Gar nicht ein aufgekochter A4. Der Seat Exeo zeigt durchaus eigenen Charakter.
(Foto: Markus Mechnich)
Montag, 28. Dezember 2009
Seat Exeo 2.0 TSI in der Praxis: Ein Hauch von Alonso
Markus Mechnich
Seat will die Mittelklasse erobern. Mit dem Exeo, einem Auto auf Basis des alten Audi A4, startet die spanische Marke ihren Angriff. Wird er gelingen? Wir haben den Praxistest gemacht.Eigentlich klingt das Konzept des Seat Exeo ganz einfach. Man nehme einen Audi A4 der vorletzten Generation, verpasse ihm ein neues Gesicht, trimme ihn auf sportlich und verkaufe ihn als Seat. Angesichts der Tatsache, dass Seat die kompletten Produktionsanlagen mittels 1200 Lkw nach Spanien hat transferieren lassen, scheint das sehr plausibel. Doch das wäre dem Auto nicht angemessen, bei dem wenig Audi und viel Seat zu sehen und fühlen ist.
Sport steht bei der Marke Seat im Vordergrund. Das ist auch beim Exeo nicht anders.
(Foto: Markus Mechnich)
Bereits der erste Anblick zeigt, dass der Exeo nicht so viel mit dem alten A4 gemeinsam hat. Das ist keine billige Kopie, die da steht. Kein schlechter Abklatsch. Vielmehr zeigt der Exeo schon auf den ersten Blick Charakter. Heißblütig, rassig, so richtig südländisch gibt er sich. Gut, die Proportionen sind gleich mit dem Ingolstädter und wenn die beiden nebeneinander stehen, tun sich durchaus einige Parallelen auf. Aber der Exeo hat einen ganz eigenen Charakter bekommen. Und dieser ist sehr sportlich.
Ein Gefühl wie im GTI
Der Einstieg ist tief, das Auto liegt satt auf der Straße und hat ein erstaunlich hartes Fahrwerk. Man fühlt sich zurückversetzt in die jugendliche Zeit der Golf GTI der zweiten Generation. Unvermeidbar schweift der Blick unter die Kotflügel, wo die gelben Koni-Stoßdämpfer montiert sein könnten. Sind sie aber nicht. Eine solch straffe Auslegung wird nicht jedermanns Sache sein, aber es macht eine ganze Menge Freude, mit dem Exeo zu fahren.
Passend zum sportlichen Auftritt ist unser Testwagen mit dem stärksten Benziner, einem Zwei-Liter-TSI-Motor mit 200 PS, ausgestattet. Das passt zum Paket. Sofort fühlt man sich dynamisch und auf Fernando Alonsos Spuren. Unweigerlich schweift der Blick der Konkurrenz an der Ampel auf das rote Sportgerät. Der Exeo signalisiert schon Angriffslust mit seinem ganzen Auftritt.
Eingeschränkter Nutzwert
Die Kehrseite davon ist, dass das Auto nicht unbedingt ein üppiges Platzangebot bereithält. Besonders auf der Rückbank ist der Raum begrenzt. Durch die vier Türen ist aber immerhin der Einstieg recht leicht zu bewältigen. Sitzen vorne aber größere Leute, dann wird es hinten für Erwachsene eng. Auch der Kofferraum wirkt auf den ersten Blick eher klein. Aber das täuscht, denn der Exeo bietet mit 460 Litern durchaus eine ganze Menge Platz. Auch der neue Audi A4 bietet nur 20 Liter mehr.
Bei den Antrieben beschränkt sich Seat auf Vierzylindermotoren mit Frontantrieb. Drei Benziner stehen zur Auswahl und drei Diesel. Die Benziner gibt es mit 1,6 bis zwei Litern Hubraum und 102 bis 200 PS. Die Selbstzünder sind alle Zwei-Liter-TDIs aus dem VW-Regal und leisten zwischen 120 und 170 PS.
Der Sportler braucht Auslauf
In unserem Test haben wir mit dem stärksten Benziner einen Joker gezogen. Das Aggregat mit einem Drehmoment von 280 Newtonmetern zeigt eine Lauffreude, wie man sie von eher biederen Mittelklasse-Limousinen nicht unbedingt gewohnt ist. Das Drehen des Zündschlüssels wird bereits mit einem leichten Röhren quittiert. Der Exeo drängt beim beherzten Tritt aufs Pedal mächtig nach vorne.
Schon nach ein paar Kilometern wird klar, dieses Heißblut braucht Auslauf. Nichts liegt da näher als die Autobahn. Sobald die Bahn frei ist, zieht der Exeo beharrlich auf 180 Stundenkilometer hoch. Das Sechsgang-Getriebe (Serie) lässt sich kurzbahnig, aber genau durchschalten. Der letzte Gang ist naturgemäß lang übersetzt, was den Spritkonsum drosseln soll. Daher ist der Weg zur Spitzengeschwindigkeit etwas zäh. Die angegebenen 241 km/h konnten wir allerdings nicht erreichen.
