Auto
An SUVs scheiden sich die Geister. Der Audi Q3 versucht da zu vermitteln: Er soll verschiedene Welten miteinander verbinden: SUV und Sportler.
An SUVs scheiden sich die Geister. Der Audi Q3 versucht da zu vermitteln: Er soll verschiedene Welten miteinander verbinden: SUV und Sportler.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Audi Q3 2.0 TDI quattro: Der Feine unter den Kleinen

von Axel F. Busse

Als sei der SUV-Markt nicht schon unübersichtlich genug, hat Audi die weitere Vergrößerung seiner Q-Herde angekündigt: Ein Q4-Modell sei ebenso zu erwarten wie ein Q6. Der jüngste Spross der Familie – der Q3 -  lief jetzt im n-tv.de-Praxistest.

Der kompakte Allrad-Kombi entwickelt sich zum Hit: Noch kein Jahr ist er auf dem Markt und hat in den ersten beiden Zulassungsmonaten in Deutschland nicht nur den Markenbruder Q5 hinter sich gelassen, sondern auch der deutlich günstigere Skoda Yeti liegt nur gleich auf. Selbst vom Dacia Duster wurden weniger Exemplare neu zugelassen – und der kostet nicht einmal die Hälfte.

Mit neuen Design und einer Vielzahl anspruchsvoller Technik-Extras will sich der Audi A3 abermals an die Spitze des Segments setzen.
Mit neuen Design und einer Vielzahl anspruchsvoller Technik-Extras will sich der Audi A3 abermals an die Spitze des Segments setzen.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Die 24 Zentimeter, die dem Q3 an der Außenlänge des Q5 fehlen, sind nicht der wesentliche Unterschied der beiden Fahrzeuge, die sich sonst sehr ähnlich sehen. Es ist die Tatsache, dass der Q3 einem Kundenbedürfnis Rechnung trägt, dem in der Vergangenheit auch die Hersteller von Hardcore-Geländewagen wie Jeep oder Land Rover gefolgt sind: Viele Kunden suchen ein Auto, dass wie Offroad aussieht, ohne dass sie den Allradantrieb mit sich herumschleppen, geschweige denn bezahlen wollen.

Bei dem getesteten Q3 handelte es sich allerdings nicht um einen Fronttriebler, sondern um das Modell 2.0 TDI quattro. Es repräsentiert das Mainstream-Auto der Baureihe. Bei den  Januar-Zulassungen verbuchte Audi einen 75-prozentigen Diesel- und einen 85-prozentigen Quattro-Anteil. Der Q3 ist der erste Vertreter des so genannten modularen Querbaukastens, mit dem der VW-Konzern seine Modellstrategie vereinheitlichen will und auf dem auch der nächste Golf basieren wird.

Quermotor schafft Platz im Innern

Der Zweiliter-Diesel leistet 177 PS, die Kraftübertragung erfolgt durch das in vielen Konzernmodellen bewährte 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das bei Audi S-Tronic heißt.

Es ist keine Übertreibung, diese Kombination zum idealen Antriebskonzept für den Q3 zu erklären. Fahrzeugausmaße und Gewicht (etwa 1650 Kilogramm) stehen in einem gesunden Verhältnis zu den maximal 380 Newtonmetern Drehmoment. Das verspricht energischen Vortrieb, ohne allzu giftig daher zu kommen.

Das Kofferraumvolumen ist mit 460 Litern angemessen.
Das Kofferraumvolumen ist mit 460 Litern angemessen.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Mit seinen 4,39 Meter Länge und 1,83 Meter Breite wirkt der Q3 gerade noch zierlich (vor allem neben einem Q5), doch die Innenmaße sind recht ordentlich. Die Platzausnutzung funktioniert deshalb so gut, weil der Motor quer eingebaut ist und so auch auf der Rückbank noch genügend Platz selbst für hochgewachsene Passagiere bleibt. Die Schienen der hinteren Kopfstützen haben eine praxistaugliche Länge und auch die Kopffreiheit ist ausreichend. Der Zugang zum Kofferraum ist mit 78 Zentimetern rund zehn Zentimeter höher angebracht, als beim Q5.

Das etwas geringere Volumen (460 Liter zu 540 beim Q5) ist zu verschmerzen, als störend nimmt man aber die Tatsache wahr, dass der Boden des Gepäckfachs gut zwei Handbreit unter der Kante liegt. Die gut gemeinten Verzurrösen können nicht darüber hinweg täuschen, dass der allseits übliche Bewegungsmechanismus für die Hutablage offenbar vergessen wurde. Bei umgeklappter Rückbank nimmt der Q3 1365 Liter Ladegut auf. Für 150 Euro ist auch die Umlegemöglichkeit des Beifahrersitzes zu bekommen, was dann den Transport des "Billy"-Regals erleichtert.

