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Keine Frage: Der 1er von BMW ist ein schickes Auto. Aber er trinkt gerne.
Keine Frage: Der 1er von BMW ist ein schickes Auto. Aber er trinkt gerne.

Langzeittest BMW 120i: Die Diva

Christof Johann

In der Intensiv-Erprobung zeigt der BMW 120i verschiedene Gesichter. Einerseits ist er ein sportliches und hochwertiges Automobil. Aber in der Langzeiterprobung zeigt er andererseits auch einige Schwächen.

20.000 km sind im Alltag der N-TV Motorredaktion schnell erledigt. Vier Monate, länger sollte das nicht dauern. So war es auch im Falle des 120i, dem die Redaktion nach einem Jubelbericht beim ersten Kennenlernen etwas genauer auf den Zahl fühlen wollte. Damals hatte das Auto neben seinen überragenden Fahrwerks-Qualitäten vor allem durch niedrigen Verbrauch überzeugt. Das wollten wir genauer wissen.

Es brauchte ein Softwer-Update, neue Zündkerzen und frische Injektoren um den BMW wieder zu reibungsloser Arbeit zu bewegen.
Es brauchte ein Softwer-Update, neue Zündkerzen und frische Injektoren um den BMW wieder zu reibungsloser Arbeit zu bewegen.(Foto: Christof Johann)

Um es gleich zu sagen: In Sachen Benzinverbrauch waren wir vom kleinen BMW beim zweiten Versuch etwas enttäuscht. Okay, wir hatten uns für die Zwei-Liter-Maschine mit 170 PS entschieden, denn bei vielen anstehenden Autobahntrips sind Leistungsreserven erwünscht und treiben den Verbrauch nicht unbedingt nach oben. Doch ansonsten hatte das Auto alles an Bord, was BMW an modernen und spritsparenden Efficient-Dynamics-Maßnahmen zu bieten hat: Start-Stopp-Automatik, Benzin-Direkteinspritzung, Piezo-Injektoren und so einiges mehr. Und auch die Norm-Verbrauchswerte von 8,6 l in der Stadt, 5,4 l außerorts und 6,6 l gesamt machten Hoffnung.

Normverbrauch nicht zu erreichen

In der Praxis aber war das Fahrzeug auch bei zurückhaltender Fahrweise nicht unter acht Litern auf 100 km zu fahren. Verschiedene Fahrer, verschiedene Einsatzgebiete, verschiedene Beladungszustände – egal. Unter acht Litern ging es dauerhaft nicht ab. Nur bei extrem zurückhaltender, ja mönchischer Fahrweise, gelang es, kurzfristig eine sechs vor das Komma zu zaubern. Ein Nachtest mit einem identischen Modell ergab übrigens auch das identische Trinkverhalten. Da gibt es noch Arbeit für die BMW-Ingenieure.

Der Normverbauch war im Test nicht zu schaffen.
Der Normverbauch war im Test nicht zu schaffen.(Foto: Cristof Johann)

Auch die Produktqualität war nicht ganz so makellos wie bei bislang allen BMW-Dauertestfahrzeugen. So begann der Motor nach einer Weile zu ruckeln und immer schlechter Gas anzunehmen. Als dann auch noch die Warnleuchte für die Motorsteuerung zu leuchten anfing, war es Zeit für die Werkstatt. Nach einem Software-Update sowie dem Austausch der Injektoren sowie Zündkerzen lief er wieder. Doch außerplanmäßige Werkstattaufenthalte sollten bei einem Fahrzeug unter 20.000 Kilometern Laufleistung einfach nicht sein. Dass Verkleidungsteile im Fußraum verspannt montiert waren müssen wir dann der Vollständigkeit halber auch noch erwähnen.

Überzeugendes Fahrwerk

Doch damit genug gemeckert, kommen wir zu den schönen Seiten des 120 i – und davon gibt es reichlich. So ist der hier kritisierte Antrieb eigentlich ein kerniger Bursche: Kraftvoll ab mittleren Drehzahlen und lustvoll weiterdrehend. Zusammen mit dem leicht schaltbaren 6-Gang-Getriebe eine Freude spendende Fahrmaschine. Damit passt sie in ihrem Charakter bestens zum Fahrwerk, der eigentlichen Sahneseite des 1ers. Absolut präzise, neutral bis zu höchsten Kurvengeschwindigkeiten und trotz Sportfahrwerk immer noch ausreichend komfortabel – so muss in unseren Augen ein Fahrwerk funktionieren! Entsprechend gerne wurde das Auto genommen, wenn es in die Berge ging oder andere fahraktive Höhepunkte zu erwarten waren.

Im Innenraum des 1er geht es traditionell eher eng zu. Der Grund ist der traditionell längs eingebaute Motor bei BMW.
Im Innenraum des 1er geht es traditionell eher eng zu. Der Grund ist der traditionell längs eingebaute Motor bei BMW.(Foto: Christof Johann)

Faszinierend auch der mittlerweile hohe Reifegrad der Bordelektronik. Wenn man sich wie wir einmal quer durch die Aufpreisliste arbeitet und so den Grundpreis von 26.400 Euro auf rund 40.000 Euro treibt, steht einem im Gegenzug auch nahezu die volle Funktionalität der großen BMWs zur Verfügung. Und wenn man den Kaufpreis erst einmal verdaut hat auch ohne Reue, denn die Systeme harmonieren wunderbar miteinander: Telefon, Navi, Radio, Sprachsteuerung – alles funktioniert mittlerweile einfach und intuitiv. Kein Vergleich mehr mit den Anfängen von iDrive und Linguatronic, als man sich am Vorabend mit der Bedienungsanleitung unterm Kopfkissen zur Nachtruhe begeben musste, wenn man am nächsten Morgen verletzungsfrei den Speicher des Navigationsgerätes aktivieren wollte. Vorbei die dunklen Zeiten, mittlerweile passt’s perfekt.

Eine Diva also: Temperamentvoll, schön, gelegentlich aber auch zickig.

Eine Diva: Schön, aber zickig.
Eine Diva: Schön, aber zickig.(Foto: Christof Johann)
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Quelle: n-tv.de