Seat Exeo ST 2.0 T FSI: Einer wie keiner
Der Exeo ST 2.0 T FSI ist ein Glücksfall für Seat: Die elegante Wiederbelebung des A4 ist ein sportlich ambitioniertes Familienauto - und der vielleicht beste Seat, den es je gab.
Eine ganz eigene Form von Recycling bietet VW-Tochter Seat mit dem Modell Exeo an. Limousine und Kombi werben als Wiedergeburt des vormaligen Audi A4 um Kunden. Die Form ist also bekannt und gefällig, die Motoren sind modern und leistungsstark. Praxistest mit dem Top-Kombi 2.0 T-FSI.
Eher als Sorgenkind wurde die spanische Marke Seat innerhalb der Volkswagen-Familie lange betrachtet. Der Versuch, sie sportlich und als Herausforderer von Alfa Romeo zu positionieren, scheiterte, auch von Verkauf war schon die Rede. Mit Autos wie dem Exeo dürften diese Ideen obsolet sein. Nur die eingefleischte Seat-Kundschaft muss noch merken, was da Interessantes auf sie zukommt, denn im Jahr 2009 schaffte der neue Mittelklässler von den mehr als 69.000 in Deutschland neu zugelassenen Seat nicht einmal fünf Prozent.
Bei der Runderneuerung der Ingolstädter Entwicklung mochten die Seat-Techniker auf ein paar Retuschen an der Front und an der Heckklappe nicht verzichten. Zwei Auspuffendrohre kennzeichnen das Spitzenmodell der Baureihe. Doch der Kern des Fünftürers bleibt unverkennbar. Noch deutlicher wird das im Innenraum, wo die Cockpit-Architektur, die Anordnung von Instrumenten und Bedienelementen entsprechend den Vorgaben der Audi-Baureihe B7 fast originalgetreu abgebildet wurde. Wer die optionale Armlehne am Fahrersitz bestellt, wird möglicherweise feststellen, dass sie meistens hochgeklappt ist, denn beim Durchziehen des Schalthebels in den 2.,4. und 6. Gang kann sie hinderlich sein.
Warum Bewährtes neu erfinden?
Die Proportionierung des Audi-Innenraums bedeutet natürlich, dass der Seat auch die Schwächen des A4 geerbt hat. So ist beispielsweise der Fußraum für die Passagiere auf der Rückbank bescheiden. Vorn bemühen sich lediglich die Lüftungsdüsen und das Lenkraddesign um Eigenständigkeit. Das kann man langweilig oder einfallslos finden, wirtschaftlich ist es raffiniert und einleuchtend. Man muss etwas Gutes und Bewährtes nicht neu erfinden, wenn man Entwicklungskosten sparen kann. Wer auf das große Innovationsfeuerwerk verzichtet, meidet auch die Gefahr, dass der Markt es ablehnt. Schönheitspreise gewinnt die Oberflächenanmutung nicht, aber die Flächen sind leicht zu säubern und die Verkleidungen passen haargenau, nichts knistert oder klappert.
Der Audi war sowieso zu schade für den Schrottplatz und durch die elegante Wiederbelebung wurde der wahrscheinlich beste Seat daraus, den es je gab. Es ist wie junger Wein in alten Schläuchen - es kommt darauf an, wie es schmeckt. Und der Exeo, zumal der ST mit dem 200 PS starken, aufgeladenen Direkteinspritzer, mundet vortrefflich. Der Testwagen war mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe ausgestattet, ohne weitere Extras verlangt Seat 29.690 Euro dafür. Der Wunsch nach automatischem Gangwechsel bringt bei diesem Modell einen Aufpreis von 1600 Euro mit sich und eine Multitronic-Schaltbox ins Auto.
