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Freiluft-Vergnügen der exklusiven Art: das Infiniti G37 Cabrio.
Freiluft-Vergnügen der exklusiven Art: das Infiniti G37 Cabrio.

Komfort im Infiniti G37 Cabrio : Der No-Name-Sonnenstuhl

von Axel F. Busse

Wer in Deutschland nach exotischer Fortbewegung sucht, die einen nicht gleich ruiniert, kann bei Infiniti fündig werden. Infi... was? Nissans edle Tochter mausert sich und hat inzwischen einige veritable Modelle im Angebot - auch in der Sommerkollektion.

Porsche, Jaguar, Lexus – im Vergleich zu Infiniti ist das alles Massenware, zumindest in Deutschland. Das Kraftfahrtbundesamt führt genau Buch, welches Auto wie oft zwischen Flensburg und Garmisch neu zugelassen wurde. Und in dieser Statistik taucht das G37 Cabrio im ersten Halbjahr genau 24 Mal auf. Die Gefahr, beim sonntäglichen Freiluft-Vergnügen einem anderen Infinity-Fahrer zu begegnen, ist also zu vernachlässigen.

Das Design des Cabrios ist gelungen.
Das Design des Cabrios ist gelungen.

Aber der Reihe nach: Analog zu Toyota, die mit Lexus eine eigene Oberklassen-Marke schufen, hat auch Nissan einen Luxus-Laden aufgemacht. Der läuft zum Beispiel in den USA schon seit 1989 recht ordentlich. Hierzulande ist Infiniti noch wenig bekannt, was die einheimische Vertriebsorganisation aber durch das Angebot von mittlerweile sechs Modellen zu ändern trachtet.

Für diesen Praxistest stand das Klappdach-Cabrio G37 zu Verfügung. Motor und Getriebe sind bei anderen Produkten des Konzerns schon vielfältig im Einsatz. Der 320 PS starke Sechszylinder-Benziner und die Siebengang-Automatik sind zum Beispiel im Nissan 370 Z anzutreffen.

Premium bis in die Kopfstützen

Wenn es an Marken-Image fehlt, kann ein Auto das mit Design ausgleichen. Kraftvolle Linien, elegante Schwünge, eine selbstbewusst breite Spur und eine Dachlinie aus einem Guss (was bei Klappdach-Coupé durchaus nicht selbstverständlich ist) kennzeichnen diesen Viersitzer. Was dem japanischen Mitbewerber Lexus lange fehlte, hat Infiniti fast auf Anhieb geschafft: Ein Markengesicht zu kreieren, dessen flacher breiter Grill und die spitz in die Kotflügel auslaufenden Scheinwerfergläser es unverwechselbar machen. Das Cabrio wird serienmäßig mit 19-Zoll-Alufelgen geliefert, was ebenso dynamisch wie edel aussieht.

Im Dach knirscht es nicht.
Im Dach knirscht es nicht.

Der nicht weniger edle Innenraum wird durch 1,30 Meter breite Türöffnungen betreten. In schmalen Parklücken können diese Riesenschwingen schnell zum Problem werden. Zwei Besonderheiten kennzeichnen die vorderen Sitze. Sie können nicht nur beheizt, sondern auch belüftet werden, was dem im Sommer häufig anzutreffenden Effekt entgegenwirkt, dass man mit dem T-Shirt am Lederpolster kleben bleibt. Die Kühleinrichtung für Fahrer und Beifahrer ist in der Premium-Ausstattung inbegriffen. Das gleiche gilt für die in die Kopfstützen integrierten Lautsprecher. So kann der bei geöffnetem Dach stärker werdende Fahrtwind den Musikgenuss nicht mehr trüben.

