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Geliftet und mit neuem Motor: Jeep zeigt einen frischen Grand Cherokee für das Modelljahr 2011.
Geliftet und mit neuem Motor: Jeep zeigt einen frischen Grand Cherokee für das Modelljahr 2011.(Foto: Markus Mechnich)

Jeep Grand Cherokee V6 im Test: Ein schmucker Indianer

von Markus Mechnich

Der Jeep Grand Cherokee ist die erste Neuerscheinung von Chrysler unter der Regie von Fiat. Das Modell ist ein Veteran unter den Geländewagen. Der neue alte Indianer will es den Greenhorns aus "Old Europe" wieder zeigen. Wir haben ihm auf den Zahn gefühlt.

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Jeep ist eine Perle im Sortiment von Chrysler und sicher ein Argument für Sergio Marchionne gewesen, die Gelegenheit zum Einstieg beim US-Konzern 2009 zu nutzen. Der Fiat-Chef weiß ganz genau, dass die Marke exakt das bietet, was den Italienern im Sortiment fehlt. Geländewagen nämlich, SUVs von kernig, robust bis luxuriös und groß. Zu den letzteren gehört der Grand Cherokee, der sich bei uns im Praxistest bewähren musste.

Die große Version des Cherokee sollte 1983 eigentlich der Nachfolger des "normalen" Cherokee werden. Als "Jeep Concept 1" stand das Fahrzeug 1989 bereits auf diversen Messen. 1992 feierte er sein vielbeachtetes Debüt auf der Detroit Motor Show und war das erste Modell von Jeep unter der Ägide von Chrysler. Nun ist der Grand Cherokee die erste Chrysler-Neuerscheinung unter Führung von Fiat. Soweit die historische Analogie.

Glatt gezogen

So wie er vor uns steht, wirkt der Grand Cherokee wie frisch aus der Schönheits-OP gekommen. Die Front geliftet, die Haube glatt gezogen und die Wangen etwas eingefallen. Das sieht gut aus, modern. Und dennoch hat das Modell von seiner Wucht kaum etwas verloren. Auf 20-Zoll-Felgen, Reifen im 265er-Format und einer Bodenhöhe von knapp 22 Zentimetern macht er einen imponierenden Eindruck. Die Plattform kommt von der M-Klasse von Mercedes, und darauf baut auch der Grand Cherokee auf. Aber mit dem eher kantigen Stuttgarter hat er sonst kaum etwas gemeinsam. Er ist ein American Guy.

Mit Abmessungen von fast fünf Metern Länge spielt der Indianer in der Oberklasse.
Mit Abmessungen von fast fünf Metern Länge spielt der Indianer in der Oberklasse.(Foto: Markus Mechnich)

Die Fahrt geht los, bei richtig winterlichen Bedingungen machen wir uns auf den Weg zur Autobahn. 650 Kilometer Langstrecke stehen auf der Agenda. Wir haben den neuen V6-Motor unter der Haube. Der ist komplett neu entwickelt und produziert 286 Pferdestärken. Die machen die bald 2,3 Tonnen doch ordentlich flott. Der Jeep lässt sich in der Stadt agil bewegen, und auch zwischen 80 und 120 Stundenkilometern entwickelt der Indianer keine Trägheiten.

Fahren wie mit einer Limousine

In 9,1 Sekunden soll er die 100 Stundenkilometer erreichen und die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 206 km/h. Das wollen wir nicht unbedingt testen, aber zwischen auch zwischen 120 und 170 Kilometer pro Stunden lässt sich das Auto leicht behände bewegen. Mit einer direkten Lenkung und einem straffen Fahrwerk, auf europäische Bedürfnisse eingestellt, fährt sich dieser große Geländewagen fast wie eine Limousine. Lediglich die 5-Gang-Automatik überrascht ab und an mit ungewöhnlichen Schaltmanövern.

Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten kann der Jeep wirklich Gelände. Eine Bergabfahrkontrolle findet sich ebenso wie eine Geländeuntersetzung und Programme für steinigen Untergrund, Matsch und Schnee.
Im Gegensatz zu manchem Konkurrenten kann der Jeep wirklich Gelände. Eine Bergabfahrkontrolle findet sich ebenso wie eine Geländeuntersetzung und Programme für steinigen Untergrund, Matsch und Schnee.

