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Praxistest
Das Coupé macht den Sportler: Bei Kia ist der ProCee'd als Dreitürer die dynamische Variante des Kompaktwagens Cee'd.

Das Coupé macht den Sportler: Bei Kia ist der ProCee'd als Dreitürer die dynamische Variante des Kompaktwagens Cee'd.
(Foto: Markus Mechnich)

Mittwoch, 28. April 2010

Praxistest Kia ProCee'd: Coupé macht in Sport

Markus Mechnich

Für den Sport in der Kompaktklasse ist bei Kia der ProCee'd zuständig. Die Coupé-Version des Kompakten Cee'd ist auf Sport getrimmt und soll Autos wie dem Astra GTC, dem Honda Civic Type S oder dem VW Golf GTI Paroli bieten. Wir haben ihn auf die Probe gestellt.

Der Dreiklang bei Kia in Sachen Kompaktklasse ist mit dem ProCee'd abgerundet. Neben der Steilhecklimousine gibt es den Kombi, genannt Sporty Wagon, und eben das sportlich angehauchte Coupé mit drei Türen. Damit wollen die Koreaner auch im Revier der jüngeren, dynamisch orientierten Klientel wildern. Das ist nicht einfach, denn in der Kompaktklasse geht es heiß her, was den Wettbewerb angeht.

Zwar wurden dort von Januar bis März dieses Jahres 189.243 Autos verkauft, aber in diesem Segment ist mittlerweile fast jeder Hersteller vertreten. Selbst Premiumanbieter wie BMW, Audi und Mercedes haben hier ihre Eisen im Feuer. Vor allem aber gibt es dort einen unbestrittenen Platzhirsch: Auf das Konto des VW Golf alleine gehen mit 68.043 Einheiten mehr als ein Drittel der Gesamtverkäufe. Da nimmt sich der Anteil des Kia Cee'd mit 2710 angemeldeten Autos doch recht bescheiden aus.

Dabei ist dieses Fahrzeug ganz und gar auf den europäischen Markt ausgerichtet und wird auch exklusiv hier verkauft. Entworfen wurde es im Designzentrum in Rüsselsheim, wo auch Fahrwerk und Lenkung abgestimmt werden. Gebaut wird es im slowakischen Werk Zilina. Diese Ausrichtung ist dem Auto durchaus schon auf den ersten Blick anzusehen, gerade beim ProCee'd, der sich etwas flacher als der Steilheck-Kollege zeigt. Die Frontschürze ist durch optische Tricks relativ weit nach unten gezogen. An der Kofferraumklappe ziert ein dezenter Spoiler das Heck, seitlich zeigen ins Blech gemeißelte Sicken die dynamischen Ambitionen des Autos an.

Erleichterter Zugang

Der grundlegende Unterschied zwischen dem ProCee'd und der normalen Version sind aber die drei Türen. Um 24,5 Zentimeter überragen die beiden seitlichen Öffnungen die des normalen Cee'd. Da ist schon Vorsicht angesagt auf dem Supermarktparkplatz, sonst hat der Nachbar schnell mal eine Beule im Blech.

Mit seinen Fahrleistungen kann er sicher nicht den GTIs und GTCs dieser Welt Angst einjagen.

Mit seinen Fahrleistungen kann er sicher nicht den GTIs und GTCs dieser Welt Angst einjagen.
(Foto: Markus Mechnich)

Die großen Türen sind aber notwendig, denn schließlich soll es Passagieren auch ermöglicht werden, auf die hinteren Sitze zu klettern. Das gelingt ganz ordentlich, denn mit einem Handgriff lässt sich das vordere Gestühl zur Seite schieben. Im Fond geht es natürlich etwas enger zu als bei der Limousine, aber selbst Erwachsene bis zu einer Größe von 1,80 Metern können da noch recht bequem sitzen. Für Größere wird es dann wohl zu eng ums Beinkleid. Vorne sind die Platzverhältnisse recht komfortabel.

