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Farben sind eben Geschmackssache.
Farben sind eben Geschmackssache.(Foto: jog)

Der neue Renault Twingo: Ein Hämmerchen in Himmelblau

Von Johannes Graf

Wer im babyblauen Renault Twingo unterwegs ist, wird gerne mal belächelt. Dabei bietet das Miniatur-Mobil dem, der über den Dingen steht, jede Menge Fahrspaß. Und fürs Portemonnaie ist der kleine Franzose auch schmeichelhaft: Die Verbrauchswerte wappnen den Fahrer für kommende Preisrunden an der Zapfsäule.

Der Autoredakteur ist schon so einer. Seit der Autoredakteur Autoredakteur ist, fährt er alle zwei Wochen mit einem neuen Boliden vor dem Redaktionsgebäude vor. Kürzlich prahlte er zum Beispiel mit einem von der Tuningfirma Abt hochgezüchteten Audi A6, der 360 PS unter der Haube hat und binnen 5,1 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt. Mit "Thors Hammer" hat er seinen Fahrbericht überschrieben und über die immense Lautstärke der Abgasanlage gefeixt.

Der neue Twingo ist auch von hinten schick.
Der neue Twingo ist auch von hinten schick.(Foto: jog)

Aber seit ein paar Wochen kommt der Autoredakteur nicht mehr hinterher. Zu viele Autohersteller lechzen nach seinem fachkundigen Urteil. Da hat er in der Redaktion gefragt, wer ihm vielleicht ein Fahrzeug zum Testen abnehmen kann. Und weil der Autoredakteur ein netter Kerl ist, ... doch was ist der Dank? Der ist himmelblau, sieht von vorne aus wie ein niedlicher Teddybär und gehört zur Fahrzeugklasse der Kleinstwagen. "Thors Hämmerchen" gewissermaßen.

Den ersten Schock überwunden und zwei Wochen gefahren, legt sich der Groll dann allerdings. Denn der babyblaue Flitzer ist ein neuer Renault Twingo dCi 85 eco² und der macht richtig viel Spaß. An der Ampel blicken zwar immer wieder stärker motorisierte und mit geschmackvolleren Farben ausgestattete Verkehrsteilnehmer abschätzig auf das kleine Gefährt mit der gewagten Couleur. Aber der postmoderne urbane Mann steht da drüber.

Wo ist der verflixte Tempomat-Schalter?

Alles im Blick: Die Mittelkonsole des Twingo.
Alles im Blick: Die Mittelkonsole des Twingo.(Foto: jog)

Befeuert wird das Testmodell von einem kraftvollen 1,4-Liter-Dieselmotor mit 86 PS, der dem kopfschüttelnden Mercedesfahrer an der Ampel ein unerwartetes Schnippchen schlagen kann. Sind die etwas trägen unteren Drehzahlen überwunden, düst der Twingo gewaltig davon. Von der Sprintkraft können Fahrer auch auf der Autobahn profitieren. Wenn andere Kleinstwagen nur ängstlich hinter dem Lkw nach links ziehen, kann der Twingo mit einer Endgeschwindigkeit von 185 km/h selbstbewusst seinen Platz auf der Überholspur behaupten.

Wer in kurvigeren Gefilden als auf den Brandenburger Landstraßen unterwegs ist, kann sich auf eine stabile Straßenlage verlassen. Trotz der geringen Breite des Twingo liegt das Gefährt sicher auf dem Asphalt und lässt sich auch bei höheren Geschwindigkeiten nicht so leicht aus der Spur bringen. So ist der kleine Franzose also nicht nur ein guter Partner für den innerstädtischen Verkehr, sondern kann auch zu Reisen in entferntere Regionen genutzt werden.

