Skoda Octavia Combi LPG: Ein Fall für kühle Rechner
"Tanken für die Hälfte": Dieser von der Autogaswirtschaft ersonnene Werbespruch klingt verlockend. Ob die Idee auch in der Praxis funktioniert, zeigte der Test mit dem Skoda Octavia Combi LPG.
Während der Betrieb von Verbrennungsmotoren mit Erdgas noch nicht den Zuspruch eines Massenpublikums erfahren hat, ist die Nachfrage nach Autogas in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Rund 6000 Tankstellen gibt es bundesweit, Tendenz steigend. Im gleichen Maße nimmt die Anzahl der Angebote der Autohersteller zu. Zur Platzierung des zusätzlichen Tanks, in dem das aus Propan und Propen, Buthan und Buthen bestehende Auto- oder Flüssiggas aufbewahrt wird, hält die traditionelle Karosseriekonstruktion eines Pkw bereits einen Platz vor: die Reserveradmulde.
Beim Škoda Octavia Combi beträgt das Fassungsvermögen dieses Tanks 44 Liter. Im Gegensatz zum Erdgas wird das Flüssiggas nicht in Kilogramm abgegeben, sondern in Litern wie Benzin. Gemeinsam mit dem 55 Liter fassenden Benzintank beträgt die rechnerische Reichweite des Kombis 1253 Kilometer - mit einer Ladung Treibstoff und ohne Einbußen der Ladekapazität gegenüber dem monovalenten, das heißt auf eine Kraftstoffart ausgelegten Modell.
Mit Gas etwas weniger Leistung
Mit einer Länge von 4,57 Metern entspricht der Škoda in etwa der Größe eines Golf Variant. Die Gemeinsamkeiten beschränken sich jedoch nicht allein auf die Dimensionen. Die Innenausstattung stammt zu wesentlichen Teilen aus dem VW-Regal, sogar der zum Tanken von Gas notwendige Adapter trägt das Volkswagen-Logo. Das hohe Qualitäts- und Verarbeitungsniveau hat die Akzeptanz der Marke Škoda in Westeuropa zwar nachhaltig befördert, erfreut die Konzernherren in Wolfsburg jedoch schon seit längerem nicht mehr uneingeschränkt. Immer häufiger kaufen preisbewusste Kunden bewährte VW-Technik günstig unter dem Škoda-Label ein, was dazu geführt hat, dass Škoda mittlerweile in Deutschland die meistgekaufte Importmarke ist.
Der Octavia Kombi ist mit einem 1,6 Liter großen Vierzylinder-Motor ausgerüstet, der nominell 102 PS leistet. Wird er mit Autogas befeuert, sind es nur noch 98. Das liegt am etwas geringeren Energiegehalt des Gasgemischs. Das Drehmoment wird bei Gasbetrieb ebenfalls geringfügig reduziert. Besonders bei Auslastung der fünf Plätze oder mit etwas Ladung auf der Hinterachse kann man beim Gasgeben spüren, dass der Octavia mit den rund 100 PS nicht gerade übermotorisiert ist.
Es geht also verhalten voran, gerade so zügig, wie es für ein Auto, bei dem der Nutzen im Vordergrund steht, angemessen ist. Geschaltet wird mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe, das leichtgängig und exakt arbeitet und dem man deshalb nur einen Mangel nachsagen kann: Es fehlt die sechste Fahrstufe. Den 6. Gang wird jeder bald vermissen, der mit dem Auto für einen längeren Zeitraum mehr als 120 km/h fahren will. Die hohen Drehzahlen erzeugen einen Schallpegel, der schon bald zu nerven beginnt. Der für den Kostenvergleich herangezogene 1,2 TSI-Motor wird übrigens mit einen Sechsgang-Getriebe angeboten.
Dachreling und Verzurrösen gratis
Die bis zu 1,80 Meter lange Ladefläche des Octavia Combi bringt gegen 165 Euro Aufpreis einen Zwischenboden mit, wo Kleinteile sicher aufbewahrt werden können. Die Ladekante ist mit 62 Zentimetern zweckmäßig niedrig. Allerdings wurde auf eine widerstandsfähige Stahlkante verzichtet, so dass beim Umsetzen von Transportgut schon mal eine Spur im Lack zurückbleiben kann. Die maximale Zuladung beträgt sehr ordentliche 585 Kilogramm, sie kann auf 1655 Liter Volumen verteilt werden. Eine schwarze Dachreling liefert Škoda auf Wunsch aufpreisfrei mit, soll sie in Silber lackiert sein, kostet das 140 Euro. Verzurrösen zum Fixieren der Ladung sind inklusive.
