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In Deutschland haben dieses Jahr 8 von 10 Käufern einen Diesel im M-Modell bestellt.
In Deutschland haben dieses Jahr 8 von 10 Käufern einen Diesel im M-Modell bestellt.(Foto: Axel F. Busse)

Infiniti fährt mit M30d auf: Exotic-Look für Business-Class

Von Axel F. Busse

Die Edel-Tochter von Nissan hat sich große Ziele gesetzt: Bis 2015 will Infiniti ein Zehntel des weltweiten Premium-Marktes erobern. Bis jetzt aber fahren Autos wie der M 30d in Deutschland unterhalb der Wahrnehmbarkeitsschwelle. Grund genug für einen Praxistest.

Darf’s vielleicht ein A6 sein? Oder ein Fünfer-BMW? Wer sich einen Dienstwagen aussuchen kann, wird selten vor die Wahl eines Infiniti gestellt. Aber in der Liga der Business-Limousinen sieht sich Nissans Edel-Division, die ihr Händlernetz in Deutschland jetzt massiv ausbauen will. Doch anders als bei Mercedes ist die M-Klasse von Infiniti kein Gelände-Kombi, sondern ein klassischer Viertürer mit veritablen Ausmaßen: In einer Normgarage kann es mit der 4,95-Meter-Schiff durchaus knapp werden.

Infiniti bietet das Modell auch mit Benzin und Hybrid-Motor an.
Infiniti bietet das Modell auch mit Benzin und Hybrid-Motor an.(Foto: Axel F. Busse)

Aktuell wird die Baureihe auf drei Antriebs-Varianten ausgebaut. Jede hat einen V6-Motor. Der Benziner schöpft aus 3,7 Litern Hubraum, der Diesel aus drei und der neue Hybrid wird einen 3,5 Liter-Motor bekommen. Für diesen Test war ein Diesel in "S-Premium"-Ausführung am Start, acht von zehn deutschen Kunden wählten dieses Jahr den Selbstzünder.

Ordentlich Platz im Fond                                 

Das traditionelle 3-Box-Desgin der Karosserie ist zart mit einer coupéhaften Welle garniert, die das Fahrzeug schlank und elegant macht. Selbstbewusst wirken die 20 Zoll großen Leichtmetallfelgen, für die der Hersteller keinen Aufpreis verlangt. Trotz der abfallenden Dachlinie herrscht hinten genug Platz für die Hochsteckfrisur der Dame des Hauses. Ein Radstand von 2,90 Metern ist standesgemäß und lässt genügend Beinfreiheit für die Fondpassagiere zu. Dass die Limousine genauso schnittig ist, wie sie aussieht, belegt der Luftwiderstandsbeiwert von 0,28. Das Gewicht ist mit 1845 kg eher am unteren Rand des im Segment üblichen angesiedelt.

Eine gediegene und wohnliche Atmosphäre umgibt den Fahrer, mit Extras wird nicht gegeizt.
Eine gediegene und wohnliche Atmosphäre umgibt den Fahrer, mit Extras wird nicht gegeizt.(Foto: Axel F. Busse)

Um zum Ein- und Aussteigen größtmögliche Bequemlichkeit zu gewährleisten, sind elektrische Lenksäulen- und Sitzverstellung so gesteuert, dass sie nach Ausschalten der Zündung in Ruhestellung gehen. Das zeugt vom Bemühen um bestmöglichen Komfort, kann aber auch nerven, wenn man wegen eines Alarmstarts zum Bahnhof oder Flughafen gefühlte Ewigkeiten verschenkt, bis die vorher eingestellte Sitzposition wieder hergestellt ist. Die Sessel verfügen über eine Heiz- und eine Kühlfunktion.

Die harmonische und geschmackvolle Innenarchitektur ist von zahlreichen Besonderheiten gekennzeichnet. So sind beispielsweise in die Rückenlehnen der Vordersitze Lautsprecher eingelassen, die nach oben abstrahlen. Elektrische Stellmotoren gibt es nicht nur für die Polsterfunktionen und die Jalousie an der Heckscheibe, sondern auch für die Aufwicklung der Sicherheitsgurte. All diese Helferlein arbeiten sehr dezent und fast geräuschlos. Leider ist der Spalt zwischen Sitzpolster und Türverkleidung recht schmal, so dass die Sitzeinstellung mitunter mühsam ist. Sie kann aber Programmiert und per Tastendruck abgerufen werden.

Behaglichkeit und schlecht platzierte Tasten

Geschmeidige Formgebung und edle Materialien im Innenraum.
Geschmeidige Formgebung und edle Materialien im Innenraum.(Foto: Axel F. Busse)

Als vergebene Chance zu noch mehr Bequemlichkeit präsentieren sich die Armlehnen, die zu beiden Seiten des Fahrers einen Höhenunterschied von ca. fünf Zentimetern aufweisen. Nicht ganz glücklich ist auch die Platzierung der Tasten für Spurhalte-Assistent und ESP. Sie sitzen weit unten links außerhalb des unmittelbaren Sichtfeldes des Fahrers. Die Langstreckentauglichkeit des Gestühls ist nicht zu bestreiten, schlimm, wenn es bei einer Reiselimousine wie dem M30d anders wäre. Insgesamt macht der Innenraum einen behaglichen und komfortablen Eindruck. Das zentrale Bedienfeld der Mittelkonsole ist großzügiger gestaltet und anders strukturiert als zum Beispiel bei der Ex- oder Fx-Baureihe. Die Gefahr von Fehlbedienungen ist deshalb beim M30d weitgehend ausgeschlossen.

