohe Ladekante.

Das Kraftpaket unter dem Kofferraum

Verfügt der Wagen über eine Start-Stopp-Automatik, wird der überraschte Fahrer beim Heben des Kofferraumbodens weder Reserverad noch Werkzeug finden, sondern eine riesige Batterie. Das hier verbaute Kraftwerk soll für die spritsparende Stadtfahrt und den Betrieb von Standheizung und Lüftung sorgen.

Das Kraftwerk für die Start-Stopp-Automatik befindet sich dort, wo man eigentlich ein Reserverad vermutet.
Das Kraftwerk für die Start-Stopp-Automatik befindet sich dort, wo man eigentlich ein Reserverad vermutet.

Wird während des Ampelhalts der Leerlauf eingelegt und die Kupplung losgelassen, schaltet der Motor automatisch ab. Ein kurzer Tritt auf das Kupplungspedal startet das Triebwerk wieder. Diese Technik verlangt entsprechende Energiereserven und erklärt den großen Akkumulator unter dem Kofferraum. Es wirft aber auch die Frage auf, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt, den Kraftspender zu verstauen.

Wie ein kräftiger Diesel

Die erfreulichste Neuerung am Test-Audi ist in jedem Fall das Triebwerk. Der 1.8 TFSI  leistet 170 PS, die bereits bei 3800 Kurbelwellenumdrehungen anliegen. Das exakt schaltbare Sechsgang-Getriebe führt so zu einem Drehzahlniveau wie bei einem kräftigen Diesel. Bei 100 km/h im sechsten Gang schnurrt der A4 wie ein Stubentiger, wenn er hinter den Ohren gekrault wird, mit weniger als 2000 Umdrehungen dahin und hat trotzdem noch ausreichend Kraft, um ohne zurückzuschalten an Geschwindigkeit zuzulegen.

Zwei Endrohre gibt es jetzt bei allen A4 in Serie.
Zwei Endrohre gibt es jetzt bei allen A4 in Serie.

Bereits bei 1400 Umdrehungen stemmt der Turbo mit vier Zylindern und variabler Steuerung sein maximales Drehmoment von 320 Newtonmetern. Beim Start und bei hoher Motorlast bezieht der Motor den Kraftstoff per Direkteinspritzung. Bei Teillast geht er zur klassischen Saugrohreinspritzung über. Das soll vor allem den Verbrauch senken. Hier liegt dann aber auch die Krux.

Kein Sparmeister

Audi verspricht laut DIN einen Verbrauch von 5,7 Litern im Mix. Unhaltbar. Die größte Durststrecke legt der 1.8 TFSI bei flotter Autobahnfahrt zurück. Bei einem konstanten Tempo von 160 km/h zieht das kleine Kraftpaket 8,7 Liter. Im Mix aus Stadtverkehr und Autobahn fließen immerhin noch 7,9 Liter Super auf 100 Kilometern. Angesichts der spontanen Kraftentfaltung des Triebwerks ist das ein annehmbarer Wert.

Ärgerlich sind eben nur die Begehrlichkeiten, die durch die im Datenblatt mitgelieferten Vorgaben geweckt werden. Die sind im Übrigen auch nicht erfüllt, wenn man sich strikt an die durch die Elektronik angegebene Gangwahl hält. Effizientes Fahren heißt hier: extrem untertourig unterwegs zu sein. Bereits bei 60 km/h wird der fünfte Gang empfohlen, bei etwa 80 km/h ist man im sechsten. Wer jetzt auf den schnellen Sprint hofft, der muss selbst bei einem beherzten Tritt auf das Gaspedal lange warten.

Der Spaß fährt mit

Die Navigationseinheit mit Multi-Funktions-Rad ist logisch aufgebaut, aber nicht selbsterklärend.
Die Navigationseinheit mit Multi-Funktions-Rad ist logisch aufgebaut, aber nicht selbsterklärend.

