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Ein großer Kleiner: Mit dem Clio Grandtour versucht Renault den Spagat zwischen Kleinwagen und Kombi.
Ein großer Kleiner: Mit dem Clio Grandtour versucht Renault den Spagat zwischen Kleinwagen und Kombi.

Renaults Clio Grandtour: Der große Kleine

Nadin Härtwig

Mit der Größe ist es ja so eine Sache. Die einen sagen, darauf kommt es nicht an. Ihnen ist ein kleiner und handlicher Wagen lieber. Das ist verständlich. Andere hingegen können es gar nicht groß genug haben. Das ist nachvollziehbar. Da stehen sich also Kleinwagenliebhaber und die Freunde großer PS-Schlitten scheinbar konträr gegenüber. Aber eben nur scheinbar. Denn wie es zwischen Schwarz und Weiß ja auch Grautöne gibt, liegt zwischen groß und klein auch noch mittelgroß. Und bei Autos gibt es eben auch kleine Große. Aber auch große Kleine.

Der Grandtour ist ein modernes Familienauto, das sich seriös, aber auch ein wenig elegant gibt.
Der Grandtour ist ein modernes Familienauto, das sich seriös, aber auch ein wenig elegant gibt.

Einen solchen großen Kleinen hat Renault mit seinem Anfang 2008 auf den Markt gebrachten Clio und den im Mai dieses Jahres neu aufgelegten Grandtour genannten Kombi auf der Straße. Clio, das heißt klein - so zumindest der erste intuitive Gedanke beim Namen. Clio, das heißt kompakt - und das kann auch getrost so stehen bleiben. Aber klein ist der Grandtour nun wirklich nicht. Und so fällt schon auf den ersten Blick auf, dass der Kombi mit seinen 4,23 Metern tatsächlich nicht mehr zu den Kleinen gezählt werden kann.

Bilderserie

Doch nicht nur die Abmessungen fallen ins Auge, sondern auch sein Profil. Der Kombi erinnert eher an ein modernes Familienauto, denn an einen Kleinwagen. Mit seiner Dachreling gibt er sich seriös, die Front mit ihren seitlich nach hinten gezogenen Lampen macht einen zwar schnittigen, aber freundlichen Eindruck. Der Grandtour wirkt insgesamt weder behäbig groß, noch zappelig klein und verbreitet durchaus auch einen Hauch Eleganz.

Solides Platzangebot

Was er optisch an Platz verspricht, kann der Grandtour im Innenraum halten, zumindest zum Teil. Auf den Vordersitzen ist Beinfreiheit garantiert - auch für größere Fahrer und Beifahrer. Auf der Rückbank lässt es sich ebenfalls bequem Platz nehmen, auch wenn hier die Freiheiten ein wenig eingeschränkter sind. Was dem Mehr an Beinfreiheit ein wenig das Licht trübt, ist der Sitzkomfort - zumindest auf den vorderen Sitzen. Das ist weniger einer Unbequemlichkeit, denn einem fehlenden Geborgenheitsgefühl geschuldet. Irgendwie fehlt der Seitenhalt.

Optischer Hingucker: Die kugelförmigen Lüftungsregler sind ein nettes Detail.
Optischer Hingucker: Die kugelförmigen Lüftungsregler sind ein nettes Detail.

Von diesem Mangel abgesehen wartet der Grandtour mit einer soliden Ausstattung auf. Serienmäßig sind in der niedrigsten Ausstattungsvariante vier Airbags, ein Bordcomputer, ESP und eine höhenverstellbare Lenksäule an Bord. Auch Zentralverriegelung und Nebelscheinwerfer sind inklusive. Will man ein Mehr an Komfort, sei auf die höheren Ausstattungsvarianten verwiesen: Dynamique bietet unter anderem zwei Airbags mehr, zudem eine Klima- und eine Audioanlage mit MP3-Funktion sowie beheizbare Außenspiegel, die Luxe-Variante zudem eine Klimaautomatik, einen Licht- und Regensensor und einen Tempomaten. Und ein eingebautes TomTom-Navigationssystem.

Dieses erweist sich im Testwagen durchaus als bereichernde Komponente. Gut einsichtig ist es in der Mitte der Armatur angebracht und wird mit einer Fernbedienung angeboten, die - obwohl eine Idee, die zunächst gefällt - sich doch als ein wenig mühsam in der Handhabe erweist. Der etwas unglücklich angebrachte USB-Anschluss ist jedoch ebenfalls eine Bereicherung. Die anderen technischen Komponenten sind alle gut einseh- und erreichbar, Griffe, Hebel und Knöpfe sind übersichtlich angeordnet. Die Displays und Anzeigen machen einen unaufgeregten Eindruck.