Diese Details lassen bereits erkennen, dass es vor allem die Ausstattungs-Strategie ist, die der Marke in Deutschland aufhelfen soll. Statt der von deutschen Herstellern bis zur Über-Perfektion kultivierten Aufpreis-Politik gibt es hier zwar nur wenige Varianten, die aber als "All-inklusive-Angebot". Keine Frage: 57.830 Euro sind alles andere als ein Schnäppchen, doch die folgende Auswahl an Extras, die darin enthalten sind, lässt erkennen, wo der Unterschied zu einheimischen Premium-Marken liegt: Regen- und Lichtsensor, Rückfahrkamera, Adaptive Geschwindigkeitsregelung, Bi-Xenon- und adaptives Kurvenlicht, Niveauregulierung, Festplatten-Navigation, Bose-Soundsystem, elektrische Memory-Sitze, Bluetooth und Spracherkennung, USB und iPod-Anschluss und mehr. Wer sich in der automobilen Komfort-Liga auskennt, weiß, dass anderswo bei Einzelbestellung dieser Merkmale schnell ein Anschaffungspreis von 70.000 Euro zusammen kommen kann.

Ohne Knistern und Knacken

Gute Noten also für den No-Name-Sonnenstuhl, zumal das Interieur mit gebürstetem Aluminium, feinem Leder und geschmackvollen Dekorelementen eine angenehm wohnliche Atmosphäre ausstrahlt. Die Bedienungsarchitektur ist übersichtlich und weitgehend selbsterklärend. Der über der Mittelkonsole eingelassene Zentralmonitor kann via Touchscreen bedient werden oder auch über das Tastenfeld, das konsolenartig davor liegt. Letzteres ist unvollkommen durchdacht. Wer zum Beispiel über Touchscreen einen Straßennamen in die Navigation eingeben will, muss beim Abstützen der Hand Vorsicht walten lassen. Die Taste für die Warnblinkanlage sitzt ungünstig auf der Konsole und kann versehentlich ausgelöst werden.

Bilderserie

Entsprechend dem Charakter des Fahrzeugs sind die Sitze eher mit dem Fernsehsessel zuhause als mit dem Gestühl eines Sportwagens zu vergleichen. Und so als hätten die Konstrukteure geahnt, dass heißes Kurvenschlängeln eher eine Ausnahme-Anforderung darstellt, sind sie nicht übertrieben seitenstabil geschneidert. Uneingeschränkt langstreckentauglich sind sie allemal, sehr anschmiegsam und elektrisch vielfältig verstellbar. An bequemer Polsterung fehlt auch den hinteren Sitzen nicht, jedoch werden sich Erwachsene dort alsbald über mangelnde Bein- oder Kopffreiheit beklagen, sollte man mit geschlossenem Dach unterwegs sein.

Ein Cabrio ist zum offen Fahren da, also runter mit der Haube. Die Bewegungs-Mechanik wird per Taste zwischen den Sitzen aktiviert. Vorher war bereits bei der Testfahrt auf Kopfsteinpflaster aufgefallen, dass die Karosserie sehr verwindungssteif und die Dachteile stabil verankert sind, denn da knirschte und knackte nichts. Laut Datenblatt soll das Verstauen des Dachs 25 Sekunden dauern, beim Testwagen waren es 29,2 beim Öffnen bzw. 29,7 beim Schließen. Genau genommen fallen die vier Sekunden Unterschied nicht ins Gewicht, da Öffnen und Schließen während der Fahrt sowieso nicht möglich sind. Bis auf eine bei höherem Tempo leicht vibrierende Abdeckung fiel der Verdeckkasten im Test nicht unangenehm auf.

Motor erstaunlich genügsam

So angenehm der Genuss von Sonne und Wind beim Fahren sein mag, so ernüchternd ist die Erfahrung, dass er mit der Mitnahme von Gepäck nicht vereinbar ist. Von den 366 Litern Kofferraum, die beim Betrieb als Coupé genutzt werden können, bleibt nach Öffnen des Daches so gut wie nichts mehr übrig. Der Hersteller macht zum verbleibenden Stauraum aus guten Grund keine offiziellen Angaben, im Testfall reichte der Platz für drei dicke Bücher. Die Marketing-Prosa vom "vollwertigen Viersitz-Cabrio" ist also mit Vorsicht zu genießen, denn mit vier Personen muss man entweder unter geschlossenem Dach in den Urlaub rauschen oder das Gepäck vorausschicken. Trotz dieses Makels ist es den Konstrukteuren zu danken, dass sie sich nicht auf einen faulen Kompromiss eingelassen haben, die dem optisch makellosen Cruiser womöglich eine unförmige Heckpartie beschert hätte, nur um zusätzlichen Kofferraum zu generieren.

