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Fast schon dynamisch wirkt der Kompakt-Van Lodgy in der Seitenansicht.
Fast schon dynamisch wirkt der Kompakt-Van Lodgy in der Seitenansicht.(Foto: Holger Preiss)

Billig oder preiswert?: Dacia Lodgy - Der Understatement-Van

Von Holger Preiss

Mit dem Lodgy ist Dacia in die Klasse der Kompakt-Vans eingestiegen. Auch den gibt es in der kargen Grundausstattung zu einem Kampfpreis, der sogar Fahrzeuge aus der Transporterecke unterbietet. Doch selbst beim gepflegten Understatement kann man inzwischen Annehmlichkeiten zum kleinen Preis dazubuchen, ohne sich finanziell zu verausgaben.

Auch am Heck haben die Rumänen für den Lodgy eine eigene Formensprache gefunden.
Auch am Heck haben die Rumänen für den Lodgy eine eigene Formensprache gefunden.(Foto: Holger Preiss)

Woran erkennen Sie, dass Sie mit einem Dacia ein Understatement abgeben? Daran, dass Ihnen der "Pfeffersack" vor dem Golfplatz die Scheibe einschlägt? Oder daran, dass Memet Scholl mit der Stimme des Kasperles verkündet, dass er "so was macht"? Weder noch. Sie werden es dann erleben, wenn Sie in einer Stadt wie Berlin an eine Kreuzung fahren, wo sich die Scheibenputzer sonst um jedes Auto schlagen und das Ihre einfach ignorieren. Ja, Tatsache! Beim ersten Mal meinen Sie: Gut, die haben einfach so viele andere Fahrer hinter der schmutzigen Frontscheibe freiputzen müssen, dass Sie nicht dabei sind. Beim zweiten und dritten Mal wird Ihnen dann aber klar, dass das das eigentliche Understatement ist. Und bei genauer Betrachtung ist das auch gar nicht schlecht.

Hat der preisbewusste Dacia-Fahrer schon beim Kauf seines familienfreundlichen Lodgy gespart, muss er während der Rotphase nicht mehr überlegen, wie viel Geld er dem "aufopferungsvollen" Scheibenwischer in die feuchten Finger drückt. Vielmehr kann er sich ausrechnen, dass er – gäbe er für jeden Putzvorgang einen Euro – beim Sondermodell Lauréate mindestens 15.490 Mal an die Kreuzung fahren müsste, um den Grundpreis für den Wagen wieder drin zu haben. Damit gehört der Großraum-Kombi aktuell zu den teuersten Fahrzeugen, die die Rumänen auf dem Markt haben. Verglichen mit ähnlichen Modellen der Konkurrenz bleibt er aber immer noch ein Schnäppchen.

Annehmlichkeiten für wenig Geld

Der Kofferraum fasst 827 Liter. Mit der dritten Sitzreihe schrumpft er auf 270 Liter.
Der Kofferraum fasst 827 Liter. Mit der dritten Sitzreihe schrumpft er auf 270 Liter.

Und dabei ist der Lodgy sogar optisch gelungen. Die Form ist klar, vielleicht etwas hart, aber nicht ohne eine gewisse Dynamik. Die Scheinwerfer sind weit in die Kotflügel gezogen, die Dachlinie fällt nach hinten ab, während die Schulterlinie unterstützt vom Türkantenschutz leicht ansteigt. Der Grill wird von einer breiten Chromleiste überspannt, die in die Scheinwerfer mündet und die Frontschürze steht fast wie der Frontspoiler eines Boliden vor. Auf seinen 16-Zoll-Alurädern wirkt der Van sogar sportlich. Am Heck schwingt eine riesige Klappe auf, die zum einen ein perfektes Regendach bildet und zum anderen den Zugriff auf einen 827 Liter fassenden Kofferraum gewährt. Klappt man die zweite Sitzreihe um, dann wächst er auf 2617 Liter. Da verschwindet selbst Omas große Anrichte problemlos, wenn man sie denn von A nach B transportieren muss. Platz gibt es aber nicht nur im Gepäckabteil, das übrigens für 590 Euro zusätzlich mit einer dritten Sitzreihe versehen werden kann. Und ach, Überraschung: auf diesen zwei zusätzlichen Sitzen finden sogar Erwachsene Platz. Dank der enormen Kopffreiheit können die nämlich ihren Rücken sauber an die Lehne schmiegen und so Raum für die Knie schaffen.

