Audi A4 2.0 TDIe: "E"infach Sparen
Mit einem einfachen "e" kennzeichnet Audi seine Spritsparmodelle. So kommt auch der A4 in einer Zwei-Liter-Version zu den Händlern. Im Test macht er eine gute Figur.
Audi macht es sich ganz einfach. Wo andere anglizistische Wortungetüme benutzen um ihre Sparbemühungen ins rechte Licht zu stellen, da ergänzen die Ingolstädter ihre Modelle einfach mit "e". So etwa beim Audi A4, den es jetzt als 2.0 TDIe zu kaufen gibt. Das ist nicht sehr aufmerksamkeitsstark, aber es funktioniert.
Tatsächlich hat man sich bei Audi bisher relativ wenig in Sachen Effizienz hervorgetan. Während die deutsche Konkurrenz im Premiumsektor mit ihren Sparprogrammen hausieren geht, wurde das Thema bei Audi eher stiefmütterlich behandelt. Das soll sich mit den e-Modellen jetzt ändern. n-tv.de hatte Gelegenheit, dem Sparmobil auf den Zahn zu fühlen.
Sparen mit dem Baukasten
Es ist schon erschreckend, wie wenig Energie des Treibstoffs wirklich in Fortbewegung umgesetzt wird. Gerade einmal 31 Prozent dienen dem Vorankommen, während die restlichen 69 Prozent irgendwo zwischen Reifen, Antriebsstrang, Elektrik und Luftwiderstand ungenutzt verpuffen. An diesem Punkt hat man bei Audi angesetzt und versucht bei den "e"-Modellen den Wirkungsgrad von Verbrennungsmotoren zu erhöhen.
Dazu dient ein modularer "Effizienzbaukasten", der eine Fülle von Instrumenten enthält. Das Spektrum geht von der bekannten TDI-Technik über Start-Stopp-Automatik und Bremsrekuperation bis hin zur Leichtbauweise des gesamten Fahrzeugs. Im A4 TDIe sind alle diese Dinge in einem Auto vereint worden. Damit schafft die Mittelklasse-Limousine mit 119 Gramm den Sprung unter die magische Grenze von 120 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer. Eine Messelatte, die die Hersteller bis 2015 mit ihrer gesamten Flotte unterfahren müssen.
20 Millimeter tiefer
Vor dem Einsteigen sieht man von dem Bündel an Technik und den Effizienzmaßnahmen erst einmal wenig. Feuerrot ist unser Testwagen und wirkt sogar sportlicher als der normale A4. Das liegt daran, dass der TDIe 20 Millimeter tiefer gelegt wurde, um den Luftwiderstand zu verringern. Auf dessen Konto gehen nämlich elf Prozent der Verluste beim Antrieb. Auch der Unterboden wurde strömungsgünstiger gestaltet und Audi hat an der Aerodynamik der Frontschürze gearbeitet.
19 Prozent der im Motor erzeugten Energie geht durch Getriebe, Reifen, Radlager und Lenkung verloren. An diesem Punkt setzen die Ingolstädter mit Leichtlaufreifen von Michelin im Format 16 Zoll an. Zudem hat das "e"-Modell eine optimierte Servopumpe für die Lenkung an Bord. Auch das Getriebe hat man modifiziert und die Gänge länger ausgelegt. Insbesonders den sechsten Gang für die Fahrt auf der Autobahn.
Keine Nachteile erkennbar
Gegenüber dem Serien-A4 muss der Kunde mit einer fünfprozentigen Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit leben. In der Praxis macht sich das allerdings nicht bemerkbar. Der TDIe sprintet genauso schnell auf die 100 km/h wie sein verbrauchsstarker Bruder. Auch in der Höchstgeschwindigkeit, die mit 215 Kilometer pro Stunde angegeben wird, zeigt sich auf der Autobahn keinerlei Verlust. Beim Rennen mit den Normalos kann auch die Sparversion gut mithalten. Auch wenn sie mit 136 PS sieben weniger als der normale A4 mit dem Zwei-Liter-Diesel hat.
