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Das Spitzenmodell von Mazdas 3er-Reihe kommt nicht nur bärenstark, sondern auch mit viel Ausstattung daher.
Das Spitzenmodell von Mazdas 3er-Reihe kommt nicht nur bärenstark, sondern auch mit viel Ausstattung daher.(Foto: Textfabrik/Busse)

Mazda 3 mit Muskeln, Power und Sound: GTI war gestern

Axel F. Busse

Bei den Kompaktwagen definiert der Golf GTI den Standard. Auch der Mazda 3 muss sich an ihm messen lassen. Und der Test zeigt: Er hat das Potential zum Champion.

Die Lust zum Angriff steht im ins Gesicht geschrieben: Versteckte der erste Mazda 3 MPS seine geballte Kraft noch in einen unauffälligen Karosseriekleid, hat der Nachfolger schon optisch alle Zurückhaltung abgelegt. Hier rollt ein potenzieller Champion heran, lautet die Botschaft, die eine hungrig geöffnete Hauben-Hutze, fette Seitenschweller und ein enormer Heckflügel in Richtung Golf-Plätze bellen.

260 PS waren schon in der Erstausgabe mehr als genug und so konzentrierten sich die Mazda-Ingenieure bei der nächsten Generation nicht auf Leistungssteigerung, sondern auf die Verbesserung von Karosseriesteifigkeit, Fahrwerk, Getriebe und Motormanagement. Für Entwickler im Kompaktsegment scheint es immer eine besondere Herausforderung zu sein, in verschiedenen Disziplinen besser als der Standard zu sein – und der wird nun mal von Golf GTI definiert.

Um der Hinterachse mehr Anspressdruck zu geben, wurde ein großer Dachspoiler montiert.
Um der Hinterachse mehr Anspressdruck zu geben, wurde ein großer Dachspoiler montiert.(Foto: Textfabrik/Busse)

Was die Leistung des 2,3 Liter großen Mazda-Direkteinspritzers angeht, ist eigentlich eher der Golf R der Wettbewerber, der allerdings Allradantrieb besitzt. Dort herrschen nur zehn PS Unterschied (zugunsten des Volkswagens), während der Mazda satte 50 PS Vorsprung vor dem frontgetriebenen GTI hat. Auch die Fahrzeuglänge des Japan-Jägers weist durch stolze 4,51 Meter eher in die Mittelklasse als aufs Kompaktsegment.

Sensibel und voller Leichtigkeit

Was auf den ersten Kilometern auffällt, ist die ungeheure Feinfühligkeit des Gaspedals, der extrem kurze Kupplungsweg und die sensible Lenkung. Diese Faktoren vermitteln ein Fahrerlebnis von erstaunlicher Leichtigkeit. Die präzise Balance zwischen Gas- und Kupplungsstellung verlangt aber auch ein bisschen Gewöhnung, nur zu schnell jault der drehfreudige Vierzylinder unnötig auf oder der Vortrieb ist ganz einfach abgewürgt. Leichtfüßig geht es in die Kurven, das Auto hängt gierig am Gas, strahlt Spontaneität und Agilität aus. So soll sich sportliches Fahren in der 30.000-Euro-Klasse anfühlen.

Leichtmetallfelgen und fünf Türen gehören zur Standardausstattung.
Leichtmetallfelgen und fünf Türen gehören zur Standardausstattung.(Foto: Textfabrik/Busse)

Allerdings muss man bei aller erlebbarer Dynamik auch in Kauf nehmen, dass die Vorderachse mit der Umsetzung von 260 PS und maximal 380 Newtonmetern Drehmoment zuweilen an ihre Grenzen stößt. Zwar hat Mazda natürlich eine Traktionskontrolle installiert und auch eine mechanische Differenzialsperre, die dafür sorgen sollen, das Antriebsmoment möglichst verlustfrei an die Kontaktstelle zwischen Reifenprofil und Asphalt zu transportieren. Doch in der Lenkung ist schon zu spüren, welche Kräfte dort vorne vor dem Fahrer entfesselt werden.