Platz im Heck

Wie beim herkömmlichen Cee'd lässt sich die Rückbank asymetrisch umlegen und erweitert den vorhandenen Platz von 340 Liter auf maximal 1210 Liter. Das ist für die Größe des Autos von 4,25 Meter und die Karosserieform ein recht beachtlicher Wert, der dadurch ermöglicht wird, dass die Ingenieure den Radstand des Fahrzeugs von 2,65 Metern unangetastet ließen.

Optisch ist die Form der Karosserie gelungen. Die Türen schwingen, bei Dreitürern eben üblich, weit auf.

Optisch ist die Form der Karosserie gelungen. Die Türen schwingen, bei Dreitürern eben üblich, weit auf.
(Foto: Markus Mechnich)

In unserem Testwagen fanden wir mit "Vision" weitestgehend die Basisausstattung vor. Die ist nicht unbedingt üppig, hat aber alles was benötigt. Über das Lenkrad kann die Audioanlage mit MP3-Funktion gesteuert werden, ebenso wie der Bordcomputer. Über zwei Stockhebel werden Licht und Scheibenwischer gesteuert, ganz klassisch also. Mit der Neuauflage des Cee'd hat auch sein Sportsbruder die neu gestaltete Mittelkonsole geerbt. Die ist funktional gehalten, zeigt sich optisch aber ansprechender und lässt sich gut bedienen. Allerdings entpuppt sich das, was dort seitlich wie Aluminium aussieht, ebenso wie auf dem Lenkrad als Imitat aus Hartplastik.

Verbrauch über der Norm

Neu ist auch der 1,6-Liter-Diesel, den der Kia ProCee'd als eine von vier Optionen anbietet. Mit dem neuen Aggregat versucht Kia den schwierigen Spagat zwischen sportlichen Ambitionen und ökonomischen Kraftstoffkonsum. Damit der gelingt, bieten die Koreaner ein Start-Stopp-System namens ISG (300 Euro) an. Das spart Kraftstoff, aber bei uns verweigerte sie allerdings das ein oder andere Mal ohne erkennbaren Grund das Ausschalten des Motors. Der neue Antrieb zeigt sich für seine bescheidenen Kraftreserven als eine ordentliche Motorisierung für das Auto. 

Auch den Innenraum hat man bei Kia aufgewertet. Leder und Alu-Imitat schmücken das Armaturenbrett.

Auch den Innenraum hat man bei Kia aufgewertet. Leder und Alu-Imitat schmücken das Armaturenbrett.
(Foto: Markus Mechnich)

Sein maximales Drehmoment von 260 Newtonmeter stellt der Selbstzünder zwischen 1900 und 2750 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung. 90 Prozent davon stehen bereits bei 1500 Umdrehungen zur Verfügung. Der Verbrauch soll im Mittel bei 4,5 Litern auf 100 Kilometern liegen. Dabei werden 117 Gramm CO2 freigesetzt, womit der Cee'd gerade so als steuerbefreit durchgeht. Allerdings erfüllt der Motor leider nur die Euro-IV-Norm.

Diese Angabe war in der Realität allerdings nicht nachzuvollziehen. Auf der langen Fahrt von 700 Kilometern mit einem hohen Autobahnanteil lag unser Verbrauch bei 6,2 Litern. Im Stadtverkehr erhöhte er sich, dank Start-Stopp, auf lediglich 6,9 Liter. Das ist in Ordnung, aber doch deutlich unter der Angabe des Normverbrauchs. Der Fahrstil bei unseren Tests war neutral bis etwas sportlich. Das Triebwerk verzeiht allerdings auch den beherzteren Tritt auf das Gaspedal, denn auch dann steigt der Verbrauch nicht sprunghaft.

Freude auf der Landstraße

Gar nicht so ohne, dieser Kia: Wirtschaftlich ein interessantes Angebot. Für den großen Sport muss man wohl mehr Geld in die Hand nehmen.

