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Auf der Jagd zur nächsten Kurve: Der Nissan 370Z ist ein hungriger Gefährte auf der Landstraße.
Auf der Jagd zur nächsten Kurve: Der Nissan 370Z ist ein hungriger Gefährte auf der Landstraße.(Foto: Markus Mechnich)

Praxistest Nissan 370Z: Den "Z"orn im Heck

Von Markus Mechnich

Wohl kaum ein Hersteller bietet mehr Sport für dieses Geld: Der Nissan 370Z sieht nicht nur aus wie ein Sportwagen, er ist auch einer. 331 PS, Heckantrieb und ein strammes Fahrwerk: Mehr Sport geht kaum für ein Budget unter 50.000 Euro. Und wie schlägt sich der Japan-Dynamiker in der Praxis?

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Sportwagen gibt es viele auf dem Markt. Die meisten sind allerdings unerschwinglich für Normalverdiener. Volkssportler gibt es mittlerweile auch so einige. Aber wer echten Sport sucht, der will auch nicht unbedingt in einem Golf GTI oder Astra GTC unterwegs sein. Leistung ok, aber das Auge fährt schließlich mit. Neben der Gefahr, schnell in der Prollecke zu stehen, sind das schließlich immer noch Kompakte - so viele Spoiler man auch dran bastelt und Koni-Stoßdämpfer reinschraubt. Am Ende bleiben dann doch nicht so viele bezahlbare Autos, die echten Sportgeist in ihren Genen haben. Der Nissan 370Z ist so einer, der eine flotte Figur macht und sich gleichzeitig auch ausgesprochen dynamisch bewegen lässt.

Die Z-Baureihe hat eine lange Tradition im Hause Nissan. Ende der sechziger Jahre, als Nissan offiziell noch Datsun hieß, kam erstmals ein Auto mit dem "Z" auf den Markt. Der Datsun 240Z, an dessen Design Albrecht Graf von Görtz, seines Zeichens Gestalter des legendären BMW 507, mitgearbeitet haben soll, war der Einstieg in eine erfolgreiche Ära für die Marke. In den 14 folgenden Jahren wurden fast 500.000 Modelle des Z und seines Nachfolgers, des 280ZX, verkauft. Eine beeindruckende Zahl für ein Sportcoupé. 

Das Konzept war recht simpel: Ein verhältnismäßig preiswerter Sportwagen als Zweisitzer - einige Modelle hatten später noch zwei Notsitze im Fond -, einem Reihensechszylinder mit viel Kraft und das Ganze zu einem bezahlbaren Preis. In Deutschland kostete der 240Z bei seiner Markteinführung 1973 17.600 D-Mark. Zum Vergleich: Ein damals nicht unbedingt überteuerter BMW 2002 Turbo kostete im selben Jahr mindestens 18.720 D-Mark. Der Erfolg des Autos basierte allerdings maßgeblich auf dem amerikanischen und asiatischen Markt. Nach Europa wurden nicht mal 5000 Exemplare der ersten Baureihe verkauft.

Leichtes Heck und viel Kraft

Das änderte sich mit dem 280ZX, der sich erstmals auch in Deutschland nennenswerte Verkaufszahlen erarbeitete. Und das, obwohl er zu Preisen ab 30.000 D-Mark angeboten wurde. Zum Vergleich: Ein Porsche 924 kostete damals knapp über 28.000 D-Mark. Leistungsmäßig richtig brachial wurde es mit dem Nachfolger, dem 300ZX. Schon die erste Generation hatte eine Turboversion mit 208 PS im Programm. Ab 1990 gab es den neu gestalteten Sportler mit doppelter Turboaufladung und 283 PS. Das Auto musste sogar bei 250 km/h abgeregelt werden und wurde durch die enorme Kraft in Verbindung mit dem ungezügelten, sprich unregulierten Antrieb der leichten Hinterachse zum Inbegriff der Heckschleuder. Außerdem wurde abgespeckt: Rund 100 Kilogramm hat man gegenüber dem Vorgänger runtergehungert.

