Praxistest BMW 520d: Der Chefökonom
Luxuslimousinen gelten als unökonomisch und als Spritfresser. Der BMW 520d hingegen strahlt auf dem Papier mit einem Verbrauch von 5,1 Litern. Wir starten den Langstreckentest.
Der 5er von BMW hat ein gutes und ein schlechtes Image. Wer ihn fährt, schwört auf das dynamische Potenzial und das ausgesprochen gute Fahrwerk. Wer ihm auf der Autobahn begegnet, sieht in den Limousinen aus München notorische Linksfahrer und Drängler. Der Unterschied ist schlicht der Ort, an dem man sitzt. Tatsächlich war der 5er schon immer die sportlichere Variante einer oberen Mittelklasse-Reiselimousine. In der Auseinandersetzung mit Audis A6 oder der E-Klasse von Mercedes hat der Bayer stets die sportlicher orientierten Fahrer angesprochen. Darin begründet sich auch sein Ruf.
Das aktuelle Modell des 5ers befindet sich mittlerweile in seinem siebten Produktionsjahr. Der Lebenszyklus neigt sich langsam dem Ende entgegen, es schwirren schon Bilder der ersten Erlkönige des Neuen umher. Warum also noch den Alten testen? Ganz einfach, weil er sich immer noch recht gut verkauft. 2008 wurden 44.418 Autos in Deutschland zugelassen, bis September des Krisenjahres 2009 waren es immer noch 24.671. Das sind fast so viele Zulassungen wie bei allen Minis zusammen. Damit liegt der 5er nur knapp hinter dem etwas jüngeren Audi A6, aber deutlich hinter der neuen E-Klasse von Mercedes.
Es gibt aber noch einen guten Grund, dem 5er noch mal auf den Zahn zu fühlen. Mittels des Maßnahmenbündels "Efficient Dynamics" ist die Limousine auf Sparkurs getrimmt worden. Beim ADAC-Ecotest zeigte sich der Bayer mit dem Zwei-Liter-Diesel als Klassenprimus. Vor allem der Verbrauch von 5,87 Litern auf 100 Kilometer beim ADAC-Test beeindruckt. Laut Hersteller sind es sogar nur 5,1 Liter. Beeindruckend für ein Auto mit diesem Potenzial und den Abmessungen.
Sehr gute Verarbeitung, überschaubares Platzangebot
Dass der 5er ein gereiftes Auto ist, merkt man bereits beim Einsteigen. Harmonisch umwindet das Armaturenbrett die beiden vorderen Plätze. BMW-typisch ist das Cockpit ganz auf den Fahrer ausgerichtet. Die Materialanmutung und die Verarbeitung des Interieurs ist makellos. Holzimitat wechselt sich mit aufgeschäumten Kunststoffen und Aluapplikationen ab. Keine Frage, es beschleicht einen ein gutes Gefühl nach dem Platznehmen in BMWs Reiselimousine. Hier lässt es sich gut auch auf lange Strecken aushalten. Der Sitz bietet eine verlängerte Aufliegefläche für die Oberschenkel, was auf solch langen Touren ebenso entspannend ist wie die Lordosenstütze und als technisches Helferlein der Tempomat. Auch die Bedienung der Lenkradhebel klappt gut. In der Mittelkonsole lässt sich alles bis auf die Klimaanlage mit dem "iDrive"-System bedienen. Nach kurzer Eingewöhnung klappt das fast blind.
Leider auch BMW-typisch ist das nicht gerade üppige Platzangebot. Für ein Auto mit diesen Abmessungen geht es innen relativ kompakt zu, aber der Platz ist auch für Großgewachsene absolut ausreichend. Dafür bietet der Bayer im Fond recht viel Raum. Im Vergleich zu älteren BMW-Modellen hat der 2007 überarbeitete 5er dort kräftig gewonnen. Der mittlere Platz auf der Rückbank ist allerdings nur als Notsitz konzipiert und bietet keine rechte Sitzfläche. Hinter der Sitzbank im Kofferraum ist das Angebot jedoch wieder relativ üppig.
Starker Motor und gutes Fahrwerk
In Zahlen ausgedrückt reden wir über ein Ladevolumen von 520 Litern im Kofferraum. Das ist selbst für seine Klasse ordentlich. Zumal er mit 4,84 Metern Länge die kürzeste unter den deutschen Obere-Mittelklasse-Limousinen ist. Bis zu 560 Kilogramm darf man dem kräftigen Bayern zusätzlich auf die Reifen laden. Zwischen 1600 und 2100 Kilogramm kann der 5er mit dem kleinsten Diesel wegziehen. Auch an diesen Werten gibt es nichts zu mäkeln.
Richtig Freude kommt beim Fahrwerk auf. Mit dem Facelift vor zwei Jahren hat BMW den Schwerpunkt weiter auf Komfort gelegt. Dabei ist ein immer noch sehr zeitgemäßer Mix aus Sportlichkeit und weicher Federung herausgekommen. Ab dem ersten Meter fühlt sich das Auto gut beherrschbar an. Weder bei hohen Geschwindigkeiten noch bei langsamer Fahrt in der Stadt geht das Gefühl für das Auto verloren. Das liegt auch an der sehr direkten Lenkung, die eben auch nie gefühllos wird. Das ist eine Domäne des Autos.