Im Innenraum dominiert die Farbe Grau. Das Interieur macht einen wertigen Eindruck.
Im Innenraum dominiert die Farbe Grau. Das Interieur macht einen wertigen Eindruck.

Die dominante Farbe im Innenraum ist Grau. Die silberfarben eingefassten Elemente passen farblich ins Gesamtkonzept. Und auch wenn einiges an Plastik dabei ist, einen wertigen Eindruck hinterlässt das Interieur trotzdem. Dazu trägt wohl auch die Verarbeitung bei, die nicht zu beanstanden ist. Nette kleine Details wie die kugelförmigen Lüftungsregler bieten sich als optische Hingucker an.

Viel Ladung? Kein Problem!

Größe beweist der Grandtour auch beim Platzangebot im Kofferraum, der mit seinen 403 Litern schon im ursprünglichen Zustand einiges an Ladekapazität mitbringt. Die Rücksitze sind geteilt und asymmetrisch umlegbar, sodass daraus bei freier Variabilität gute 1277 Liter werden können. Zudem erleichtert ein mobiler Kofferraumboden das Beladen. Für den kleineren oder auch größeren Transport bietet der Grandtour also durchaus genug Spielraum.

Mit bis zu 1277 Liter Ladevolumen bieten der Grandtour genug Spielraum für Gepäck und Ladung.
Mit bis zu 1277 Liter Ladevolumen bieten der Grandtour genug Spielraum für Gepäck und Ladung.

Auch liefert er beim Fahren eine gute Figur ab, wobei dabei zuerst der niedrige Geräuschpegel im Innenraum überrascht. Der Kombi lässt sich leicht steuern und wirkt alles in allem behände und flink. Die Lenkung ist leichtgängig und nur auf sehr grobem Belag bisweilen etwas stößig. Auch die Schaltung ist nicht zu beanstanden, und der sechste Gang im Testwagen, ein dCi 105 FAP Diesel, macht auf schnellen Strecken durchaus Spaß. Im Stadtverkehr wie auch auf Landstrecken hinterlässt der Grandtour einen guten Eindruck, und macht mit einem Verbrauch von 4,7 Litern auf 100 Kilometern und einem CO2-Ausstoß von 124 g/km auch kein schlechtes Finanz- oder Umweltgewissen.

Umweltsiegel inklusive

Zu haben ist der Clio Grandtour in sieben verschiedenen Motorisierungen, vier Benziner und drei Diesel bringen 68 bis 112 PS beziehungsweise 50 bis 82 kW mit. Sechs der Grandtour-Modelle sind mit Renaults hauseigenem Umweltsiegel eco2 versehen, mit dem sich der Hersteller selbst zu mehr Sparsamkeit und weniger CO2-Emissionen verpflichtet hat. Lediglich das Automatik-Getriebe fügt sich mit einem CO2-Ausstoß von 179 g/km nicht in die eco-Reihe ein. Die beiden größeren Diesel werden mit Russpartikelfilter ab Werk geliefert.

Sieben Motoroierungen stehen für den Grandtour zur Verfügung, von denen sechs mit dem markeneigenen Umweltsiegel versehen sind.
Sieben Motoroierungen stehen für den Grandtour zur Verfügung, von denen sechs mit dem markeneigenen Umweltsiegel versehen sind.(Foto: -)

Auch aus Kostensicht kann der Grandtour überzeugen. Mit einem Einstiegspreis von 13.600 Euro für die niedrigste Motorisierung und die Basisausstattungsvariante Expression bewegt sich Renault im unteren Preissegment für einen Kombi.

Allerdings gehen die höheren Motorisierungen und ein Mehr an Ausstattung durchaus ins Geld. Und so liegt der Testwagen mit seiner Luxe-Ausstattungsvariante bei nicht zu teuren, aber dennoch spürbaren 20.500 Euro.

Mit dem Clio Grandtour gelingt Renault der Spagat zwischen Kleinwagen und Kombi. Man genießt das Gefühl von Platz und Raum - ohne schlechtes Gewissen, sollte man doch mal keine Ladung an Bord haben. Aber man könnte ordentlich laden, wenn man wollte. Mit der Größe ist das ja so eine Sache. Beim Renault Clio Grandtour kommen beide Lager auf ihre Kosten. Ordentlich groß, der Kleine.

Quelle: n-tv.de

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