Der Normverbrauch von 10,6 Litern ist eher eine Randnotiz. Für einen Sportwagen spielt der Spritkonsum eher eine untergeordnete Rolle.
Der Normverbrauch von 10,6 Litern ist eher eine Randnotiz. Für einen Sportwagen spielt der Spritkonsum eher eine untergeordnete Rolle.(Foto: Markus Mechnich)

Diesen Titel verteidigte der Nachfolger 350Z und übergab ihn im vergangenen Jahr dem hier getesteten 370Z. Das neue Modell wurde optisch nur wenig verändert. Die Grundform des Sportlers, der 1999 erstmals als Studie auf der Tokio Motor Show zu sehen war und ab 2003 in Europa zum Verkauf stand, ist geblieben. Der 370Z wurde gar um sieben Zentimeter gekürzt und ist dafür um drei Zentimeter in die Breite gegangen. Um das Handling zu verbessern, wurde die Spur vorne um 15 und hinten um 55 Millimeter verbreitert. Der Radstand wurde gar um zehn Zentimeter verkürzt. Das lässt das Auto auch optisch so satt auf der Straße liegen, wie es das Fahrwerk auch umsetzt. Die wahren Neuerungen des 370Z sind unter der Haube und im Innenraum zu finden.

Tief sitzen, schnell fahren

Einmal hinter dem Steuer niedergelassen, findet man sich schnell zurecht. Die Sitzposition ist tief, doch das harte, aber ausreichend komfortable Sportgestühl umschließen Fahrer und Beifahrer standesgemäß. Der Arm liegt auf der Mittelkonsole und die Hand fasst sich den sportlich, kurzen Schalthebel, der mit knackigen Gangwechseln überzeugt. Schon nach der ersten Sitzprobe ist klar: Das ist ein astreiner Sportwagen.

Frontmotor, Heckantrieb und Coupé-Karosse: Das sind Eckdaten für einen guten Drift.
Frontmotor, Heckantrieb und Coupé-Karosse: Das sind Eckdaten für einen guten Drift.(Foto: Markus Mechnich)

Noch mehr Freude kommt nach den ersten gefahrenen Metern auf. Das Fahrwerk ist hart, der V6 giert nach Drehzahlen und der Heckantrieb schiebt ordentlich nach vorne. Ein leichter Nieselregen bringt bei fast jeder gefahrenen Kurve eine leichte Drifteinlage. ESP ist natürlich raus. So macht schon die Stadtfahrt Spaß, aber wir steuern in Richtung Autobahn. Dort werden die 328 PS frei laufen gelassen. Schnell geht es in Richtung 200 Stundenkilometer. Zweiter, dritter, vierter, fünfter Gang – die Beschleunigung, die der 370Z an den Tag legt, ist sehr ordentlich. Der sehr lang ausgelegte sechste Gang muss erst jenseits der 220 km/h rein. Bei 250 ist dann eigentlich abgeregelt. Doch unser Wagen ließ sich noch zu ein bisschen mehr überreden.

Der "Z" macht Eindruck im Rückspiegel

Ein berauschendes Gefühl also, mit diesem 370Z auf der Autobahn über die linke Spur zu jagen. Dort gibt es nur wenig ernsthafte Konkurrenz. Da beim einem herzhaften Tritt aufs Gaspedal auch jenseits der 200 Stundenkilometer noch was geht, lassen sich die Mittelklasse- und Businesslimousinen schnell verdrängen. Dabei hilft auch der flotte Auftritt des "Z". Mit der Sportwagenoptik im Rückspiegel sehen selbst sonst beratungsresistente Geschäftsleute ein, auf die rechte Spur zu wechseln.

Optisch hat man den 370Z gegenüber dem Vorgänger nur leicht retuschiert.
Optisch hat man den 370Z gegenüber dem Vorgänger nur leicht retuschiert.(Foto: Markus Mechnich)

Nach 80 spannungsgeladenen Kilometern auf der Autobahn sinkt der Tankpegel ersichtlich. Also runter von der Autobahn und die nächste Tankstelle ansteuern. Der 72-Liter-Tank wird mit Super Plus gefüllt. Danach steht eine Landpartie an. Kurvenreiche, einsame Landstraßen sind das passende Terrain für den 370Z. Das straffe, aber nicht unkomfortable Fahrwerk wird auf den teils schlechten Straßen des nördlichen Brandenburg durchaus auf die Probe gestellt. Dennoch zeigt der Nissan hier seine ganze Stärke.