Die in diesem Jahr neu eingeführte Start-Stop-Automatik hat auch beim TDIe Einzug gehalten. Sie funktioniert gut, schaltet den Diesel schnell ab und startet außerordentlich zügig wieder. Nach wenigen Minuten Stadtfahrt hat man sich den Automatismus bereits angeeignet. Ranfahren an die Ampel, Bremspedal treten, auskuppeln, Gang rausnehmen und schon geht der Motor aus. Zum Starten genügt ein Tritt auf das Kupplungspedal. Nur bei extremer Belastung der Batterie, etwa durch die Klimaanlage oder im Winter durch die Heizung, verweigert das Auto das selbstständige Ausschalten.
Belehrende Assistenzsysteme
Im Cockpit bekommt der sparwillige Fahrer durch einige Anzeigen Unterstützung für ein effizienteres Fahren. Optisch gut gelöst ist die Schaltanzeige, die bei der richtigen Einstellung des Bordcomputers durch auffällige farbige Symbole ihre Empfehlungen deutlich macht. Das wirkt übersichtlicher als bei vielen anderen Herstellern. Detailliert berichtet der Bordcomputer auch über Momentan- und Durchschnittsverbrauch. Die Sparempfehlungen sind ein weiteres, nettes Feature. Dort werden die aktivierten Stromfresser an Bord des Autos benannt und mittels eines Balkens dargestellt, wie viel Energie, beziehungsweise Liter Sprit, dafür gerade verwendet werden.
Wir haben den Audi 2.0 TDIe gut 1500 Kilometer über Autobahnen, durch die Stadt und über Landstraßen bewegt. Zunächst einmal lässt sich sagen, und das ist durchaus eine wichtige Erkenntnis, Sparen kann richtig Spaß machen. Der Sparmeister lässt sich flott bewegen und hat nichts von der Agilität der Serienlimousine eingebüßt.
Kaum Verbrauchsspitzen
Dabei ist er mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,5 Litern zwar über dem angegebenen Wert geblieben, doch das haben wir uns selbst zuzuschreiben. Denn das Fahren mit dem agilen und mit 146 PS immer noch kräftigen Diesel macht einfach zu viel Freude, als dass man die ganze Zeit nur ans Sparen denken möchte. In jedem Fall scheinen die 4,6 Liter, die der Hersteller als Mittelverbrauch angibt, nicht unrealistisch zu sein. Das ist schon mal eine erfreuliche Erkenntnis. Der Verbrauchsunterschied gegenüber dem normalen kleinen TDI mit 120 PS beträgt allerdings lediglich 0,3 Liter im Schnitt. Positiv ist, dass das Auto kaum Verbrauchsspitzen produziert. Wird der A4 2.0 TDIe mal mit 200 über die Autobahn gejagt, dann schlägt die Verbrauchsanzeige bis maximal neun Liter aus. Selbst bei zügiger Fahrweise werden so Durchschnittsverbräuche um die acht Liter produziert.
Freilich ist das Sparen auch bei Audi nicht umsonst. Die Ingolstädter berechnen für den Audi A4 TDIe einen Preis von 31.050 Euro. Der Aufpreis zur normalen Zwei-Liter-Diesel-Version des A4 beträgt 750 Euro. Allerdings gibt es das e-Modell nur in der Ausstattungsvariante Attraction und einige Sonderausstattungen sind nicht verfügbar. Wer sich da in Verzicht üben kann ist mit der Version "e" gut bedient, denn dank der Assistenzsysteme und den Modifikationen an dem Auto wird der Zwei-Liter-Diesel auch bei flotterer Gangart nicht sonderlich durstiger. Damit rechtfertigt sich der Aufpreis und das Geld ist an der Tankstelle schnell wieder reingespielt.
Quelle: n-tv.de

