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An der Gestaltung des Kühlergrills ist die Vitara S von den Schwestermodellen zu unterscheiden.
An der Gestaltung des Kühlergrills ist die Vitara S von den Schwestermodellen zu unterscheiden.(Foto: Busse/Textfabrik)

Kompakt-SUV im Praxistest: Das S macht Suzuki Vitara Druck

Von Axel F. Busse

Keine sieben Monate nachdem der Suzuki Vitara in Deutschland startete, bringen die Japaner die dritte Motorvariante für das kompakte SUV. Ob der aufgeladene Benziner eine Alternative zu dem etwas schmalbrüstigen Vierzylinder-Sauger ist?

375 Liter Volumen und 520 Kilogramm maximale Zuladung reichen für die meisten Transportaufgaben.
375 Liter Volumen und 520 Kilogramm maximale Zuladung reichen für die meisten Transportaufgaben.(Foto: Busse/Textfabrik)

Mit dem Start des Modells Vitara kann Suzuki mehr als zufrieden sein. Der Newcomer erreichte in Deutschland auf Anhieb Platz zwei der Beliebtheitsskala der Marke, überflügelte mit mehr als 5600 Neuzulassungen in nur neun Monaten sogar die Modelle SX4 und SX4 Classic zusammen. Nun wird das Angebot durch einen 1,4-Liter-Turbobenziner ergänzt, der nicht nur weniger Hubraum hat als die beiden vorhandenen Versionen, sondern auch noch mehr Power. Klassisches Downsizing also.

Der neue Vierzylinder leistet 140 PS und kommt dabei sogar mit weniger Drehzahl aus als der Saugmotor. Aber es sind, wie sich im n-tv.de-Praxistest schnell zeigte, nicht die 20 Pferdestärken allein, die den Unterschied machen. Es gibt diesen Motor nur in Verbindung mit Allradantrieb und dazu noch eine umfangreiche Ausstattung. Schließlich soll auch der Preis von 26.790 Euro gerechtfertigt werden, der um 1200 Euro höher liegt als der des vergleichbaren Vitaras mit 1,6-Liter-Benziner.

Alternatives Frontdesign

Der Vitara S bringt ab Werk Leichtmetallfelgen und ein umfangreiches Ausstattungspaket mit.
Der Vitara S bringt ab Werk Leichtmetallfelgen und ein umfangreiches Ausstattungspaket mit.(Foto: Busse/Textfabrik)

Mit einer Außenlänge von 4,18 Metern sortiert sich der Vitara und damit auch der "S" rund fünf Zentimeter oberhalb des Renault Capturs ein, zum Skoda Yeti fehlen ihm diese fünf Zentimeter. Stattlich wirkt der Suzuki dennoch, denn er ist immerhin mehr als 1,60 Meter hoch. Das Design ist eher zurückhaltend, orientiert sich vorsichtig am Range Rover Evoque und der Wagen kommt standardmäßig auf 17-Zoll-Leichtmetallfelgen angerollt. Die Frontpartie ist gegenüber dem horizontal betonten Kühlergrill der beiden anderen Modelle von fünf bumerangförmigen Einlegern dominiert, daneben fallen die LED-Scheinwerfer auf, die ebenfalls Serie sind.

Was für den Vitara S spricht, ist sein vergleichweise geringes Gewicht. Trotz solider Ausstattung und Allradantrieb bringt er nicht mehr als 1285 Kilogramm auf die Waage, was zum Beispiel rund 180 Kilo weniger sind als beim Yeti 4x4 mit 1,4-Liter-Motor. Der Captur ist etwa 100 Kilo leichter als der Vitara S, hat dafür aber keinen Allradantrieb. Die Gewicht sparende Bauweise, die naturgemäß Verbrauchsminderung mit sich bringt, hat allerdings einen Preis, den man mit jedem Zuschlagen der Türen bezahlt. Sie klingen dünn und blechern.

Der Turbobenziner holt aus 1,4 Litern Hubraum 140 PS und 220 Newtonmeter Drehmoment.
Der Turbobenziner holt aus 1,4 Litern Hubraum 140 PS und 220 Newtonmeter Drehmoment.(Foto: Busse/Textfabrik)

Gar nicht dünn ist, was der Motor zu bieten hat. Er ist nicht nur laufruhig und drehfreudig, sondern hat auch das zupackende Wesen, das man beim 1,6-Liter-Sauger vermisst. Um ordentlich in die Puschen zu kommen, zum Beispiel das volle Drehmoment von 156 Newtonmetern auszupacken, braucht der nämlich 4400 Kurbelwellenumdrehungen. Der Vitara S bringt satte 64 Newtonmeter mehr und das schon ab 1500 Touren. Kein Wunder, dass er als deutlich temperamentvoller, agiler und sportlicher erlebt wird. Den Biss des Diesel-Vitaras hat er allerdings nicht, denn der mobilisiert sogar 320 Newtonmeter.

Konservative Innenarchitektur

Dank der gesteigerten Durchzugkraft, kann der "S" sehr schaltfaul gefahren werden. Eine Schaltpunktanzeige ist dabei behilflich, die wirtschaftlichste Übersetzung zu finden. Eine Start-Stopp-Automatik hilft außerdem beim Spritsparen, nur bei Frost nimmt sie sich gern mal frei. Um ihre Vorzüge voll auszuschöpfen, muss der Motor warm gefahren sein. Reizt man ihn mit dem Gaspedal, schiebt er den Fünftürer 1,2 Sekunden schneller auf 100 km/h als der Sauger und in der Endgeschwindigkeit übertrifft er ihn sogar um 20 Stundenkilometer. Übertroffen wurde erwartungsgemäß auch die Verbrauchsangabe des Herstellers. Nach EU-Norm kommt der Vitara S im Schnitt mit 5,4 Liter Super je 100 Kilometer aus, in diesem Test waren es 7,1 Liter.

