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Außer der Renault-Raute hat der Koleos kaum französische Züge in seinem Antlitz.
Außer der Renault-Raute hat der Koleos kaum französische Züge in seinem Antlitz.(Foto: n-tv.de/Busse)

Renault Koleos dCi 150 FAP 4x4: Ein Koreaner gibt sich französisch

von Axel F. Busse

Was hat der Renault Koleos, was andere Kompakt-SUV nicht haben? Ganz einfach: Technik aus Frankreich, Japan und Korea. Wie sich die europäisch-asiatische Koproduktion im Praxistest schlug, lesen Sie hier:

Gut, ein Bestseller sieht anders aus. Der verkauft pro Jahr in Deutschland rund 20 mal mehr Autos dieser Klasse und heißt VW Tiguan. Aber das Angebot des Marktführers mit dem eines Importeurs zu vergleichen, ist auch nicht ganz fair. Vielmehr hat der spät gestartete Koleos einen guten Job gemacht und hat Konkurrenten wie etwa Opel Antara, der ebenfalls in Südostasien zusammen geschraubt wird, in der Verkaufsstatistik klar hinter sich gelassen. Überholt hat er auch den Nissan X-Trail, mit dem sich das Auto die Plattform teilt.

Im Spätsommer ist der Renault Koleos mit leichten Retuschen an der Optik in die zweite Hälfte seines Lebenszyklus aufgebrochen und in der Kölner Zentrale des französischen Herstellers kann man sich über 2100 neu zugelassene Fahrzeuge in 2011 freuen. Nur die Ziele des Facelifts erscheinen nicht ganz plausibel, zeigte doch die erste Variante genau die Designelemente, die seit dem neuen Twingo als Merkmale des künftigen Markengesichts annonciert werden. Für diesen Test stand ein Modell dCi 150 FAP 4x4 mit Automatik zur Verfügung. Rund 30 Prozent der Koleos-Kunden entscheiden sich für diese Getriebevariante.

Cockpit vermeidet Reizüberflutung

An der weichen Linienführung, die als französischer Charme verstanden werden kann, ist außer der Renault-Raute wenig Typisches auszumachen. Der zunächst als Samsung QM5 konzipierte und verkaufte Pseudo-Franzose reiht sich ein in die Uniformität der Kompakt-SUV gleicher Herkunft, mögen Sie nun Ssang Yong, Hyundai oder Chevrolet heißen. Dass neuerdings ein erkennbarer Grill mit Chromveredelung die Front ziert, ist ein Gewinn, auch die schmaler geschnittenen Scheinwerfergläser wissen zu gefallen. Neu sind die in die Spiegelgehäuse eingelassenen LED-Leuchten, die Rückmeldung von einem gesetzten Blinker geben.

Das spartanische Cockpit bewahrt den Piloten vor einer Reizüberflutung.
Das spartanische Cockpit bewahrt den Piloten vor einer Reizüberflutung.(Foto: n-tv.de/Busse)

Hinter dem Lenkrad ist man vor Reizüberflutung weitgehend sicher. Die graue Cockpitgestaltung des Testwagens wurde durch die metallischen Einfassungen der Lüftungsdüsen nur unvollkomemn akzentuiert. Ohne visuelle Ablenkung fällt es leicht, sich auf die umfangreiche Ausstattung des Fahrzeugs zu konzentrieren. Mit einem Preis von mindestens 30.490 Euro gehört der Allrad-Diesel nicht gerade zu den Sonderangeboten, aber wer sich ansieht, was dafür alles mitgeliefert wird, dürfte die Forderung als gerechtfertigt ansehen. Ein Auszug:

17-Zoll-Leichmetallräder, Dachreling, Nebelscheinwerfer, Einparkhilfe hinten, Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Radio-CD-Kombination, TomTom-Navigationssystem, elektrische Außenspiegel sowie Fensterheber vorn und hinten, Tempomat und Isofix-Kindersitzbefestigung. Die 2500 Euro kostspieligere „Nigh&Day“-Ausstattungs-Variante ersetzt die Standard-Musikanlage durch ein Bose-System, bietet ferner ein Panorama-Glasschiebedach, 18-Zoll-Alus, Einparkhilfe vorn, Lederpolster, elektrisch einstellbaren Fahrersitz, beheizbare Vordersitze  sowie Metallic-Lackierung und getönte Seitenscheiben hinten. Das ist üppig und schwer zu toppen. Die eigenwillige Radio-Bedienung wird eingefleischte Renault-Fahrer schon lange nicht mehr aufregen und die Tatsache, dass nur die Heizung des Beifahrersitzes mit einer Kontroll-Lampe im Display verbunden ist, lässt sich verschmerzen.

Geteilte Klappe und ebene Ladefläche

Eine horizontal geteilte Heckklappe ist erfreulich, nicht nur weil man die bis 200 Kilogramm belastbare Plattform als Sitzgelegenheit nutzen kann. Doch keine Medaille ohne eine zweite Seite: Die innere Plastik-Verkleidung der unteren Hälfte ist kratzempfindlich. Gelungen ist die Entriegelung der Rücksitze mittels Hebel vom Heck aus. Es entsteht eine zwischen den Radkästen 1,07 Meter breite Ladefläche, deren Kante zwar 77 Zentimeter hoch, die dafür aber komplett eben ist. Das Schloss der oberen Klappenhälfte befindet sich in 1,81 Metern Höhe. Wird die Ladung hinter den Rücksitzen und unter der Kofferraumabdeckung verstaut, können 450 Liter Volumen genutzt werden, maximal stehen 1380 Liter zur Verfügung. Die Vielfalt der Verstau- und Ablegmöglichkeiten im Innenraum ist vorbildlich.