Aggressive Frontoptik versteckt Ladeluftkühler

Bei der Neuordnung der Getriebeübersetzung der 6-Gang-Handschaltung wurden die ersten Gänge etwas länger ausgelegt, was zu einer Kraftstoffersparnis führen soll. Die fällt aber bescheiden aus, denn nur bei disziplinierter Fahrweise oder winterlichen Straßenverhältnissen – so wie in diesem Praxistest – kann damit gerechnet werden, dass die nach EU-Norm ermittelten Verbrauchswerte auch in der Realität erreicht werden. Der Hersteller gibt den Kombi-Wert mit 9,6 Liter je 100 Kilometer an, in diesem Test waren es 9,7. Doch wer dem Reiz von strammer Beschleunigung und röhrendem Sound ab 3000 Touren all zu oft erliegt, der wird wohl eher mit zwölf Litern rechnen müssen. Der Vergleich zum Golf in dieser Disziplin wird die Mazda-Ingenieure wohl noch weiter anspornen: Das R-Modell verbraucht nach EU-Norm nur 8,5 Liter/100 Kilometer.

Atmungsaktiv: der Ladeluftkühler dominiert das Bild des Motorraums. Kühle Luft gibt mehr Leistung.
Atmungsaktiv: der Ladeluftkühler dominiert das Bild des Motorraums. Kühle Luft gibt mehr Leistung.(Foto: Textfabrik/Busse)

Die Lufthutze auf der Motorhaube, sie macht die Frontoptik besonders aggressiv, ist kein Imponiergehabe: Darunter liegt der Ladeluftkühler, er ein wichtiges Instrument zur Leistungssteigerung. Bei verdichten im Turbolader erwärmt sich die Luft, aber wenn sie kühl ist, fördert es die Verbrennung, da sie reicher an Sauerstoff ist.

Bekanntlich wird der Turbolader vom Abgasstrom angetrieben wird, arbeitet er in Abhängigkeit zur Gaspedalstellung. Wie genau, das kann man im Cockpit verfolgen. Dort ist als Neuerung eine Ladedruckanzeige installiert, direkt zwischen den beiden Hauptinstrumenten. Dass sich der rote LED-Balken meist unterhalb der Marke von einem Bar bewegt, lässt darauf schließen, dass mit einer Erhöhung des Ladedrucks auch eine Leistung von deutlich mehr als 260 PS möglich wäre. Die würde dann aber wohl einen Allradantrieb erfordern. Das Hochdrehen des Vierzylinders wird von einem kernigen Sound begleitet, der gut zur sportlichen Optik passt.

Geschmackvolle Lichtkomposition

Das Interieur wird von schwarzen Flächen bestimmt, die an Lenkrad und Sitzen vom roten Nähten akzentuiert werden. Das transportiert den sportlichen Charakter in die Passagierkabine. Nachts umgibt die Insassen eine harmonische Lichtkomposition, die zum Beispiel beim Einstieg eine Abfolge verschiedener Helligkeitsstimmungen erzeugt oder beim Bedienen des zentralen Knopfes an der Mittelkonsole eingelassene Kontrastlichter kurz aufflammen lässt. Das alles ist ebenso funktionell wie geschmackvoll, nur das als Option erhältliche Navigationsgerät erzeugt nicht nur Freude. Es teilt sich den Monitor mit dem Bordcomputer, ist deshalb deutlich kleiner als fest eingebaute Geräte bei anderen Herstellern und deshalb nicht immer optimal ablesbar.

Sicher gut gemeint ist das serienmäßige Multi-Funktionslenkrad, das aber mit seinen 22 Funktionen verteilt auf 18 Tasten schlicht überfrachtet ist. Der MPS ist eine Fahrmaschine, bei der das Lenkrad vor allem zum Fahren gebraucht wird. Wenn, was der Motor dank seiner Elastizität hervorragend kann, mal gemütliches Cruisen im niedertourigen Bereich angesagt ist, könnte man zur Suche des gewünschten Senders ruhig auch mal die Hand vom Volant nehmen. Vorbildlich ist dagegen der Stauraum im so genannten Handschuhfach. Bei manchen Fabrikaten passt ja wirklich kaum mehr als ein Paar Handschuhe hinein, beim Mazda 3 ist hinter der Klappe ein auf zwei getrennte Fächer verteilter Ablageraum verborgen, in der außer den Handschuhen auch noch die Schals einer Großfamilie Platz fänden.