Klassische Eleganz herrscht im Cockpit, die roten Einfassungen identifizieren die "S"-Version.
Klassische Eleganz herrscht im Cockpit, die roten Einfassungen identifizieren die "S"-Version.(Foto: Busse/Textfabrik)

Suzuki ist nicht gerade bekannt für Styling-Experimente im Innenraum, so dass die Anmutung klassisch-konservativ und funktions-orientiert genannt werden kann. Einzige Lässigkeit, die sich die Designer erlaubten, sind die farbig eingefassten Lüftungsausströmer sowie die Analoguhr, die in verschiedenen Ausführungen – unter anderem auch mit japanischen Schriftzeichen – zu bestellen ist. Darunter prangt als Sieben-Zoll-Touchscreen die Kommandozentrale für Kommunikation und Unterhaltung sowie für das serienmäßige Navigationssystem. Weil in diesem Bereich auf Schalter und Knöpfe gänzlich verzichtet wurde, muss man zum Beispiel die Lautstärkeregelung mit einer Wischbewegung auf der Schaltfläche vornehmen. Das ist eher lästig, weshalb der Fahrer oder die Fahrerin wohl bald dazu übergehen werden, es über die Lenkradtaste zu erledigen. Die Menüführung ist verschachtelt und bedarf einiger Übung, die Kopplung eines Telefons gelingt nicht immer im ersten Anlauf.

Kollisionswarner inklusive

Als Bestandteil der serienmäßigen Sicherheitsausstattung liefert Suzuki eine Radar gestützte aktive Bremshilfe, die als Kollisionswarner gute Dienste leistet, aber in Einzelfällen auch irritieren kann. Auf einigen abschüssigen Teststrecken nahm das Radar die vor dem Fahrzeug liegende Senke als Hindernis wahr und gab Alarm – darauf sollte man vorbereitet sein. Bergan- und –abfahrhilfe, Rückfahrkamera, Licht- und Regensensor, Nebenscheinwerfer, akustische Parkhilfe sowie Isofix-Kindersitz-Befestigungen gehören ebenfalls zum Lieferumfang.

Wenn der Fahrersitz ganz vorgeschoben ist, geht's mit der Beinfreiheit hinten.
Wenn der Fahrersitz ganz vorgeschoben ist, geht's mit der Beinfreiheit hinten.(Foto: Busse/Textfabrik)

Das hohe Dach sorgt dafür, dass sich weder vorn noch hinten die Passagiere beengt fühlen müssen. Jedoch lassen 2,50 Meter Radstand keinen Raum für üppige Beinfreiheit hinten. Nutzt der Fahrer seine Sitzschiene komplett aus, bleiben zwischen Rücklehne und Sitzpolster des Hintermanns 16 Zentimeter. Wer als Koffer mitreist, hat mehr Platz. Die Ladefläche misst nach Umlegen der Rücksitze bis zu 1,73 Meter, sie hat keine störenden Absätze und steigt lediglich zu den Vordersitzen hin etwas an. Die Ladekante ist mit etwas mehr als 70 Zentimetern erfreulich niedrig, während die Klappe ruhig eine Idee weiter aufschwingen könnte. Viele Menschen sind heute größer als 1,85 und holen sich ungern Beulen am Klappenschloss.

Lenkgenauigkeit und Federungskomfort sind guter Durchschnitt. Das Fahrwerk vermittelt die nötige Robustheit, die ein Fast-Geländewagen jenseits befestigter Wege besser haben sollte. Allerdings ist Bodenfreiheit nicht auf Ausflüge in grobes Gelände ausgelegt. Dort wäre dann die "Lock"-Funktion des Allradantriebs angebracht. Bei den Fahrversuchen mit diesem Testwagen brachte die Automatik-Funktion des 4x4-Antriebs die besten Ergebnisse. Der Slalom auf schneebedeckter Fläche verlief erstaunlicherweise stabiler als in der "Snow"-Stellung des Wahlschalters. Beim täglichen Betrieb sollte man darauf achten, dass das Programm beim Ausschalten der Zündung wieder in den Automatik-Modus wechselt.

Fazit: Die Erweiterung der Motorenpalette war ein richtiger Schritt für den Vitara S. Er macht das Auto attraktiver. Wer mangels Fahrleistung auf den Diesel verzichten will, andererseits aber etwas Temperament und Spritzigkeit von seinem kompakten Suzuki-SUV erwartet, wird an dem 120-PS-Modell nur wenig Freude finden. Der "S" ist zudem umfangreich ausgestattet und bietet so ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

DATENBLATTSuzuki Vitara S
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,18 / 1,78 / 1,61 m
Radstand2,50 m
Leergewicht (DIN)1285 kg
Zuladung520 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen375 / 1120 Liter
Motor4-Zylinder Turbo-Ottomotor mit 1373 ccm Hubraum
Getriebe6-Gang-Handschaltung
Systemleistung103 kW/ 140 PS bei 5500 U/min
KraftstoffartBenzin
Tankinhalt47 Liter
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit200 km/h
max. Drehmoment220 Nm bei 1500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,2 s
Normverbrauch (Stadt, Land, kombiniert) je 100 km6,3 / 5,0 / 5,4 l
Testverbrauch7,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
127 g/km
AbgasnormEuro 6
Grundpreis26.790 Euro
Preis des Testwagens28.468 Euro

Quelle: n-tv.de

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