Der drei Liter große Sechszylinder ist mit einer siebenstufigen Automatik verbunden, eine Konfiguration, die wie zum Beispiel auch in der Fx-Baureihe angeboten wird. So ist es keine Überraschung, dass auch die Limousine die Symptome zeigt, die das ansonsten sehr souveräne Fahrgefühl in Mitleidenschaft ziehen. Die angeblich lernfähige Automatik hat auch nach mehreren hundert Kilometern Testfahrt nicht verinnerlicht, dass es zum Beispiel in flottem Großstadt-Tempo und die 60 km/h sinnvoll und nützlich sein kann, in die vierte oder gar fünfte Stufe zu schalten. Manuell per Lenkradpaddel gegebene Schaltbefehle werde überdies ignoriert.

So kommt es, dass man unschlüssig hoch- oder wieder runtergeschaltet wird, oft zu hohe Drehzahlen anliegen, die zusätzlichen Spritverbrauch bedeuten. Nicht, dass der M30d sich als Schluckspecht gerierte. 8,3 Liter Testverbrauch liegen erträglich über dem Normwert von 7,5 Litern. Wäre nur die Automatik in der Lage, die Übersetzungen bedarfs- und anforderungsgerecht zu wählen, ließe sich der Verbrauch sicher noch weiter drücken. Immerhin gibt es einen Wahlschalter, der auch einen Eco-Modus erlaubt, wo frühzeitig die Gänge gewechselt werden und ein farbiges Signal effiziente Fahrweise signalisiert. Eine Start-Stopp-Automatik fehlt allerdings. Der 80 Liter-Tank sollte bei entsprechender Fahrweise für 1000 Kilometer reichen.

Status durch üppige Ausstattung

Der mit 238 PS Leistung gesegnete Motor bietet bis zu 550 Newtonmeter Drehmoment an, was einen druckvollen Beginn der Fahrt ermöglicht. Ab 3000 Umdrehungen hört man den Motor etwas lärmen, was jedoch mit zunehmender Betriebstemperatur nachlässt. Insgesamt ist der V6 ein genügsamer und unauffälliger Geselle, der kraftvoll zupackt und dabei mäßigen Appetit entwickelt. Den überzeugendsten Auftritt hat die Limousine als gemütlicher Cruiser, die zu herzhaften Zwischenspurts, zum Beispiel zum Überholen, fähig ist. Das energische Spurten ist ihr dagegen nicht so auf den Leib geschrieben. Zwar wird die Höchstgeschwindigkeit mit den schon aus Statusgründen wichtigen 250 km/h angegeben, der Testwagen konnte damit jedoch nicht aufwarten. Nach erheblichem Anlauf ging ihm bei (handgestoppten) 240 km/h die Puste aus.

Fraglos sind die Gelegenheiten, solches Tempo zu fahren, ohnehin beschränkt. Da lohnt es sich schon eher, den reichlich bemessenen Komfort zu genießen, den Infiniti seinen Produkten von Hause aus mitgibt. Ein M30d kostet in "S-Premium"-Ausführung 63.700 Euro. Das ist eine Stange Geld für ein Auto, das kaum einer kennt. Der hoch erscheinende Preis wird relativiert durch ein Ausstattungspaket, das so gut wie alles enthält, was Autofahren angenehm macht: Multimedia-Paket mit Festplattennavigation und DVD-Player, aktive Kopfstützen, Licht- und Regensensor, automatisch abblendbarer Rückspiegel, aktive Allradlenkung, Abstandstempomat und Tempobegrenzer, Bi-Xenonscheinwerfer und adaptives Kurvenlicht, schlüsselloses Zugangs- und Start-System, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, elektrisches Glasschiebedach, beheizbares Lenkrad, Lederbezüge sowie Ski-Durchreiche und Isofix-Kindersitzbefestigungen. Alles ist das noch nicht, aber die Liste zeigt, dass Infiniti sein All-Inklusive-Konzept ganz gezielt gegen die Aufpreispolitik der etablierten Marken einsetzt.

Fazit: In der gehobenen Mittelklasse kann Infiniti zweifellos mithalten, die umfangreiche Ausstattung kann mangelndes Marken-Prestige zum Teil ausgleichen. Leider werden die Modelle jedoch bis auf weiteres nicht die soliden Restwerte erreichen können, die einheimische Premiummarken erzielen. Deshalb kann ein M30d für Privatkunden die richtige Wahl sein, die ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und Business-Class-Komfort suchen. Die Markenziele ließen sich noch leichter erreichen, wenn es gelänge, die kleinen Schwächen der Antriebseinheit auszumerzen.

DATENBLATTInfiniti M30d
Abmessungen4,95/ 1,85/ 1,50 m
Radstand2,90 m
Leergewicht (DIN)1845 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen450 Liter
EmissionsklasseEU 5
Motor/HubraumV6-Zylinder Turbodiesel-Motor mit 2993 ccm Hubraum
Getriebeautomatisiertes Siebengang-Schaltgetriebe
Leistung238 PS (175 kW)
KraftstoffartDiesel
AntriebHinterradantrieb
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
max. Drehmoment550 Nm
Tankinhalt80 l
Beschleunigung 0-100 km/h6,9 s
Normverbrauch (kombiniert)7,5 l
Testverbrauch8,3 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
266 g/km
Grundpreis63.700,00 Euro
Preis des Testwagens64.350,00 Euro

Quelle: n-tv.de

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