Infiniti Ex30d: Crossover mit noblem Charakter
Gemessen am Werbeaufwand, den die Marke Infiniti dieses Jahr hierzulande betrieben hat, kann der mit den wenigen verkauften Autos erzielte Erlös nicht berauschend sein. Doch die Luxus-Abteilung von Nissan verfolgt eine langfristige Strategie und will sich, ähnlich wie Lexus als komfortabler Toyota-Ableger, eine Nische erobern. Wer derzeit zwischen Flensburg und Garmisch einen der hochbenigen Mehrzweck-Allrader vom Typ Ex30d fährt, kann sich zu Recht rühmen, eines der exklusivsten Fahrzeuge hierzulande zu bewegen: Bis Ende November registrierte das Kraftfahrtbundesamt zehnmal mehr Neuzulassungen der Marke Ferrari als von diesem Modell.
Außer mit dem Dreiliter-Diesel ist der Allradler auch als Benziner mit der Ziffer Ex 37 erhältlich. Dann arbeitet unter der Haube jener 3,7 Liter große V6-Ottomotor, der auch die Nissan-Sportwagen vom Typ 370 Z antreibt. Hierzulande nehmen die Kunden aber keinerlei Notiz von diesem Angebot, es wurden ausnahmslos Selbstzünder zugelassen. Es ist auch kein wirklicher Grund zu erkennen, warum man einen Benziner nehmen sollte, der Diesel kostet bei gleicher Ausstattung gerade mal 150 Euro mehr und die hat man mit dem Verbrauchsunterschied von rund 2,5 Litern je 100 Kilometer (nach EU-Norm) im Nu wieder raus.
Nur mit Automatik erhältlich
Dieser Turbodiesel schöpft aus 2993 Kubikzentimetern Hubraum 238 PS, was für 1985 Kilogramm Leergewicht sicher nicht zuviel ist. Mit 4,64 Metern Länge und 1,60 Metern Höhe entsprechen die Dimensionen des Infiniti etwa denen eines Audi Q5, ist aber etwas flacher und schmaler. Die Beherrschung von 550 Newtonmetern Drehmoment obliegt einem siebenstufigen Automatik-Getriebe. Auch dieses Bauteil wird in verschiedenen Nissan-Modellen verwendet.
Die elegant geschnittene Karosserie erfreut das Auge, weckt aber auch den Verstand. Der will nämlich wissen, wie es angesichts der coupéhaften Form und des flachen Daches um die Bewegungs- und Kopffreiheit bestellt ist. Die hohe Sitzposition schätzen die vorn Sitzenden noch wegen der schönen Übersicht, hinten mangelt es aber schon an Kopffreiheit und Verstauraum für die Beine. Das überrascht vor allem deshalb, weil der Radstand mit 2,80 Metern gar nicht so knapp bemessen ist.
Selbstbeschränkung ist darüber hinaus bei der Bemessung des Reisegepäcks angesagt, denn mehr als maximal 1.175 Liter Volumen nicht hinter den Vordersitzen nicht zu bekommen. Bei Ausnutzung aller Sitzplätze sind es gar nur 340 Liter, man bewegt sich also auf Kompaktklasse-Niveau. Dass die Lehnen der Rücksitze elektrisch weggeklappt werden, ist dem hohen Komfortversprechen zu danken, das Infiniti zur Marken-Maxime erhoben hat – wirklich glücklich macht es des geringen Platzes nicht.
Beim Start ein ruppiger Geselle
Gleichgültig ob für Limousine, Crossover oder SUV – in der Luxusklasse bleibt es die größte Herausforderung, einem Diesel die Laufkultur beizubringen, die den Komfortansprüchen der Kundschaft genügt. Das gelingt nicht immer und gerade dieser Nissan-Motor ist kurz nach dem Start ein eher ruppiger Geselle, dessen Akustik mehr nach Lastwagen als nach einem noblen Charakter mit gehobenem Transportkomfort klingt. Das bessert sich zwar mit zunehmender Betriebsdauer und –temperatur, vorbildlich kann man es aber leider nicht nennen.
Zu gefallen weiß der kernige Edel-Laster aber mit spontaner Gasannahme und entsprechendem Temperament. Ab 1750 Umdrehungen steht das volle Drehmoment zur Verfügung und wird nahezu verzögerungsfrei an alle vier Räder gewuchtet. Das da hin und wieder die Traktionskontrolle eingreifen muss, ist kein Wunder. Dieser Schub treibt den Ex 30d in gut acht Sekunden auf 100 km(h und falls gewünscht auch auf 221 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das bedeutet, dass der Infiniti auch den Porsche Cayenne Diesel nicht zu fürchten braucht.
