Auto

Skoda Superb Combi 2.0 TDI: Ein Dickschiff für Familien

von Hanno Hall

Wer Kinder hat, ein geräumiges Auto sucht und keine Vorurteile gegen Ost-Fahrzeuge hegt, für den kommt das Spitzenmodell von Skoda in Frage. Schließlich steckt viel Volkswagen unterm Blech. Wir waren zwei Wochen mit dem großen Tschechen unterwegs.

Was hat man zum Thema Skoda nicht alles gelesen in letzter Zeit: VW-Chef Winterkorn sei die osteuropäische Tochter zu gut geworden. Es drohe eine Kannibalisierung von Passat & Co. Skoda müsse wieder an die "kurze Leine" genommen werden. Vermutlich alles nur ein Marketing-Trick, um Skoda ins Rampenlicht zu rücken. Jedenfalls Grund genug, das Spitzenmodell Superb Combi zwei Wochen lang unter die Lupe zu nehmen.

Unser Testwagen ist mit dem großen 2.0-Liter-Diesel motorisiert und wird per Hand geschaltet. Die 125 kW/170 PS sorgen für sehr gute Fahrleistungen: 350 Nm, 220 km/h Spitze, von 0 auf 100 in 8,9 Sekunden. Das Fahrwerk ist straff, aber nicht zu straff ausgelegt, das Fahrverhalten gutmütig, die Schaltung präzise. Allerdings bleibt das dieseltypische Motor-Gebrumme immer vernehmbar. Der Verbrauch liegt bei sehr ordentlichen 6,8 Litern auf 100 Kilometer. Den Wert haben wir über knapp 1000 Kilometer im Stadtverkehr, auf Landstraßen und einigen Autobahnetappen ermittelt. Den Normverbrauch gibt Skoda mit im Alltag vermutlich unerreichbaren 5,8 Litern an.

Innen groß, außen groß

Das Gepäckabteil fasst 603 bis 1835 Liter.
Das Gepäckabteil fasst 603 bis 1835 Liter.

Der Superb ist ein stattliches, unauffälliges Auto. Er sieht gut aus, ist aber kein Hingucker, nach dem sich Passanten umdrehen würden. Das Auto bietet enorm viel Platz. Die Fondspassagiere genießen eine Beinfreiheit, die ihresgleichen sucht, auch der Kofferraum hat ein beeindruckendes Format. Die Größe macht sich bei den Abmessungen und damit bei der Parkplatzsuche bemerkbar: 4,84 Meter Fahrzeuglänge wollen erst einmal untergebracht werden.

Materialien und Verarbeitung sind auf hohem Niveau. Im Innenraum kein Quietschen, Knirschen oder Knistern - obwohl der Testwagen schon 20.000 Kilometer auf dem Buckel hatte und von den erfahrungsgemäß wenig zimperlichen Pressekollegen sicher nicht geschont wurde.

Der Arbeitsplatz des Fahrers.
Der Arbeitsplatz des Fahrers.

Dennoch: Den Level einer Premiummarke wie Audi erreicht der Skoda nicht. Für den Preis wäre das auch zu viel verlangt. Der Mechanismus zum Umklappen der Rücksitze wirkt beispielsweise nicht sehr vertrauenerweckend. Andererseits: Ein paar Fahrten vom Möbelhaus nach Hause wird er schon mitmachen. Der Kunststoff der Armaturen-Tafel dürfte noch einen Tick hochwertiger sein. Auch das monochrome Display zwischen Drehzahlmesser und Tacho wird dem anspruchsvollen Fahrer nicht ganz gerecht. Zwar zeigt es alle relevanten Bordcomputer- und Navidaten an, kommt mit seiner geringen Auflösung aber recht grobpixelig daher. Ganz anders der große, farbige Touchscreen des (nicht billigen) Navigationssystems Columbus, das man aus VW-Modellen unter der Bezeichnung RNS 510 kennt.

Wenig verwunderlich: Im Superb entdeckt man viele weitere Elemente und Schalter, die man bei den Brüdern und Schwestern von VW über Seat bis hin zu Audi schon einmal gesehen hat. Das gilt auch für die Motoren, die das Spektrum von 125, 180, 200 und 260 PS (Benziner) sowie 105, 140 und 170 PS (Diesel) abdecken.

Nicht alle Wünsche erfüllt

Regenschirmfach
Regenschirmfach

Bei den Extras bieten die Tschechen vieles, aber nicht alles, was das Konzernregal derzeit hergibt. Dinge wie Radarabstandswarner, Panoramadach, elektrische Parkbremse oder einen Toter-Winkel-Assistenten sucht man auf der Aufpreisliste vergeblich. Auf Annehmlichkeiten wie Direktschaltgetriebe, Navigation, Klimaautomatik, elektrisch verstellbare Ledersitze, Soundsystem, schlüssellosen Zugang, Einparkassistent, iPod- oder USB-Adapter, Xenon, Kurvenlicht, elektrische Heckklappe, Licht- und Regensensor oder Allradantrieb muss der Superb-Fahrer aber nicht verzichten. Vorausgesetzt, er verfügt über das nötige Kleingeld. Zwar beginnt die Preisliste für einen "nackten" Superb Combi mit 1.4 Liter TSI-Motor und 125 PS bei 23.950 Euro, mit einer größeren Maschine und der ein oder anderen leckeren Zutat kann man den Preis aber leicht über 35.000, mit dem 3.6-Liter-V6-Motor sogar über 45.000 Euro treiben.

Akku-Lampe
Akku-Lampe

Egal zu welchem Preis: Zwei witzige Superb-Details sind das Regenschirmfach in der hinteren Tür auf der Fahrerseite und die Kofferraumbeleuchtung mit integriertem Akku, die herausgenommen und als Taschenlampe genutzt werden kann.

Fazit

Der Superb Combi ist ein schönes Familienauto. Groß, geräumig und nett anzusehen. Man bekommt viel Auto für sein Geld und die Verarbeitungsqualität ist auf hohem Niveau. Eine Gefahr für den Passat ist der Superb mit 9521 Neuzulassung im ersten Halbjahr 2010 sicher nicht. Vielmehr ist er eine Alternative für Eltern und Großeltern, denen ein Passat (46.219 Zulassungen) zu gewöhnlich, ein Touran zu eckig und ein Audi zu teuer ist, die Volkswagen - im weiteren Sinne - aber trotzdem treu bleiben wollen.

 

Datenblatt

Skoda Superb Combi 2.0 TDI

Abmessungen LxBxH
4,84 / 1,82 / 1,51 m
Leergewicht
1577 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
603 bis 1835 l
Maximale Zuladung
563 kg
Motor
4-Zylinder Diesel, 1.968 ccm Hubraum
Getriebe
6-Gang-Schaltung
Leistung
170 PS (125 kW)
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
60 l
Höchstgeschwindigkeit
220 km/h
max. Drehmoment
350 Nm
Beschleunigung 0 - 100 km/h
8,9 sek
Testverbrauch auf 100 km
Normverbrauch
6,8 l
5,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
151 g/km
Grundpreis
Grundpreis mit getestetem Motor
Preis des Testwagens
23.950 Euro
28.250 Euro
38.210 Euro

 

Quelle: n-tv.de

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