Der 3,7-Liter-Sechzylinder spielte in der Testphase den Part eines unauffällig seine Pflicht erfüllenden Begleiters. Weder tat er sich durch lärmendes Imponiergehabe, noch durch allzu sportlichen Ehrgeiz hervor. 320 PS klingen zunächst mal nach der Muskelmasse eines Vollblüters, der seine Konkurrenten in die Schranken weisen will. Doch das G37 Cabrio eignet sich eher zum geduldigen Schlachtross, das seine Spurtqualitäten höchstens mal für ein dringend notwendiges Überholmanöver ausspielt. Wirklich überrascht hat der Motor erst an der Tankstelle: Statt der nach EU-Norm ermittelten 11,4 Liter Kombi-Verbrauch begnügte sich das Aggregat laut Bordcomputer mit einem Liter weniger. Zu geringe Anforderungen auf der 1200-km-Teststrecke aus Überland- und Stadtverkehr können kaum die Ursache dafür gewesen sein.

Komfortable bis weich gibt sich das Fahrwerk.
Komfortable bis weich gibt sich das Fahrwerk.

Das komfortabel bis weich abgestimmte Fahrwerk erfüllt die Erwartungen an ein sanftes Reisemobil ohne Wenn und Aber. Die Lenkung wünschte man sich eine Spur direkter, die eher auf amerikanische Ansprüche ausgelegte Servo-Unterstützung macht das Lenkgefühl ein wenig sämig. Die Lenksäule ist mit Paddeln zur manuellen Bedienung der 7-Gang-Automatik bestückt, in diesem Test wurden sie allerdings kaum gebraucht, denn die guten Manieren der Automatik manifestierten sich in geschmeidiger Zurückhaltung.

Fazit: Wer bereit und in der Lage ist, knapp 60.000 Euro für ein bedingt alltagstaugliches Auto auszugeben, sucht das Besondere. Dieses Attribut hat das Infiniti G 37 Cabrio zweifellos verdient. Mit Motor und Getriebe aus solider Großserien-Produktion, dem Komfort- und Ausstattungsniveau einer limitierten Sonderserie verbindet der Viersitzer viele gute Eigenschaften miteinander. Dass bei Gepäcktransport die Cabrio-Eigenschaft entfällt, weiß der Kunde vorher und kann sich überlegen, wie wichtig ihm beides ist. Ein zeitlos elegantes Design könnte den einen oder anderen sogar darüber hinweg trösten, dass mangels Marken-Image die Restwert-Erwartungen eher gering sein dürften.

 

DATENBLATTInfiniti G37 Cabrio Premium
Abmessungen L / B / H4,66/1,85/1,39 m
Radstand2,85 m
Leergewicht (DIN)1898 kg
Sitzplätze4
Kofferraumvolumen Dach geschlossen/offen366/50 l (Schätzwert)
max. Zuladung417 kg
MotorV6-Zylinder-Otto-Motor mit 3696 ccm Hubraum
Getriebe7-Gang automatisch
Leistung320 PS (235 kW) bei 7000 U/min
KraftstoffartSuper bleifrei
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
max. Drehmoment360 Nm bei 5200 U/min
Tankinhalt80 l
Beschleunigung 0-100 km/h6,4 s
Normverbrauch (außerorts/ innerorts/ kombiniert)8,3/16,4/11,4 l
Testverbrauch10,4 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
264 g/km
Grundpreis57.830 Euro
Preis des Testwagens58.630 Euro

Quelle: n-tv.de

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