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Die ebenso moderne wie gefällige Linienführung gehört zu den Pluspunkten des Kizashi, der ausnahmslos mit 18-Zoll-Alufelgen geliefert wird.
Die ebenso moderne wie gefällige Linienführung gehört zu den Pluspunkten des Kizashi, der ausnahmslos mit 18-Zoll-Alufelgen geliefert wird.(Foto: n-tv.de/Busse)

Suzuki Kizashi 2.4 CVT (4x4): Eine sinnvolle Ergänzung

von Axel F. Busse

Die Firma Suzuki bezeichnet sich selbst gern als "der japanische Kleinwagenspezialist". Kein Wunder also, dass ihre Präsenz in der Mittelklasse so gut wie unbekannt ist. Praxistest mit der Limousine Kizashi – zu Deutsch bedeutet das "Omen".

Eigentlich sollte es dieses Auto hierzulande gar nicht geben: Die Kompakt-Limousine Kizashi hatte Hersteller Suzuki eigentlich für US-Kunden konzipiert und gebaut. Doch das schmeckte den deutschen Suzuki-Händlern nicht. Sie setzten durch, dass der Viertürer auch bei uns ins Programm genommen wurde. Noch lieber hätten sie einen Kombi gehabt, aber die sind wiederum in Amerika nicht sonderlich beliebt.

Was die Händler – auf deren Konto ein Großteil der knapp 800 registrierten Neuzulassungen des vergangenen Jahres ging – zu dieser Initiative bewog, ist leicht nachvollziehbar. Wenn ihre Kunden der Kleinwagenphase entwachsen waren und auch kein SUV in Frage kam, wanderten sie gewöhnlich zu anderen Marken ab. Das zu verhindern ist primäre Aufgabe des Kizashi. Er könnte sie weit besser erfüllen, wenn die zur Verfügung stehenden Antriebsvarianten ein bisschen besser auf die Bedürfnisse deutscher Kunden abgestimmt wären.

Hoher Allradanteil in der Baureihe

Zwischen zwei Antriebs-Systemen können die Interessenten wählen: Frontantrieb mit 6-Gang-Handschaltung oder Allradantrieb mit stufenlosem CVT-Getriebe. Letztere stand für diesen Praxistest zur Verfügung. In beiden Fällen ist ein 2,4 Liter großer Vierzylinder-Benziner die Kraftquelle. Diesel? Fehlanzeige! Auch das hat seine Ursache in der an US-Vorlieben orientierten Vermarktungs-Strategie, denn Selbstzünder sind dort nicht sonderlich gefragt. Rund 43 Prozent der deutschen Kunden bestellten im vergangenen Jahr einen Kizashi mit Allradantrieb, womit der Anteil noch höher als im Markendurchschnitt lag.

Der Suzuki hat ein sportlich-freundliches Gesicht.
Der Suzuki hat ein sportlich-freundliches Gesicht.(Foto: n-tv.de/Busse)

Die ebenso moderne wie gefällige Linienführung gehört zu den Pluspunkten des Kizashi, der ausnahmslos mit 18-Zoll-Alufelgen geliefert wird und dessen zahlreiche Edelstahl-Applikationen dem Fahrzeug eine ebenso edle wie dynamische Optik verleihen. Oberhalb der Türschweller ist eine robuste Spange angebracht, auch die Lufteinlässe am Bug und die Auspuffblenden sind mit dem edlen Metall eingefasst und korrespondieren gut mit dem markanten Maschengrill. Die Xenonscheinwerfer (ebenfalls Serie) prägen das sportlich-freundliche Gesicht, die als Spoiler ausgeformte Kante am Kofferraumdeckel fördert den Abtrieb bei hohem Tempo.

Der erste Blick in den Innenraum zeigt eine einladende und gemütliche Atmosphäre, die durch Fortsetzung des Edelstahl-Themas Akzente von gehobener Qualität und Anmutung setzt. Die dunklen genarbten Oberflächen korrespondieren gut mit der Lederausstattung (auch die muss man nicht extra bestellen). Hier geht es offenkundig nicht um Effekthascherei, sondern um den Versuch, den Insassen durch ein hohes Komfort- und Funktionalitätsniveau Wohlfühlerlebnisse zu vermitteln.

Alles dran, alles drin

Die Ausstattung beim Suzuki Kizashi ist üppig.
Die Ausstattung beim Suzuki Kizashi ist üppig.(Foto: n-tv.de/Busse)

Wer sich umschaut, erkennt im Nu die Strategie, mit der Kunden für die Fahrzeug gewonnen werden sollen. Die lautet "Ausstattung". Noch ehe der erste Meter Probefahrt zurückgelegt ist, rechnet der potenzielle Käufer im Kopf zusammen, was er für den Basispreis von 26.990 Euro (Fronttriebler) alles mitgeliefert bekommt. Ein Auszug: schlüsselloses Zugangssystem, elektrische Fensterheber von und hinten, automatisch abblendenden Innenspiegel, Tempomat, Sitzheizung, Zweizonen-Klimaautomatik, Bordcomputer, CD-Radio mit MP3-Wiedergabe und Lenkradbedienung, Nebelscheinwerfer, Regensensor, Scheinwerferreinigungsanlage, akustische Parkhilfe vorn und hinten, Berganfahrhilfe sowie sieben Airbags und Isofix-Kindersitzbefestigung.