Allerdings entwickelt der 3,6 Liter große Motor dann auch Durst. Die Lust auf Treibstoff, die wir messen, liegt bei 13,8 Liter. Das ist nicht ohne, auch bei flotter Fahrweise. in einem zweiten Turn mit mehr Stadtverkehr lagen wir gar über 14 Liter. Als nächste Disziplin wollen wir den reichlich vorhandenen Neuschnee durchfahren. Mit einem permanten Allradantrieb und 347 Newtonmeter Drehmoment entwickelt die Fahrt auf dem Feldweg einen hohen Spaßfaktor.

Der kann was im Gelände

Die Traktionskontrolle für die vier angetriebenen Räder ist ein hervorragender Helfer für den vereisten Untergrund. Auch Anstiege und  Bergabpassagen bereiten keine Unsicherheit. Mit einem Knopfdruck wir die Geländeuntersetzung (2,72:1) aktiviert. Damit ist auch bei schwierigen Abschnitten Bewegung garantiert. Mittels Drehknopf kann man zwischen felsigem Untergrund, Matsch oder Sand und eben Schnee wählen. Dementsprechend werden die Schaltpunkte des Getriebes, die Reaktion der elektronischen Traktionskontrolle und die Gaskennlinie verändert. Den Geländetest besteht der große Indianer jedenfalls mit Auszeichnung. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenzprodukten ist dieser Jeep ein echter Geländegänger.

Böschungswinkel von 31 Grad vorne und 26 Grad hinten sind beachtlich für ein Reise-SUV.
Böschungswinkel von 31 Grad vorne und 26 Grad hinten sind beachtlich für ein Reise-SUV.

Bleibt noch ein Blick auf die inneren Werte. Cockpit und Armaturenbrett sind mit Holzverkleidungen ausgestattet und wirken in Kombination mit dem Leder sehr hochwertig. Auch an der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Das Zusammenspiel der Materialien und die Funktionalität von Hebeln und Schaltern sind einwandfrei. Jeep hat gerade an diesem Punkt einen großen Qualitätssprung gemacht, der sich im Grand Cherokee widerspiegelt.

Spritkonsum zu hoch

Für 52.850 Euro ist das Modell mit dem V6-Motor zu haben. Damit liegt er schon eher am unteren Ende der Preisskala für große SUVs. Preislich richtig gut schlägt er sich aber, wenn man die reichlich vorhandene Ausstattung einrechnet. Navi, Allradtechnik, Holzapplikationen und Leder sind bereits inklusive. So gerechnet ist der Grand Cherokee im Vergleich zu SUVs deutscher Bauart dieser Größe fast ein Schnäppchen.

Der kräftige und durchzugsstarke Motor ist leider etwas durstig. Im Laufe des Jahres soll ein Diesel folgen.
Der kräftige und durchzugsstarke Motor ist leider etwas durstig. Im Laufe des Jahres soll ein Diesel folgen.(Foto: Noemi von Mallasz)

Ganz frei von Schwächen ist der Jeep nicht. Der V6-Motor ist zu durstig und die Wandler-Automatik mit ihren fünf Gängen nicht mehr ganz auf dem neusten Stand. Dafür kann der US-Boy bedenkenlos ins Gelände und bietet eine Menge für sein Geld. Und der Kultfaktor, mit einem echten Indianer unterwegs zu sein, bietet schließlich auch seinen Reiz.

Datenblatt

Jeep Grand Cherokee V6

Abmessungen LxBxH
4,82 / 1,94 / 1,78 m
Leergewicht
2266 kg
Sitzplätze
5
Motor
6-Zylinder Otto-Motor in V-Form
mit 3604 ccm Hubraum
Getriebe
5-Gang Automatik
Leistung
286 PS (210 kW) bei 6350 U/Min
Kraftstoffart
Benzin
Antrieb
Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit
206 km/h
max. Drehmoment
347 Nm bei 4300 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
 9,1 sek
Normverbrauch (Mittel/Innerorts/Außerorts)
11,4 l / 16,0 l / 8,8 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
265 g/km
Grundpreis
52.850 Euro

 

Video

Quelle: n-tv.de

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