Der Vierzylinder ist drehfreudig und durchzugsstark - ein modernes Triebwerk mit mäßigem Durst. Das Erfüllung der Euro5-Norm ist obligatorisch. Das maximale Drehmoment von 280 Newtonmetern steht ab 1800 Umdrehungen zur Verfügung, ab 2200 geht spürbar die Post ab. Die Geräuschentwicklung bleibt dabei zurückhaltend. Das Temperament fordert zu forscher Fahrweise heraus, so dass die werksseitig angegebenen 7,7 Liter Superbenzin je 100 Kilometer nur Seltenheitswert haben. Aber auch im Hochdrehzahlbereich, bei anhaltend freier Autobahn, zerstäubte die Direkteinspritzung nicht mehr als 11,4 Liter, so dass Leistungspotenzial und Tempozuschlag in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Im Testdurchschnitt waren es 9,6 Liter. Die Werkvorgabe von 235 km/h Höchstgeschwindigkeit (GPS-Messung) erfüllte der Testwagen bei dieser Gelegenheit willig und ohne mühsame Anlaufphase.
Ausreichend für die meisten Transportbedürfnisse
Der robuste Federungskomfort mag vielleicht nicht die Wünsche nach sänftenartiger Bequemlichkeit zufrieden stellen, passt jedoch zum dynamischen Gesamtauftritt des ST. Die Vierlenker-Einzelradaufhängung vorn sorgt für Stabilität und Spurtreue, die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung gibt gute Rückmeldung und die Antriebseinflüsse von immerhin 200 PS an der Vorderachse sind zu vernachlässigen. Hinten wurde ein Mehrlenker-System verwendet, das auf Trapezlenker aus Aluminium vertraut.
Wer einen Kombi bestellt, dem kommt es vor allem auf Vielseitigkeit an. Mit maximal 1345 Litern Gepäckvolumen werden bekanntlich keine Klassen-Vergleiche gewonnen, jedoch ist die Variabilität, die zwischen diesem Wert und den 442 Litern bei Ausnutzung der fünf Plätze liegt, für die meisten Transportbedürfnisse ausreichend. Vorteilhaft ist die Möglichkeit, durch Umlegen der Rücksitze eine völlig ebene Transportfläche zu erzeugen. Verzurrösen erleichtern die Fixierung des transportierten Gutes.
Vom hohen Sicherheitsniveau des Ursprungsautos macht der Seat keine Abstriche. ABS, ESP und Traktionskontrolle sind ebenso an Bord wie Rundum-Airbags, Isofix-Kindersitzbefestigungen, Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer. Ab der Ausstattungslinie Style wird ein hinterer Parksensor mitgeliefert. Der Testwagen war auch mit Seitenairbags hinten ausgestattet, für die der Hersteller einen moderaten Aufpreis von 260 Euro verlangt. Andere Extras, wie etwas eine Radio-Navigation, Leder-Ausstattung oder Bi-Xenon-Licht sind branchenüblich mit vierstelligen Aufpreisen zu bezahlen.
Fazit: Der zweite Frühling des Audi Avant ist einer wie keiner vorher und ein Glücksfall für Seat. Die treuen Kunden können sich mit moderatem Kostenaufwand in die solide Mittelklasse emporhangeln, die kostenbewussten Käufer von Importmodellen bekommen ein umetikettiertes deutsches Premiummodell. Die gefahrene Version des 2.0 T-FSI ist ein vielseitiges Familienauto mit sportlichen Ambitionen, mit dem man auf der Autobahn auch mal selbstbewusst die linke Spur halten kann, wenn zum Beispiel ein A4 oder Passat des Weges kommt.
Datenblatt | |
Abmessungen LxBxH | 4,66 x 1,77 x 1,43 Meter |
Leergewicht | 1490 Kilogramm |
Sitzplätze | 5 |
Ladevolumen | 442 - 1345 Liter |
Maximale Zuladung | 560 Kilogramm |
max. Anhängelast(ungebremst/gebremst) | 750/ 1400 Kilogramm |
Motor | 2-Liter- 4-Zyl-Reihenmotor |
Antrieb und Getriebe | 6-Gang manuell |
max. Leistung | 147 kW/ 200 PS bei 5100 U/min |
Kraftstoffart | Super Plus |
Tankinhalt | 65 Liter |
Höchstgeschwindigkeit | 235 km/h |
max. Drehmoment | 280 Nm bei 1 800 U/min |
Beschleunigung 0 - 100 km/h | 7,6 sek |
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)Testverbrauch |
|
CO2-Emissionen | 184 g/km |
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette | Euro 5 |
Grundpreis/Testwagenpreis | 29.690 Euro/38.745 Euro |
Quelle: n-tv.de

