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Das neue C 250 Coupé von AMG.
Das neue C 250 Coupé von AMG.(Foto: Axel F. Busse)

Würzmischung aus dem AMG-Regal: C 250 Coupé als Appetithappen

Von Axel F. Busse

Klassische Coupés stehen - unabhängig von Marke und Hersteller - in dem Ruf, weniger Auto für mehr Geld zu bieten. Das liegt daran, dass sie nur zwei Türen haben. Die Sport-Variante des Mercedes C-Coupés verspricht jedoch allerhand andere Appetithäppchen.

Die Sportsitze geben perfekten Halt und sind äußerst bequem.
Die Sportsitze geben perfekten Halt und sind äußerst bequem.(Foto: Axel F. Busse)

Obwohl A- und B-Klasse auch viele preissensible Kunden ansprechen, gehört die C-Klasse von Mercedes nach wie vor zu den volumenstärksten Baureihen der Modellpalette. "Mit den Sport-Modellen", sagt Joachim Schmidt, Mitglied der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Cars, "verschieben wir den Akzent bei der C-Klasse etwas stärker in Richtung Sportlichkeit". Die technisch und optisch aufgewerteten Sport-Modelle soll es künftig auch in anderen Baureihen geben.

Es ist dem C-Coupé nicht abzusprechen, dass es im Sportdress eine gute Figur macht. Die Haus-Tuner von AMG haben ihre Regale weit geöffnet und so finden sich außen und innen eine Reihe von Dekor- und Technik-Details, die dem doch eher dezent gestylten Zweitürer eine gehörige Prise Dynamik und appetitliche Würze verleihen. Unter anderem sind AMG-Leichtmetallräder im 7-Doppelspeichen-Design montiert, das AMG-Styling umfasst zusätzlich Frontschürze, Seitenschwellerverkleidungen und Heckschürze, den Kofferraumdeckel ziert eine Abrisskante. Drinnen nehmen die Passagiere auf elektrisch verstellbaren Sportsitzen in Ledernachbildung Platz. Mit anglisierter Aussprache wird so aus der Fitness-Kur fast noch ein Reim: "Ein bisschen Ey-Em-Djie schadet nie".

Munterer Turbo mit Pfiff

Das Sport-Modell gibt es sowohl mit Otto- als auch mit Dieselmotor. Der Benziner des Testwagens holt aus 1,8 Litern Hubraum mittels Turboaufladung 204 PS. Geschaltet wird automatisch oder per Fingerzug an den Schaltpaddeln, die an der Lenksäule angebracht sind. Eine Abschalt-Automatik zur Verbrauchsminderung ist obligatorisch, mit einem sensiblen rechten Fuß kann man sie im Stop-and-Go-Verkehr aber überlisten und vom Unterbrechen des Motorlaufs abbringen.

Aus 1,8 Litern Hubraum holt der aufgeladene Vierzylinder 204 PS.
Aus 1,8 Litern Hubraum holt der aufgeladene Vierzylinder 204 PS.(Foto: Axel F. Busse)

Der Vierzylinder läuft sehr geschmeidig und kultiviert. Kurz nach dem Start verschafft sich der Turbolader noch durch leises Pfeifen Gehör, später bleibt auch dieses Geräusch unterschwellig. Beim Beschleunigen ist der Sound handfest und kraftvoll, so wie es sich für ein Auto mit Sportabgasanlage gehört. Für die Käufer der Diesel-Variante wird sogar noch ein bisschen nachgeholfen - da spendieren die Techniker einen Soundgenerator für den Endschalldämpfer. Dass die Motorsteuerung mit einer schärferen Gaspedalkennlinie versehen wurde, glaubt man unbesehen, denn spontan und unmittelbar reagiert das Coupé auf Leistungsabruf: Das maximale Drehmoment von 310 Newtonmetern steht ab 2000 Umdrehungen zur Verfügung.

Um den insgesamt sehr agilen und dynamischen Fahreindruck zu erzeugen, wurde aber noch an vielen anderen Stellschrauben gedreht: Das unten abgeflachte 3-Speichen-Multifunktionslenkrad wirkt auf eine direkt übersetzte Parameter-Lenkung und auch die Schaltzeiten des Getriebes wurden verkürzt und sportlich abgestimmt. Wer den verbrauchsoptimierten Weg von A nach B sucht, dem wird eine automatische Zwischengasfunktion ein Gräuel sein, sie ist aber hilfreich für sportliche Gangwechsel.

Den Komfort nicht vergessen

Kräftige Längsdynamik will sicher kontrolliert und im Zweifelsfall auch schnell wieder eingefangen sein, weshalb Fahrwerk und Bremsen ebenfalls besondere Fürsorge erfahren. Das AMG-Sportfahrwerk ist in Feder- und Dämpferabstimmung optimiert, Kurvenspaß ist garantiert. Die Sportbremsanlage hat vorne innen belüftete Scheiben, die größer dimensioniert sind als beim Standardmodell. Die Kommunikation zwischen Bremsen und Getriebe klappt hervorragend, bei starker Verzögerung wird automatisch eine kürzere Übersetzung gewählt. Mehrlenkervorder- und die Raumlenkerhinterachse lassen bei aller Sportlichkeit genügend Platz für eine komfortable Beförderung, wie sie von einem Mercedes erwartet wird.