Das große Navi-Display und die Klimaanlage gehören zu den Annehmlichkeiten im Lodgy.
Das große Navi-Display und die Klimaanlage gehören zu den Annehmlichkeiten im Lodgy.(Foto: Holger Preiss)

Insgesamt hält sich der große Rumäne mit teuren Annehmlichkeiten zurück. Für 250 Euro gibt es ein Klang- und Klima-Paket. Darin enthalten ist eine manuelle Klimaanlage, die durchaus in der Lage ist, den Insassen die Wunschtemperatur zu fächern. Leider muss die erfühlt werden, denn lediglich blaue und rote Punkte um den Drehknopf lassen erahnen, wie warm oder kalt es werden könnte.  Das Klangpaket beinhaltet ein CD-Radio mit MP3-Funktion, USB, Aux-In, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und eine etwas klobige, aber durchaus funktionale Bedieneinheit am Lenkrad. Der Sound der Musikanlage wird über vier große Boxen  - zwei vorn, zwei hinten - ins Wageninnere übertragen. Der Klang ist etwas basslastig, reicht aber als Unterhaltungsquelle für die Passagiere aus. Wer 430 Euro zusätzlich investiert, bekommt auch noch ein Navi in die Mittelkonsole des Lodgy gebaut, das mit einem großen 7-Zoll-Touchscreen die Wegfindung unterstützt.

Wohlfühlen in der Plastikwelt

Auch in der Hartplastikwelt des Lodgys kann man sich wohlfühlen.
Auch in der Hartplastikwelt des Lodgys kann man sich wohlfühlen.(Foto: Holger Preiss)

Derart mit kleinen Annehmlichkeiten versorgt, fühlt man sich auch in der Plastikwelt des Lodgy heimisch. Dadurch, dass die ordentlich strukturiert ist und sich durch Zweifarbigkeit voneinander absetzt, wirkt sie nicht unendlich billig. Hinzu kommt, dass die Rundinstrumente mit Chromspangen gerahmt sind und die schon erwähnte Navi- und Multimediaeinheit in der Mittelkonsole schwarze Klavierlackintarsien säumen. Das Gestühl gibt sich beim ersten Sitzen etwas zu weich, ist aber nicht unbequem und verursacht  auch auf langen Strecken keinen Unmut.

Was wirklich stört, ist die indirekte Lenkung und das etwas schwammige Fahrwerk. Auf Autobahnen mit Längsfugen fängt der Lodgy gern mal an zu schwimmen. Auf grobem Kopfsteinpflaster wird es im Inneren etwas rumpelig und das Ausfiltern der Unebenheiten fällt dem Rumänen schwer. Die eine oder andere Querfuge wird dann auch schon mal an die Insassen durchgereicht. Wer forsch in die Kurve geht, der wird mit der starken Seitenneigung des Lodgy konfrontiert. Allerdings sei noch einmal erwähnt, dass es sich hier um einen Van und nicht um einen Sportwagen handelt. Angst, dass der Rumäne in der Kehre ausbricht, ist aber unnötig. Bei Dacia ist man stolz darauf, den Familien-Kombi serienmäßig mit der neuesten Generation des Schleuderschutzes ESP (nebst ABS und vier Airbags vorn) ausgestattet zu haben.

Die Mittelarmlehne im Lodgy ist aus billigster Plastik und auch etwas scharfkantig.
Die Mittelarmlehne im Lodgy ist aus billigster Plastik und auch etwas scharfkantig.(Foto: Holger Preiss)

Schade ist, dass in dem mit Platz wuchernden Lodgy kaum Ablageflächen geschaffen wurden. Lediglich das in die Armatur geschmiedet Staufach mit verschließbarem Deckel und der Einschub über dem Handschuhfach auf der Beifahrerseite erfreuen. Auf der Suche nach Möglichkeiten, seine Trinkflaschen unterzubringen, geht man allerdings im ganzen Wagen leer aus. Und auch die Becherhalter unter der Mittelkonsole sind so flach, dass es ein ernst zu nehmendes Risiko ist, seinen Kaffee dort abzustellen, denn bei einem Bremsmanöver droht der sich selbstständig zu machen.