Der Bordcomputer zeigt's: Mit zurückhaltendem Gasfuß kommt man sogar dem EU-Normverbrauch nahe.
Der Bordcomputer zeigt's: Mit zurückhaltendem Gasfuß kommt man sogar dem EU-Normverbrauch nahe.(Foto: Textfabrik/Busse)

Nicht so geräumig ist es hinter den Vordersitzen. Da serienmäßig mit fünf Türen ausgestattet, möchte der Mazda 3 MPS gern als familientauglich wahrgenommen werden. Das gilt so lange, wie die Kinder den Schulwechsel noch vor sich haben. Finden sich die vorne Sitzenden bereit, auf ihre flache sportliche Sitzposition zu verzichten und etwas nach vorne zu rücken, können hinten auch Erwachsene längere Fahrten schadlos überstehen. 340 Liter Gepäckabteil hinter der umlegbaren Rückbank sind ein gesunder Mittelwert, er kann bis auf 1360 Liter erweitert werden.

Umfangreiche Ausstattung ab Werk

Imagepunkte sammelt der MPS nicht nur durch Fahrleistung, sondern auch durch Ausstattung: Für den Komplettpreis von 27.400 Euro sind ein CD-Radio mit MP3-Anschluss, Teilleder-Sportsitze, Alu-Pedalerie und Ziereinlagen, Licht- und Regensensor, der Tote-Winkel-Assistent und andere nützliche Dinge enthalten. Der fünftürige GTI kostet mit nicht annähernd so umfangreicher Ausstattung 27.615 Euro, der zweitürige Golf-R gar 36.400.

Bei anhaltendem Frost lernt man am Mazda den Nutzen der heizbaren Frontscheibe schätzen, deren Technik auf einem Ford-Patent basiert. Die haarfeinen, vertikal wellenförmig verlaufenden Heizdrähte sind mit dem bloßen Auge kaum wahrnehmbar, schaffen aber selbst bei hartnäckiger Vereisung binnen Minuten klaren Durchblick. Die umfangreiche Ausstattung verkürzt die Liste der aufpreispflichtigen Extras beträchtlich, dort stehen lediglich das Navigationssystem (720 Euro) und ein 2400 Euro teures Komfort-Paket, das aus Bose-Musikanlage, Bi-Xenon-Hauptscheinwerfern, Kurvenlicht und schlüssellosem Zugangssystem geschnürt ist.

Die charakteristische Lufthutze dient der Beatmung des 2,3-Liter-Turbomotors.
Die charakteristische Lufthutze dient der Beatmung des 2,3-Liter-Turbomotors.(Foto: Textfabrik/Busse)

Fazit: Das Modellkürzel kann man getrost mit Muskeln, Power und Sound übersetzen, denn dafür steht dieser Mazda. Es liegt nicht an den Herausforderern, dass der Golf unangefochtener Verkaufsspitzenreiter im Segment der sportlichen Kompakten bleiben wird, doch GTI war gestern. Autos wie der Mazda 3 MPS zeigen heute, dass es sich lohnt, die Konkurrenten etwas genauer anzusehen. Nicht nur bei den Fahrleistungen schlägt er den Klassenprimus, sondern auch in der Wertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Er hätte es verdient, dass sich mehr als die jährlich rund zwei Prozent der 3er-Kunden für ihn erwärmen.

 

Datenblatt

 
Abmessungen LxBxH
4,51 x 1,77 x 1,46 Meter
Leergewicht
1385 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
340 - 1360  Liter
Maximale Zuladung
540 kg
max. Anhängelast
(gebremst)
1600 kg
 
Motor
4-Zyl-Reihenmotor mit Turboaufladung
Antrieb und Getriebe
6-Gang  manuell
max. Leistung
260  PS bei 5500 U/min
Kraftstoffart
Super Plus
Tankinhalt
60 Liter
Höchstgeschwindigkeit
250 km/h  (abgeregelt)
max. Drehmoment
380 Nm bei  3000 U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
6,1 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Kombiniert)
Testverbrauch
13,2/7,5/9,6 Liter

9,7 Liter
CO2-Emissionen
224 g pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
Euro  5
Grundpreis
Testwagenpreis
27.400 Euro
30.520 Euro

 

 

 

Quelle: n-tv.de