1000 Kilometer Reichweite
Soweit, so bekannt. Der 5er hat seine Stärken, aber auch die ein oder andere Schwäche. Zeit also, seinem Durst auf den Zahn zu fühlen. 5,1 Liter sind schon eine Vorgabe. Wir fahren im ersten Durchlauf einen Mix aus ein Viertel Stadtverkehr und drei Vierteln Landstraße und Autobahn. Ein recht typisches Einsatzgebiet für den Bayern. Nach 452 Kilometern geht es zum ersten Mal an die Tankstelle. 27,8 Liter laufen in den 70-Liter-Tank. Das sind 6,15 Liter im Schnitt. Recht beeindruckend trotz sparsamer Fahrweise, zumal mehr als 100 Kilometer Stadtverkehr dabei waren. Bei den CO2-Emissionen liegt der 520d übrigens bei 136 Gramm pro Kilometer. Eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern scheint bei moderater Fahrweise absolut erreichbar.
Der zweite Durchlauf wird etwas näher an der Praxis gefahren. Das heißt, wir drücken mehr auf die Tube. Der gemeine 5er-Fahrer gehört schließlich auch nicht zu den Gaspedalstreichlern der Nation und wir wollen schließlich einen Praxistest machen. Das Verhältnis Stadt zu Landstraße und Autobahn bleibt bei rund einem Viertel zu drei Vierteln. Diesmal geht es über eine Strecke von insgesamt 815 Kilometern. Davon sind etwa 175 Kilometer Stadt und 640 Kilometer Autobahn. Es geht von Berlin über Leipzig und Erfurt nach Mainz.
Im Galopp gen Westen
Nach dem Berliner Stadtverkehr lassen wir den 177 PS des Reihenvierzylinders erst mal freien Lauf. Ab der Raststätte Fläming gehört in den späten Abendstunden eine dreispurige Autobahn weitgehend uns alleine. Dabei lässt sich feststellen, dass Sparen nicht mit Langsamkeit einhergeht. Dank der 350 Newtonmeter Drehmoment erreicht der 5er locker seine Höchstgeschwindigkeit von 223 Stundenkilometern, laut Tacho sogar mehr. Aber selbst auf der mittlerweile gut ausgebauten A9 sind die Kilometer mit freier Fahrt begrenzt und ab Leipzig wechseln sich Baustellen mit 120-km/h-Zonen ab.
Das bringt den Verbrauch wieder in nettere Regionen, denn die Vollgasfahrt quittiert der Bordcomputer zwischendurch mit einer Anzeige von 10,5 Litern. Nach dem Abbiegen auf die A4 gibt es abwechselnd freie Fahrt und lange Baustellen. Ein interessanter Mix, der den Gesamtverbrauch wieder unter die neun Liter drückt. In Hessen angekommen, mehren sich zunächst die Baustellen und Geschwindigkeitsbegrenzungen, bevor es bei Frankfurt noch mal frei wird. Der Verbrauch ist laut Bordcomputer bei 7,9 Litern angekommen. Ok, das haben wir natürlich mit den Vollgaspassagen provoziert und sind dementsprechend auch nicht unzufrieden.
Überraschung an der Tankstelle
Doch die Überraschung kommt beim Tanken am nächsten Tag. Statt der vom Bordcomputer vorhergesagten 7,9 Liter liegt der von uns gemessene Verbrauch bei 7,2! Der Tank ist randvoll, daran herrscht kein Zweifel. Mehr als 59 Liter passen nicht rein. So nett wird man selten an der Tankstelle überrascht. Genau liegt der Verbrauch bei 7,24 Litern. Für unsere Fahrweise ist das ebenfalls ein ordentlicher Wert.
Unökonomisch wird es allerdings beim Preis. In der Grundversion kostet der 520d 38.700 Euro. Das ist ein Wort, auch wenn er damit nur etwas über der Ingolstädter und leicht unter der Stuttgarter Konkurrenz liegt. Empfehlenswert ist der Kauf mit einem der Ausstattungspakete "Exclusive", "Sport" oder "Lifestyle". Dann steigt der Kaufpreis allerdings auf eine Summe zwischen 45.200 und 48.550 Euro. Die Pakete haben dann allerdings schon Navi, Klima und einige andere Annehmlichkeiten serienmäßig an Bord.
Als Fazit lässt sich sagen: Er hat gehalten, was der ADAC uns mit seinem Eco-Test versprochen hat. Der 520d ist ein recht sparsames Auto, nicht nur für seine Klasse. Selbst bei kleineren Autos ist ein Verbrauch von 6,1 Litern in der Praxis oft kaum erreichbar. Die 7,2 Liter bei vollem Galopp auf der Autobahn und mit Stadtverkehr fanden wir aber fast noch eindrucksvoller. Denn schließlich kauft man keinen 5er BMW, um damit nur 120 zu fahren. Ein erfreuliches Ergebnis, das jedem Controller auch gefallen dürfte. Denn die entscheiden schließlich oft, ob ein solches Auto für den Firmenpark überhaupt in Frage kommt. So hat sich der BMW 520d unseren Titel als Chefökonom redlich verdient.
Quelle: n-tv.de

