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Der kann auch wühlen: Die Pässe in Südtirol bewältigt der Japaner recht problemlos. Für tiefes Geläuf ist er allerdings nicht gemacht.
Der kann auch wühlen: Die Pässe in Südtirol bewältigt der Japaner recht problemlos. Für tiefes Geläuf ist er allerdings nicht gemacht.(Foto: Markus Mechnich)

Lexus RX 450h: Der Sonderling

Markus Mechnich

Bei Lexus hält man die Hybrid-Fahne hoch und zeigt sich umweltbewusst. Dabei kann der RX450h auch Allrad, oder zumindest ein bisschen Gelände. So gesehen ist er ein Alleskönner, der sich aber nicht fehlerfrei zeigt.

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Der ist so ganz anders: Der RX-450h wählt in vielen Dingen einen anderen Ansatz als viele Konkurrenten. Das ist unübersehbar. Neben dem eigenwilligen Design des Autos ist es vor allem die Technik, die den Lexus von der Konkurrenz unterscheidet. Er will die Käufer mit fortschrittlichem Hybridantrieb und einem dadurch fast sagenhaftem Normverbrauch locken.

Aber fangen wir außen an. Das Design des RX450h hat einen coupéhaften Charakter. Das vermittelt den Eindruck von Potenz, die bei einer Systemleistung von 299 PS auch durchaus vorhanden ist. Vorne geht er mit einer langen Haube in Front, hinten unterstreicht eine zusätzliche Abrisskante die sportlichen Ambitionen. Insgesamt wirkt das Fahrzeug recht hoch gebaut, was es aber mit einem Wert von 1,69 Metern nicht unbedingt auch ist.

Platz im Innern, Kofferraum bescheiden

So viel Platz er von außen verspricht, so viel bietet er innen auch. Ein Kofferraumvolumen von 446 – bei umgeklappter Rückbank werden es 1570 Liter – ist ein sehr durchschnittlicher Wert. Dafür gibt es für die Passagiere im Fond reichlich Platz, sodass auch größere Menschen sehr bequem sitzen können. Vorne gibt es in Sachen Raumangebot ohnehin nichts zu meckern. Ziemlich edel geht im Innenraum zu, wo sich Leder mit klar lackierten Holzapplikationen abwechseln. Die Designlinie von außen setzt sich sehr stimmig im Innern fort. Auch wenn das ein oder andere Plastikteil noch zu entdecken ist, der Lexus ist Premium.

Geschmackssache ist die Bedienung des Multimediasystems über einen Controller, der einer Computermaus nachempfunden ist. Auch wenn die Grundidee sicher nicht verkehrt ist, in der Praxis ist das System zu sprunghaft. Vor allem wenn ein unruhiger Untergrund für Erschütterungen im Innern sorgt, fällt die Bedienung schwer und lenkt zu sehr vom Geschehen auf der Straße ab.

Erfahrung in Hybrid

Am Heck sitzt ein zweiter Elektromotor, der sich bei mangelnder Traktion zuschaltet.
Am Heck sitzt ein zweiter Elektromotor, der sich bei mangelnder Traktion zuschaltet.(Foto: Markus Mechnich)

Das Prunkstück des Autos ist aber die Antriebstechnik. In der zweiten Generation fährt das japanische Edel-SUV schon dual. Die Leistung teilt sich auf in 249 PS, die der Sechszylinder-Verbrennungsmotor beisteuert und maximal 50 kW (68 PS) vom hinteren Elektromotor. Lexus gibt die maximale Leistung mit den bereits erwähnten 299 PS an. Das Zusammenspiel der beiden Antriebskomponenten funktioniert reibungslos. An der Stelle merkt man die jahrelange Erfahrung von Toyota, dem Mutterkonzern der Marke, mit Hybridantrieben. Wenn der Antrieb auf freier Fahrbahn gefordert wird, dann kann er einen ziemlich hurtigen Galopp hinlegen. Die 100 Stundenkilometer erreicht er so in 6,3 Sekunden und er schafft eine Spitzengeschwindigkeit von 200.

Wenn er so angetrieben wird, dann entwickelt der Lexus auch Trinkgewohnheiten, die so gar nicht mehr dem Saubermann-Image entsprechen. Auf der Autobahn gehen dann schon mal 13 Liter und mehr durch. Auch bei unseren Ausfahrten im Schnee genehmigte er sich deutlich mehr als die Angaben des ambitionierten Normverbrauchs. Freilich kann abseits der Straße auch der Elektroantrieb wenig ausrichten. Das ist eher die reine Kraft des Benzinmotors angesagt.

