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Kompakt trifft edel: So positioniert DS sein Modell DS4 Crossback.
Kompakt trifft edel: So positioniert DS sein Modell DS4 Crossback.(Foto: Busse/Textfabrik)

Premium im Praxistest: DS4 Crossback - zu Hause in zwei Welten

Von Axel F. Busse

"Imagetransfer" nennt man das wohl, wenn ein Kultobjekt der Vergangenheit seinen Glanz auf ein Produkt der Gegenwart lenken soll. Die Marke DS, gedacht als Premium-Abteilung des französischen PSA-Konzerns, sucht ihren Anteil am SUV-Boom. Ob der DS4 Crossback Aussicht auf diesen Erfolg hat, zeigt der n-tv.de-Praxistest.

Die neben den Fenstern sitzenden hinteren Türgriffe vermitteln einen Coupé-Eindruck.
Die neben den Fenstern sitzenden hinteren Türgriffe vermitteln einen Coupé-Eindruck.(Foto: Busse/Textfabrik)

In kleinen Schritten erwarb sich die selbsternannte Premium-Marke die Abgrenzung von ihrer Herkunft. Vor fünf Jahren bereits fand das Kürzel "DS" Verwendung an einem kompakten Fünftürer, jedoch war das Auto durch den typischen Doppelwinkel am Kühlergrill noch immer eindeutig als Citroën identifizierbar. Der Crossback von heute hat nicht nur ein um 40 Millimeter angehobenes Fahrwerk, sondern auch eine silberne Dachreling, Dachkantenspoiler und Außenspiegelkappen in schwarz und dunkle Radhauseinfassungen, die das Auto robuster aussehen lassen. Diese Accessoires als Zeichen für einen Allradantrieb oder gar Geländetauglichkeit zu deuten, ist nicht angebracht, denn 4x4-Antrieb ist nicht zu haben.

Nichtsdestoweniger hat die erhöhte Sitzposition ihre Vorteile, beim Ein- und Aussteigen ebenso wie beim Blick auf den Verkehr. Blickt man sich allerdings um, wird’s finster. Die Sicht aus den hinteren Seitenscheiben ist nicht weniger dürftig als aus dem schmalen Heckfenster, so dass die Anschaffung einer Rückfahrkamera unbedingt zu empfehlen ist. Einzeln ist sie jedoch nicht zu haben, sondern nur als Bestandteil eines Pakets. Dafür sind mindestens 1880 Euro fällig. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Das "DSire"-Paket, mit dem der Testwagens ausgestattet war, kostet gleich mal 3490 Euro extra. Im Preis enthalten sind noch die Audio- und Navigationsanlage, ein schlüsselloses Zugangs- und Start, Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Xenon-Haupt- und LED-Nebelscheinwerfer, sowie eine Scheinwerfer-Waschanlage.

Tür mit Überraschungspotenzial

Mit hochwertigen Materialien und guter Verarbeitung will der DS4 bei den Kunden punkten.
Mit hochwertigen Materialien und guter Verarbeitung will der DS4 bei den Kunden punkten.(Foto: Busse/Textfabrik)

Besonderen Charme und Charakter erhält die Außenhülle des DS4 durch einen optischen Trick: Die hinteren Türen sind durch die prägnante Chromumrandung der abgedunkelten Scheiben und den kaschierten Griff in Höhe der C-Säule fast unsichtbar. Der Fünftürer wirkt daher wie ein sportliches Coupé, wozu die abfallende Dachlinie und die muskulös betonten Radausschnitte ihren Teil beitragen. Doch die originelle Seitenarchitektur hat auch einen störenden Nebeneffekt: Am spitz zulaufenden Ende des Türblattes, dort, wo die Einfassung des senkrechten Klappgriffs mit der C-Säule zusammentrifft, ragt die Ecke rund 20 Zentimeter heraus. In der Praxis kam es häufiger vor, dass der Öffnende einen Schritt zurück treten musste, wollte er sich nicht die heraus stehende Spitze der aufschwingenden Tür in die Brust rammen.

Auch hier gilt: Was gut aussieht, muss nicht immer praktisch sein. Weiterer Nachteil: Die Scheiben können nicht geöffnet, geschweige denn versenkt werden. Und da der Türausschnitt in Höhe des Innengriffs nur 52 Zentimeter breit ist, steigen füllige Passagiere langsam und mit Bedacht ein. Sie erkennen auf Anhieb, dass die Platzverhältnisse dort nicht wirklich üppig sind. Nur die Kopffreiheit kann zufriedne stellen, was angesichts des flach abfallenden Daches beachtlich ist.

Die Platzverhältnisse auf den Rücksitzen sind alles andere als üppig zu nennen.
Die Platzverhältnisse auf den Rücksitzen sind alles andere als üppig zu nennen.(Foto: Busse/Textfabrik)

Das Innendekor des Crossbacks wird dem Premium-Anspruch in vollem Umfang gerecht. Harmonisch gestylt, wird weichen Rundungen und viel Liebe zum Detail machen Sitze, Konsolen und Verkleidungen einen hochwertigen Eindruck. Vor allem dann, wenn Polster und Armaturenbrett wie beim Testwagen mit hochwertigem Leder bezogen sind. Ob jeder Kunde für dieses angenehme Ambiente allerdings 5140 Euro zu zahlen bereit ist, erscheint fraglich. Eine günstigere Lederausstattung ist beim Modell Crossback für 2190 Euro zu haben.

