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Auf der Straße ist der kleine Jeep ein unkompliziertes Reiseauto mit wirtschaftlichem Kraftstoffkonsum.
Auf der Straße ist der kleine Jeep ein unkompliziertes Reiseauto mit wirtschaftlichem Kraftstoffkonsum.(Foto: Textfabrik/Busse)

Praxistest mit dem Modell Patriot: Einstieg in die Jeep-Welt

Axel F. Busse

Rundliche Formen mögen durchaus ihre Liebhaber finden, doch nicht so, wenn es um Jeep geht. Nachdem das mäßig erfolgreiche Modell Compass aus dem Programm des amerikanischen Geländewagenherstellers gestrichen wurde, trägt nun der Patriot allein die Last, den Spagat zwischen Offroader und familientauglichem Kombi aushalten zu müssen. Wie er das macht, klärt der Praxistest mit dem 2.0 CRD Limited.

Mit knapp mehr als 4,40 Metern Länge ist man zwar nicht mit mehr Auto unterwegs als mit einem gut gebauten Kompakten, aber unter dem 1,66 Meter hohen Dach sitzt man entsprechend hoch über dem Straßenniveau und hat dank der kantigen Form eine gute Übersicht. Nicht nur durch die eckigen Radausschnitte, sondern auch durch die klar gegliederte Front mit den runden Scheinwerfern und der bulligen Bugschürze gibt sich der Patriot als kleiner Bruder der Modelle Commander und Grand Cherokee zu erkennen.

Abseits asphaltierter Wege gibt sich der Allradler keine Blöße. Ein Sperrdifferenzial gehört zur Grundausstattung.
Abseits asphaltierter Wege gibt sich der Allradler keine Blöße. Ein Sperrdifferenzial gehört zur Grundausstattung.(Foto: Textfabrik/Busse)

Die Bodenfreiheit weist das Fahrzeug eindeutig als Geländegänger aus, auch wenn nur die wenigstens der fast 350 in diesem Jahr neu in Deutschland zugelassenen Patrioten regelmäßig etwas anderes als Asphalt unter die Räder bekommen dürften. Das neue automatische Allradsystem macht das Auto im Normalfall zu einem Fronttriebler, der im Bedarfsfall Leistung auf die Hinterachse dazu steuert. Wenn's ganz dicke kommt, und da steht der Patriot seinen Hardcore-Markenbrüdern kaum nach, kann der Fahrer mittels manuellen Sperrdifferenzials auch für eine feste 50:50-Verteilung sorgen.

Lautsprecher für die Strandparty

Die fünftürige Karosserie bietet dank ihrer geraden Wände eine maximale Ausnutzung des Platzes und deshalb reichlich Bewegungsfreiheit auf allen Sitzen. Nur unter der Lenksäule gibt es ein paar sperrige Verkleidungen, an die man beim Pedalwechsel leicht stoßen kann. Dort herrscht Gewöhnungsbedarf. Der Zustieg ist bequem, die Beinfreiheit hinten ausreichend und auch für das Beladen des Gepäckabteils (500 bis 1370 Liter) ist die Kante nicht zu hoch. Im Praxistest bewährte er sich als unkompliziertes und transportfreudiges Reisemobil. Was man bei Jeep vergessen zu haben scheint ist, dass es auch Menschen gibt, die über 1,80 Meter groß sind. Denen ist empfohlen, sich mit Vorsicht der geöffneten Klappe zu nähern, denn sie schwingt nicht weit genug auf, dass überraschende Kopfnüsse ausgeschlossen wären. Versöhnlich erscheint da das Vorhandensein einer ausklappbaren Lautsprechereinheit, die den Patriot zum Soundblaster bei der Strandparty machen kann.

Die kantige Form ist Jeep-typisch und garantiert optimale Raumausnutzung im Innern.
Die kantige Form ist Jeep-typisch und garantiert optimale Raumausnutzung im Innern.(Foto: Textfabrik/Busse)

Der zwei Liter große Vierzylinder ist ein ausgereiftes Aggregat aus VW-Produktion, das auch in Modellen der Marken Chrysler und Dodge Verwendung findet. Bekanntlich sind die mit Pumpe-Düse-Gemischbereitung versehenen Motoren nicht so laufruhig wie die inzwischen weiter verbreiteten Common-Rail-Diesel. Die etwas ruppige Akustik dieses Motor nimmt aber mit steigender Betriebstemperatur ab und fällt auch sonst nicht weiter ins Gewicht, da es zum Charakter des rustikalen Naturburschen passt.

