Praxistest Saab 9-3 Cabrio: Doppelter Druck dank Turbo
Ordentliche und solide Autos zu bauen reicht offensichtlich nicht: Keine andere Marke in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2009 so vom Desinteresse der Kunden gestraft worden wie Saab. Ist das gerechtfertigt? Ein Praxistest mit dem 9-3 Cabrio gab Aufschluss.
Schlechte Nachrichten hindern an guten Verkäufen - das ist bekannt. Saab war auf dem deutschen Markt zwar noch nie ein großer Spieler, doch als Mobilmacher für Studienräte und Freiberufler genossen die Schweden einen guten Ruf. Die Insolvenz hat die Kunden verunsichert und ob die Übernahme durch den Luxushersteller Koenigsegg langfristig trägt, muss sich noch erweisen. Entsprechend ernüchternd sind die Zahlen der ersten sechs Monate: Nur noch 843 Neuzulassungen wurden beim Kraftfahrtbundesamt registriert, im Vergleichszeitraum 2008 waren es immerhin 2240.
Beliebtestes Modell – wenn man angesichts der Statistik überhaupt von Beliebtheit sprechen kann – war das 9-3 Cabrio. Für diesen Praxistest stand das Modell mit 1,9-Liter-Dieselmotor zur Verfügung. Dank doppelter Aufladung werden aus den vier Zylindern 180 PS geholt. Wer das Auto mit automatischem Sechsgang-Getriebe ordert, bekommt maximal 370 Newtonmeter Drehmoment geliefert, die Handschaltungen können 30 Nm mehr übertragen. Ab 1750 Umdrehungen haben die Lader genug Luft eingesammelt, um den Wagen druckvoll zu beschleunigen.
In 20 Sekunden geht’s in Freie
Mit einem Leergewicht von knapp 1700 Kilogramm liegt der Saab im Vergleich der viersitzigen Cabrios im guten Mittelfeld. Bekanntlich fehlt es einer Karosserie mit flexiblem Dach naturgemäß an Steifigkeit, weshalb die Hersteller ihre Cabrios mit zusätzlichen und das Gewicht erhöhenden Trägern im Unterbau versehen müssen.
Während die andere schwedische Marke, Volvo, auf ein mehrteiliges Metallklappdach setzt, hat sich Saab für die elegantere Stoffmütze entschieden. Die braucht zum Verstauen nicht so viel Platz, weshalb ordentliche 240 Liter Gepäckvolumen von zuvor 352 übrig bleiben. Da vier Sitze überspannt werden müssen, ist eine Menge Segeltuch zu bewegen. Die Elektrik tut dies mit dem im Segment üblichen Tempo: 20 Sekunden.
Da die Saab-Ingenieure dem Althergebrachten zugetan sind, haben sie auch diesem Modell zwei Eigenheiten mitgegeben, die an die vormalige Bedeutung der Firma als Flugzeughersteller erinnern. Da ist um einen das zentral in der Mittelkonsole platzierte Zündschloss und zum anderen die so genannte Nigh-Panel-Schaltung, mit der man bei Dunkelheit die gesamte Instrumentenbeleuchtung mit Ausnahme des Tachometers löschen kann.
Der Motor verschleiert seine Herkunft nicht. Ebenso wie die vergleichbaren Aggregate bei Opel oder Fiat gibt er sich nach dem Kaltstart leicht knurrig. Erst mit steigender Betriebstemperatur wird der Sound versöhnlicher. Egal, ob geschlossen oder offen, nach einigen Kilometern weder der typische Klang des Selbstzünders, noch das Vibrieren, das sich auf Karosse und Lenkrad überträgt noch ein Thema.
Der Innenraum übersichtlich und zweckmäßig gestaltet. Verkleidungen und Bedienelemente strahlen Solidität und Wertigkeit aus, aber es fehlt etwas an Pfiff. Um zu allen Plätzen bequemen Zustieg zu ermöglichen sind die Türen entsprechend groß. Das macht sie schwer und wenn der Griff dann auch noch so weit vorn angebracht ist, wie beim Saab 9-3, dann kann das Zuziehen mit einigem Kraftaufwand verbunden sein.
Agilerer Auftritt mit Handschaltung
Die Sechsgangautomatik verrichtet unauffällig ihren Dienst, wechselt weich ihre Fahrstufen und braucht beim Kickdown nur einen Wimpernschlag, um den Willen des Fahrers umzusetzen. Mit vollem Schub geht es auf die Überholspur. Die linke Gasse am Wählhebel ist den Fahrern vorbehalten, die sich die Illusion vom selbstbestimmten Fahren erhalten wollen.
Ein Vergleich der Daten mit dem manuellen Getriebe offenbart, dass Automatiken modernster Bauart schon einen Schritt weiter sind, als die Schaltbox des 9-3. Ihr haften noch die Eigenschaften an, die Automatikfahrer seit Jahrzehnten kennen: Etwas geringere Spurtstärke, etwas weniger Höchsttempo und etwas mehr Verbrauch als die jeweiligen Handschalter. Doch 9,5 Sekunden von Null auf hundert, 215 km/h und 6,8 Liter Verbrauch sind nicht wirklich schlecht. Im Praxistest waren es 7,5 Liter je 100 Kilometer, was einem erhöhten Kurzstreckenanteil geschuldet ist. Was die Entscheidung für ein manuelles Getriebe maßgeblich beeinflussen könnte, sind jedoch nicht die Zehntel in der Performance, sondern 80 Gramm CO2-Ausstoß je Kilometer weniger, die letztlich auch die Steuerbelastung verringern.
Die Federung ist straff abgestimmt und die Fahrt über Kopf- und Kleinsteinpflaster gehört nicht zu angenehmsten Erlebnissen mit diesem Auto. Sie zeigt aber auch, dass das Fahrwerk solchen Herausforderungen gewachsen ist und dass das Verdeck nebst Öffnungsmechanismus sauber verarbeitet ist. Da scheppert nichts.
Der Saab-Cabrio 1.9 TTiD Aero kostet ab Werk 43.150 Euro. Zum Serienumfang gehören Klimaautomatik und - was selten ist - Bi-Xenon-Scheinwerfer. Sportfahrwerk und Rundum-Dekor in Wagenfarbe werden ebenfalls aufpreisfrei geliefert.
Quelle: n-tv.de