Schmal geschnittene Ledersessel

Nicht vergessen werden sollte, dass ab Werk elektrische Außenspiegel, Berganfahrassistent, Einparkhilfe, Leichtmetallfelgen, höhenverstellbarer Fahrersitz, Tempomat, CD-Radio, Toter-Winkel-Assistent, Lederlenkrad und Zentralverriegelung mitgeliefert werden. Extras wie Spurhalte-Assistent oder Müdigkeitswarner sind nicht erhältlich. Die Vordersessel sind bequem zugeschnitten und besonders an den Wagen der Rückenlehnen stabil ausgeformt, jedoch können die Sitzpolster von beleibten Insassen als etwas schmal empfunden werden. Das Cockpit wirkt aufgeräumter und bedienfreundlicher als beim Vorgänger, jedoch sitzt der USB-Anschluss der Mittelkonsole so tief, dass nur eine Kinderhand keine Schwierigkeiten hat, den Speicher auf Anhieb in der Buchse zu platzieren.

Der Zweiliter-Diesel erzeugt ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern.
Der Zweiliter-Diesel erzeugt ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern.(Foto: Busse/Textfabrik)

In der Kombination mit einer Sechsgang-Automatik verrichtete im Testwagen ein zwei Liter großer Dieselmotor seinen Dienst. Wer lieber von Hand schaltet, kann nur 120 PS bekommen und spart bei der Anschaffung 4400 Euro. Auf Schaltwippen am Lenkrad wurde verzichtet. Das ist nicht weiter tragisch, weil Vortrieb und Charakter des Wagens nicht zu den vermeintlich sportlichen Gangwechseln herausfordern, die solche Wippen ermöglichen. Doch bei den Tasten auf dem Lenkrad wäre ein wenig mehr Sorgfalt nützlich gewesen. Schwarze Symbole auf schwarzem Grund für Audio-Lautstärke und Tempomat erleichtern Neukunden nicht unbedingt das Eingewöhnen.

Mit seinen 400 Newtonmetern Drehmoment gehört der Vierzylinder zu den kräftigeren Vertretern seiner Art. Der Anschub wird aber so dosiert an die Vorderräder abgegeben, dass Traktionsprobleme beim Testwagen auf verschiedenen Belägen nicht zu verzeichnen waren. Die serienmäßige Antriebsschlupf-Regelung trug dazu gewiss ihren Teil bei. Bei der Geräuschentwicklung gab sich das Aggregat kommod, auch in höheren Tempobereichen machte sich eher Fahrtwind als Motorsound bemerkbar. Insgesamt vermittelte der Wagen im Cityverkehr und Überland ein ausgewogenes und entspanntes Fahrerlebnis.

Zwischen Designer-Anzug und Blaumann

Wird die Piste etwas rauer, gibt das Fahrwerk unmittelbare Rückmeldung. Von dem Sagen umwobenen Fahrkomfort französischer Prägung, der die Insassen sänftenartig ihrem Ziel entgegen gleiten lässt, ist der DS4 Crossback ein gutes Stück entfernt. Stattdessen geht es sportlich-straff zur Sache, so dass grobe Unebenheiten sowohl akustisch als auch "schlagfertig" in der Kabine wahrgenommen werden können. Die Lenkung verdient indes keinen Tadel, die sie den Erwartungen hinsichtlich Einlenkpräzision und Rückmeldung entsprach.

Wer dem Konzept des DS4 Crossback folgt wird darauf setzen, dass der Wagen den Spagat zwischen Designer-Anzug und Blaumann hinreichend beherrscht. Gut aussehen ist die eine, praktisch sein die andere Aufgabe. Mit 385 Litern Kofferraum ist auszukommen, auf 1021 ist er erweiterbar, wenn man die Rückbanklehnen umlegt. Eine ebene Ladefläche ist jedoch nicht zu haben, der unvermeidliche Absatz beträgt rund zehn Zentimeter. Die Ladekante befindet sich in 76 Zentimetern Höhe, womit durchaus eine Parallele zu Kompakten SUV gegeben wäre. Der Ladeboden liegt 23 Zentimeter darunter.

In einem 14 Tage währenden Testzyklus verbrauchte der DS4 Crossback 6,2 Liter Diesel je 100 Kilometer. Das liegt 1,8 Liter über dem Sollwert aus dem NEFZ-Test und ist in erster Linie einem hohen Kurtstreckenanteil zuzuschreiben (48 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit). Der 60 Liter umfassende Kraftstoffvorrat sollte auf der Langstrecke für eine Reichweite von 1000 Kilometern gut sein.

Fazit: Ein appetitlich verschnürtes Gesamtpaket bietet der DS4 Crossback, auch wenn hier und da noch Optimierungspotenzial erkannt werden kann. Der Kompakte soll in zwei Welten zu Hause sein, erschwinglich und trotzdem edel. DS-Kunden sind Individualisten, so die Annahme der Marketing-Strategen, die zur Befriedigung ihres gehobenen Anspruchs gern auch etwas mehr bezahlen. Die Grundausstattung ist ordentlich und absolut konkurrenzfähig. Weitere wählbare Assistenzsysteme wären wünschenswert.

DATENBLATTDS4 Crossback Blue HDi 180
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,28/1,81/ 1,54 m
Radstand2,61 m
Leergewicht (DIN)1385 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen385 / 1021 Liter
MotorVierzylinder-Diesel Turbodiesel mit 1997 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltung
Systemleistung133 kW / 180 PS bei 3750 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit217 km/h
Tankvolumen60 Liter
max. Drehmoment400 Nm / bei 2000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h9,3 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)3,9 / 5,3 / 4,4 l
Testverbrauch6,4 l
EffizienzklasseA / EU6
Grundpreis31.390 Euro
Preis des Testwagens41.110 Euro

Quelle: n-tv.de

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