ABS, ESP und weitere Sicherheitseinrichtung werden an dieser Stelle – da selbstverständlich an Bord – gar nicht erst erwähnt. Die Liste der möglichen Extras ist dementsprechend kurz: Eine Metallic-Lackierung wird mit 490 Euro berechnet, das Navigationssystem von Pioneer gibt es als Zugehör für 1670 Euro.

Begeisterung entfacht der viel zu große Benziner (2,4 Liter) nicht.
Begeisterung entfacht der viel zu große Benziner (2,4 Liter) nicht.(Foto: n-tv.de/Busse)

Kleinere Auffälligkeiten leisteten sich in der Praxis nur der  Lichtsensor, der sich als nicht empfindlich genug für die Beleuchtungserfordernisse winterlichen Schmuddelwetters erwies, und die Sitzheizung. Die Wärmeverteilung auf Polstern und Flanken ist so ungleichmäßig, dass selbst nach fünf Minuten Betrieb noch Temperaturunterschiede von zehn Grad gemessen werden konnten. Die Schließautomatik für Türen bzw. Kofferraumklappe könnte auch eine Praxisüberprüfung vertragen, denn wer bei laufendem Motor schnell noch mal was auf dem Gepäckraum holen will, kriegt ihn von außen nicht auf. 

An der Praxis vorbei geschaltet

Das üppige Angebot dessen, was Bequemlichkeit und Sicherheit fördert, stimmt milde für das, was der Antrieb zu bieten hat. Der eigentlich viel zu große Benziner (2,4 Liter) ist mit einer Kraftübertragung kombiniert, die wohl in Asien ihre Freunde haben mag, mit der jedoch noch kein Hersteller, der sie in Deutschland im Programm hat, so richtig Begeisterung entfachen konnte. Das stufenlose CVT-Getriebe kann zwar sechs abgegrenzte Schaltschritte  simulieren, ist aber einer modernen Wandlerautomatik oder einem Direktschaltgetriebe alles andere als ebenbürtig.

Bei Start konnte sie mit sensibler Umsetzung des Gasbefehls und spontanem Vorwärtsdrang noch Sympathiepunkte sammeln. Später, wenn es fürs Überholen um schnelles Zurückschalten ging oder um Anpassung der Motordrehzahl an verminderte Leistungsanforderung, reagierte sie träge oder gar nicht, was je nach Fahrsituation mit Verzicht auf Beschleunigung oder nervigem Jaulen des Motors endete. Kein Zweifel: Ein mit sattem Drehmoment gesegneter Dieselmotor und ein gut abgestuftes manuelles Getriebe hätten da deutlich mehr Fahrspaß aufkommen lassen.

Nicht unerwähnt soll hier freilich bleiben, dass der Federungskomfort ausreichend, die Lenkung rückmeldungsfreudig und Übersichtlichkeit der Karosserie gegeben sind. Mit 68 Zentimetern Ladehöhe reicht der Ausschnitt der Gepäckabteils weit genug herunter und das Volumen ist mit mehr als 460 Litern reisefreundlich dimensioniert – auch wenn der direkte Konkurrent auf dem US-Markt, der VW Jetta, deutlich mehr hat. Per Knopfdruck kann der Fahrer von automatischer Kraftverteilung auf beide Achsen auch auf reinen Frontantrieb umschalten, was der Verbrauchsminderung auf trockenem Asphalt zugute kommt. Den Testzyklus schloss dieser Kizashi trotz großem Überland-Anteil mit 9,2 Litern pro 100 Kilometer ab. GPS-gemessene 198 km/h Höchstgeschwindigkeit lagen sieben Stundenkilometer unter dem versprochenen Top-Tempo.

Fazit: Sieht man einmal von der für den deutschen Markt etwas unhandlichen Motor-Getriebe-Kombination ab, so ist der Kizashi eine sinnvolle Ergänzung für das Suzuki-Modellangebot. Gefälliges Äußeres und ein vorbildliches Ausstattungsangebot machen Freude, das Komfortniveau verschafft ihm eine Sonderstellung im Angebot der Kompakt-Importe. Das moderne Allradsystem bringt Sicherheitsgewinn, ob der Wagen ein gutes Omen für die Zukunft der Marke in Deutschland ist, muss sich jedoch noch erweisen.

 

DATENBLATTSuzuki Kizashi 2.4 CVT 4x4
Abmessungen4,65 / 1,82 / 1,47 m
Radstand2,70 m
Leergewicht (DIN)1605 kg
Sitzplätze5
Anhängelast gebremst/ungebremst1700/720 Kilogramm
Ladevolumen461 Liter
max. Zuladung425 kg
Motor/Hubraum4-Zyl. Otto-Motor mit 2393 ccm
GetriebeStufenloses CVT-Getriebe
Leistung131 kW / 178 PS
KraftstoffartSuperbenzin
AntriebFront-/Allradantrieb
Höchstgeschwindigkeit205 km/h
max. Drehmoment230 Nm bei 4000 U/min
Tankinhalt63 l
Beschleunigung 0-100 km/h8,8 s
Normverbrauch (außerorts/ innerorts/ kombiniert)11,3 / 6,6 / 8,3 l
Testverbrauch9,1 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
191 g/km
Grundpreis29.990 Euro
Preis des Testwagens30.480 Euro

Quelle: n-tv.de

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