Allrad mit Elektro-Kraft

Innen geht es recht schick zu. Das Außendesign wurde im Interieur weitergeführt. Gewöhnungsbedürftig ist das Bedienelement für Infosystem, das im Stil einer Computermaus gestaltet ist.
Innen geht es recht schick zu. Das Außendesign wurde im Interieur weitergeführt. Gewöhnungsbedürftig ist das Bedienelement für Infosystem, das im Stil einer Computermaus gestaltet ist.(Foto: Markus Mechnich)

Auch sein Allradkonzept unterscheidet sich von den übrigen Teilnehmern dieses Vergleichs. Zwei Elektromotoren hat der Lexus zur Verfügung. Der erste treibt die Vorderachse an, wenn das Auto rein elektrisch unterwegs ist und leistet bis zu 123 kW (167 PS). Für die Fortbewegung auf vier Rädern steht auf der Hinterachse ein weiterer Elektromotor zur Verfügung, der sich nur dann einschaltet, wenn es an Traktion mangelt. Ansonsten dient er ebenfalls als Generator wie der vordere und liefert Strom an die Nickelmetallhydridbatterie.

Dieses System des "Zu-Hilfe-Eilens" bei Traktionsmangel bewährt sich durchaus auf den zugeschneiten Passstraßen der Südtiroler Alpen. Zumal der Lexus immerhin über ein spezielle Einstellung für das Fahren auf Schnee verfügt. Auch an steilen Hängen zieht sich das fast 2,2 Tonnen schwere Auto nach oben. Dennoch ist der RX450h kein Offroader. An diesem Allradantrieb lässt sich nichts einstellen. Ein Sperrdifferential oder eine Untersetzung sucht man in diesem Auto vergebens. Die Federung ist zwar recht weich, zeigt sich aber auch nicht unbedingt auf einen Geländegang ausgelegt. Vielmehr wirkt sie schlicht zu stößig.

Stolzer Preis

Ein Billigheimer ist der Lexus nicht. Schon der Grundpreis von knapp 60.000 Euro ist stolz.
Ein Billigheimer ist der Lexus nicht. Schon der Grundpreis von knapp 60.000 Euro ist stolz.(Foto: Markus Mechnich)

Er ist natürlich auch nicht gebaut die wilden Weiten der Prärie zu erobern, auch wenn er sich in der Schneewüste gar nicht mal so schlecht schlägt. Auch den Lexus sollte man besser in der Stadt bewegen. Dort lässt es sich dann mit reinem Gewissen Dickschiff fahren. Dieser Spaß hat aber auch seinen Preis und der ist nicht ohne. Ab 59.690 Euro ist der RX450h zu haben. Das ist viel Geld, zumal sich die Kosten mittels Sonderausstattung noch weiter nach oben treiben lassen. Große Ausstattungsvariante gibt es für 8860 Euro extra und mit einem Glasdach (1350 Euro), aktivem Tempomat (3500 Euro) und Headup-Display (2800 Euro) ist ein Kaufpreis jenseits der 75.000 Euro schnell erreicht.

Der Lexus RX450h ist nicht nur ein Sonderling. Vielmehr ist er etwas für Premiumkunden mit Hang zur politischen Korrektheit. Die Technik des Autos ist jedenfalls sehr interessant und kann als fortschrittlich eingestuft werden. Dafür leistet er sich einige Schwächen, die in seiner Klasse eigentlich nicht erlaubt sind. Hinzu kommt ein saftiger Preis, der so manchen Interessanten verscheuchen dürfte. Wer es mag und es sich leisten kann, der dürfte durchaus Spaß am Saubermann-Image haben. Für alle anderen ist ein deutlich günstigeres Diesel-SUV doch eine Überlegung wert.

 

Datenblatt

 
Abmessungen LxBxH
4,77 / 1,89 / 1,69 Meter
Leergewicht
2280 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
446 bis 1570 Liter
Maximale Zuladung
515 kg
Motor
Sechszylinder-V-Motor
mit Turboaufladung
3,5 Liter Hubraum
Elektromotor an Hinterachse mit 50 kW
Elektromotor an Vorderachse mit 123 kW
Antrieb und Getriebe
Stufenloses Planetengetriebe
max. Leistung
299 PS Systemleistung
Elektromotoren mit max. 50 und 123 kW
Kraftstoffart
Benzin
Tankinhalt
65 Liter
Höchstgeschwindigkeit
200 km/h
max. Drehmoment
k.A.
Beschleunigung 0 - 100 km/h
7,8 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer
Schnitt
6,3 Liter
CO2-Emissionen
148 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 5 / Grün
Grundpreis
59.690 Euro

 

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Quelle: n-tv.de

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