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20 Millimeter mehr Bodenfreiheit und alle Komponenten, die ein SUV auszeichnen, schmücken auch den Hyundai i20 Active.
20 Millimeter mehr Bodenfreiheit und alle Komponenten, die ein SUV auszeichnen, schmücken auch den Hyundai i20 Active.(Foto: Holger Preiss)

Hyundai i20 Active im Praxistest: Flotter Dreiender mit Offroad-Charme

Von Holger Preiss

Wenn man in der Kleinwagenklasse antritt, dann muss man sich etwas einfallen lassen, um aufzufallen. Nicht, dass die Idee von Hyundai noch niemand gehabt hätte, aber die SUV-Optik des i20 Active macht was her. Auch beim n-tv.de-Praxistest.

Der Unterfahrschutz und die seitlichen Verplankungen lassen den Hyundai i20Active fast schon wuchtig dastehen.
Der Unterfahrschutz und die seitlichen Verplankungen lassen den Hyundai i20Active fast schon wuchtig dastehen.(Foto: Holger Preiss)

Nicht, dass es Hyundai an SUV fehlen würde. Die Koreaner haben den großen Santa Fe, dessen nächste Generation im kommenden Jahr zu begrüßen sein wird und sie haben den gerade erst vorgestellten Tucson, der den beliebten ix35 abgelöst hat. Wozu also einen i20 Active? Damit auch im unteren Segment ein SUV fährt? Vielleicht, aber ein richtiges SUV ist der aufgebockte i20 ja auch nicht. Dafür schmückt er sich mit den für derartige Fahrzeuge notwendigen Attributen: verplankte Radhäuser, angedeuteter Unterfahrschutz an Front und Heck, Tankdeckel in Metall-Optik, Pedalerie mit Alu-Auflage, mächtige Seitenschutzleisten, rustikaler Dachgepäckträger, wuchtige 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit 205er Decken und natürlich 20 Millimeter mehr Bodenfreiheit. Wie gesagt, das alles macht den kleinen Koreaner nicht zu einem Geländeläufer, aber zu einer in seinem Segment nicht alltäglichen Erscheinung.

Angetrieben wird der Test-Crossover im Übrigen durch einen bei Hyundai neu entwickelten Dreizylinder mit dem Kürzel 1.0 T-GDI, der im Test mit einer kleinen Einschränkung einen sehr ansprechenden Eindruck macht. Aus 998 Kubikzentimetern Hubraum schöpft der Winzling satte 120 PS. Die Kraft von 172 Newtonmeter wird über ein gut zu schaltendes Sechsganggetriebe an die Vorderräder verteilt. Für den flotten Ampelstart ist der erste Gang kurz übersetzt, frühes Schalten ist also Pflicht. Dafür ist aber auch in 10,4 Sekunden Tempo 100 erreicht und über einen sehr lang übersetzten sechsten Gang treibt man den 1,3 Tonnen schweren Koreaner dann sogar auf 183 km/h. Bei den richtigen Streckenverhältnissen ist auch Tempo 190 kein Problem. Wer jetzt im Autobahnverkehr geschmeidig mitschwimmen möchte, der muss nicht viel schalten, sondern kann getrost den sechsten Gang stehen lassen.

Überraschend durstig

Die farbigen Applikationen peppen das schlichte Interieur des Hyundai i20 Active auf.
Die farbigen Applikationen peppen das schlichte Interieur des Hyundai i20 Active auf.(Foto: Holger Preiss)

Nur wenn spontaner Vortrieb abgerufen wird, schaltet man besser gleich zwei Gänge runter und erfreut sich am kernigen Sound, der fast schon ein wenig Rennstreckenfeeling vermittelt. Nervig wird es nicht, denn tatsächlich schwingt sich das Triebwerk nur beim harten Tritt auf den Pin zu solchen tonalen Höhen auf. Vor der größeren Konkurrenz muss sich in diesem Hyundai auch keiner verstecken, denn mit Blick auf den Motor kann der aufgebockte i20 locker mithalten. Mithalten kann er leider auch beim Spritkonsum. Statt der im Datenblatt vermerkten 5,1 Liter schossen über 100 Kilometer satte 8,4 Liter Benzin durch die Schläuche. Aber selbst wenn Autobahnpassagen und Stadtverkehr hier die maßgebliche Grundlage für den Verbrauch legen, ist das im Vergleich mit den angegebenen 6,2 Litern im Drittelmix deutlich zu viel. Daran ändert auch die in der Ausstattung Style mitgelieferte Start-Stopp-Automatik nichts.

Wer den Verbrauch für sich eingeordnet hat, kann sich aber beim i20 Active über einige andere Sachen freuen. Im Gegensatz zu seinem reinen Stadtbruder dem i20 wurde er nämlich nicht nur bei der Lenkung deutlich straffer abgestimmt. Hatte man beim i20 noch das Gefühl, durch jede Kurve zu schwimmen, geht der "Offroader" mit wenig Seitenneigung und ordentlich Halt in die Kehre. Das feste Fahrwerk führt auch dazu, dass die Unebenheiten der Straße nicht in Wankbewegungen verwandelt, sondern durch schnelles Federn ausgefiltert werden. Lediglich bei fetten Querfugen kann es hier mal etwas durchschlagen, aber das ist an dieser Stelle nicht mal im Ansatz einer Kritik wert.