Zweiradkonkurrenz in die Schranken verweisen

Wird die Sporttaste gedrückt, dann gibt der 370Z ordentlich Zwischengas bei den Gangwechsel. Synchro Rev Control heißt die Technik und sie funktioniert gut. Und tatsächlich bleibt der Vortrieb besser erhalten und das Auto kommt schneller wieder in die Nähe des Drehmomentmaximums von 363 Newtonmetern, was bei 5000 Umdrehungen pro Minute angesiedelt ist. Und auch auf der Landstraße gilt: Ohne ESP macht es noch mehr Spaß. Aber Vorsicht ist angesagt, denn die Kräfte des "Z" sollte man nicht unterschätzen. Kurvenräubern vom Feinsten. Selbst einige potente Motorräder, die uns auf der Strecke begegnen, lassen nach kurzen Kampfansagen dann doch abreißen.

Bei 250 km/h ist der "Z" abgeregelt. Da wäre noch mehr drin.
Bei 250 km/h ist der "Z" abgeregelt. Da wäre noch mehr drin.(Foto: Markus Mechnich)

Nach gut dreieinhalb Stunden Fahrt steuern wir wieder gen Heimat. Ungerne, aber unsere Zeit für die Ausfahrt ist vorüber. Der 370Z hat uns einen ausgesprochen netten Nachmittag bereitet. Eine Menge Adrenalin gefolgt von einer guten Packung Endorphinen, was will das Sportwagenherz mehr? Morgen Nachmittag geht es noch mal raus, das steht jetzt schon fest.

Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Summieren wir schließlich noch mal die Fakten: 328 PS und 363 Newtonmeter aus einem sehr kräftigen V6-Benziner, gepaart mit einem strammen Fahrwerk und eingepackt in ein formschönes Sportcoupé - das ist ein Paket, das uns sehr viel Freude bereitet hat. Der Normverbrauch von 10,6 Liter war von uns nicht zu erreichen, ist aber vielleicht denkbar, wenn man mit vorsichtigem Gasfüßchen fährt. Aber wer will das schon? Zuladung und Kofferraum sind ebenfalls Kategorien, die beim 370Z nur Nebenrollen spielen. Dieses Auto ist ein Fahrmaschine und will sich weder mit Gepäck noch mit Schleichtempo abmühen. Einsteigen, losfahren, Spaß haben – das ist die Devise.

Mehr Sport gibt es nicht für unter 50.000 Euro. Nissan macht mit dem 370Z ein sehr ordentliches Angebot.
Mehr Sport gibt es nicht für unter 50.000 Euro. Nissan macht mit dem 370Z ein sehr ordentliches Angebot.(Foto: Markus Mechnich)

Mit einem Basispreis von 38.690 Euro hat Nissan den 370Z recht aggressiv positioniert. Dennoch erfüllt das Sportcoupé alle Erwartungen, die man an einen Sportwagen haben kann. Natürlich geht es in einem Porsche noch ein Stück edler zu und ein Cayman bringt vielleicht auch noch mehr Fahrdynamik. Aber dafür ist er eben auch fast doppelt so teuer. Selbst wer sich auf der Liste der Sonderausstattungen austobt, wird den 370Z nur knapp über die Schwelle von 50.000 Euro bringen. Deshalb heißt es am Ende "Daumen hoch" für den 370Z. Ein Spaßmobil von Feinsten, was Nissan da auf dem Markt hat. Und der "Z" ist auch mit mehr als 40 immer noch heißes Paket.

 

Datenblatt

Nissan 370Z

Abmessungen L / B / H
4,25 / 1,84 / 1,31 m
Leergewicht
1583 kg
Sitzplätze
2
Ladevolumen
235 l
Maximale Zuladung
229 kg
Motor
6-Zylinder Otto-Motor in V-Form
3696 ccm Hubraum
Getriebe
Manuelles 6-Gang-Getriebe
Leistung
328 PS (195 kW) bei 7000 U/Min
Kraftstoffart
Super-Plus-Benzin
Höchstgeschwindigkeit
250 km/h
max. Drehmoment
363 Nm ab 5000 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
6,0 sek
Normverbrauch
10,6 l
Grundpreis
Preis des Testwagens
38.690 Euro
45.480 Euro

 

Quelle: n-tv.de