Die Rücksitze im Twingo sind variabel.
Die Rücksitze im Twingo sind variabel.(Foto: Renault)

Das Testmodell ist dann auch mit allerlei nützlichem Schnickschnack ausgestattet, der längere Überlandfahrten angenehm macht. So hilft der Tempomat zu verhindern, dass das Flensburger Punktekonto wegen unachtsamen Beschleunigens anschwillt. Immer vorausgesetzt, der Fahrer ist mit dessen Bedienung vertraut. Die erklärt sich nämlich nicht gerade von selbst. Um die Geschwindigkeitsregelung zu aktivieren, muss ein Schalter rechts unterhalb des Lenkrads umgelegt werden. Erst dann kann die Geschwindigkeit über Tasten am Steuerrad reguliert werden. Sofern bis dahin die Fahrt nicht schon an der Leitplanke beendet worden ist.

Hinten sieht's nach Umbau aus

Ansonsten ist das Cockpit des Twingo nutzerfreundlich, übersichtlich und schick gestaltet. Hinter dem Lenkrad liegt die Drehzahlanzeige, die dem Fahrer ein bisschen etwas von dem "Thors Hammer"-Feeling gibt, aber als Sonderausstattung mit 80 Euro extra bezahlt werden muss. Sie erinnert ein wenig an das Interieur von Rennwagen und gibt Lichtsignale, wenn der richtige Zeitpunkt zum Hoch- oder Runterschalten gekommen ist.

Das elektrische Faltschiebedach, das im Zusammenspiel mit den geöffneten Seitenfenstern schon fast Cabrio-Feeling verspricht, ist mit 990 Euro ein nicht gerade billiges Beiwerk. Wer viel auf Autobahnen unterwegs ist, sollte ohnehin darauf verzichten. Bei schneller Fahrt fällt die Verständigung im Innenraum wegen der Geräuschentwicklung nämlich ziemlich schwer.

Dafür wirkt die in Kunstleder eingefasste, mit roten Nähten versehene Mittelkonsole sportlich und zeigt ohne Umschweife an, was der Fahrer wissen muss. Durch die verschiedenen Menüpunkte navigiert der Pilot mittels der Renault-üblichen Taste am Scheibenwischerhebel. Leicht lassen sich Informationen über Verbrauch und zurückgelegte Wegstrecke abrufen.

Auch sonst überzeugt das Interieur des Twingo durch Sportlichkeit. Mit einem Makel: Ein Blick in den Rückspiegel hinterlässt leider den Eindruck eines Provisoriums. Eine breite Lücke zwischen den Rücksitzen gibt den Blick auf den Kofferraum frei. Dabei ist der Schönheitsfehler Teil eines lobenswerten Clous. Die Rücksitze sind beim Twingo nämlich verschiebbar. Damit kann zwischen mehr Beinfreiheit für die hinten Sitzenden und mehr Raum für die Einkäufe gewählt werden. Und das ist auch wirklich bitter nötig. Sind die Sitze ganz nach hinten geschoben, reicht es kaum für den Wochenendeinkauf.

Der absolute Trumpf des Twingo ist der Verbrauch: Der spricht nämlich für den leichten Stadtflitzer. Im Test landete der Diesel-Twingo mit starker Motorisierung und überwiegend innerstädtischem Gebrauch bei schlanken 5,2 Liter pro 100 Kilometer. Da nehmen Twingo-Fahrer Spritpreissteigerungen, auf die sich Autofahrer künftig wohl einstellen müssen, mit einem Schulterzucken hin – ein gewichtiges Argument gegen Hämmer und für Hämmerchen.

DATENBLATTRenault Twingo dCi 85 eco²
Abmessungen3,68/ 1,65/ 1,47 m
Radstand2,36 m
Leergewicht (DIN)1055 kg
Sitzplätze4
Ladevolumen165 l / 1425 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumReihen-Vierzylinder mit 1461 ccm Hubraum Common-Rail-Direkteinspritzung und Turbolader
Getriebe5-Gang-Handschaltgetriebe
Leistung86 PS (63 kW) bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit185 km/h
max. Drehmoment200 Nm bei 1750 U/min
Tankinhalt40 l
Beschleunigung 0-100 km/h11,2 s
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,1/ 3,1/ 3,4
Testverbrauch5,2 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
90 g/km
Grundpreis15.500,00 Euro
Preis des Testwagens16.870,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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