Die innere Plastik-Verkleidung an den Seiten des Kofferraumes ist sehr kratzempfindlich.
Die innere Plastik-Verkleidung an den Seiten des Kofferraumes ist sehr kratzempfindlich.(Foto: n-tv.de/Busse)

Neun von zehn Koleos-Kunden bestellten in der Vergangenheit ein Fahrzeug mit Dieselmotor: Im Rahmen der Modellpflege wurde das bekannte Zweiliter-Aggregat noch einmal optimiert. Laut Renault sprang dabei eine Verbrauchsreduzierung von vier Prozent heraus, so dass nach Norm nunmehr 7,1 Liter je 100 Kilometer zu Buche stehen. Ganz so genügsam war der Motor auf dieser Testfahrt nicht, jedoch sind 7,9 Liter (bei etwa drei Viertel Langstreckenanteil) ein respektable Praxiswert. Optimierungspotenzial offenbarte das Aggregat noch hinsichtlich der Geräusch-Emission. Selbst im Warmzustand war die akustische Verwandtschaft zu Erzeugnissen aus der Renault- und Nissan-Lkw-Sparte nicht zu leugnen, was zum Komfortniveau des Koleos nicht recht passen wollte.

Angenehmer Langstreckenkomfort

Das sechsstufige Automatikgetriebe ist etwas für Kunden, die auf spontane Temperamentsausbrüche verzichten können. Außer einer spürbaren Anfahrschwäche (für maximales Drehmoment werden 2000 Umdrehungen gebraucht) erfolgt auch das Zurückschalten etwa bei Steigungen oder kräftiger Gaszufuhr mit Verzögerung. Wird die Automatik nicht unter Stress gesetzt, harmoniert sie gut mit dem Motor und schaltet geschmeidig durch die Fahrstufen. Es bedarf schon einer besonderen Vorliebe für selbstständige Gangwechsel, um 1500 Euro Mehrkosten in Kauf zu nehmen. Damit nicht genug: Der Gewichtsunterschied von 54 Kilogramm zwischen Handschalter und Automatik-Version geht komplett zu Lasten der möglichen Zuladung (516 Kg), darüber hinaus wird der Halter wegen des um 20 Gramm höheren CO2-Ausstoßes auch bei der Kfz-Steuer stärker zur Kasse gebeten.

Auf langen Strecken bietet der Koleos einen erstaunlichen Fahrkomfort.
Auf langen Strecken bietet der Koleos einen erstaunlichen Fahrkomfort.(Foto: n-tv.de/Busse)

Der Fahrkomfort auf der Langstrecke gehört zu den positiven Erfahrungen dieses Praxistests. Lediglich bei kurzen Schlägen von Querfugen reagieren Federn und Dämpfer etwas irritiert, ansonsten wird alles weggefiltert, was der Reparaturstau auf deutschen Straßen an Überraschungen bereit hält. Das eher harmlos wirkende Auto entfaltet auch jenseits der Straße respektable Fähigkeiten. Der elektronisch gesteuerte Allradantrieb ist eine Weiterentwicklung dessen, was Nissan in seinem Modell X-Trail anbietet. Mittels Tastendruck kann die Kraftverteilung auf jeweils 50 Prozent pro Achse verriegelt werden. Damit beim Anfahren, egal auf welchem Untergrund, immer maximale Traktion erreicht wird, tritt dort der Allradantrieb in Aktion, auf trockenem Asphalt ist der Koleos als Fronttriebler unterwegs. Steile Böschungen und Rampen meistert das Auto ebenso souverän wie Huckelstrecken mit starker Verschränkung. Da knirscht und knarzt nichts, Berganfahrhilfe und Bergabfahrkontrolle vervollständigen die Geländeausrüstung.

Fazit: Im unübersichtlichen Terrain der kompakten SUV vermeidet der Renault Koleos allzu großes Aufsehen. Bescheiden reiht er sich ein in das gut zwei Dutzend Wettbewerber umfassende Starterfeld. Ein genauerer Blick lohnt sich jedoch, denn die Ausstattungsliste enthält viele Argumente, warum man sich um andere Angebote nicht weiter kümmern sollte. Auf die Getriebe-Automatik kann man getrost verzichten, das fehlende Start-Stopp-System ist ein kleiner Fleck auf der ansonsten reinen Weste.

 

DATENBLATTRenault Koleos dCi 150 FAP 4x4
Abmessungen4,52 / 1,86 / 1,70 m
Radstand2,69 m
Leergewicht (DIN)1784 kg
Sitzplätze5
Anhängelast gebremst/ungebremst3500/750 Kilogramm
Ladevolumen450 -1380 Liter
max. Zuladung516 kg
Motor/Hubraum4-Zyl. Diesel-Motor mit 1995 ccm
Getriebe6-Gang automatisch
Leistung110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
KraftstoffartDiesel
AntriebFront-/Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit177 km/h
max. Drehmoment320 Nm bei 2000 U/min
Tankinhalt65 l
Beschleunigung 0-100 km/h12,3 s
Normverbrauch (außerorts/ innerorts/ kombiniert)8,8 / 6,2 / 7,1 l
Testverbrauch7,9 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
186 g/km
Grundpreis28.990 Euro
Preis des Testwagens36.190 Euro

Quelle: n-tv.de

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