Im Inenraum ist alles an seinem Platz.
Im Inenraum ist alles an seinem Platz.(Foto: Abdruck fuer Pressezwecke honora)

Dass der Innenraum passt wie ein geschmeidiger Lederhandschuh liegt nicht an der Kombination aus Alcantara und gegerbter Tierhaut auf den Polstern. Wer irgendwann schon einmal in einem Audi gesessen hat, kennt dieses Gefühl, nach Hause zu kommen, alles ist an seinem Platz, die Orientierung gelingt binnen Sekunden. Alles wirkt schick und aufgeräumt, erst ein genauerer Blick offenbart, dass im Q3 zur Erreichung eines bestimmten Preisniveaus Kompromisse und ein paar simplere Lösungen nötig waren. Beispielsweise ist die untere Hälfte des Armaturenbretts nicht weich geschäumt wie beim Q5, sondern besteht über die ganze Breite aus hartem Glatt-Kunststoff. Diese Ausführung zeigt sich auch an den Türverkleidungen, wo wegen drohender Gebrauchsspuren eine widerstandsfähigere Oberfläche ratsam gewesen wäre. Der Deckel des Handschuhfachs hat auch nicht die Solidität, die man von anderen Audi-Modellen kennt.

Niveauvoller Stadt-Indianer

Der Starterknopf (an der Mittelkonsole) ist schnell identifiziert und schon kann es losgehen. Zwar können die Startvorbereitungen mit Vorglühen und Systemcheck an kalten Wintermorgenden schon mal bis zu vier Sekunden dauern, doch das ist zu vernachlässigen. Es stellt sich zügig das beruhigende Gefühl ein, dass es auch Dieselaggregate gibt, die selbst nach dem Wecken aus dem Tiefschlaf nicht grummelig reagieren. Mit Start-Stopp-Technik und Rekuperation beim Bremsen zeigt sich das Auto auf dem Stand der Spartechnik.

Die hohe Sitzposition schafft Souveränität und Überblick, nur nach schräg hinten behindert die dicke C-Säule etwas die Sicht. Da der Q3 aber mehr Stadt-Indianer als Freibeuter der Feldmark ist, gibt es für 1300 Euro extra das Parkassistenz-System. Das Auto steuert nach vorheriger Peilung durch die seitlichen Abstandssensoren selbstständig die Parklücke an, übernimmt auch die Korrekturzüge, so dass die Person hinterm Lenkrad lediglich für den sensiblen Umgang mit Gas und Bremse verantwortlich ist. Als äußerst sinnvolle Ausstattungsmerkmale, die den Charakter des Langstrecken-Familienmobils noch unterstreichen, stellten sich während der Testtour der Totwinkel- und Spurhalteassistent heraus. Sie werden mit 1100 Euro extra berechnet. Mit Navigationssystem, Sportsitzen und einstellbarem Fahrwerk sind im Nu ein paar tausend Euro beisammen, die den Q3 leicht aus dem Kreis preiswerter Kompakt-SUV verdrängen können. Für den Testwagen wäre die stolze Summe von 50.055 Euro fällig gewesen.

Die Quattrotechnik bietet bekannter Maßen Traktionsvorteile auf losem oder nassem Untergrund, doch dass Ausflüge jenseits von Schotterpisten nicht zu den bevorzugten Übungen des Q3 zählen, zeigt schon die geringe Bodenfreiheit von 170 Millimetern. Handlich wie ein Kompakt-Pkw, temperamentvoll wie ein Sportcoupé – der Testwagen hinterließ einen ansprechenden Eindruck. Dass es sich bei dem verwendeten Allradantrieb gar nicht um das bekannte Prinzip "quattro" (also mit Mittendiffenrenzial) sondern um ein Derivat des Tiguan-Antriebs (mit hydraulischer Lamellenkupplung) handelte, spielte für die Praxis keine Rolle. Mit 6,9 Litern Durchschnittsverbrauch lag der Wagen im Praxisbetrieb einen Liter und damit erträglich über dem Wert aus dem EU-Prüfstand-Test.

Fazit: Abgrenzung zum Wettbewerb und Premium-Charakter definiert der Q3 2.0 TDI quattro bereits mit einem Startpreis von 36.800 Euro. Klein, aber fein soll er sein. Dass bei Importmarken ein Autos dieses Kalibers mit Vollausstattung geboten wird, dürfte die in Frage kommende Klientel nicht interessieren. Sie erwirbt mit dem Auto einen vielseitigen Begleiter mit hohem Wohlfühlfaktor, dessen gelungene Motor-Getriebekombination auch beim Thema Fahrspaß kaum Wünsche offen lässt.

 

DATENBLATTAudi Q3 2.0 TDI quattro
Abmessungen4,39/ 1,83/ 1,59 m
Radstand2,60 m
Leergewicht (DIN)1660 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen460 l / 1365 Liter
Anhängelast gebremst/ungebremst2000 / 750 Kilogramm
Maximale Zuladung525 kg
Motor/Hubraum4-Zylinder Diesel-Motor mit 1968 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung177 PS (130 kW) bei 4200 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebAllradantrieb
Höchstgeschwindigkeit212 km/h
max. Drehmoment380 Nm bei 1750  - 2500 U/min
Tankinhalt64 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,2 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)7,0/ 5,3/ 5,9
Testverbrauch6,9 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
156 g/km
Grundpreis36.800,00 Euro
Preis des Testwagens50.050,00 Euro

Quelle: n-tv.de

Video-Empfehlungen
Empfehlungen