107 PS sollten es schon sein

Befeuert wird der Test-Lodgy von einem 1,5 Liter großen Dieseltriebwerk, das aus den Renault-Regalen stammt und 107 PS leistet. Damit ist der Großraum-Kombi im Besitz des größten verfügbaren Aggregats und erstaunlicherweise auch nicht untermotorisiert. Immerhin beschleunigt der Wagen seine 1,2 Tonnen in 11,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Eine Rennmaschine wird freilich nicht aus ihm, aber selbst mit voller Besatzung, also fünf Personen, schafft der Franzose locker die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 175 km/h und noch ein bisschen mehr. Der Testwagen brachte es auf freier Strecke sogar auf Tempo 190. Zwar nehmen die Windgeräusche bei dieser Geschwindigkeit deutlich zu, aber der Motor bleibt erfreulich leise.

Auch in der dritten Reihe gibt es im Lodgy noch ausreichend Platz.
Auch in der dritten Reihe gibt es im Lodgy noch ausreichend Platz.(Foto: Holger Preiss)

Wer allerdings derart flott vorankommen will, muss das sauber schaltende Sechsganggetriebe ordentlich bewegen und die Drehzahlen nicht allzu weit unter die 2000er Marke fallen lassen. Denn aus dem Drehzahlkeller bewegt sich der Diesel ausgesprochen unmutig heraus. Zudem muss sich der sportliche Fahrer darüber im Klaren sein, dass der Durst des Diesels in diesen Sphären enorm wird. Zehn bis zwölf Liter sind da auf 100 Kilometer schnell aus dem Tank gesaugt. Im Testdurchschnitt über 1400 gefahrene Kilometer waren es 6,8 Liter. Das geht in Ordnung, weicht aber wie zu erwarten um einiges von den Herstellerangaben ab. Da wird kombiniert von 4,4 Litern gesprochen. 

Der Preis ist XS

Zum Schluss also noch mal zurück zum Preis. Der Testwagen mit allen erwähnten Extras bringt es auf den für Dacia stolzen Preis von 16.760 Euro. Natürlich kann man auch die Basis für 9990 Euro wählen. Allerdings sollte man sich dann im Klaren sein, dass der hier erzwungene Verzicht auf eine Klimaanlage den Lodgy als Familienauto zu einem rollenden Scheidungsgrund macht. Wer einen vollwertigen, sommerurlaubstauglichen und familienfreundlichen Van sucht, sollte darum realistischerweise mindestens 16.000 Euro für einen entsprechenden Basis-Diesel in Lauréate-Ausstattung einkalkulieren. Verglichen mit einem Renault Scenic (25.000 Euro), Opel Zafira (25.450 Euro) oder VW Touran (25.500 Euro) Immer noch ein XS-Preis.  

Fazit: Wer einen preiswerten Großraum-Van für die Familie sucht und ganz wenig Wert auf ein Statement legt, der kann mit dem Lodgy nicht viel verkehrt machen. Allerdings sollte man nicht allzu knausrig sein. Bei zu geringer Motorisierung und dem Verzicht auf die wenigen Annehmlichkeiten könnte in kurzer Zeit Frust aufkommen. Nicht nur beim Fahrer.

DATENBLATTDacia Lodgy dCi 110 Laureate
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,49/ 1,75/ 1,71 m
Radstand2,81 m
Leergewicht (DIN)1280 kg
Sitzplätze5/7
Ladevolumen827 - 2617 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Vierzylinder mit 1461 ccm Hubraum und Turboaufladung
Getriebe6-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung107 PS (79 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit175 km/h
max. Drehmoment240 Nm bei 1750 U/min
Tankinhalt50 l
Beschleunigung 0-100 km/h11,6 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)5,3/ 4,0/ 4,4
Testverbrauch6,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
116 g/km
Grundpreis9900 Euro
Preis des Testwagens16.760 Euro

Quelle: n-tv.de

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