Um die Dynamik bei einem Überholvorgang auszuschöpfen, sollte unbedingt die kleinere Übersetzung gewählt werden, die den Audi dann pfeilschnell an anderen Verkehrsteilnehmern vorbeiziehen lässt. Immerhin jagt der 1,5 Tonnen schwere A4  in knapp 8 Sekunden auf Tempo 100 und sprintet locker auf die Spitzenmarke von 230 km/h.

Das macht Spaß und dank des Sportfahrwerks des Testwagens lassen sich auch flotte Kurvenfahrten problemlos mit dem Fronttriebler meistern. Der Federungskomfort ist gut, störend wirkt nur die mitunter stoßige Forderachse. Wer einen A4 in der Basisausstattung wählt, der sollte nicht knausern und die 168,07 Euro für das von Audi angebotene "drive select" ausgeben. Im Basis-Paket kann der Fahrer mit ihm die Kennlinie des Gaspedals, die Schaltpunkte des Automatik­getriebes, die Lenkunterstützung und die Arbeit der Klimaautomatik in vier Stufen umschalten.

Sprachübung mit Hindernissen

Innovativ zeigen sich die Ingolstädter auch beim Infotainmentsystem MMI Navigation plus. Mit enthalten ist hier auch eine Sprachsteuerung. Die Verständigung zwischen dem Tester und der sehr ansprechenden Frauenstimme klappt leider nicht immer. Entweder war der zu nuschelig oder die Spracherkennung ist noch nicht bis ins letzte Detail ausgefeilt. Nach mehreren Missverständnissen wurde die Kommunikation nach dem dritten Versuch regelgerecht abgebrochen. Seitdem ist unser Verhältnis etwas gestört und wir haben im gegenseitigen Einvernehmen weitere Gesprächsversuche unterlassen.

Geht ja auch anders - mit dem Multi-Funktions-Rad und den vier Knöpfen ringsherum. Leider ist auch hier die Bedienung nicht intuitiv und es kann nur davon abgeraten werden, die Vielfältigkeiten des Systems während der Fahrt zu probieren. Es sei denn, man möchte die Tauglichkeit der Bremsen am rasenden Objekt ausprobieren. Die beißen im Übrigen ordentlich und verhinderten bei dem Versuch, das Smartphone via Bluetooth mit der Multimedia-Einheit zu synchronisieren, einen Auffahrunfall. Beim Bildschirm könnte eine Fingerbedienfunktion helfen, um wildes Scrollen mit dem Drehrädchen in der Mittelkonsole zu vermeiden. Es sei noch angemerkt, dass der multimediale Luxus seinen Preis hat. Audi möchte für das MMI Navigation plus 2361 Euro haben.

Fazit: Insgesamt bleibt der A4 ein Auto ohne Fehl und Tadel. Für ein entsprechendes Entgelt lässt er sich mit mannigfachen Assistenzsystemen ausstatten, kann die Bestuhlung mit feinem Nappa überspannt werden und ein klanggewaltiges Audio-Sound-System Musikliebhaber zum Schwelgen bringen. Allerdings rutscht der Basispreis dann von knapp 30.000 Euro locker auf die 50.000 Euro-Marke. Sparfüchse sollten also genau abwägen, was hier ein "Must have" ist.

 

DATENBLATTAudi A4 1,8 TFSI
Abmessungen4,70/ 1,82/ 1,42 m
Radstand2,80 m
Leergewicht (DIN)1430 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen480 l / 962 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Vierzylinder mit 1798 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung170 PS (125 kW) bei 3800 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit230 km/h
max. Drehmoment320 Nm bei 1400  - 3700 U/min
Tankinhalt63 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,1 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)7,4/ 4,8/ 5,7
Testverbrauch8,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
173 g/km
Grundpreis30.900,00 Euro
Preis des Testwagens47.264,99 Euro

Quelle: n-tv.de

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