Für die Idealvoraussetzungen im EU-Normtest gibt der Hersteller einen Verbrauch von neun Litern Kraftstoff je 100 Kilometer an. Das ist für sich genommen noch nicht sensationell, bemerkenswert ist jedoch, dass dieser Wert auch im Praxistest nur wenig überschritten wurde. Am Ende verzehrte der Dreiliter-V6 9,3 Liter Diesel und vermittelte außerdem die Erkenntnis, dass es durchaus noch etwas weniger hätten sein können.
Umfangreiche Ausstattung ab Werk
Dazu müssten sich die Techniker die Getriebeabstimmung einmal gründlich vornehmen. Da gibt es eine Menge Optimierungspotenzial, insbesondere im Hinblick auf die zügige Suche nach langen Übersetzungen. Währen verschiedener Fahrsituationen machte sich immer wieder bemerkbar, dass die Automatik unnötiger Weise in einer Fahrstufe verharrte, die dem Motor höhere Drehzahlen abverlangte als nötig. Das Mitschwimmen im Großstadtverkehr zwischen 55 und 65 km/h demonstrierte diese Schwäche eindrucksvoll, zumal auch manuelles Hochschalten mittels Paddel nur in Ausnahmefällen von der Automatik akzeptiert wurde.
Die Sensibilität, die der Automatik fehlt, hat die Lenkung zuviel abbekommen. Zu dem sportlich straffen Fahrwerk, das ohne übertriebene Weichmacher auskommt, hätte eine griffig abgestimmte präzise Lenkung gepasst, die unverfälschte Rückmeldung von der Straße gibt. Stattdessen spürt man ein eher synthetisches Lenkgefühl, das nur den Nutzern von Chauffeurs-Limousinen egal sein kann. Das ständige Nachkorrigieren nervt auch dann, wenn man sich auf seinen serienmäßigen Spurhalte-Assistenten verlassen kann.
Dort beginnt das Kapitel, wo wieder gelobt werden darf: Die Ausstattung. Geschmackvoll und hochwertig sind die ersten Attribute, die einem zur Innenausstattung einfallen. Die Verarbeitung ist sauber und gediegen und in der „GT Premium“-Version ist wirklich alles drin, was bei anderen zwar genauso gut, aber oft sehr viel teurer ist: 18-Zoll-Alufelgen, Xenon-Scheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht, Einparkhilfe nebst Rückfahrtkamera, USB- und Bluetooth-Schnittstelle und schlüsselloser Zugang sowie Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Lederpolster, Navigation sowie Spurhalteassistent und Abstandstempomat. Die Bedienungsmimik der kleinen Extra-Konsole im Zentrum des Armaturenbretts ist zwar gewöhnungsbedürftig und kann zu versehentlichem Auslösen der Warnblinkanlage führen, ist aber sonst benutzerfreundlich.
Fazit
Wer Individualität mit hohem Komfort sucht, ist bei diesem Crossover an der richtigen Adresse. Die Gewissheit, ein nicht alltägliches Auto zu bewegen, kann auch über kleine Schwächen wie geringes Kofferraumvolumen oder schwammige Lenkung hinweg trösten. Ab 48.250 Euro gibt es ein originell designtes, gut ausgestattetes Auto, mit dem man noch eine ganze Weile neugierige Blicke erzeugen kann.
| Datenblatt | Nissan Infiniti Ex30d |
| Abmessungen L / B / H | 4,65 / 1,80 / 1,60 m |
| Leergewicht (DIN) | 1985 kg |
| Sitzplätze | 5 |
| Ladevolumen (normal / maximal) | 340 / 1175 l |
| Radstand | 2,80 m |
| Maximale Zuladung | 485 kg |
| Motor | V6-Zylinder-Turbodiesel-Motor mit 2993 ccm Hubraum |
| Getriebe | 6-Gang manuell |
| Leistung | 175 kW/238 PS bei 3750 U/min |
| Kraftstoffart | Diesel |
| Antrieb | Allrad |
| Höchstgeschwindigkeit | 221 km/h |
| max. Drehmoment | 550 Nm bei 1750 U/min |
| Beschleunigung 0 - 100 km/h | 7,9 Sek |
| Normverbrauch (innerorts / außerorts / kombiniert) | 10,8 / 7,2 / 9,0 l |
| Testverbrauch | 9,3 l |
| CO2-Emissionen (Normverbrauch) | 224 g/km |
| Tankinhalt | 80 l |
| Grundpreis | 48.250 Euro |
| Testwagenpreis | 56.000 Euro |
Quelle: n-tv.de