Das hochwertige Innenleben des Octavia wortreich zu beschreiben, ist verzichtbar, denn die solide VW-Technik ist hinreichend bekannt und geschätzt. Das Cockpit ist übersichtlich und zweckmäßig eingerichtet. Zwar fällt beim Betrachten der Hauptinstrumente das Fehlen einer farbigen Markierung bei der 50 km/h-Ziffer auf, das sollte jedoch kein Hinderungsgrund sein, das City-Limit einzuhalten. Das Befüllen mit Treibstoff wird den Kunden so einfach wie möglich gemacht. Im Gegensatz zu vielen Nachrüstlösungen, wo der Stutzen für den Gastank manchmal im hinteren Stoßfänger untergebracht ist, befinden sich beim Škoda beide Öffnungen hinter der Tankklappe nahe der rechten hinteren Tür. Wie ist es denn nun wirklich mit dem "Tanken für die Hälfte"?
Im Gasbetrieb steigt der Verbrauch
Mit mindestens 18.990 Euro kostet der LPG-Combi zunächst einmal exakt 1.110 Euro mehr als die durch 105 PS etwa gleich starke Variante mit 1,2-Liter TSI Motor. Unterstellt man diesem auf reinen Benzinkonsum optimierten Motor einen Praxisverbrauch von 7 Liter je 100 Kilometer (EU-Normtest 5,7 Liter), dann könnte man für den Preisunterschied bei Spritkosten um 1,50 Euro je Liter etwa 10.000 Kilometer weit fahren. Der für zwei Betriebsstoffe ausgelegte 1,6-Liter-Vierzylinder war auch im EU-Test nicht so genügsam wie das aufgeladene Aggregat. Škoda gibt den Konsum im Benzinbetrieb mit 7,1 Litern an, im Gasbetrieb mit 9,2 Litern je 100 Kilometer. Die in diesem Praxistest ermittelten Werte wichen davon leicht nach oben ab: 8,2 Liter im Benzin- und 9,9 Liter im Gasbetrieb.
An vielen Tankstellen kostet Autogas gegenwärtig zwischen 70 und 80 Cent je Liter, "Tanken für die Hälfte" stimmt also soweit. Da jedoch der Durchschnittsverbrauch mit Gas höher ist als mit Benzin, relativiert sich die günstig erscheinende Rechnung wieder. Die effektiven Kosten je Kilometer betrugen beim Testwagen am Ende etwa 12 Cent (Benzin) und 7,4 Cent im LPG-Betrieb. Wer viel Kurzstreckenverkehr fährt, muss mit etwa zwölf Litern Gasverbrauch je 100 Kilometer rechnen, was Kilometerkosten von neun Cent entsprechen würde.
Fazit: Der kompakte Lademeister ist ein Fall für kühle Rechner. Jahres-Laufleistung, Streckenprofil Auslastung von Plätzen und Ladevolumen – all das will berücksichtigt sein, wenn es um die Frage geht, ob sich der Aufpreis für die Gas-Anlage überhaupt lohnt. Die gewachsene Reichweite spricht für den LPG-Octavia, auch die solide VW-Qualität und Ausstattung. Obwohl das "Tanken für die Hälfte" in der Realität zu einem Kostenvorteil von etwa 25 Prozent zusammenschmilzt, bleibt der Octavia Combi die Wahl der Sparsamen.
| Datenblatt | Skoda Octavia Combi LPG |
| Abmessungen LxBxH | 4,57 / 1,77 / 1,48 m |
| Leergewicht | 1345 kg |
| Sitzplätze | 5 |
| Ladevolumen normal / maximal | 585 l / 1655 l |
| Anhängelast gebremst/ungebremst | 1200 / 600 Kilogramm |
| Maximale Zuladung | 585 kg |
| Motor | 4-Zylinder Benzin-Motor mit 1595 ccm Hubraum, Multipoint-Einspritzung |
| Getriebe | 5-Gang Handschaltung |
| Leistung | 75 kW/102 PS im Benzinbetrieb, 72 kW/98 PS im Autogasbetrieb |
| Kraftstoffart | Superbenzin / Autogas (LPG) |
| Antrieb | Vorderradantrieb |
| Höchstgeschwindigkeit | 188 km/h (Benzin), 184 km/h (Gas) |
| max. Drehmoment | 148 Nm (Benzin), 144 Nm (Gas) bei 3800 U/Min |
| Beschleunigung 0 - 100 km/h | 12,9 Sek (Benzin) 13,1 Sek (Gas) |
| Normverbrauch (/Innerorts/Außerorts/Kombiniert) | 9,8 l/ 5,6 l/ 7,1 l (Benzin); 12,7/ 7,3/ 9,2 l (Gas) |
| Testverbrauch | 8,1 l (Benzin), 9,9 l (Gas) |
| CO2-Emissionen (Normverbrauch) | 169 g/km (Benzin), 149 g/km (Gas) |
| Abgasnorm | EU 4 |
| Grundpreis | 18.990 Euro |
| Testwagenpreis | 27.140 Euro |
Quelle: n-tv.de