Sportfahrwerk giert nach Kurven
Das richtige Revier für den Seat Exeo ist aber auch eher die Landstraße. Da lässt es sich mit dem sportlichen Spanier wunderbar Kurven räubern. Da straffe Fahrwerk und die kurzhubige Aufhängung lechzen förmlich danach. Ein braves Untersteuern bleibt die einzige Reaktion im Grenzbereich. Den Rest bremst das ESP ein. Hier macht es sich zudem positiv bemerkbar, dass das maximale Drehmoment schon bei niedrigen 1800 Umdrehungen pro Minute anliegt. Daher zieht der Exeo aus dem Scheitelpunkt der Kurven heraus, dass es nur so eine Freude ist.
Die Kurvenfahrt und die sportliche Fortbewegung sind das Metier des Südländers.
(Foto: Markus Mechnich)
Nach all dem Adrenalin von der Landstraße kommen wir schließlich zu der Rechnung an der Tankstelle. Die Hochgeschwindigkeitsfahrt und die flotte Landpartie quittiert der Exeo mit einem Verbrauch von 10,5 Litern. Auf unserem zweiten Durchgang, der etwas vernünftiger gefahren wurde, genehmigte er sich 8,9 Liter. Absolviert wurde dabei ein Drittel Autobahn, die Hälfte in der Stadt und der Rest auf der Landstraße. Damit liegt der Exeo selbst im zweiten Durchgang mehr als einen Liter über dem Normverbrauch. Berücksichtigt man die überwiegende Stadtfahrt, dann ist der Konsum des Spaniers zwar etwas üppig, aber noch im Rahmen des Vertretbaren.
Kostenvorteil für Seat
Kommen wir zu den Kosten. Da haben die Spanier einen Riesenvorteil auf ihrer Seite, denn die Produktionsanlagen waren nicht allzu teuer und die Forschungs- und Entwicklungskosten im Verhältnis zu normalen neuen Modellen kaum der Rede wert. Und tatsächlich ist der Exeo mit der Spitzenmotorisierung schon ab 28.290 Euro zu haben. Damit liegt er bis zu 4000 Euro unter vergleichbaren Modellen der deutschen Premiumanbieter. Bleibt man im Konzernverbund und vergleicht den Preis mit dem Skoda Octavia mit dem gleichen Motor, dann liegt der Seat 200 Euro drüber.
Auf der Autobahn lässt er im oberen Bereich etwas Dynamik vermissen. Für die Landstraße scheint er aber wie gemacht.
(Foto: Markus Mechnich)
Die Serienausstattung ist dabei vergleichsweise üppig. MP3-Autoradio, Zwei-Zonen-Klima und elektrische Fensterheber sind beispielsweise dabei. Das empfehlenswerte Sport-Paket kostet 2100 Euro Aufpreis und bringt unter anderem das Sportfahrwerk, Sportsitze und 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit. Unser Testwagen hatte noch das Business-Navigationssystem mit elektrischem Glasdach und Xenon für 2890 Euro mit dabei.
Südländisches Temperament gefragt
Am Ende ist die spanische Offerte ein durchaus überlegenswertes Angebot. Man sieht an dem Exeo, was für ein Auto herauskommt, wenn nicht zu viele Kompromisse in Richtung Familientauglichkeit gemacht werden müssen. Sportlichkeit ist oberstes Gebot, was aber auch nicht bedeutet, dass das Auto unkomfortabel ist. Aber mit dem Sportfahrwerk ist es auch nichts für Sänftenliebhaber.
Der Preis macht den Exeo auch wirtschaftlich interessant. Und optisch sieht man dem Auto nicht an, dass hier ein A4 der letzten Generation druntersteckt. Wer also ein bisschen südländisches Temperament mitbringt und sportliches Fahren mag, ohne auf allen Nutzwert verzichten zu wollen, der sollte sich diesen Spanier mal ansehen.
Datenblatt | |
Abmessungen LxBxH | 4,66 / 1,77 / 1,43 Meter |
Leergewicht | 1.310 kg |
Sitzplätze | 5 |
Ladevolumen | 460 Liter |
Maximale Zuladung | 560 kg |
max. Anhängelast(ungebremst/gebremst) | bis 1200/ bis 1600 kg |
Motor | Reihen-Vierzylinder mit |
Antrieb und Getriebe | Frontantrieb, |
max. Leistung | 200 PS (147 kW) bei 5100 U/Min |
Kraftstoffart | Benzin |
Tankinhalt | 70 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 241 km/h |
max. Drehmoment | 280 Newtonmeter bei 1.800 U/Min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 7,3 Sekunden |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt) | 10,9/5,8/7,7 Liter |
CO2-Emissionen | 179 Gramm pro Kilometer |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | EURO 5 / Grün |
Grundpreis | 28.290 Euro |