Die Abrisskante auf dem Kofferraumdeckel dient besserer Aerodynamik.
Die Abrisskante auf dem Kofferraumdeckel dient besserer Aerodynamik.(Foto: Axel F. Busse)

Wirklicher Fahrspaß kann aber nur dann aufkommen, wenn man gut sitzt. Und das tut man im C 250 Sport Coupé. Die Sitze aus der AMG-Werkstatt sind zweifellos das Beste am ganzen Auto. Wem die serienmäßig in Rot gehaltenen Sicherheitsgurte zu dick aufgetragen erscheinen, kann sie abbestellen. Was es aber leider auch gegen Aufpreis nicht gibt, ist eine Höhenverstellung für den Umlenkpunkt des Gurtes. Die roten Rückhaltebänder korrespondieren gut mit den gleichfarbigen Kontrastnähten am Lenkrad, an Polstern, Türmittelfeldern, Armauflagen der Türen, der Mittelkonsole und am Schaltbalg. Wulstige Seitenpolster schmiegen sich perfekt an den Körper, auch die Kopfstützen werden elektrisch bewegt.

Aufgrund der bescheidenen Platzverhältnisse hinten werden die Rücksitze wohl nur selten in Anspruch genommen. Als Fluchtfahrzeug eines Bankräuber-Trios taugt das C-Coupé jedenfalls definitiv nicht, denn der ebenfalls motorische Vorschub der Frontsitze nötigt einem mehr Geduld ab als die meisten Passagiere haben. Ganze zwölf Sekunden dauert es, bis Polster und Lehne so weit in Richtung Handschuhfach gesurrt sind, dass der Zustieg nach hinten frei wird. Halbwüchsige können dort recht kommod sitzen, ab 1,80 Metern Körpergröße wird die Luft über dem Scheitel knapp.

Kontrastarme Hauptinstrumente

Ein Kofferraumvolumen von 450 Litern ist enorm für ein Coupé und auch die nur 60 Zentimeter hohe Ladekante ist sehr beladefreundlich. Schade nur, dass man bauartbedingt nicht die Vorzüge einer Heckklappe in Anspruch nehmen kann. Das kontrastarme Design der Hauptinstrumente passt zwar zum sportlichen Outfit, ist aber nicht ohne Tücken. Wer bei Schmuddelwetter gern mit Abblendlicht fährt, muss sich an die eingeschränkte Ablesbarkeit gewöhnen. Winter und Heckantrieb sind bekanntlich nicht die besten Freunde, weshalb es hier und da einmal nötig sein kann, das ESP vorübergehend auszuschalten. Anstatt in einer entsprechenden Taste an der Mittelkonsole ist diese Funktion beim C-Coupé in den Tiefen des Command-Menüs versteckt. Das sollte man wissen, bevor einem an der verschneiten Steigung die Motorkraft wegregelt.

Ein hoher Anteil von Kurzstreckenverkehr war dafür verantwortlich, dass der Testwagen bei der Verbrauchsermittlung das EU-Normziel deutlich verfehlte. Doch auch mit unter neun Litern stehen Fahrspaß und pekuniärer Aufwand noch in einem zumutbaren Verhältnis. Der Grundpreis des Fahrzeugs ist mit 46.433 Euro nicht gerade günstig, Wertstabilität und Ausstattung können aber auf der Habenseite verbucht werden.

Fazit: Wer die C-Klasse als Brot-und-Butter-Auto ansieht, kann das Sport-Coupé getrost als Sahneschnittchen werten. Die Anschaffung werden wohl vor allem Kunden ins Kalkül ziehen, die noch ein geräumiges Nutz-Fahrzeug in der Garage haben und für lustvolle Ausflüge am Wochenende eine emotional aufgeladene Variante mit Stern am Bug suchen. Ein SL zum Beispiel würde das Budget deutlich stärker belasten.

DATENBLATTMercedes C 250 Sport Coupé
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,59/ 1,77/ 1,41 m
Radstand2,76 m
Leergewicht (DIN)1550 kg
Sitzplätze4
Ladevolumen450  l
Maximale Zuladung470 kg
Motor/HubraumVierzylinder-Ottomotor mit Abgasturbolader, 1796 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang Doppelkupplungs-Automatikgetriebe                                                                                                                                                     
Leistung204 PS (150 kW) bei 5500 U/min
KraftstoffartSuper bleifrei
AntriebHinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit240 km/h
max. Drehmoment310 Nm bei 2000 - 4300 U/min
Tankinhalt59 l
Beschleunigung 0-100 km/h7,2 s
Normverbrauch (innerorts / außerorts / Durchschnitt)9,1  l / 5,7 l / 7,0 l
Testverbrauch8,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
163 g/km
Grundpreis46.433,80 Euro
Preis des Testwagens59.952,20 Euro
Bilderserie

Quelle: n-tv.de

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