Gar nicht so ohne, dieser Kia: Wirtschaftlich ein interessantes Angebot. Für den großen Sport muss man wohl mehr Geld in die Hand nehmen.
(Foto: Markus Mechnich)

Richtig Freude bereitet das straffe Fahrwerk des ProCee'd. Die Einzelradaufhängung vorne und hinten stabilisiert das Auto zuverlässig und durch den langen Radstand zeigt sich der Korea-Sportler auch spurstabil. Für den ProCee'd wurde das Fahrwerk, welches vorne auf McPherson-Federbeinen und hinten auf einer Mehrlenkerachse ruht, noch einmal etwas sportlicher abgestimmt. Mit dem Auto lässt es sich sehr schön auf Landstraßen auf Kurvenjagd gehen. Allerdings reicht für die ordentliche Hatz über Land die Leistung des Motors dann doch nicht so ganz. Nicht so optimal fanden wir die Bremsen und ihre Verzögerung. An der Stelle würde man sich etwas mehr Biss wünschen.

Das ist vielleicht das Manko des ProCee'd. Er macht zwar auf Sport, doch die richtige Motorisierung dazu gibt es für ihn nicht. Zwar ist der Zwei-Liter-Diesel etwas kräftiger, aber auch mit 140 PS wird er einem Golf GTD keinen Schrecken einjagen. Die stärkste Motorisierung ist der Zwei-Liter-Benziner mit 143 PS. Da bleibt noch Raum für Fantasie. Interessant wäre beispielsweise der 2,2-Liter-Diesel aus dem Sorento mit seinen 197 PS mal im ProCee'd zu fahren.

Kampfpreis mit Garantie

Was Kia am Ende immer wieder ausmacht ist natürlich der Preis. Die Basis für den ProCee'd mit dem 1,6-Liter-Diesel liegt bei 18.100 Euro. Das ist durchaus günstig, kostet doch ein Golf mit dem kleinsten Diesel schon mehr als 20.000 Euro. In unserem Testwagen hatten wir zusätzlich zur Basisausstattung nur das Sommerpaket für 870 Euro und die Start-Stopp-Automatik für 300 Euro zusätzlich. So kam unser ProCee'd auf 19.270 Euro. Wirtschaftlich interessant ist die Garantie von sieben Jahren, die Kia auf das Auto gibt und mittlerweile auch für den Antriebsstrang gilt. Gegen Durchrosten wird sogar für zwölf Jahre gebürgt.

Der macht schon Spaß, dieser ProCee'd, das lässt sich als Fazit durchaus sagen. Grundsätzlich ist das Auto solide, aber nicht unbedingt hochwertig. Fahrwerk und Platzverhältnisse dürften den Besitzern Freude bereiten. Auch der neue Diesel-Motor ist in Ordnung, auch wenn er etwas mehr Sprit nimmt als geplant. Schade nur, dass die sportlichen Ansprüche am Ende dann doch nicht so ganz eingehalten werden können. Für dynamisch interessierte Rechner ist das Auto in jedem Fall eine Option. Echte Sportler wird der Kia ProCee'd nicht glücklich machen können. Aber dafür müssen die für ihre PS-Protzen am Ende auch deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Datenblatt

 
Abmessungen LxBxH
4.25 / 1,79 / 1,45 Meter
Leergewicht
1358 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
normal/maximal
340 / 1210 Liter
Maximale Zuladung
502 kg
Motor
Diesel-Motor mit vier Zylindern in Reihe
1,6 Liter Hubraum
Antrieb und Getriebe
Frontantrieb,
5-Gang Schaltung
max. Leistung
115 PS (85 kW) bei 4000 U/Min
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
53 Liter
Höchstgeschwindigkeit
188 km/h
max. Drehmoment
260 Newtonmeter zwischen 1900 und 2750  U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
11,5 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
Testverbrauch

4,9/4,1/4,5 Liter
6,3 Liter
CO2-Emissionen
117 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 4 / Grün
Typklassen
Haftpflicht/Teilkasko/Vollkasko
16/19/21
Grundpreis
18.100 Euro
19.270 Euro
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