Ein wenig zu rustikal für die Freunde eines wohnlichen Ambientes geht es im Innenraum zu. Dort hat man sich nicht von dem allgegenwärtigen Hartplastik trennen können. Gern wird seitens des Herstellers argumentiert, dieses an Verkleidungen, Armaturenbrett und Konsole verwendete Material sei unverwüstlich und leicht zu reinigen. Das mag sein, doch wäre dieses Argument noch glaubhafter, wenn man die Ablagen mit herausnehmbaren Gummieinlagen versehen hätte – so wie es zum Beispiel Land Rover macht. Deren Einlagen von Mulden, Fächern und Flaschenhaltern lassen sich unter fließendem Wasser im Nu von Krümeln, Staub oder Schokoriegel-Resten befreien.

Erfreulich hohes Ausstattungsniveau

Ab ins Grüne: Dank der Bodenfreiheit von mehr als 20 Zentimetern kann man auch mal das Unterholz knacken lassen.
Ab ins Grüne: Dank der Bodenfreiheit von mehr als 20 Zentimetern kann man auch mal das Unterholz knacken lassen.(Foto: Textfabrik/Busse)

Die klassisch gestalteten Rundinstrumente sind mit Chromumrandung versehen und sehr übersichtlich. Lediglich das aus grünen Leuchtziffern bestehende Display für Verbrauch und andere Fahrdaten ist bei bestimmtem Lichteinfall kaum zu erkennen. Bei jedem Blick in den Innenspiegel wird der Fahrer daran erinnert, dass er sich in einem Geländewagen befindet, denn dort in ein kleines Kompassfenster die Himmelrichtung im Buchstabenmodus. Weitere Chrom-Akzente finden sich zum Beispiel an den jetzt runden Lüftungsdüsen und den Türinnenverkleidungen.

Was positiv auffällt, ist das hohe Ausstattungsniveau: In der Limited-Version sind serienmäßig ein CD/DVD-Player, elektrisches Glas-Schiebe/Hubdach (welches aber zu kleine Bedienungstasten hat), Lederlenkrad mit Audiobedienlementen, Nebelscheinwerfer, Reifendruckanzeige, Tempomat und vieles mehr den Alltag. Leider fehlt eine Einparkhilfe, die auch gegen Aufpreis nicht verfügbar, sondern nur über den Zubehörhandel erhältlich und nachrüstbar ist. Wünschenswert wäre auch eine Längsverstellung der Lenksäule.

Im Innern herrscht kühle Sachlichkeit, schlichte Plastikoberflächen dominieren das Cockpit.
Im Innern herrscht kühle Sachlichkeit, schlichte Plastikoberflächen dominieren das Cockpit.(Foto: Textfabrik/Busse)

Der 140 PS starke Dieselmotor ist mit einem gut abgestuften 6-Gang-Getriebe gekoppelt. Nur für den 2,4-Liter-Benziner mit Limited-Ausstattung ist ein Automatik-Getriebe verfügbar. Ab etwa 1600 Umdrehungen in der Minute erwacht das Temperament und bei 1750 ist das maximale Drehmoment von 310 Newtonmetern erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Jeep mit 189 km/h der Testwagen lag bei der GPS-Messung 3 km/h darunter, was zu vernachlässigen ist. Die 7,3 Liter Durchschnittsverbrauch im Praxistest gehen in Ordnung. Das sind 0,7 Liter mehr als bei EU-Normtest, wobei aber die Fahrzeuge bekanntlich weder beladen sind, noch Radio- oder Klimaanlage laufen. Mit 51 Litern ist der Tank leider sehr knapp bemessen, über eine höhere Reichweite würden sich Urlauber sicher freuen.

Fazit: Ein Jeep spricht zu allererst immer die Fangemeinde an. Doch der Patriot bietet als Einsteiger außer rustikalem Charme eine große Praxistauglichkeit als Alltagsauto. Mit Dieselmotor ist er ab 27.990 Euro zu haben, in Limited-Ausstattung sind es 2500 Euro mehr. Gut möglich, dass die Insolvenz der Markenmutter Chrysler den einen oder anderen potenziellen Kunden ins Grübeln gebracht hat, an Fiat liegt es nun, der stärksten Marke im Verbund neuen Schwung zu verleihen. An Zuversicht fehlt es nicht, dass Jeep sich so behauptet, wie es die Fahrzeuge im Gelände schon immer getan haben: Niemals kapitulieren.

Quelle: n-tv.de

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