Üppige Ausstattung, gute Verarbeitung

Die Sitze im Hyundai i20 Active sind straff und haben ausgezeichnet ausgeformte Seitenwangen.
Die Sitze im Hyundai i20 Active sind straff und haben ausgezeichnet ausgeformte Seitenwangen.(Foto: Holger Preiss)

Ebensowenig wie die straffen Polster, deren Seitenwangen sich angenehm an den Latissimus des Fahrers schmiegen und ihn in fast jeder Situation im Gestühl halten. Das ist übrigens auf Wunsch zweifarbig bespannt und kooperiert mit den Rahmen der Luftausströmer und des Schalthebels sowie der Hinterlegung des Schaltknaufs. Es ist erstaunlich, wie diese kleinen Farbtupfer das gesamte Interieur aufwerten und die sonst recht schlichte, aber sehr funktionale Inneneinrichtung aufwerten. Blöd nur, dass die bunten Rahmen sich unangenehm in den Seitenspiegeln abzeichnen. Insgesamt darf aber angemerkt werden, dass es keine Stelle gibt, an denen die gewählten Materialien billig wirken oder aus schlichter Hartplastik sind. Überhaupt macht die Gesamtverarbeitung des Hyundai einen extrem guten Eindruck. Hier klappert nichts. Vielleicht auch das ein Grund, warum der Einstiegspreis in den i20 Active mit 17.000 Euro doch recht hoch ist. Der Testwagen bringt es gar auf 21.750 Euro. Eine Summe, die unweigerlich den Blick vom Kleinwagen- in das Kompaktsegment nach sich zieht.

Ausstattungstechnisch bekommt der Käufer für das Geld allerdings auch einiges geboten. Neben sechs Airbags gibt es Licht- und Regensensor, Parkpiepser vorn und hinten – wobei der vordere erst aktiv wird, wenn einmal der Rückwärtsgang eingelegt wurde – Spurhaltewarner, elektrisch anklappende und beheizbare Außenspiegel, verdunkelte Scheiben ab der B-Säule, USB und AUX-Anschluss im Ablagefach unter der Mittelkonsole, Tempomat, Lederlenkrad und einen automatisch abblendenden Rückspiegel. Damit ist eigentlich alles drin, was sonst über etliche Optionspakete zugekauft werden muss. Einzig das Navi fehlt noch. Wer das will, muss weitere 1200 Euro investieren. Dafür bekommt man dann aber auch einen 7 Zoll großen Touchscreen inklusive DAB + Radio, Rückfahrkamera und ein fünf Jahre gültiges Karten-Update sowie den Tom-Tom-Live-Service. Vorsicht ist allerdings bei den Geschwindigkeitsangaben geboten. Die generieren sich nämlich aus den Kartendaten und können Baustellen und andere Einschränkungen nicht berücksichtigen. Hier heißt es also: die Augen immer schön offen halten.

Mit 326 Litern liegt das Kofferraumvolumen des Hyundai i20 Active über dem Durchschnitt. Auf Wunsch wächst es - über eine kleine Kante - auf 1024 Liter.
Mit 326 Litern liegt das Kofferraumvolumen des Hyundai i20 Active über dem Durchschnitt. Auf Wunsch wächst es - über eine kleine Kante - auf 1024 Liter.

Offen zeigt sich der i20 Active auch für Zuladung. Mit 326 Litern Kofferraumvolumen gehört er in seinem Segment schon fast zu den Giganten. Legt man die Rücklehne der zweiten Reihe um, werden sogar 1042 Liter daraus. Menschen ab einer Körpergröße von über 1,85 Meter mögen im Fond nicht mehr so gerne Platz nehmen. Für sie scheint die Lehne zu steil, die Oberschenkelauflage zu kurz. Wer nicht so hoch aufschießt, der hält es auch mal eine längere Strecke aus und empfindet die Reise nicht als Platz auf der Strafbank.

Fazit: Der Hyundai i20 Active ist kein Schnäppchen. Dafür sieht er stylish aus, glänzt mit einer ausgezeichneten Verarbeitung und mit vielen Features, die sich in seiner Klasse gerade erst etablieren. Hinzu kommt ein straffes Fahrwerk und ein gelungenes Interieur. Auch der kleine Dreizylinder mit seinen 120 PS gehört in dieser Klasse zu den besseren Antrieben. Einzig sein Verbrauch - und das wiegt schwer - ist definitiv zu üppig. Aber hier bieten die Koreaner ja noch einige Optionen beim Antriebsstrang an.

DATENBLATTHyundai i20 Active 1.0 T-GDI
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,06/ 1,76/ 1,53 m
Radstand2,57 m
Leergewicht (DIN)1310 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen326 / 1042 Liter
MotorDreizylinder-Benziner mit 998 ccm Hubraum
Getriebe6-Ganggetriebe mechanisch
Systemleistung88 kW / 120 PS bei 6000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebFrontantrieb
Höchstgeschwindigkeit183 km/h
Tankvolumen56 Liter
max. Drehmoment172 Nm / bei 1500 - 4000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,2 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,5 / 6,2 / 5,1
Testverbrauch8,4 l
EffizienzklasseB / EU6
Grundpreis17.100 Euro
Preis des Testwagens21.750 Euro

Quelle: n-tv.de

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